Nachtschreck: Schadet das nächtliche Hochschrecken meinem Kind?

Nachtschreck – Wie verhalte ich mich richtig?

Ein Nachtschreck kann Eltern sehr in Angst versetzen und hinterlässt einen tiefen Eindruck bei allen, die ihn miterleben – außer beim Kind selbst. Welche Ursache hinter der Nachtangst steckt und wie du darauf richtig reagierst, erfährst du hier.

Kleinkind schläft kurz vor Nachtschreck
Erst Tiefschlaf, dann Nachtschreck: So verhältst du dich richtig © unsplash /Annie Spratt

Nachtschreck: Ab diesem Alter kann er auftreten

Der Nachtschreck, medizinisch wird er als pavor nocturnus bezeichnet, ist eine Schlafstörung bei Kindern. Meist tritt der Nachtschreck im Altern von drei bis sechs Jahren auf. Etwa 20 Prozent aller Kinder lässt die Nachtangst in dieser Zeit aufschrecken, allerdings nur vereinzelt. Dass diese Schlafstörung regelmäßig mehrmals die Woche auftritt, ist sehr selten. Bei Jungen kommt der Nachtschreck übrigens häufiger vor als bei Mädchen.

Die gute Nachricht ist also: Der Nachtschreck bei Kindern ist durchaus normal. Und er bedeutet nicht, dass mit dem Kind etwas nicht stimmt oder es durch ein Erlebnis seelisch belastet ist. Hier erfährst du, wie du richtig reagierst, wenn dein Kind nachts aufschreckt und was du auf keinen Fall tun solltest.

Nachtschreck erkennen: Nachtangst oder Alptraum?

Der Nachtschreck passiert meist in den ersten drei Stunden nach dem Einschlafen. In dieser Schlafphase, der sogenannten Non-REM-Phase, träumen wir nicht. Das heißt, dein Kind befindet sich in einem tiefen Schlaf – wirkt jedoch wach.

Während eines Nachtschrecks schreien, rufen, schimpfen, schlagen und treten Kinder, manche schlafwandeln auch. Sie wirken in größter Not, verzweifelt oder verängstigt. Oft haben die Kinder dabei die Augen geöffnet, so dass es für Außenstehende so scheint, als wären sie wach. Dabei scheinen sie jedoch durch die anwesenden Personen regelrecht hindurch zu schauen. Sie reagieren auch nicht auf Ansprache.

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Wie lange hält ein Nachtschreck an?

Zwischen wenigen Minuten und 40 Minuten dauert ein Nachtschreck für gewöhnlich. Auch wenn sich das so anfühlt, als würdest du entgegen aller Mutterinstinkte handeln: Je weniger man das Kind dabei stört, desto schneller ist die Nachtangst meist vorüber. Und das Erstaunliche ist, am nächsten Tag wird sich das Kind in keiner Weise an das Aufschrecken erinnern können. Es wäre für das Kind schlechter, es aus dem Nachschreck zu wecken. Daher ist es wichtig, ihn von einem Alptraum abzugrenzen. So kannst du beide unterscheiden:

Nachtschreck Alptraum
Tritt im Altern von drei bis sechs Jahren auf Kann auch schon ab zwei Jahren auftreten
Tritt einige Stunde nach dem Schlafen gehen auf, in der traumlosen Non-REM-Phase Tritt meist zwischen 2.00 Uhr und 6.00 Uhr in der Nacht auf, in der Traum- oder REM-Phase
Dauert wenige Minuten bis 40 Minuten an, das Kind schläft nach dem Nachtschreck wieder ein Das Kind wacht durch den Alptraum auf und muss getröstet werden
Kind kann schreien, rufen, sprechen, treten oder um sich schlagen Kind schreckt aus dem Traum auf, manchmal auch schreiend
Die Augen evtl. geöffnet ohne dass das Kind Personen erkennt, schaut durch Anwesende „hindurch“ Kind ist nach einem Alptraum wach und ansprechbar
Kind scheint zu halluzinieren /
Kind schlafwandelt eventuell /
Das Kind kann sich daran am nächsten Tag nicht mehr erinnern Das Kind kann sich am nächsten Tag noch an den Traum erinnern

