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Wie lange brauchen Kinder einen Mittagsschlaf?

vonMichaela Brehm

Der Mittagsschlaf ist eine wichtige Routine für Babys und Kleinkinder. Doch wie viele Stunden sollten es in welchem Alter sein? Und ab wann brauchen Kinder keine Tagschläfchen mehr. Ein Überblick.

vonMichaela Brehm

Inhalt geprüft und ergänzt von Katharina Meier-Batrakow, Psychologin

Ab wann ist ein Kind "zu alt" für ein Nickerchen?
Ab wann ist ein Kind "zu alt" für ein Nickerchen?
©Bistock/ encrier

Überblick zum Mittagsschlaf: Baby & Kinder

Nach einem Jahr hat sich der Schlafrhythmus deines Babys soweit eingependelt, dass es den größten Teil seines Schlafbedarfs in der Nacht deckt. Viele Kinder schlafen nachts schon etwa elf Stunden.

Tagsüber brauchen Einjährige trotzdem zunächst noch zweimal am Tag ein kürzeres Tagschläfchen. Das reduziert sich bis zum zweiten Geburtstag meist auf einen Mittagsschlaf. Kinder haben beim Thema Schlaf aber ihren ganz individuellen Rhythmus – vergiss das nicht. Es von Kind zu Kind verschieden, ab wann sie keinen Mittagsschlaf mehr brauchen. Lasse dich nicht zu sehr von Statistiken verunsichern!

Wie lange machen Kinder Mittagsschlaf?

Die Kinderpsychologin und Schlaf-Expertin Katharina Meier-Batrakow betont: „Manche Kinder machen schon im zweiten Lebensjahr keinen Tagschlaf mehr, andere brauchen ihn bis zum Ende des Kindergartenalters. Das ist wirklich sehr verschieden.“

Für eine grobe Orientierung hat Katharina Meier-Batrakow in der nachfolgenden Tabelle ein paar Durchschnittswerten zusammengefasst.

Alter täglicher
Schlafbedarf
Tagschläfchen
0-3 Monate 14-20 h gleichmäßig verteilt
4-6 Monate 14-17 h 3-6 h verteilt auf
2-4 Schläfchen
6-9 Monate 13-16 h 2-4 h verteilt auf
2-3 Schläfchen
10-12 Monate 10-16 h 1-3,5 h verteilt auf
2-3 Schläfchen
12-18 Monate 10-15 h 1-3 h verteilt auf
1-2 Schläfchen
18-24 Monate 10-14 h 1-2 h verteilt auf
1 Schläfchen

Quelle: Katharina Meier-Batrakow/ ELTERNSCHIRM-Kurs „Schlafen ohne Stress“

Kinder, die mit über 3 Jahren mittags noch schlafen, tun dies etwa 30 bis 60 Minuten – oder ruhen lediglich in dieser Zeit.

Mittagsschlaf von Babys ab 1 Jahr

Im Laufe des 2. Lebensjahres gibt es noch eine Art Übergangsphase von mehreren Schläfchen auf einen einzelnen Mittagsschlaf. In der Anfangszeit bietet sich ein etwas kürzeres Vormittagsschläfchen/ Morgenschläfchen und ein längeres Schläfchen am Nachmittag an.

Alternativ kann dein Kind natürlich auch zwei gleichlange „Powernaps“ machen. Das sollte sich nach den Bedürfnissen des Kindes richten, aber auch nach denen der ganzen Familie: Ideal ist, was gut in euren Alltag passt.

Hast du den Eindruck, dass dein Kind keine zwei Tagschläfchen mehr braucht, könnt ihr versuchen, den Tagesrhythmus sanft zu ändern. Verschiebt das Nickerchen am Vormittag in kleinen Schritten von fünf bis zehn Minuten täglich weiter nach hinten – sodass beispielsweise aus dem ersten Schläfchen um 10 Uhr irgendwann ein Mittagsschlaf um 11:30 Uhr oder 12 Uhr wird. Entsprechend könnt ihr auch die abendliche Bettgehzeit anpassen. Halte trotzdem an euren festen Einschlafritualen und Abläufen fest. Das hilft Kindern bei der Umstellung.

