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Kind 2 Jahre: Alle Entwicklungsschritte im dritten Lebensjahr im Überblick

Wenn dein Kind 2 Jahre alt ist, beginnt eine aufregende, neue Phase in seinem Leben: Hier siehst du eine Übersicht über die Meilensteine in der Entwicklung von 2-Jährigen. Wenn du gerne wissen willst, was wann passiert, findest du hier außerdem ausführliche Informationen zu jedem einzelnen Lebensmonat.

Wenn dein Kind 2 Jahre alt ist, fängt es an, die Welt mit ganz neuen Augen zu sehen.
Wenn dein Kind 2 Jahre alt ist, fängt es an, die Welt mit ganz neuen Augen zu sehen.
© Unsplash / Kyle Nieber

Entwicklung: Kind 2 Jahre

Wenn dein Kind 2 Jahre alt ist, stehen viele große Entwicklungsschübe bevor. Hier findest du alle Infos zur Sprachentwicklung, der motorischen Entwicklung und einen großen Überblick über die Gefühlslage von Zweijährigen. Und hier findest du auch nochmal eine übersichtliche Checkliste zu den Entwicklungserwartungen von Kindern im dritten Lebensjahr zum Ausdrucken.

Sprechen und Verstehen

Wenn dein Kind 2 Jahre ist, macht es einen großen Wortschatzschub – oder auch nicht. In der U7-Untersuchung wird untersucht, ob dein Kind mindestens 50 Wörter sprechen kann. Doch die Sprach­therapeutin Dr. ­Elisabeth Wild­egger-Lack vom Deutschen Bundesverband der Sprachtherapeuten beruhigt im Interview mit der Onlineausgabe der Apotheken-Umschau: „Auch so etwas wie ‚didi‘, ‚wauwau‘ oder ‚bobo‘ ist ein Wort, wenn damit ein bestimmter Gegenstand oder eine Handlung gemeint ist.“ Außerdem würde fast jeder fünfte Zweijährige noch gar nicht sprechen und sie lernen die Sprache erst im Laufe des dritten Lebensjahres.

Laut denken und sprechen

Viele Kinder mit 2 Jahren fangen an, Wörter in Zwei-Wort-Sätzen zu kombinieren, also etwa „Mama Auto!“. Aber unterschätze dein Kind nicht, nur weil es noch nicht viel spricht! Kinder verstehen schon wesentlich mehr, als man denken würde! Laut dem Entwicklungs- und Frühpädagogen Prof. Dr. Dr. Hartmut Kasten werden erste Vier-Wort-Sätze mit circa 30 Monaten gebildet. In diesem Alter fangen viele Kinder mit etwas an, was Kasten „kollektive Monologe“ nennt: Kinder halten gerade in Gegenwart Gleichaltriger Monologe, lassen zwar andere Kinder auch zu Wort kommen, gehen dann aber nicht auf das Gesagte ein, sondern erzählen einfach weiter. Kasten vermutet, dass Kinder in solchen Situationen vorr allem mit sich selbst sprechen, um Handlungspläne zu organisieren. Später lernen sie, das auch leise, also in Gedanken zu tun.

Kind 2 Jahre: Tipp zur Sprachförderung

Dr. Wild­egger-Lack Tipp: Beim Vorlesen nicht nur die Wörter einfach runterlesen, sondern auch mit dem Kind über das Gelesene und die Bilder sprechen, um seine Grammatik zu trainieren. „Die direkte Kommunikation lässt sich durch nichts ersetzen. Nur durch Gespräche lernen Kinder Sprache.“ sagt die Sprach­therapeutin. Wenn du dir unsicher bist, ob dein Kind eventuell an einer Sprachentwicklungsstörung leiden könnte, solltest du deinen Kinderarzt zu Rate ziehen.

