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Kinder und „Quarantäne“: wenn der Geduldsfaden reißt …

Was für anstrengende Zeiten! Gerade für uns Eltern, die wir momentan mit unseren Kindern zu Hause sind. Das gemeinsame Spielen mit und bei den Freunden, in der Schule und im Kindergarten entfällt wegen Corona, ebenso wie das Herumtollen auf dem Spielplatz. Viele fragen sich nach gefühlt tausend tollen Aktionen in den ersten drei Wochen daheim: Was können wir noch tun, um alle bei Laune zu halten? Kann ich meine Kinder nicht doch mal etwas länger fernsehen lassen, vor allem, um selbst auch einmal etwas mehr zur Ruhe zu kommen und nicht selbst eines Tages durchzudrehen? Wenn doch nur das schlechte Gewissen nicht wäre …

Mit Snacks sieht sich der FIlm noch besser
Mit Snacks sieht sich der FIlm noch besser
@ Anja Polaszewski

Unsere Autorin Anja Polaszewski meint dazu: Solange eure Kinder nicht apathisch mit weit aufgerissenen Augen und Mündern vor der Glotze hängen und ihr Entdeckerdrang drinnen sowie draußen noch geweckt und gestillt wird: Lasst sie doch. Lasst die Kinder jetzt einfach Kinder sein und tut etwas für euch selbst.

Ein Plädoyer für Fernsehen, iPad und Naschen, für Kuscheln und Liebe statt Frust – und fürs Lernen, wann und wie sie es wollen ..

Regeln weg, Entspannung her

Die dritte Woche in selbst auferlegter Quarantäne neigt sich dem Ende entgegen: So langsam gehen mir meine kreativen Ideen zur Kinderbespaßung aus (und ja: sie können sich sehr wohl prima ohne mich beschäftigen, aber eben nicht immerzu). Ich brauche dringend mehr Zeit für mich. Fast jeden Abend fahre ich zwar allein mit dem Rad durch die Stadt und das Umland und gehe im Anschluss in die heimische Sauna. Dennoch: Ich brauche mehr. Mehr Raum für mich. Und auch für die Arbeit: In Zeiten wie diesen fällt es mir wie so vielen Mamas und Papas besonders schwer, die Arbeit am Schreibtisch und die Betreuung der Kinder unter einen kreativen – und dabei entspannten – Hut zu bekommen. Eigentlich habe ich nur eine Chance, wenn ich schreibtechnisch etwas schaffen und dabei noch ruhig und gelassen bleiben (ergo: nicht durchdrehen) möchte: Ich muss hier zu Hause mit einigen „Regeln“ brechen – und das mehr oder weniger radikal.

Achtung, nichts für „Supermama“-Nerven!

Anschnallen bitte. Und haltet euch fest: Meine beiden Jungs dürfen zur Zeit so viel fernsehen, wie sie wollen. Und es ist bei weitem nicht so, dass ich mich mit dem Thema Bildschirmmedien immer schon so leicht getan hätte: Ein „gesundes Maß“ erschien mir doch zumeist logisch – zumal es bisher glücklicherweise auch noch keine heftigen „Wutanfälle“ gab, wenn es darum ging, den Apparat wieder auszustellen. Mit Ablenkung ging das schon, anstrengend war es allemal dann und wann. Jedenfalls: Vor dem großen C wäre ich nie auf die Idee gekommen, meine Kinder so lange vor der Glotze zu „parken“ und sie sich eigenständig an Süßigkeiten bedienen zu lassen. Natürlich stelle ich ihnen Karotten- Gurken-, und Apfelschnitze vor die Nase, und sie greifen auch ordentlich zu – vor allem beim Fernsehen, haha. Aber momentan befindet sich der Süßkram im wahrsten Sinne des Wortes „auf Augenhöhe“ der Kids. Sie genießen das alles sichtlich, klar. Der Kleine sagte neulich: „Mama, Corona ist gar nicht so doof, da dürfen wir gaaanz lange fernsehen und naschen.“ Hm … Kinder und ihre Sicht auf die Dinge.

Das „gesunde Maß“ kehrt von selbst zurück

Starre Regeln? Hatten wir eigentlich nie so richtig. Unsere Jungs dürfen sich frei bewegen, tun und lassen, was sie wollen. Nur aus ihren eigenen Erfahrungen können sie doch lernen und daraus dann eigenständig ihre Schlüsse ziehen. Das bedeutet nun aber auch nicht, dass sie uns Eltern dauernd Kopfnüsse verpassen dürfen bis zum Abwinken. Oder sich gegenseitig bis aufs Blut verprügeln. Doch so lange das nicht passiert, mische ich mich auch erst mal nicht in die Streitereien und den Bewegungsdrang der beiden Bengelchen ein. (Manchmal erwische ich mich sogar dabei, wie ich die Hände vor die Augen lege … ) 😉❤️
Okay, Zähneputzen ist dringend erforderlich. Und so machen der Papa und ich uns fast jeden Abend zum Hampelmann, erfinden Geschichten, albern herum – und fallen erschöpft aufs Sofa, wenn die Burschen endlich pennen … Was tut man nicht alles für die lieben Kleinen?

Ich schaffe wieder was!

Das Allerschönste an meinem eigenen, doch ziemlich genialen „Unerzogen-Prinzip“: Ich schaffe wieder was – zum Beispiel diesen Text. Und noch einen gleich hinterher, wenn das hier so weitergeht. Ganz in Ruhe, entspannt …

Und so langsam merke ich auch Folgendes: Die Kinder beginnen, sich in Maßen an allem zu bedienen. So finde ich im Haus verteilt Reste von Salzbrezeln, Gummibärchen und Schokoriegeln. Sie essen das Zeug nicht einmal mehr auf! Doppel-Hm …

Oh. Jetzt muss ich doch aufhören: Die Jungs haben keine Lust mehr auf „Elena von Avalor“, „Die jungen Drachenretter“ und „Pokémon“. Sie wollen im Sandkasten Wasserburgen bauen, ich muss eben die Matschklamotten heraussuchen.