Aus Erfahrung weiß Meier-Batrakow: „Die Schlafentwicklung von Kindern verläuft wellenförmig. Solche Übergangsphasen sind meist für alle Beteiligten nicht so einfach und auch „Rückschritte“ wieder hin zu mehreren Schläfchen sind normal“

Lange Mittagsschläfchen ab 2 Jahren

Mit 1,5 Jahren schläft dein Kind in der Regel nur noch einmal tagsüber und dann erst wieder am Abend. Nachdem nun nur noch ein Mittagsschlaf am Tag eingeführt ist, kann man ab dem Alter von etwa zwei Jahren sehr lange Mittagsschlafzeiten erleben.

Aber wie lange ist der Mittagsschlaf mit zwei Jahren? Ein Mittagsschlaf von zwei Stunden oder sogar mehr, ist keine Seltenheit. Insgesamt braucht ein zweijähriges Kind im Schnitt zwölf bis 13 Stunden Schlaf pro Tag. Aber nicht vergessen: Jedes Kind ist anders und so auch sein Schlafbedarf.

Soll man Kleinkinder aus dem Mittagsschlaf wecken?

Wer tagsüber viel schläft ist am Abend natürlich länger munter. Daher kann es tatsächlich hilfreich sein, das Kind aus dem Mittagsschlaf zu wecken. „Wenn der Nachtschlaf durch lange Tagschläfchen gestört wird oder es dadurch zu verspätetem Einschlafen am Abend kommt, dürfen Eltern ihre Kleinkinder mittags auch wecken“, erklärt Meier-Batrakow.

Wichtig: Neugeborene und Babys sollte man nicht aus dem Schläfchen wecken.

Kritische Phase: Übergang von einem zu keinem Mittagsschlaf

Eine kritische Zeit tritt meist ab dem Alter von drei Jahren ein. Viele Eltern stellen dann fest, dass das Kind beim Mittagsschlaf nicht mehr einschläft, sondern stattdessen spielt. Sie denken, dass ihr Kind aus dem Alter heraus ist, in dem es diesen Schlaf benötigt. Das kann jedoch täuschen.

Probleme beim Einschlafen am Mittag

Durch Kindergarten oder andere Aktivitäten wird das Kind vielleicht fast unmerklich etwas später zum Mittagsschlaf hingelegt, ist noch aufgekratzt und braucht dadurch länger, um einzuschlafen. Fehlen diese Stunden Schlaf am Tag, können Kindern quengelig werden und haben am Abend vielleicht ebenfalls Probleme beim Einschlafen, weil sie übermüdet sind.

Tipp der Schlaf-Expertin: Lege dein Kind wie gewohnt zum Mittagsschlaf hin. Achte aber darauf, dass du im Bett und in der Schlafumgebung Spielsachen und andere Ablenkungen entfernst. Das macht es dem Kind einfacher in den Schlaf zu finden.

Ein waches Kind am Abend

„Andererseits beobachten viele Eltern zu der Zeit, dass ein Mittagsschlaf dazu führt, dass das Kind bis 22 Uhr wach ist und abends nicht in den Schlaf findet. Das ist eine sehr schwierige Übergangszeit und man kann dann ausprobieren und abwägen ob der Mittagsschlaf dann wegfallen kann zu Gunsten eines früheren Nachtschlafes“, weiß Meier-Batrakow.

Hier kann ein Schlafprotokoll helfen. Notiere etwa drei Wochen lang, wie lang dein Kind mittags und nachts schläft und wie es sich danach verhält. Vielleicht kannst du ein Muster erkennen. Dann solltest du die Mittagsschlafzeiten anpassen oder das Tagschläfchen weglassen.