Motorik/ Bewegung

Wenn dein Kind 2 Jahre ist, entwickekt sich seine Motorik immer weiter. Die meisten Kinder können jetzt nicht nur laufen, hüpfen und rennen, sondern beherrschen jetzt auch immer speziellere Bewegungsmuster wie auf den Zehenspitzen laufen oder einen Deckel abschrauben. Diese neu erlernten Fähigkeiten geben vielen Zweijährigen ganz neues Selbstbewusstsein und so kommt im dritten Lebensjahr vor allem ein Entschluss bei ihnen auf: „Das kann ich schon alleine!“ Gib deinem Kind die Möglichkeit, diese Begeisterung über die neuen Fähigkeiten so oft wie möglich auszuleben.

Auch die Feinmotorik verbessert sich: Es kann jetzt mit einem Stift erste gezielte „Kunstwerke“ malen. Hat es früher noch vor allem großflächig gekritzelt, kann ein Kind mit zwei Jahren schon kleinere Flächeln und Kreise malen und diese verbinden. Auch präziesere Handgriffe wie etwa einen Knopf zu drehen oder kleinere Schalter zu bedienen fällt ihnen immer leichter. Vorsicht vor Herdknöpfen!

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Ich-Empfinden

Das Ich-Empfinden ist laut dem Entwicklungspsychologen Martin Pinquart eng mit der Sprachentwicklung verbunden, da Kinder durch Wörter und Begriffe eine bessere Vorstellung von Dingen bekommen, auch wenn sie gerade nicht anwesend sind. Das ist für Pinquart der Ausgangspunkt für Kinder, ein Gefühl für ihr eigenes Ich zu entwickeln, also sich selbst als Person wahrzunehmen. Prof. Dr. Dr. Hartmut Kasten betont außerdem die Bedeutung der „Autonomiephase“, die sich im dritten Lebensjahr vollzieht: Das Kind löst sich langsam aus der engen Beziehung zur Mutter und wird immer selbstständiger. Es entdeckt sein eigenes „Ich“, also welches Geschlecht oder Haarfarbe es hat, dass es Teil einer Umwelt ist und dass es einen eigenen Willen hat. „Das gehört mir!!“ wird also ein Satz sein, den du im nächsten Jahr andauernd hören wirst. Diese Phase endet meist im Laufe des vierten Lebensjahres.

Empathie

Wenn dein Kind 2 Jahre ist, fängt es außerdem an, mitzufühlen und Empathie zu zeigen. Die Kommunikationswissenschaftlerin Nadia Zaboura sagt dazu allerdings: „In diesem Alter [Anfang des dritten Lebensjahres] ist Empathie eine rein emotionale Angelegenheit, das heißt, die Kinder versetzen sich noch nicht verstandesmäßig in die Lage des anderen und denken auch noch nicht darüber nach, was sie an dessen Stelle fühlen würden oder was sie tun könnten, damit es ihm wieder besser geht. Eine solche rationale und kognitive Rollenübernahme ist frühestens gegen Ende des vierten Lebensjahres zu beobachten (…)“ Erst im Laufe des dritten Lebensjahres lernen Kinder zwischen eigenen Gefühlen und den anderer Personen zu unterscheiden.

Gefühle im dritten Lebensjahr

Wenn dein Kind 2 Jahre ist, geht es durch viele neue Gefühlswelten. So kannst du dein Kind besser verstehen und es in dieser anstrengenden Zeit unterstützen:

Selbstständigkeit

Kinder im dritten Lebensjahr gehen durch ein Wechselbad der Gefühle: Sie wollen die neu gewonnene Selbstständigkeit aufs Ganze ausleben, sehnen sich aber gleichzeitig noch nach Sicherheit und Nähe. Viele Eltern sind völlig verwundert, wie stark die Gefühlsschwankungen ihres Kindes sind: Erst spielt es friedlich auf dem Boden, dann beutelt ihn ein filmreifer Wutanfall und es ist kaum zu beruhigen. Aber sei beruhigt: Das ist ganz normal. Oft sind die Kleinen frustriert, weil etwas noch nicht so klappt, wie sie sich das vorstellen. Hab daher viel Verständnis für dein Kind und versichere ihm immer wieder, dass das das schon eines Tages klappen wird.

