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Nachtschreck beim Kind: So reagierst du richtig

vonBarbara Schniebel

Bei einem Nachtschreck kann es sein, dass dein Kind nachts plötzlich schreit, um sich schlägt und nicht ansprechbar ist. Aber wie kommt es überhaupt zu dem nächtlichen Hochschrecken und werden Kinder davon seelisch belastet? Lies hier, welche Ursache hinter der Nachtangst steckt und wie du darauf richtig reagierst.

vonBarbara Schniebel

Inhalt geprüft von Katharina Meier-Batrakow, Psychologin

Nachtschreck: So verhältst du dich richtig
Nachtschreck: So verhältst du dich richtig
© Unsplash / Annie Spratt

Was ist ein Nachtschreck bei Kindern?

Der Nachtschreck, medizinisch pavor nocturnus genannt, ist laut Prof. Dr. Reinhard Steinberg eine Form der Schlafstörung bei Kindern, also eine Parasomnie.

Wie äußert sich ein Nachtschreck?

Während eines Nachtschrecks beginnen Kinder aus dem Schlaf heraus plötzlich zu weinen, schreien und möglicherweise sogar um sich zu schlagen/ treten und lassen sich kaum oder gar nicht beruhigen.

Manche schlafwandeln auch. Sie wirken in Not, verzweifelt oder verängstigt. Oft haben die Kinder die Augen geöffnet, so dass es für Außenstehende so scheint, als wären sie wach. Herzschlag und Atemfrequenz sind erhöht. Sie schauen durch die anwesenden Personen regelrecht hindurch und reagieren auch nicht auf Ansprache. Die Kinder lassen sich schwer wecken und wirken desorientiert – in der Regel können sie sich am nächsten Tag nicht mehr an den Nachtschreck erinnern.

Wie lange dauert der Nachtschreck?

Ein Nachtschreck dauert für gewöhnlich zwischen wenigen Minuten und einer dreiviertel Stunde. Die Nachtangst tritt meist kurz nach dem Einschlafen bzw. in dem ersten Drittel der Nacht in einer Non-REM-Phase, dem Tiefschlaf, auf. In dieser Schlafphase träumen wir nicht.

In welchem Alter tritt der Nachtschreck auf?

Meist tritt der Pavor nocturnus im Alter von drei bis sechs Jahren auf. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V. schätzt, dass die Nachtangst in dieser Zeit circa drei bis sechs Prozent aller Kinder im Vorschul- bis Schulalter aufschrecken lässt.

Wie oft ist ein Nachtschreck normal?

Genaue Regeln, wie oft die Nachtangst „vorkommen darf“, bevor eine eine Untersuchung notwendig ist, gibt es nicht. Bei den meisten Kindern kommt es allerdings nur vereinzelt zur Nachtangst. Dass diese Schlafstörung regelmäßig mehrmals die Woche auftritt, ist sehr selten.

Wenn die Nachtangst sehr häufig ist, sollte man sich zur Sicherheit an den Kinderarzt wenden.

Nachtschreck Baby: Können sie auch unter Nachtangst leiden?

Auch kleinere Kinder können unter Nachtangst leiden. In seltenen Fällen sogar Kinder unter einem Jahr. Der Grund ist derselbe wie bei älteren Kindern, allerdings ist ein Nachtschreck bei Babys für Eltern oft noch erschreckender, weil die Kinder stark weinen. Zudem haben die Eltern in vielen Fällen zu diesem Zeitpunkt noch nichts vom Phänomen pavor norcturnus gehört.

Welche Ursachen stecken hinter dem Nachtschreck?

Obwohl der Nachtschreck bei Kindern zu typischen Schlafstörungen gehört, ist die genaue Ursache dafür noch nicht bekannt. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung geht davon aus, dass Schlafmangel ein möglicher Auslöser für die Nachtangst sein könnte. Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass der Nachtschreck mit der Gehirnreifung/Entwicklung in Verbindung steht und durch eine Übererregung ausgelöst wird. Die Übererregung wiederum kann verschiedene Auslöser haben wie z.B.

  • weggefallender Mittagsschlaf
  • Kind kommt später ins Bett also sonst
  • unregelmäßige Schlafroutine
  • Stress
  • aufregende Zeiten (Urlaub, Weihnachten, Geburtstag, Kindergartenstart, neues Geschwisterchen, zahnen)
  • bestimmte oder neu verordnete Medikamente
  • Erkrankungen
  • Schlafen in fremder Umgebung

Es gibt Untersuchungen, die darauf hinweisen, dass die Neigung zum Nachtschreck oft in der Familie liegt – also vererbt werden könnte.

Nachtschreck erkennen: Nachtangst oder Alptraum?