Insgesamt schlafen Kinder im Alter von drei und vier Jahren im Schnitt zehn bis zwölf Stunden. Auch hier gilt die Devise: Jedes Kind ist ein Unikat. Wundere dich also nicht, wenn das Schlafverhalten deines Kindes von diesem Durchschnittswert abweicht.

Ab wann brauchen Kinder keinen Mittagsschlaf mehr?

Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. In der Übergangsphase von einem zu keinem Tagschläfchen wird es gute ebenso wie schlechte Tage geben. Grundsätzlich sollte man Kleinkindern einen Mittagsschlaf immer ermöglichen, wenn man das Gefühl hat, dass sie ihn möchten oder brauchen, so Meier-Batrakow. Sie gibt zu bedenken: „Kinder absichtlich wach zu halten, kann zu einem erhöhten Stresslevel im Körper führen und dementsprechend auch negative Auswirkungen auf den Nachtschlaf haben.“

Allerdings: Wenn dein Kind den Mittagsschlaf verweigert, wirst du es nicht dazu zwingen können – auch wenn es sich am späteren Nachmittag in ein übermüdetes Wutmonster verwandelt.

: Übermüdung
Deutliche Anzeichen

Schläft dein Kind am Nachmittag beim Spielen ein oder ist extrem überdreht, bekommt Wutanfälle und tut sich dabei vielleicht sogar weh, sind das deutliche Zeichen für Übermüdung. Ebenso wenn dein Kind unkonzentriert ist und dadurch riskantes Verhalten zeigt.

Bleibe geduldig und biete deinem Kind immer die Möglichkeit, einen „Powernap“ zu machen. Auf jeden Fall solltest du für Ruhepausen sorgen, in denen es etwas entspannter zugeht. Die könnt ihr auch beibehalten, wenn dein Kind überwiegend kein Tagschläfchen mehr braucht.

Anzeichen, dass dein Kind keinen Mittagsschlaf braucht:

  • Deinem Nachwuchs ist es gar nicht mehr möglich, mittags einzuschlafen, obwohl du ihm die Zeit dafür gibst.
  • Dein Kind ist auch ohne Mittagsschlaf ausgeruht.
  • Die abendliche Einschlafzeit liegt weit nach 20 Uhr.
  • Dein Kind schläft in der Nacht schlecht oder hat nächtliche Wachphasen.

Bedenke: Es wird immer wieder Phasen geben, in denen deinem Kind ein Mittagsschlaf doch noch gut tut  – zum Beispiel, wenn stressige Zeiten wie Kindergartenbeginn oder aufregende Feiertage anstehen.

Ruhepausen statt Mittagsschlaf

Will dein Kind am Mittag nicht mehr schlafen, könnt ihr die gewohnten Zeiten für Ruhephase nutzen. Ihr könnt euch ein Bilderbuch anschauen, oder du liest deinem Kind etwas vor. Auch Hörbücher sind eine schöne Möglichkeit diese Pausen mit der nötigen Ruhe zu gestalten.

Darum tut der Mittagsschlaf Kindern gut

„Der Mittagsschlaf ist für Kleinkinder eine gute Möglichkeit sich tagsüber eine kurze Pause von den vielen Erlebnissen und Eindrücken zu verschaffen und Kraft für die zweite Tageshälfte zu tanken“, sagt Meier-Batrakow. Zudem haben Studien ergeben, dass sich der Mittagsschlaf positiv auf das Gedächtnis auswirken kann. Was am Vormittag gelernt wird, kann sich dein Kind durch ein mittägliches Nickerchen besser merken.

Das gilt aber nur so lange, wie der wichtigere Schlaf in der Nacht durch das Nickerchen am Mittag nicht beeinträchtigt wird. Schläft dein Kind nachts häufig schlecht, ist vielleicht immer wieder länger am Stück wach und findet nur schlecht zur Ruhe, solltest du seine Schlafgewohnheiten am Tag nochmals überdenken.

Quellen

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