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Kreidezähne erkennen: Schlechte Zähne durch Plastik?

Eine neue Volkskrankheit bahnt sich den Weg in deutsche Kindermünder. Fast jeder dritte Zwölfjährige in Deutschland hat sogenannte Kreidezähne. Die sehen nicht nur unschön aus, sondern können auch richtig weh tun. Das solltest du über die Zahnerkrankung wissen.

Fast jeder dritte Zwölfjährige in Deutschland ist betroffen
Fast jeder dritte Zwölfjährige in Deutschland ist betroffen
©Bigstock/IL21

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Kreidezähne als neue Volkskrankheit?

Raue, fleckige Zähne und Schmerzen beim Essen oder Trinken? Dein Kind hat wahrscheinlich Kreidezähne. Damit ist es allerdings nicht allein. In Deutschland leiden knapp 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen an einer Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH), so der medizinische Ausdruck für Kreidezähne. Bei den 12-Jährigen sind es sogar über 30 Prozent – Tendenz steigend. So sind Kreidezähne bei Kindern und Jugendlichen bald ein größeres Problem als Karies. Experten sprechen deswegen von einer neuen Volkskrankheit.

Kleiner Trost: Nicht alle Kinder mit Kreidezähnen leiden unter Schmerzen und bei nicht allen sind die Schäden gravierend. Dr. Mirela-Oana Nilius, Spezialistin für Zahnästhetik, Kinderzahnheilkunde und Kieferorthopädie relativiert diese Zahlen im „Hallo:Eltern“-Interview:

„Allerdings erweisen sich nur bei 10 Prozent der Betroffenen gravierende Schäden an der Zahnsubstanz, die durch erhebliche Schmerzen geprägt sind.“

Ursachen für die Zahnerkrankung

Wichtig: Kreidezähne entstehen nicht durch mangelnde Zahnhygiene. Die Milchzähne sind bei den betroffenen Kindern meist noch strahlend weiß. Kreidezähne sind bereits schadhaft, wenn sie durch den Kiefer durchbrechen. Schuld an den brüchigen Zähnen ist eine gestörte Bildung des Zahnschmelzes. Das bedeutet, dass sich bei Kindern der Zahnschmelz der bleibenden Zähne nicht richtig entwickelt und die Zähne dadurch weicher und anfälliger sind.

Wie es zu dieser Störung kommt, ist allerdings noch immer völlig unklar. „Da die Entwicklung der Zähne zwischen dem achten Schwangerschaftsmonat und dem vierten Lebensjahr stattfindet, liegt der Fokus der Forschung speziell auf dieser Zeitspanne“, so Dr. Nilius.

Ärzte und Wissenschaftler würden aber bereits einige Theorien diskutieren. Vermutet wird ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren während der Zahnentwicklung. Zum Beispiel wird angenommen, dass Kreidezähne durch Infektionskrankheiten, wie zum Beispiel Windpocken entstehen. Andere Experten sind hingegen der Meinung, dass der Weichmacher Bisphenol A, auch BPA genannt, für die MIH-befallenen Zähne verantwortlich ist. Grund für diese Annahme: Bis 2011 sei der Kunststoff in fast jeder Plastiktrinkflasche für Kinder und Babys zu finden gewesen.

Mehr zu diesem Thema findest du hier: Plastik im Körper: Deutsche Kinder mit Weichmachern belastet

Kreidezähne erkennen: Welche Beschwerden haben Kinder?

Mit ihren gelblichen bis bräunlichen Verfärbungen und rauen Oberflächen sehen Kreidezähne nicht nur unschön aus, sondern können auch richtig weh tun. Die betroffenen Zähne sind dann sehr empfindlich und Kinder klagen über Schmerzen beim Essen, Trinken oder auch beim Zähneputzen.

Außerdem sind Kreidezähne sehr weich und können schon bei geringer Belastung abbrechen oder sogar zerbröseln.

Kreidezähne Behandlung: Was tun bei Zahnproblemen

Die schlechte Nachricht: Kreidezähne sind nicht heilbar. Aber behandelbar. Regelmäßige Fluoridlackbehandlung alle drei bis sechs Monate dämmen zumindest die Symptome ein. Zusätzlich hilft eine fluoridhaltige Zahnpasta und eigens für Kinder entwickelte Kronen schützen vor weiteren Schäden.

„In akuten Fällen ziehen behandelnde Zahnärzte die erkrankten Zähne. Die entstandenen Lücken werden kieferorthopädisch geschlossen“, so Dr. Nilius.

Gut zu wissen: Die Zähne sind bereits befallen, wenn sie durch den Kiefer durchbrechen. Deswegen ist eine gute Mundhygiene zwar sehr vorbildlich, kann Kreidezähne aber nicht verhindern.

Lassen sich Kreidezähne vorbeugen?

Die ernüchternde Antwort: Nein. Da die Ursache für Kreidezähne noch nicht geklärt ist, ist eine sichere Prävention schwierig. Trotzdem raten Experten dazu, Plastikspielzeuge – zumindest in den ersten Lebensjahren – aus dem Kinderzimmer zu verbannen, da Kinder besonders in der oralen Phase dazu neigen alles in den Mund zu nehmen und darauf herumzukauen.

Früherkennung und regelmäßige Zahnarztbesuche sind ebenfalls wichtig. „Ab dem Durchbruch der ersten Milchzähne lohnt sich zusätzlich der regelmäßige Besuch beim Zahnarzt, damit Kreidezähne frühzeitig erkannt und behandelt werden können“, informiert Dr. Nilius.

Tipp: Die Zahn-Entwicklung deines Kindes kannst du mit einem Zahnkalender dokumentieren. So weißt du genau, wann und wo der nächste kleine Milchzahn kommt. den Hallo:Eltern-Zahnkalender findest du hier: Zahnkalender für Babys

Wenn du schwanger bist, solltest du außerdem besonders auf deine Ernährung achten und versuchen Nahrungsmittel aus Plastikverpackungen so gut es geht zu vermeiden.

Quellen