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Bevor du deine Kinder eine Tauchermaske tragen lässt, solltest du diese Geschichte lesen

Für Schwimmanfänger kann eine Taucherbrille Sicherheit geben. Doch eine falsche Brille, die nicht richtig passt, kann zu einer echten Gefahr für dein Kind werden. Die Amerikanerin Deborah Tomlinson warnt davor und teilt nun ihre traurige Geschichte.

Gefahren werden oft unterschätzt
Gefahren werden oft unterschätzt
©Pexels/Porapak Apichodilok

Tauchermaske gab Christopher Sicherheit

In einem Interview mit dem Online-Magazin „scarymommy“ erzählt Amerikanerin Deborah Tomlinson von dem Tag als ihr Sohn Christopher starb – er ist ertrunken. Sie erzählt, dass es Christophers letzter Tag im Kindergarten gewesen wäre und dass die Familie das im hauseigenen Pool feiern wollte. Der Junge soll zu dem Zeitpunkt sechseinhalb Jahre alt gewesen sein, seine Mutter berichtet aber, dass er bereits mit vier Jahren schwimmen gelernt habe. Trotzdem hätte er noch Angst davor gehabt zu tauchen und seinen Kopf vollständig unter Wasser zu haben. Sicherheit hätte ihm seine Tauchermaske gegeben.

Übrigens: Auch wenn man die Begriff Tauchermaske oder Taucherbrille als Synonym für Schwimmbrille verwendet, ist das eigentlich irreführend. Anders als die Tauchermaske hat eine Schwimmbrille nämlich keinen Nasenerker und deutlich kleinere Gläser. Deswegen ist die Tauchermaske von der Taucherbrille zu unterscheiden.

Trotz Aufsichtspersonen: Keiner bekam mit, dass er ertrank

In dem Interview erzählt Christophers Mutter weiter, dass zwei Erwachsene auf die Kinder im Pool aufgepasst hätten. Trotzdem hätte keiner gemerkt, dass sich Christophers Tauchermaske mit Wasser füllte. Sie vermute, dass ihr Sohn durch das Wasser in seiner Maske Panik bekommen hätte und dadurch nicht in der Lage gewesen wäre, sie selbstständig abzunehmen. Die traurige Folge: Christopher bekam keine Luft mehr und ertrank innerhalb von wenigen Minuten.

Gefahr von Tauchermasken werde unterschätzt

Deborah Tomlinson hat 15 Jahre gebraucht, um ihre Geschichte öffentlich zu machen – Christopher wäre dieses Jahr 22 geworden – nun möchte sie andere Eltern vor einem ähnlichen Schicksalsschlag bewahren. „Tauchermasken können gefährlich sein, wenn sie nicht richtig verwendet werden“, so Tomlinson im Interview. Vielen Eltern seien sich dieser Gefahr gar nicht bewusst, auch deswegen nicht, weil niemand über den korrekten Umgang mit Tauchermasken spreche.

Um das zu ändern hat sie nun mit der „National Drowning Prevention Alliance“, eine Organisation, die darüber informiert wie Badeunfälle verhindert werden können, zusammengearbeitet. Das Ergebnis ist ein Video in dem ein paar einfache Grundregeln erklärt werden, die Eltern künftig dabei helfen sollen, Badeunfälle zu vermeiden – darunter auch Hinweise, wie man Tauchermasken korrekt verwendet.

Passform, Material, etc.: Darauf solltest du achten

Wie die „National Drowning Prevention Alliance“ in ihrem Video mit dem Titel „Christopher Walson“ erklärt, ist beim Kauf einer Tauchermaske wichtig, dass du auf das Material achtest. Der Dichtrand sollte aus Silikon und nicht aus PVC sein. Wenn du die Maske aufsetzt und durch die Nase einatmest, sollte keine Luft von außen in die Maske gelangen. So kannst du sicher sein, dass die Maske dicht ist und sich später nicht mit Wasser fühlt. Die Passform ist ebenfalls entscheidend – sie sollte bequem sein und keine Druckstellen hinterlassen.

Dein Kind sollte sich zuerst auch ohne Tauchermaske beziehungsweise Schwimmbrille im Wasser wohlfühlen. In dem Merkblatt „Schwimmen & Tauchen in der Ausbildung“ informiert die deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft:

„Bei der Wassergewöhnung und dem Schwimmenlernen sollten keinerlei Schwimmbrillen getragen werden. Hier sollte vielmehr die Überwindung des Lidschlussreflexes bei Wasserkontakt gezielt geübt werden“

Badeunfälle steigen auch in Deutschland an

Laut dem Statistikportal „statista“ sind 2019 deutschlandweit 417 Menschen ertrunken, davon 25 Kinder unter zehn Jahren. Das große Problem sei, dass der Großteil der Grundschüler nicht richtig schwimmen kann, das sagt eine Studie der „Deutschen Lebensrettungsgesellschaft“ (DLRG). Demnach sollen 59 Prozent der Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer sein.

Ein weiteres Problem: Wenn jemand droht zu ertrinken, haben wir meistens die Vorstellung, dass sich derjenige lautstark bemerkbar macht: Strampeln, um Hilfe rufen, um sich schlagen. Die Realität ist eine andere, insbesondere bei Kindern. „Kinder ertrinken leise ohne dass es jemand bemerkt. Auch in öffentlichen Schwimmbädern“, so Rettungssanitäter und Autor Janko von Ribbeck, in seinem Artikel „Zweites Ertrinken und Trockenes Ertrinken – bei Kindern“ auf „erste-hilfe-fuer-kinder-de“.

So wird der Sommer sicher: 5 Tipps für Eltern

#1 Luftmatratzen, aufblasbare Schwimmtiere & Co sind kein zuverlässiger Schutz vor dem Ertrinken. Auch Schwimmflügel, -gürtel und -nudeln unterstützen lediglich das Schwimmen lernen.

#2 Unabhängig davon, ob dein Kind mit oder ohne Hilfsmittel ins Wasser geht: Du hast immer die Pflicht zur aktiven und konsequenten Aufsicht. Auch bei stehtiefen Schwimmbecken solltest du deine Kinder immer im Blick haben.

#3 Werden Tauchübungen gemacht, musst du besonders aufpassen. Hier muss jedes Kind einzeln beobachtet werden. Außerdem solltest du mit deinem Kind vorher über mögliche Gefahren, wie beispielsweise Hyperventilation (übermäßiges Ein- und Ausatmen vor dem Tauchen), sprechen.

#4 Habe Geduld und überfordere dein Kind nicht mit Aktivitäten wie Sprüngen und langen Schwimmstrecken.

#5 Für Betreuungspersonen: Vergewissere dich vorher, ob die Kinder, die du mitbetreust, auch tatsächlich sicher schwimmen können.

Quellen