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Ist mein Kind überfordert? Das kannst du bei einer Reizüberflutung tun

Zu viel Lärm, ein hoher Medienkonsum und ein voller Terminkalender: All die Eindrücke, denen Kinder täglich ausgesetzt sind, können sie schnell überreizen. Woran du erkennst, ob dein Kind überfordert ist, und wie du ihm helfen kannst, wenn mal alles zu viel wird, erfährst du hier.

So zeigt dir dein Kind, dass es gerade überfordert ist
So zeigt dir dein Kind, dass es gerade überfordert ist
© Pexels/ Ba Phi

Wie kommt es überhaupt zu einer Reizüberflutung?

Kinder machen jeden Tag neue Erfahrungen. Gleichzeitig müssen sie aber erst noch lernen, wie sie diese Eindrücke verarbeiten sollen. Kinder nehmen deshalb erst einmal alles auf: Die vielen Autos auf der Straße, die alle Lärm machen, die Nachrichtensprecherin im Radio und die kreischende Schwester im Nebenzimmer. Kinder sind mit all diesen Sinneseindrücken konfrontiert. Das kann überfordern – so kommt zu einer Reizüberflutung.

Wie erkenne ich, dass mein Kind überfordert ist?

Dass dein Kind gerade überfordert ist, macht sich oft zuerst körperlich bemerkbar. Dein Kind ist dann vielleicht auf einmal schlecht gelaunt, fängt an zu weinen, hat einen Wutanfall oder zieht sich ganz zurück. Um dann eine Reizüberflutung von normaler schlechter Laune zu unterscheiden, musst du dich mit dem aktuellen Umfeld deines Kindes auseinandersetzen. Ist dein Kind von vielen (neuen) lauten Geräuschen, bunten Bildern oder verschiedenen intensiven Gerüchen umgeben?

Wenn der Zustand über eine lange Zeit hinweg anhält, kann sich eine Reizüberflutung auch auf den Schlafrhythmus auswirken. Kinder haben dann oft Probleme, ein- oder durchzuschlafen. Außerdem kann es zu Konzentrationsproblemen sowie zu Unruhe kommenGerade bei hochsensiblen Kindern sind das typische Probleme. Hier solltest du noch viel konsequenter darauf achten, regelmäßig für entspannenden Ausgleich zu sorgen.

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Das kannst du tun, wenn deinem Kind mal alles zu viel wird

Wenn du das Gefühl hast, dass dein Kind gerade mit der aktuellen Situation überfordert ist, kannst du ein paar Dinge tun, um ihm mit der Reizverarbeitung zu helfen.

#1 Reduziere die Reize

Je nachdem, wo ihr gerade seid, solltest du Ruhe für dein Kind schaffen. Zuhause heißt das: Radio oder Fernseher aus und den Raum ein bisschen abdunkeln. So kann dein Kind ein bisschen zur Ruhe kommen. Wenn ihr unterwegs seid, geht das schlecht. Hier könntest du mit deinem Kind in eine ruhige Ecke gehen und hier einen Moment warten, bis dein Kind ruhiger ist.

#2 Schenke deinem Kind Nähe und Aufmerksamkeit

Wenn mal alles zu viel wird, tut es deinem Kind enorm gut, wenn du einfach da bist. Ein bisschen Kuscheln mit einer geliebten Person bewirkt manchmal kleine Wunder. Wenn du merkst, dass dein Kind gerade überfordert ist, kannst du ihm eine Geschichte erzählen, etwas vorlesen oder einfach dein Kind selbst etwas erzählen lassen. So ist es von den Außenreizen etwas abgelenkt.

#3 Macht ein kleines Nickerchen

Wenn mal absolut nichts helfen will, kann eine kurze Schlafpause die beste Lösung sein, wenn ihr gerade zuhause seid. Am besten ist auch hier, wenn der Schlafplatz deines Kindes ruhig und dunkel ist. Ein Einschlaflied oder eine Schlafmelodie können auch entspannend wirken – hier kommt es auf die Vorlieben deines Kindes an.