Nachtschreck: So verhältst du dich richtig

Ein verständlicher Wunsch der besorgten Eltern ist, das Kind bei einem Nachtschreck wecken und beruhigen zu wollen. Dies wird jedoch in der Regel nur schwer möglich sein und zudem dazu führen, dass das Kind länger braucht, sich aus seiner Verwirrung zu lösen und wieder zu beruhigen. Auch wenn es so wirkt, als wäre das Kind wach, vielleicht sogar auf Ansprache zu reagieren scheint, so ist es doch in seinem Traumgeschehen und sollte während der Nachtangst nicht geweckt werden. Eltern sollten jedoch dafür sorgen, dass sich das Kind während des Nachtschrecks nicht verletzt, wenn es um sich schlägt und tritt oder aufsteht. Schlafwandelnde Kinder sollten behutsam wieder zurück ins Bett geleitet werden.

Auf den Nachtschreck reagieren:

  • Kind nicht wecken
  • Kind nicht versuchen zu beruhigen
  • Kind auf keinen Fall versuchen festzuhalten
  • Wenn das Kind schlafwandeln, sanft wieder Richtung Bett lotsen
  • für Sicherheit sorgen, Verletzungen verhindern
    Stelle vor allem sicher, dass sich dein Kind nicht an der Bettkante oder anderen Gegenständen stoßen kann, wenn es um sich schlägt
  • Ruhig bleiben und abwarten (so herzlos das auch klingen mag)

Nachtschreck Ursachen: Wie kommt es dazu?

Obwohl der Nachtschreck bei Kindern zu typischen Schlafstörungen gehört, ist die genaue Ursache dafür noch nicht bekannt. Es gibt Beobachtungen, die zeigen, dass Schlafmangel ein möglicher Auslöser für die Nachtangst ist. Eventuell ist gerade der Mittagsschlaf weggefallen oder das Kind kommt später ins Bett als sonst. Für den richtigen Übergang vom Mittagsschlaf zu keinem Mittagsschlaf, findest du hilfreiche Hinweise unter „Schlaf von Kleinkindern“. Auch unregelmäßige Schlafroutinen, Stress und aufregende Zeiten (Urlaub, Weihnachten, Geburtstag, Kindergartenstart, neues Geschwisterchen usw.) können im Zusammenhang beobachtet werden. Gerade wenn für Kinder große Veränderungen anstehen, sind die nächtliche Schreckanfälle häufiger. Deswegen ist die Einschulung eine Lebensphase, in der der Nachtschreck besonders häufig auftritt. Es gibt auch Untersuchungen, welche nahelegen, dass die Neigung zu Nachtschrecks oft in der Familie liegt, also vererbt werden könnte.

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Kann ich den Nachtschreck vermeiden?

Solange es keine eindeutige Ursache für den Nachtschreck gibt, bleibt es schwer, dagegen vorzubeugen. Es kann jedoch helfen, für ausreichend Schlaf zu sorgen, zum Beispiel durch Mittagsschlaf oder frühere Bettzeiten. Auch eine entspannende Abendroutine mit Vorlesen oder Ähnlichem kann helfen. Hinterfragt auch euren Alltag: Kann ich unnötigen Stress für das Kind vermeiden oder wenigstens reduzieren?

Wann muss bei der Nachtangst zum Arzt?

Da der Nachtschreck in der Regel kein Anzeichen für eine psychische Störung oder ernsthaften psychischen Problemen ist, muss deswegen auch kein Arzt aufgesucht werden. Nur, wenn die Nachtangst auch in der Vorpubertät noch regelmäßig auftritt oder dein Kind wirklich sehr oft davon betroffen ist, kann es sinnvoll sein, zusammen mit einem Arzt auf Ursachenforschung zu gehen.