Kinderfreibetrag 2018/ 2019: Was ist das und wie kann man damit sparen?

Kinderfreibetrag: Was ist das und wie kann man damit sparen?

Kinderfreibetrag oder Kindergeld? Wie viel Geld kann man sich mit dem Freibetrag wirklich sparen? Und: Wie kann ich den Kinderfreibetrag beantragen oder ändern? Hier findest du alle Informationen im Überblick:

Paar überlegt, ob es den Kinderfreibetrag beantragen soll
Kinderfreibetrag: Ab welchem Gehalt lohnt er sich? © Unsplash / Rawpixel

Kinderfreibetrag: Was ist das?

Was ist „Kinderfreibetrag“? Der Kinderfreibetrag ist eine vom Staat festgelegte Summe, die Eltern pro Kind und Jahr verdienen dürfen, ohne dafür Steuern zahlen zu müssen. Diese wird aber nicht ausgezahlt, wie das Kindergeld, sondern am Ende des Jahres rückwirkend von dem zu versteuernden Jahreseinkommen abgezogen. Der Sinn hinter dieser Regelung ist, dass Eltern steuerlich von den Ausgaben, die durch ein Kind anfallen, entlastet werden sollen.

Übersichtstabelle: Kinderfreibetrag pro Kind und Jahr

Aktuell (Stand Oktober 2018) beträgt der Kinderfreibetrag 7.428 Euro, die Bundesregierung hat aber im Juni 2018 Erhöhungen für Juli 2019 und 2020 beschlossen. Die Summe des Kinderfreibetrags setzt sich aus einem Freibetrag und einem BEA-Freibetrag (für Betreuungs-, Erziehungs- und Ausbildungsbedarf) zusammen. Hier siehst du eine Übersicht über die Freibeträge von 2014 – 2020:

2020 2019 2018 2017 2016 2015 2014
Kinderfreibetrag 7.812 € *
7.620 €* 7.356 € 7.356 € 7.248 € 7.152 € 7.008 €

Quelle: Bundesfinanzministerium

(*geplante Erhöhungen)

Aber beachte: Das gilt nur für die Steuerklassen 1-4. Die Steuerklassen 5 und 6 haben keinen Anspruch auf einen Kinderfreibetrag.

Und was lohnt sich mehr: Kinderfreibetrag oder Kindergeld?

Kinderfreibetrag oder Kindergeld?

Eltern bekommen nur eins von beidem, entweder Kindergeld oder Kinderfreibetrag. Das Kindergeld ist ein Betrag, der Eltern monatlich überwiesen wird und der nicht der nicht der Einkommensteuer unterliegt, also steuerfrei ist.

Höhe des Kindergelds 2018 pro Monat:

1. Kind
2. Kind
3. Kind
ab dem 4. Kind
Kindergeld 194 €
194 € 200 € 225 €

Das Bundesfamilienministerium beantwortet die Frage ob Kinderfreibetrag oder Kindergeld so:

„Über die Gewährung der Freibeträge für Kinder entscheidet das Finanzamt. Es führt bei der Veranlagung zur Einkommensteuer eine Günstigerprüfung durch. Erreicht das Kindergeld nicht die steuerliche Wirkung der Freibeträge für Kinder, so werden diese vom Einkommen abgezogen und das bereits erhaltene Kindergeld verrechnet.“

Einfach gesagt: Sollte der Kinderfreibetrag also günstiger für dich sein, wird das Finanzamt dir automatisch diesen Freibetrag zuweisen.

Wem steht der Kinderfreibetrag zu?

Grundsätzlich steht jedem Elternteil hat ab dem Geburtsmonat des Kindes zu 50 Prozent Anrecht auf den Kinderfreibetrag und zwar bis zur Volljährigkeit ihres Kindes/ ihrer Kinder. Befindet sich das Kind mit 18 Jahren noch in einem Ausbildungsverhältnis (dazu zählt auch ein Studium), wird der Freibetrag bis zu einem Alter von 25 Jahren berücksichtigt. Wie sich der Freibetrag verteilt, ist laut § 32 des Einkommensteuergesetz (EStG) auch von der Familiensituation abhängig:

  1. Verheiratete Eltern
    …bekommen bei einem gemeinsamen Kind den vollen Freibetrag.
  2. Nicht verheiratete/ getrennt lebende/ geschiedene Eltern
    …bekommen jeweils den halben Freibetrag. Wenn ein Elternteil nachweislich nicht 70 Prozent seiner Unterhaltspflicht erfüllt, kann der andere Elternteil die Übertragung des ganzen Betrags beantragen.
  3. Verwitwete Elternteile
    …bekommen ab dem Todesmonat den vollen Betrag.
  4. Wohnsitz eines Elternteils nicht bekannt/ Vater nicht feststellbar/ ein Elternteil im Ausland
    Auch hier bekommt der andere Elternteil den vollen Freibetrag.

