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Meditation für Kinder – Vorteile, Tipps & Anleitungen

Auch Kinder brachen mal eine Pause vom Alltag – von Stress und Hektik. Um all das zumindest für eine Zeit hinter sich lassen zu können, gibt es die Meditation für Kinder. Die Kindermeditation verbessert die Konzentration und macht Kinder glücklicher. So kannst du deinem Kind Meditation lernen.

Meditation für Kinder kann sehr vorteilhaft sein. So gehst du dabei am besten vor
Meditation für Kinder kann sehr vorteilhaft sein. So gehst du dabei am besten vor
© Bigstock/ Alex_eg

Meditation für Kinder: Das sind die Vorteile

Im Jahr 2012 ging ein Zitat vom Dalai-Lama im Internet viral: „Wenn jedem 8-Jährigen auf der Welt Meditation beigebracht werden würde, dann würde das die Gewalt in der Welt im Laufe einer Generation eliminieren.“ Ein schöner Gedanke und tatsächlich kann Meditation für Kinder einige positive Auswirkungen haben.

Noch gibt es dazu allerdings keine großen und umfangreichen Studien. Doch einige kleinere Untersuchungen und Fallberichte der letzten Jahre, legen nahe, dass Kinder vom Meditieren durchaus profitieren können. Ein paar Vorteile im Überblick:

#1 Kinder sind weniger gestresst und depressiv. An der Burnton High School in San Francisco gibt es ein Programm, das Meditation für Kinder anbietet. Berichten zufolge sind die Schüler, die an der Meditation teilnehmen, weniger gestresst und deprimiert. Außerdem wurden die Noten um ein Vielfaches besser.

#2 Kinder können sich besser konzentrieren. Eine Studie der Swinburne University of Technology kam zu dem Ergebnis, dass Schüler konzentrierter, ruhiger und ausgeruhter sind, wenn sie regelmäßig meditieren.

#3 Kinder haben mehr Empathie. Eine Studie hat sich mit dem Effekt von Meditation für Kinder aus einkommensschwachen Gegenden beschäftigt. Fünf Wochen nachdem die Kindermeditation als Kurs regelmäßig stattfand, waren die Schüler glücklicher, einfühlsamer und engagiertet.

#4 Kinder verhalten sich besser. Eine Schule in Baltimore hat im Jahr 2015 Meditation als Erziehungsmaßnahme eingeführt. In der Schule mussten Kinder nicht mehr Nachsitzen, sondern wurden in einen ruhigen Raum mit Meditationskissen geschickt, um sich zu beruhigen. Das Ergebnis: Im Jahr nachdem die Meditation für Kinder eingeführt wurde, gab es an der Schule keine einzige Suspendierung.

#5 Kinder haben eine bessere mentale Gesundheit. Eine Untersuchung an einer italienischen Grundschule kam zu dem Ergebnis, dass, wenn Kinder meditieren, sie weniger psychologische Komplexe wie Angststörungen oder soziale Zurückgezogenheit aufweisen.

#6 Kinder haben eine bessere körperliche Gesundheit. Im Jahr 2004 wurden ein Experiment von Vernon Barnes von der Augusta University durchgeführt. Darin wurden 73 Schüler in zwei Gruppen geteilt. Eine Gruppe praktizierte drei Monate lang Kindermeditation – die andere bekam Vorträge über Herzkrankheiten und ging jeden Tag spazieren. Nach dem Experiment zeigte sich, dass bei der Meditationsgruppe der Blutdruck signifikant gesunken ist. In der anderen Gruppe gab es keine Veränderungen.

#7 Kinder zeigen weniger Zeichen von ADHS. In einer Studie, die im Journal of Child and Family Studies veröffentlicht wurde, nahmen Kinder mit ADHS und deren Eltern an einem achtwöchigen Achtsamkeits-Programm teil. Hier wurde Meditation für Kinder, aber auch andere Achtsamkeitsübungen und Entspannungstechniken gelernt. Nach dem Programm berichteten Eltern, dass ihre Kinder aufmerksamer und weniger hyperaktiv sind. Sie zeigten weniger Anzeichen von ADHS.