#4 Lenke dein Kind ab

Du kannst auch versuchen, dein Kind von den Reizen abzulenken, indem es sich auf einen bestimmten Reiz konzentriert. Das kann ein Lied sein, das du deinem Kind vorsingst. Oder ihr werdet zusammen kreativ und malt ein Bild. Auch eine Tasse heiße Schoki kann ablenken und zusätzlich noch entspannend wirken.

Du kennst dein Kind am besten und weißt, was es gerne macht. Probiere einfach verschiedene Dinge aus und schau, wie dein Kind am besten zur Ruhe kommt.

 #5 No-Go: Ablenkung vorm Fernseher oder Tablet

Was du in einer Überforderungs-Situation nicht tun solltest: dein Kind vor den Fernseher setzen. Vor dem Fernseher oder Tablet finden Kinder meistens keine Entspannung, sondern es kommen noch mehr Reize hinzu.

Vorbeugen: So hilfst du, dass seine Umwelt dein Kind nicht überfordert

Gib deinem Kind Zeit für sich selbst

„Momente der Stille sind extrem wichtig, in denen sich Kinder selbst aussuchen, worauf sie ihre Aufmerksamkeit richten“, erklärt Entwicklungspsychologin Sabina Pauen gegenüber Spiegel Online. Du solltest dein Kind also immer wieder selbst entscheiden lassen. Du kannst ihm gerne Motivation und Anreize geben, solltest es aber nie zu etwas drängen. In Momenten, in denen dein Kind allein sein will, verarbeitet es oft die Eindrücke des Tages. In dieser Zeit solltest du es nicht zu sozialen Interaktionen drängen. Natürlich sollte dein Kind sich gleichzeitig nicht abschotten. Hier gilt es, die richtige Balance zwischen neuen Eindrücken und Ruhezeiträumen zu finden.

Führe gewisse Routinen ein

Ein gemeinsames Abendessen oder das Zubettgehen, das jeden Tag gleich abläuft, kann deinem Kind sehr guttun. Dann muss es sich zum Beispiel nicht jeden Abend auf neue Abläufe einstellen und neue Entscheidungen treffen. Kleine Traditionen und Routinen können hier sehr hilfreich sein. Das bedeutet aber nicht, dass du einen vollen und strengen Terminplan erstellen solltest – das kann genau das Gegenteil bewirken.

Bringe deinem Kind Entspannungsmethoden bei

Dein Kind merkt meistens zuerst, wenn es zu viel wird. Bevor es zu einer Reizüberflutung kommt, kann dein Kind sich selbst durch bestimmte Methoden und Konzentrationsübungen entspannen. Hier kannst du deinem Kind helfen, die passende Methode zu finden. Beispiele sind Meditation, Yoga für Kinder oder Atemübungen.

Sucht ein Hobby, das dein Kind entspannt und entlastet

Vor allem kreative Tätigkeiten wirken oft sehr entspannend für Kinder. Aber auch Sport an der frischen Luft kann dein Kind entlasten. Du kannst zusammen mit deinem Kind eine Beschäftigung suchen, die ihm Spaß macht, und es gleichzeitig entspannt. Dein Kind sollte sich in dieser Zeit dann aber nur auf eine Tätigkeit konzentrieren. Also nicht ein Mandala malen während im Hintergrund der Fernseher läuft.

Gib deinem Kind Zeit, sich auf Veränderungen einzustellen

Veränderungen bedeuten oft viele neue Eindrücke für dein Kind. Ein Umzug oder ein Kindergartenwechsel kann da schnell überfordernd wirken. Deswegen solltest du dein sensibles Kind langsam auf die Veränderungen vorbereiten. Vor allem bei sogenannten hochsensiblen Kindern, die Reize noch stärker wahrnehmen, kann sogar eine kleine Veränderung eine starke Reaktion auslösen.