Ängste

Die neue Selbstständigkeit bringt auch neue und alte Ängste in deinem Kind herauf. Gib ihm Sicherheit, indem du diese Ängste nicht runterspielst oder Sätze sagst wie „Du bist doch aber schon zu alt, um davor Angst zu haben!“. Auch Trennungsängste können ein großer Stressfaktor für Kinder im dritten Lebensjahr sein, vor allem wenn eine Krippen- oder KiTa-Eingewöhnung ansteht. Die Diplom Pädagoginnen Katja Braukhane und Janina Knobeloch raten Eltern dazu, diese Übergangszeit niidviduell auf ihr Kind abzustimmen und ihm die Zeit zu geben, die es braucht, um sich an die neuen Betreuer und Kinder zu gewöhnen. Laut Braukhane und Knobeloch kann diese Zeit mehrere Wochen und sogar Monate dauern.

Kind 2 Jahre: Trotzphase auf dem Höhepunkt!

Die Wut- oder Trotzphase ist mit Beginn des dritten Lebensjahres in vollem Gange. Wie du dich in der Trotzphase am besten verhältst und wie du deinem Kind durch diese anstrengende Zeit bringen kannst, liest du hier.

Kind 2 Jahre: Unterschiedliche Entwicklungen

Die Entwicklung jedes Kindes ist individuell. Wenngleich sie auch vorhersehbare generelle Entwicklungsschritte durchlaufen, so kann es doch sein, dass sie dies auf andere Art durchlaufen, zum Beispiel in anderer Reihenfolge oder zu einem anderen Zeitpunkt. Zudem ist die Entwicklung von Kindern durch andere Faktoren beeinflusst, wie zum Beispiel ihrem persönlichen Umfeld oder Erfahrungen.

Dieser Artikel beschreibt die allgemeinen Erwartungen an die Entwicklung eines Kindes vom 25 bis 36 Monat. Beim Lesen dieses Artikels behalte bitte im Hinterkopf, dass dein Kind in seiner Entwicklung einzigartig ist. Betrachte unsere Erklärungen und Auflistungen daher mit Blick auf die persönlichen Entwicklung deines Kindes.


Quellen:

  • Prof. Dr. Dr. Hartmut Kasten: Entwicklungspsychologische Grundlagen der frühen KIndheit und frühpädagogische Konsequenzen. In: KiTa Fachtexte. https://www.kita-fachtexte.de/de/fachtexte-finden/entwicklungspsychologische-grundlagen-der-fruehen-kindheit-und-fruehpaedagogische-konsequenzen (letzter Zugriff: Mai 2019)
  • Pinquart, M. Schwarzer, G. & Zimmermann, P. (2011): Entwicklungspsychologie – Kindes- und
    Jugendalter. Göttingen: Hogrefe.
  • Braukhane, K. & Knobeloch, J. (2013): Das Berliner Eingewöhnungsmodell. Theoretische
    Grundlagen und praktische Umsetzung. KitaFachtexte, ASH: Berlin.
  • Zaboura, N. (2008): Das empathische Gehirn: Spiegelneurone als Grundlage menschlicher
    Kommunikation. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
  • Bieber, M. (2014): Die vorsprachliche Kommunikation im ersten Lebensjahr.
  • Bundezentrale für gesundheitliche Aufklärung: U7-Untersuchung – 21. bis 24. Lebensmonat In: kindergesundheit-info. https://www.kindergesundheit-info.de/themen/entwicklung/frueherkennung-u1-u9-und-j1/untersuchungen-u1-bis-u9/u7-untersuchung/ (letzter Zugriff: Oktober 2018)
  • Baby & Familie (Apotheken Umschau) „Müssen Zweijährige 50 Wörter können?“ (letzter Zugriff: Oktober 2018)