Weitere Studien zeigen außerdem, dass sich Meditation für Kinder auf soziale Fähigkeiten auswirkt. Kindermeditation kann für mehr Akzeptanz in Schulen oder anderen Gruppen sorgen. Außerdem kann Meditation Kindern bei Prüfungs- und Versagensängsten helfen.

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Kindermeditation: Ab welchem Alter?

Grundsätzlich macht Meditation für Kinder erst ab einem gewissen Alter Sinn. Laut Doris Hafner, die Geschäftsführerin des Berufsverbands der Yoga-Lehrenden in Deutschland, liegt dieses Alter bei fünf Jahren. „Die Kinder dürfen nicht überfordert, ihre Körper nicht überbeansprucht werden“, betont Hafner gegenüber dem Spiegel Online.

Aber auch, wenn ein Kind älter ist, heißt das nicht sofort, dass ihm Kindermeditation auch Spaß macht oder hilfreich ist. Das ist von Kind zu Kind unterschiedlich und muss einfach ausprobiert werden.

Meditation für Kinder gestalten

Kinder haben eine kürzere Aufmerksamkeitsspannen und damit weniger Geduld. Sie können also nicht so lange stillsitzen wie Erwachsene. Es gibt einige Methoden, wie das Meditieren Kindern einfach gelehrt werden kann.

Meditation darf nicht zu lange dauern: Kinder können nicht lange stillsitzen. Wenn Kinder sich langweilen, haben sie beim nächsten Mal weniger Luft auf die Meditation. Auch lange Erklärungen von Übungen und Methoden sollten vermieden werden. Hier fangen Kinder dann an, darüber nachzudenken, anstatt sich voll auf die Meditation einzulassen.

Kindermeditation muss Spaß machen: Meditieren mit Kindern funktioniert am besten, wenn sie die Übungen als Spiel sehen. Kein Kind sitzt gerne still. Besser funktioniert das, wenn du ein Spiel daraus machst: Wir beide sitzen jetzt still da und tun so, als wären wir eingefroren. Wer sich bewegt, bevor der Wecker klingelt, hat verloren!

Übungen müssen verständlich und nicht zu abstrakt sein: Bei einer Meditation für Kinder ist es wichtig, dass die Kreativität und Vorstellungskraft des Kindes beansprucht wird. Anstatt dein Kind zu bitten, auf seine Atmung zu achten kannst du beispielsweise ein Yogakissen auf seine Brust legen. Dann soll dein Kind beobachten, wie sich das Kissen bewegt – oder es ganz langsam bewegen. So lernt dein Kind, tiefe Atemzüge zu nehmen, ohne es überhaupt zu merken.

Eltern müssen flexibel sein: Manchmal ist ein Kind einfach nicht motiviert und hat keine Lust. Werden Kinder dann zum Meditieren gezwungen, macht es ihnen keinen Spaß und sie lernen nicht, wie sie richtig meditieren. Kinder sollten selbst entscheiden dürfen, ob sie meditieren wollen oder nicht.

Eltern dürfen nicht zu viel erwarten: Einige Kinder finden es schwer, einen Zugang zur Meditation zu finden. Manche Kinder wollen und brauchen auch keine Meditation. Wenn ein Kind nach ein paar Versuchen kein Interesse mehr hat, sollten Eltern nicht enttäuscht sein.

So funktioniert Meditation für Kinder: Meditationstechniken

Oft werden Fantasiereisen als Meditation verstanden. Das ist eigentlich aber nicht das Fall. Denn eines der Hauptziele von Meditation ist das Loslassen – die Ruhe. Meditationsgeschichten können trotzdem ein guter Einstieg sein.

