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Meine Tochter die Stubenhockerin

Es gibt Kinder, die sind einfach ständig in Bewegung – und solche, die mögen es eben gerne ruhig. Die Tochter unserer Autorin Daniela Kirschbaum kann mit Action so gar nichts anfangen, gehört sie doch eher zur gemütlichen Sorte. Nicht unbedingt leicht, wenn der Rest der Familie sehr unternehmungslustig ist. Und so handelt dieser Artikel von Stubenhockern, schlummernden Talenten und notwendigen Kompromissen.

Outdoor-Aktivitäten? Nicht mit ihr!
Outdoor-Aktivitäten? Nicht mit ihr!
© Pixabay/ StockSnap

Probier’s mal mit Gemütlichkeit

Es gibt Kinder, die sind träge, es gibt Kinder, die sind noch träger … und es gibt meine Tochter! Das war immer schon so. Gemütlichkeit ist quasi ihr zweiter Vorname. Ihr Bruder, der wiederum „Adrenalinjunkie“ als Zweitnamen für sich verbucht, ist da ein ganz anderes Kaliber. Schon als Baby wollte er etwas sehen von der Welt. Haben Mama und Papa ihn nicht nonstop herumgeschleppt, stand ein Schreikonzert vom Feinsten an. Nicht so Töchterchen! Die lag am liebsten still und zufrieden auf dem Rücken und war im Einklang mit sich und der Welt. Kam dann irgend so ein nerviger Elternteil daher, um diesen Buddha-Säugling hochzuheben – zum Kuscheln, Wickeln, Umziehen oder was auch immer – dann gab’s Rambazamba! Merke: Never change a running baby – oder so ähnlich!

Bewegung? Muss echt nicht sein!

Was ich damit sagen will: Dieses Kind hatte schon als Baby eine genaue Vorstellung vom glückseligen, perfekten Dasein – so wenig Bewegung wie möglich nämlich! Im Laufe der Jahre hat sich daran nicht sonderlich viel geändert. Ihre Freizeit-Highlights? Im Bett liegen und Hörspiel hören, am Schreibtisch sitzen und basteln, singen, Rollenspiele (das leider immer weniger) und diverse Brettspiele spielen. Seit sie flüssig lesen kann, findet man sie auch vermehrt mit einem Schmöker in den Händen.

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Outdoor-Aktivitäten? Nicht mit ihr! Vorschläge, eine Radtour zu machen, wandern zu gehen, an den Badesee zu fahren oder zu rodeln (ja, wir übrigen drei sind durchaus bewegungsfreudig), sorgen zunächst einmal für blankes Entsetzen. Da braucht es viel Fingerspitzengefühl und ein wenig Bestechung (ein Eis auf der Berghütte, eine Bootsfahrt am See, heiße Schokolade nach dem Rodeln,…) bis sich Töchterchen dazu herablässt, uns übrigen Familienmitglieder mit ihrer werten Anwesenheit zu beehren.

Von Nörgeleien und schlummernden Talenten

Ihr anfängliches Genörgel müssen wir aushalten (und gekonnt ignorieren), dann empfindet Töchterchen manchmal sogar fast so etwas Perfides wie Freude an unseren Unternehmungen. Interessanterweise ist dieses Kind nämlich trotz seines Desinteresses mit erstaunlichem Geschick ausgestattet. Sie ist diejenige, die sich mit vier Jahren einfach aufs Fahrrad gesetzt hat und losgefahren ist, ein halbes Jahr später plötzlich schwimmen konnte und den Schneeberg bezwingt wie eine junge Gazelle. Greift sie einmal (nörgelnd natürlich!) zum Badminton-Schläger, trifft sie nahezu jeden Ball.

Ironischerweise ist Töchterchen nämlich tatsächlich mit sportlichem Talent ausgestattet. Bloß interessiert sie das nicht die Bohne! Kehren wir – von welcher Aktivität auch immer – nachhause zurück, können wir gar nicht so schnell schauen, wie dieses Kind wieder höchst zufrieden in seinem Bett sitzt. Dort, umgeben von ihren 23 Kuscheltieren, ein Buch in der Hand, die Klänge des aktuellen Lieblingshörspiels im Ohr, verbringt sie dann verlässlich die nächsten Stunden und ist endlich wieder glücklich.

Kompromisse gehören zum (Familien-)Leben

Tja, Töchterchen ist eben eine Stubenhockerin, da fährt die Eisenbahn drüber. Spätestens wenn sie alt genug ist, um alleine daheim zu bleiben, bekommen sie wohl keine zehn Pferde mehr auf Berg oder Piste. Zwei Elternteile samt Bruder schon gar nicht! Bis es soweit ist, ist die familiäre Freizeitgestaltung jedoch von Kompromissen geprägt – da muss Tochter durch. Und manchmal, wenn wir ganz viel Glück haben, dann macht es ihr ja im Endeffekt doch Spaß!