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Mein Kind schreibt spiegelverkehrt – Gründe und Mythen aufgedeckt

vonSarah Diedenhoven

Dein Kind schreibt spiegelverkehrt? Kein Grund zur Sorge! Wir haben die gängigen Mythen für dich aufgedeckt. Der Grund für die Spiegelschrift ist harmloser als du denkst.

vonSarah Diedenhoven
©Unsplash / April Walker

Dein Kind schreibt spiegelverkehrt: Das ist ganz normal!

Wenn du dir Sorgen machst, warum dein Kind einzelne Buchstaben, Zahlen oder seinen Namen spiegelverkehrt schreibt, können wir dich beruhigen: Das ist ganz normal! Genauso wie das Wort auf der rechten Seite des Blattes zu beginnen.

Jean-Paul Fischer von der Université de Lorraine in Nancy erklärt:

„Dieses Phänomen ist eine normale Phase im Schreiblernprozess und hat nichts mit Konzentrationsproblemen zu tun“

Ob ein Buchstabe oder eine Zahl verkehrt herum geschrieben wird, hat nichts mit mangelnder Konzentration zu tun. Genauso fanden die Forscher rund um Jean-Paul Fischer keinen Zusammenhang zu schlechten schulischen Leistungen bei Kindern die spiegelverkehrt schreiben.

Warum schreibt mein Kind spiegelverkehrt: Schreiben ist Gehirnsache

Forscher haben herausgefunden, dass bei dem Erkennen von Buchstaben und Zahlen, die gleichen Gehirnareale aktiv werden wie bei dem Erkennen wilder Tiere. Lernt ein Kind lesen und schreiben, dann arbeitet ebenfalls das evolutionäre, alte Wahrnehmungsareal im Gehirn.

Evolutionär gesehen war es wichtiger, das Tier als solches zu erkennen, als ob es von rechts oder links kommt.

Unsere Wahrnehmung ist also in erster Linie darauf ausgelegt, Buchstaben zu erkennen, nicht sie zu interpretieren.

Der Buchstabe wird also zunächst als Form gesehen. Um ihn zu verarbeiten, kommt die linke Hirnhälfte ins Spiel, genauer ein Areal auf Höhe der Schläfe. Dieses ist dafür zuständig Dinge, Formen und Gesichter zu erkennen und zu deuten.

Wenn du an die Buchstaben p und q oder d und b denkst wird schnell klar, warum dies so schwierig ist: Die Form ist die Gleiche.

Solange der Prozess des Lesen- und Schreiben-Lernens noch nicht abgeschlossen ist, entscheidet der Zufall darüber, ob der Buchstabe oder die Zahl spiegelverkehrt geschrieben wird oder nicht.

Tatsächlich liegt die Wahrscheinlichkeit bei 50 Prozent, dass dein Kind seinen Namen zwar richtig, aber spiegelverkehrt schreibt. Ob das Kind links- oder Rechtshänder ist, spielt dabei keine Rolle.

Mythos Linkshänder

Ein weit verbreiteter Mythos: Ein Kind schreibt spiegelverkehrt, wenn es ein unentdeckter Linkshänder oder zum Rechtshänder umerzogen ist. Das ist falsch.

Diese Aussage wurde von Forschern widerlegt, die keinen Unterschied zwischen Rechts- und Linkshändern erkennen konnten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind spiegelverkehrt schreibt, ist bei beiden gleich hoch.

Mythos Legasthenie

Wenn ein Kind spiegelverkehrt schreibt, ist das noch lange kein Hinweis auf eine Legasthenie oder Dyslexie, also eine Lese-Rechtschreib-Schwäche. Diese Vermutungen gehören der Vergangenheit an.

Fischer erklärt:

„Die Spiegelschrift fünf- bis sechsjähriger Kinder entspricht einer normalen Phase beim Erwerb der Schreibkompetenz und kündigt keineswegs eine Dyslexie an.“

Etwa mit sieben Jahren haben die meisten Kinder die bei uns übliche Schreibrichtung verinnerlicht und Sicherheit im Umgang mit Zahlen und Buchstaben gewonnen.

Mein Kind schreibt spiegelverkehrt: Wie kann ich helfen?

Um dein Kind im Lernprozess zu fördern, kannst du den Punkt markieren, an dem das Wort beginnen soll oder ein Poster mit dem Alphabet aufhängen. Dann hat dein Kind eine Vorlage, an der es sich orientieren kann.

Du kannst auch mit deinem Kind, das Geschriebene noch einmal durchgehen und anbieten die spiegelverkehrten Buchstaben aufzuzeigen. Dein Kind wird von alleine wissen wollen, wie der Buchstabe richtig geschrieben wird.

Du solltest dir und deinem Kind nicht zu viel Stress machen. Wenn dein Kind auch nach dem Lesen- und Schreiben-lernen noch spiegelverkehrt schreibt, kannst du deinen Kinderarzt um Rat fragen.

Die Lehrer und Erzieher deines Kindes werden dich ebenfalls darauf hinweisen, wenn es Handlungsbedarf geben sollte.

Quellen

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