Um richtig auf dein verängstigtes Kind reagieren zu können, ist es wichtig, die Nachtangst von einem Alptraum abzugrenzen. Das Deutsche Grüne Kreuz (DGK) fasst die wichtigsten Unterschiede so zusammen:

Nachtschreck Alptraum
Tritt im Altern von drei bis sechs Jahren auf Kann auch schon ab zwei Jahren auftreten
Tritt einige Stunde nach dem Schlafen gehen auf, in der traumlosen Non-REM-Phase Tritt meist zwischen 2 Uhr und 6 Uhr in der Nacht auf, in der Traum- oder REM-Phase
Dauert wenige Minuten bis 40 Minuten an, das Kind schläft nach dem Nachtschreck wieder ein Das Kind wacht durch den Alptraum auf und muss getröstet werden
Kind kann schreien, rufen, sprechen, treten oder um sich schlagen Kind schreckt aus dem Traum auf, manchmal auch schreiend
Die Augen evtl. geöffnet ohne dass das Kind Personen erkennt, schaut durch Anwesende „hindurch“ Kind ist nach einem Alptraum wach und ansprechbar
Kind scheint zu halluzinieren   —
Kind schlafwandelt eventuell   —
Das Kind kann sich daran am nächsten Tag nicht mehr erinnern Das Kind kann sich am nächsten Tag noch an den Traum erinnern

 

: Kind hatte einen Albtraum?

Wie soll ich auf den Nachtschreck reagieren?

Auch wenn es sich so anfühlt, als würdest du entgegen aller Mutterinstinkte handeln: Je weniger du dein Kind dabei „störst“, desto schneller ist die Nachtangst  vorüber.

Ein verständlicher Wunsch besorgter Eltern ist, das Kind wecken und beruhigen zu wollen. Dies ist in der Regel aber nur schwer möglich und kann außerdem dazu führen, dass das Kind länger braucht, sich aus seiner Verwirrung zu lösen und wieder zu beruhigen. Auch wenn es so wirkt, als wäre das Kind wach und würde sogar auf Ansprache reagieren, sollte während des Nachtschrecks nicht geweckt werden.

 

Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Bundespressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte rät:

Eltern sollten leise auf ihr Kind einreden, ihm versichern, dass es in Sicherheit ist und dafür sorgen, dass es sich nicht verletzen kann. Ein Kind in dieser Phase aufzuwecken, ist wenig sinnvoll, da es dann orientierungslos sowie verwirrt ist und schwer wieder einschläft.

Am nächsten Tag wird sich dein Kind in wahrscheinlich nicht an das Aufschrecken erinnern. Erzähle in dem Fall nicht vor dir aus von dem Vorfall. Sollte dein Kind sich doch erinnern und nachfragen, dann gehe altersgerecht damit um und vermittle ihm nicht, wie furchtbar sich der Nachtschreck für dich angefühlt hat.

Wie du am besten auf einen Nachtschreck reagierst:

ruhig bleiben
beim Kind bleiben
Kind nicht wecken
Kind nicht festhalten
Verletzungen verhindern
Leise mit dem Kind sprechen
Wenn das Kind schlafwandelt, es Richtung Bett lotsen

Wann sollte man bei der Nachtangst zum Arzt?

Da der Nachtschreck in der Regel kein Anzeichen für eine psychische Störung oder ernsthaften psychischen Problemen ist und auch keine Folgen hinterlässt, muss deswegen meist auch kein Arzt zu Rate gezogen werden. Hast du allerdings das Gefühl, dass das nächtliche Aufschrecken zu oft passiert, solltest du mit deinem Kinderarzt sprechen.

Wenn die Nachtangst auch in der Vorpubertät noch regelmäßig auftritt oder dein Kind wirklich sehr oft davon betroffen ist, kann es sinnvoll sein, in Absprache mit dem Kinderarzt mit anderen Fachleuten (Kinderpsychologen, Neurologen etc.) auf Ursachenforschung zu gehen.

 

: Nachtschreck-Erfahrung

Kann man dem Nachtschreck vorbeugen?

Solange keine eindeutige Ursache für den Nachtschreck bekannt ist, kann man kaum vorbeugen. Das Hinterfragen des Alltags ist aber ein guter Ansatzpunkt. Unter dem Motto „Wie kann ich unnötigen Stress für das Kind vermeiden oder wenigstens reduzieren?“ können diese Ideen helfen:

  • Sorge für ausreichend Schlaf, zum Beispiel durch Mittagsschlaf oder frühere Bettzeiten.
  • Schaffe eine reizarme Abendroutine  (z.B. kein Medienkonsum vor dem Schlafen).
  • Etabliere Einschlafrituale wie zum Beispiel Vorlesen.

Quellen

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