Wenn Kinder zu Influencern werden: Kinderhilfswerk warnt davor

Wenn Kinder zu Influencern werden

Tausende Abonnenten beobachten wie die Kinder quasi im Netz aufwachsen und kommentieren den Alltag der Eltern-Blogger – und ihren Kindern. Das Deutsche Kinderhilfswerk sieht hier ein immer größer werdendes Problem.

Frau und Kind machen ein Foto
Wenn die Kamera immer dabei ist... ©Unsplash/Duangphorn Wiriya

Mama, Papa, Kind – und die Kamera

Elternblogs -und Social-Media-Kanäle sind nichts Neues und gibt es wie Sand am Meer. Einige achten – durch Verpixelung oder einem cleveren Winkel beim Fotografieren – darauf, dass ihre Kinder nicht zu erkennen sind. Andere nicht.

Ob Geburtstag, Strandurlaub oder das alltägliche Frühstück: Alles wird festgehalten und öffentlich gemacht. Hier werden die Kinder keineswegs versteckt, sondern selbst zu Influencern. Unternehmen sind auch schon längst auf diesen Trend aufmerksam geworden und nutzen die sozialen Medien gerne für Werbezwecke, wie zum Beispiel für Produktplatzierungen. So bewerten Sechsjährige auf YouTube Spielzeug oder Apps. Zehnjährige geben auf Snapchat Einblicke in ihre Freizeitaktivitäten und Vierzehnjährige geben auf Instagram Schminktipps.

Das neue Phänomen Kinder-Influencer

Auf YouTube gibt es immer mehr Formate, in denen Kinder Produkte empfehlen und/oder persönliche Einblicke ihres Privatlebens in Form von Vlogs mit ihren Zuschauern teilen. In Deutschland ist aktuell die achtjährige Miley der größte Kinder-YouTube-Star. Ihr Kanal „Miley’s Welt“ hat bereits über eine halbe Million Abonnenten (Stand Oktober 2018). Als Influencerin hilft sie bei der Vermarktung von Bibi Blocksberg und erscheint als Werbegesicht auf deren Website.

Video-Empfehlung

Es geht aber noch eine Nummer größer. In den USA gehört Ryan mit seinem Kanal „Ryan ToysReview“ zu den bestbezahlten YouTubern. Der sechsjährige hat bereits über 16 Millionen (Stand Oktober 2018) Abonnenten und mittlerweile hat er eine eigene Spielzeug-Reihe, die insgesamt 15 verschiedene Spielzeuge umfasst.

Kinder-Influencer: Es gibt keinerlei Auflagen

Das Deutsche Kinderhilfswerk sieht hier ein immer größer werdendes Problem. „Da geht es um Persönlichkeitsrechte, Privatsphäre und die Instrumentalisierung von Kindern“, so Luise Meergans, Bereichsleiterin für Kinderrechte und Bildung, gegenüber der Onlineausgabe der „Süddeutschen Zeitung“.

Deswegen wünscht sie sich mehr Kontrollinstanzen – und mehr Verantwortungsgefühl der Eltern. Auch wenn es Eltern hier gut mit ihren Kindern meinen, könne der Schutzgedanke manchmal doch zu kurz kommen. Dabei gehe es nicht allein um Filmaufnahmen im Badeanzug oder beim Aufwachen. „Die Länge und Häufigkeit mancher Auftritte ist schon eine Form von Kinderarbeit.“, so Meergans. Allerdings gelten für Kinderschauspieler sehr strenge Regeln, wenn Mama oder Papa hinter der Kamera stehen, gibt es keinerlei Auflagen.