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Keuchhusten: Kinder zeigen erst keine typischen Symptome

Krampfartige Hustenanfälle und keuchendes Luftholen sind typische Anzeichen für Keuchhusten. Kinder sind dabei besonders betroffen. Alles über Ansteckung, Behandlung und Impfung, erfährst du hier.

Keuchhusten: Kinder zeigen  oft keine eindeutigen Symptome
Keuchhusten: Kinder zeigen oft keine eindeutigen Symptome
©Bigstock/Gajus

In diesem Artikel:

Keuchhusten: Kinder sind besonders betroffen

Keuchhusten (Pertussis) ist eine akute Infektion der Atemwege, die durch das Bakterium Bordetella pertussis ausgelöst wird. Dieser Erreger bildet Giftstoffe, die eine Schleimhautentzündung verursacht.

Keuchhusten beim Kind zählt nach wie vor weltweit zu einer der häufigsten Infektionskrankheiten bei Kindern. Laut dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte wurden 2018 in Deutschland 1.2827 Keuchhustenfälle gemeldet. Insbesondere sind dabei Säuglinge betroffen. 2016 starben vier Menschen an Keuchhusten, darunter drei Babys.

Das problematische beim Keuchhusten: Kinder zeigen oft keine eindeutigen Symptome, sind aber trotzdem hochansteckend.

Keuchhusten ist meldepflichtig

Seit dem März 2013 besteht gemäß §§ 6, 7 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) für Ärzte und Labore eine Meldepflicht für Keuchhusten oder deren Erregernachweise an die zuständigen Gesundheitsämter (wie auch Mumps, Röteln, und Windpocken).

Keuchhusten Kinder: Symptome schwer zu erkennen

Keuchhusten beim Kind verläuft typischerweise in drei Phasen. Hat sich dein Kind angesteckt, ist es sehr wahrscheinlich, dass man ihm das zunächst gar nicht anmerkt. Die Symptome sind in der ersten Phase noch untypisch, dass heißt das sie eher denen einer Erkältung ähneln. Erst später zeigen sich typische Keuchhusten-Symptome.

#1 Erkältungsphase (Stadium catarrhale)

Die Erkältungsphase beginnt ein bis zwei Wochen nach der Ansteckung. So zeigen bei Keuchhusten Kinder anfangs – wie der Name schon verrät – Anzeichen einer gewöhnlichen Erkältung. Also beispielsweise:

  • Schnupfen
  • gelegentlich leichter Husten und Heiserkeit
  • leichtes Fieber
  • gerötete Bindehäute
  • Halsschmerzen

Das Problem hier: Dein Kind ist bereits jetzt hochansteckend! Deswegen ist es wichtig erste Keuchhusten-Symptome richtig zu deuten.

#2 Anfallphase (Stadium convulsivum)

Währen der nächsten vier bis sechs Wochen kommt es zum charakteristischen krampfartigem Husten. Diese typischen, abgehackten Hustenattacken (Stakkato-Husten) treten vor allem nachts auf. Da sich die Kehlkopfmuskulatur verkrampft, atmen Kinder danach mit einem juchzenden Geräusch ein.

Ein Hustenanfall kann oft einige Minuten dauern und sich bis zu 50-mal am Tag wiederholen. Oft wird er begleitet von Erbrechen oder Auswürgen von zähem Schleim. Auch leiden beim Keuchhusten Kinder unter Appetitlosigkeit und können wegen der Hustenanfälle kaum oder gar nicht schlafen. Fieber ist in diesem Stadium untypisch.

Achtung: Babys zeigen oft keine charakteristischen Beschwerden, so dass bei ihnen Atemaussetzer als Hinweis für Keuchhusten gelten.

#3 Erholungsphase (Stadium decrementi)

Die letzte Phase dauert sechs bis zehn Wochen. In der Erholungsphase nehmen die Hustenattacken deines Kindes allmählich ab. Allerdings kann das Ausheilen der Krankheit bis zu drei Monate dauern.