Der Freibetrag gilt sowohl für leibliche als auch adoptierte Kinder. Bei Pflegekindern richtet es sich nach dem jeweiligen Betreuungsumfang, inwiefern die Pflegeeltern ebenfalls beim Kinderfreibetrag berücksichtigt werden.

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Wie kann ich den Kinderfreibetrag beantragen?

Willst du den Freibetrag sofort nach der Geburt deines Kindes geltend machen, musst du den Kinderfreibetrag beantragen, indem du beim Finanzamt einen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung einreichst.

Tipp: Beantrage auf jeden Fall Kindergeld, da das Finanzamt jährlich in einer eben genannten Günstigerprüfung überprüft, welche der beiden Optionen dich finanziell mehr entlastet. Sollte der Kinderfreibetrag also günstiger für dich sein, wird das Finanzamt dir automatisch diesen Freibetrag zuweisen. Das Finanzamt geht außerdem davon aus, dass Eltern grundsätzlich Kindergeld beantragt und erhalten haben, und rechnet diesen Betrag bei der Steuererklärung mit ein, egal ob die Eltern das Kindergeld tatsächlich beantragt haben oder nicht.

Wie kann ich den Kinderfreibetrag ändern?

Wenn du noch ein Kind bekommst, musst du den Kinderfreibetrag ändern, indem man den vereinfachten Antrag auf Lohnsteuerermäßigung beim Finanzamt einreicht. Hier findest du das Formular für den Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung, mit dem du den Kinderfreibetrag ändern kannst. Das Finanzamt informiert auch deinen Arbeitgeber über die Änderung.

Kinderfreibetrag berechnen: Ein Rechenbeispiel

Damit du dir die Abwägung zwischen Kinderfreibetrag und Kindergeld ein wenig besser vorstellen, beziehungsweise nachvollziehen kannst, haben wir ein kleines Beispiel für dich, wie du den Kinderfreibetrag berechnen kannst, beziehungsweise, ob er sich für euch lohnt:

Franziska und Hendrik sind frischegebackene Eltern ihrer kleinen Tochter Mia. Gemeinsam haben sie ein zu versteuerndes, jährliches Bruttoeinkommen von 70.000 Euro und müssen davon etwa 13.908 Euro Steuern zahlen.

Zieht man den Freibetrag der beiden (7.428 Euro) vom Jahreseinkommen (70.000 Euro) ab, erhält man ein neues zu versteuerndes Einkommen von 62.572 Euro. Auf dieses geringere Einkommen fallen logischerweise auch weniger Steuern, in dem Fall etwa 11.478 Euro.

Nun berechnet man, wie viel Steuern man unter Einbezug des Kinderfreibetrages gespart hat:

13.908 Euro (Steuern ohne Kinderfreibetrag) – 11.478 Euro (Steuern mit Kinderfreibetrag) = 2.430 Euro

Was, wenn Franziska und Hendrik ein monatliches Kindergeld bekommen hätten?

12 x 194 Euro = 2.328 Euro

=> 2.328 Euro < 2.430 Euro

Am Beispiel der beiden jungen Eltern zeigt sich, dass Franziska und Hendrik mit dem Kinderfreibetrag über 100 Euro im Jahr MEHR an steuerfreiem Geld zur Verfügung steht, als es mit dem Kindergeld der Fall wäre. Doch ab welchem Gehalt lohnt sich das Modell?

Kinderfreibetrag: Ab wann lohnt sich das Modell?

Da ja das Finanzamt entscheidet, welches Modell sich finanziell günstiger auswirkt, bleibt dir die Rechnerei glücklicherweise erspart. Als grober Referenzwert gilt laut der Vereinigten Lohnsteuerhilfe e.V.: Der Freibetrag lohnt sich für Eheleute ab einem Bruttojahreseinkommen von 60.000 Euro und für Alleinerziehende ab einem zu versteuernden jährlichen Einkommen von 30.000 Euro.

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Quellen und weitere Informationen:

Einkommensteuergesetz (EStG) § 32 Kinder, Freibeträge für Kinder

Bekanntmachung des Bundesfinanzministerium 27.06.2018: „Fi­nan­zi­el­le Ent­las­tun­gen für Fa­mi­li­en im Bun­des­ka­bi­nett“

Familienportal.de – Ein Angebot des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Bekanntmachung der Bundesregierung am 27.06.2018: “ Steuerentlastungen beschlossen – Bis zu zehn Milliarden Euro für Familien“

Lohnsteuerhilfeverein – Vereinigten Lohnsteuerhilfe e.V

Überblick über die steuerliche Kindesförderung „Kindergeld, Kinderfreibetrag und Erziehungsfreibetrag“ von der Akademische Arbeitsgemeinschaft Verlag Wolters Kluwer Deutschland GmbH

Arbeitsgemeinschaft der deutschen Familienorganisationen e.V.: Das Kinderexistenzminimum im Sozial-, Steuer- und Unterhaltsrecht