Es gibt verschiedene Arten von Meditationen. Für Kinder sind davon ebenfalls viele machbar. Hier nur eine kleine Auswahl an Meditationstechniken:

  • Ruhemeditation: Hier soll Bewegung und Sprechen auf ein Minimum reduziert werden. Wenn Kinder meditieren ist es oft einfacher, wenn es nicht ganz still ist. „Hörst du die Stille?“ oder „Konzentriere dich auf das Ticken der Uhr“, können hier gute Ansätze sein.
  • Achtsamkeits- und Zen-Meditation: Hier sollen Kinder ihre ganze Aufmerksamkeit nach innen lenken. So sollen Gedanken und Gefühle ergründet werden. Es geht darum, alle Alltagsprobleme loszulassen.
  • Konzentrationsmeditation: Hier konzentrieren sich Kinder auf ein bestimmtes Objekt – zum Beispiel eine Kerze, etwas Gebasteltes oder ein selbstgemaltes Bild. Dieser Typ wird auch oft als Mandalameditation bezeichnet.
  • Gehmeditation: Eine Gehmeditation eignet sich besonders als Meditation für Kinder. Denn bei dieser Technik müssen sie gar nicht vollkommen still sitzen oder liegen. Dafür kann zum Beispiel eine Schnur auf den Boden gelegt werden und Kinder gehen diese Schnur entlang.
  • Mantramediation: Hier stehen Töne und Texte im Vordergrund. Als Art der Kindermeditation können Meditationstexte bereits gut integriert werden. Auch das typische om kann hier eingebracht werden.

Quellen:

  • Cara Rosaen & Rita Benn: The experience of Transcendental Meditation in middle school students: A qualitative report. (2006) In: Explore, Volume 2, Issue 5, S. 422-425.
  • David L. Kirp: Meditation transforms roughts San Francisco schools (12.01.2014) Auf: SFGate. https://m.sfgate.com/opinion/openforum/article/Meditation-transforms-roughest-San-Francisco-5136942.php (Letzter Zugriff: Mai 2019)
  • Tania Maree Slaviero: The Impact of Guided Meditation on Children’s Behavious, Mental Health and Well-being (August 2017). Unter: Swinburne University of Technology. https://researchbank.swinburne.edu.au/file/0b9cea58-5b7d-49a8-b2b7-f0ec7ba9e8b9/1/Tania%20Slaviero%20Thesis.pdf (Letzter Zugriff: Mai 2019)
  • David S. Black & Randima Ferando: Mindfulness Training and Classroom Behavious Among Lower-Income and Ethnic Minority Elementary School Children (2014). In: Journal of child and family studies, 23(7), S. 1242–1246.
  • John Vibes: An Elementary School Has Kids Meditate Instead Of Punishing Them and the Results are Profound (18.09.2016): Auf: The Free Thought Project: https://thefreethoughtproject.com/school-sending-children-meditate/ (Letzter Zugriff: Mai 2019)
  • Cristiano Crescentini et. Al.: Mindfulness-Oriented Meditation für Primary School Children: Effects on Attention and Psychological Well-Being (07.06.2016) Auf: frontiers in Psychology. https://air.uniud.it/retrieve/handle/11390/1094459/141661/30%20Crescentini%20et%20al%202016%20FRONTIERS.pdf (Letzter Zugriff: Mai 2019)
  • Barnes et. : Impact pf meditation on resting and ambulatory blood pressure and heart rate in youth (2004) In: Psychosomatic Medicine, 66(6), S. 909-914.
  • Saskia van der Oord, et. Al.: The Effectiveness of Mindfulness Training for Children with ADHD and Mindful Parenting for their Parents (2012). In: Journal of Child and Family Studies. 21(1), S. 139-147.
  • Monika Hippold: Kind, entspann dich! (28.09.2010) Auf: Spiegel Online. https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/yoga-fuer-die-kleinen-kind-entspann-dich-a-719456.html (Letzter Zugriff: Mai 2019)
  • arsEdition: Meditation für Kinder – so simpel und so wirksam. Unter: https://www.arsedition.de/inspirationen/kindermeditation-so-simpel-und-so-wirksam/ (Letzter Zugriff: Mai 2019)
  • Helmut Brenner: Meditation (Stand: 2019). Auf: Deutsche Gesellschaft für Entspannungsverfahren. http://www.dg-e.de/ (Letzter Zugriff: Mai 2019)