Kann es beim Keuchhusten zu Komplikationen kommen?

Bei den teils heftigen Hustenanfällen kann es zur Atemnot kommen. Außerdem können durch den enormen Druck kleine Blutgefäße unter dem Augenweiß platzen. Manchmal kann es auch zu Nasenbluten oder sogar Leisten- oder Rippenbrüchen kommen.

Ernste Folgeerkrankungen sind beim Keuchhusten keine Seltenheit. Dazu gehören Lungen- und Mittelohrentzündungen. Nur in sehr seltenen Fällen ist eine Gehirnhautentzündung die Folge von Keuchhusten. Kinder bekommen als Folge Krämpfe und können sogar bewusstlos werden.

Als Spätfolgen des Keuchhustens sind allergische Erkrankungen oder Asthma bekannt.

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Keuchhusten Kind: Ansteckung und Übertragung

Keuchhusten wird durch eine Tröpfcheninfektion übertragen, also durch husten, niesen oder sprechen. Der Erreger befällt Nase, Rachen, Luftröhre, Lunge und reizt die Schleimhäute. Die Inkubationszeit, also der Zeitraum von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit, beträgt sieben bis 20 Tage. Die Ansteckungsfähigkeit beginnt am Ende der Inkubationszeit und dauert etwa fünf bis sechs Wochen.

Die Keuchhusten-Bakterien werden sehr leicht weitergegeben und „die Wahrscheinlichkeit, dass ein Erkrankter alle anderen ungeschützten Familienmitglieder ansteckt, liegt bei fast 100 Prozent“, warnt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf dem unabhängigen Informationsportal impfen-info.de.

In der Regel betrifft Keuchhusten Kinder, tritt aber auch bei ungeimpften  Erwachsenen auf. Für Babys kann eine Keuchhusten-Infektion lebensgefährlich sein. Säuglinge haben weder eigene Abwehrstoffe gegen Keuchhusten noch einen sogenannten Nestschutz (Antikörper, die vor der Geburt durch die Mutter vermittelt wird). Dadurch können sich Babys theoretisch ab dem ersten Lebenstag mit Keuchhusten anstecken.

Keuchhusten Kind: Diagnose und Behandlung

Falls dein Kind länger als eine Woche hustet, solltest du unbedingt einen Arzt aufsuchen – wegen der Ansteckungsgefahr aber vorher anrufen. Dein Baby zeigt erste Erkältungsanzeichen? Dann gehe gleich zum Arzt.

Die Diagnose erfolgt meistens anhand der beschriebenen Symptome. Sicher nachweisen können Keuchhusten Kinder- oder Jugendärzte durch einen Nasenabstrich. Er kann deinem Kind dann Antibiotika verschreiben. Dadurch wird der Verlauf der Krankheit oft leichter und dein Kind ist kürzer ansteckend. Zusätzlich können schleimlösende Medikamente zum Inhalieren verschrieben werden.

Aber: Aufgrund des komplexen Krankheitsverlaufs bei Keuchhusten wirkt Hustensaft hier meistens nicht.

Hat der Arzt bei deinem Baby Keuchhusten festgestellt, muss es stationär behandelt werden. Da Säuglinge den Schleim noch nicht selber aushusten können, muss dein Baby ins Krankenhaus eingeliefert werden. Dort wird der Schleim aus den Atemwegen abgesaugt, um eine Atemnot zu vermindern und die Erstickungsgefahr zu reduzieren. Zusätzlich wird es mit einem Atemmonitor überwacht.

Impfung gegen Keuchhusten schützt

Vor Keuchhusten kann man sich mit einer Impfung schützen. Die Immunität gegen diese Erreger besteht allerdings nicht lebenslang und so kann es auch Erwachsene treffen, die schon einmal Keuchhusten hatten. Regelmäßige Auffrischungsimpfungen sind also wichtig. Säuglinge haben keinen Nestschutz gegen die Erreger, daher gilt für den Schutz gegen Keuchhusten: Kinder schon im frühen Alter impfen lassen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts empfiehlt folgenden Impfplan:

  • Erste Keuchhusten-Impfung nach Vollendung des zweiten Lebensmonats
  • Zwei weitere Impfungen im Alter von drei und vier Monaten
  • Auffrischungsimpfung im Alter zwischen elf und 14 Monaten. Damit ist die so genannte Grundimmunisierung abgeschlossen
  • Auffrischung im Alter von fünf bis sechs Jahren mit einem Tdap-Kombinationsimpfstoff (Tetanus-Diphtherie-azelluläre Pertussis). Die letzte Tetanus/Diphtherie-Impfung sollte dabei mehr als fünf Jahre zurückliegen.
  • Nochmalige Auffrischung zwischen neun und 16 Jahren.

Bei der Keuchhusten-Impfung wird ein sogenannter Totimpfstoff verabreicht. Dieser enthält im Unterschied zum Lebendimpfstoff keine lebenden Bakterien, sondern einzelne Zellbestandteile der Bakterien. Diese sogenannten Antigene können dein Kind nicht krank machen. Sie regen lediglich das Immunsystem an, spezifische Antikörper zu bilden.

Mit der Grundimmunisierung gegen Keuchhusten werden Babys normalerweise mit einem Sechsfachimpfstoff geimpft. Bei dieser Impfung wird gleichzeitig auch gegen Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie, Polio (Kinderlähmung), Hib (Haemophilus influenzae Typ b) und Hepatitis B geimpft.

Hat die Keuchhusten-Impfung Nebenwirkungen?

In der Regel vertragen Kinder Keuchhusten-Impfungen gut. Sehr häufig kommt es durch die Anregung der körpereigenen Abwehr allerdings zu einer Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, die auch schmerzen kann.

Gelegentlich schwellen Lymphknoten in der Nähe ebenfalls an. Ebenso kann dein Kind Symptome wie beispielsweise Frösteln, Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Reizbarkeit oder Magen-Darm-Beschwerden zeigen. Hohes Fieber ab 39°C ist häufig, ebenso Infektionen der oberen Atemwege (Bronchitis).

Diese Nebenwirkungen klingen aber ein bis drei Tage nach der Impfung wieder ab.

Keuchhusten-Kind? Das kannst du selbst tun

Du hast nun ein Keuchhusten-Kind zuhause? Hier sind sechs Tipps, damit es ihm schnell wieder besser geht:

  1. Achte darauf, dass dein Kind genügend trinkt
  2. Heize das Kinderzimmer nicht – das trocknet die Schleimhäute aus. Ziehe dein Kind lieber wärmer an
  3. Auf Toben und Sport solltet ihr verzichten, aber Spaziergänge an der frischen Luft tun gut
  4. Inhalieren mit Meersalz kann die Beschwerden ein wenig lindern. Ein weiteres Hausmittel: Ein warmer Brustwickel mit Zitronensaft
  5. Achte darauf, dass dein Kind während der Hustenanfälle aufrecht mit leicht vorgebeugtem Kopf sitzt

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Quellen: 

  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (2019): Keuchhusten (Pertussis),
    https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/keuchhusten-pertussis/was-ist-keuchhusten-pertussis/, (letzter Zugriff: März 2019)
  • Keicher, Ursula (2016): Kinderkrankheiten: Alles, was wichtig ist. Gräfe Und Unzer, Seite 101 – 102
  • Robert Koch Institut (2017): Keuchhusten (Pertussis). RKI-Ratgeber,
    https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Pertussis.html, (letzter Zugriff: März 2019)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2018): Keuchhusten. Informationen über Krankheitserreger beim Menschen – Impfen schützt!,
    https://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/keuchhusten/, (letzter Zugriff: März 2019)