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Nachtschreck – Wie verhalte ich mich richtig?

Ein Nachtschreck kann Eltern sehr in Angst versetzen und hinterlässt einen tiefen Eindruck bei allen, die ihn miterleben – auch auf das Kind selbst? Lies hier, welche Ursache hinter der Nachtangst steckt und wie du darauf richtig reagierst.

Erst Tiefschlaf, dann Nachtschreck: So verhältst du dich richtig
Erst Tiefschlaf, dann Nachtschreck: So verhältst du dich richtig
© Unsplash / Annie Spratt

Was passiert bei einem Nachtschreck?

Der Nachtschreck, medizinisch wird er als pavor nocturnus bezeichnet, ist laut Prof. Dr. Reinhard Steinberg eine Form der Schlafstörung bei Kindern, also eine Parasomnie. Der Nachtschreck passiert meist in den ersten drei Stunden nach dem Einschlafen. In dieser Schlafphase, der sogenannten Non-REM-Phase, träumen wir nicht. Das heißt, dein Kind befindet sich in einem tiefen Schlaf – wirkt jedoch wach. Ein Nachtschreck dauert für gewöhnlich zwischen wenigen Minuten und einer dreiviertel Stunde.

Während eines Nachtschrecks schreien, rufen, schimpfen, schlagen und treten Kinder, manche schlafwandeln auch. Sie wirken in größter Not, verzweifelt oder verängstigt. Oft haben die Kinder dabei die Augen geöffnet, so dass es für Außenstehende so scheint, als wären sie wach. Dabei scheinen sie jedoch durch die anwesenden Personen regelrecht hindurch zu schauen. Sie reagieren auch nicht auf Ansprache.

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Nachtschreck: Ab diesem Alter kann er auftreten

Meist tritt der Nachtschreck im Alter von drei bis sechs Jahren auf. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V. schätzt, dass die Nachtangst in dieser Zeit circa drei bis sechs Prozent aller Kinder aufschrecken lässt, allerdings nur vereinzelt. Dass diese Schlafstörung regelmäßig mehrmals die Woche auftritt, ist sehr selten. Bei Jungen kommt der Nachtschreck dabei häufiger vor als bei Mädchen.

Nachtschreck Baby

Aber auch kleinere Kinder können unter Nachtangst leiden. In seltenen Fällen sogar Kinder unter einem Jahr. Der Grund ist derselbe wie bei größeren Kindern, allerdings ist ein Nachtschreck bei Babys für Eltern oft noch erschreckender, weil die Kinder stark weinen.

Aber wie kommt es überhaupt zu dem nächtlichen Hochschrecken und werden Kinder davon seelisch belastet?

Nachtschreck erkennen: Nachtangst oder Alptraum?

Um richtig auf dein verängstigtes Kind reagieren zu können, ist es wichtig, die Nachtangst von einem Alptraum abzugrenzen. Das Deutsche Grüne Kreuz (DGK) fasst die wichtigsten Unterschiede so zusammen:

Nachtschreck Alptraum
Tritt im Altern von drei bis sechs Jahren auf Kann auch schon ab zwei Jahren auftreten
Tritt einige Stunde nach dem Schlafen gehen auf, in der traumlosen Non-REM-Phase Tritt meist zwischen 2.00 Uhr und 6.00 Uhr in der Nacht auf, in der Traum- oder REM-Phase
Dauert wenige Minuten bis 40 Minuten an, das Kind schläft nach dem Nachtschreck wieder ein Das Kind wacht durch den Alptraum auf und muss getröstet werden
Kind kann schreien, rufen, sprechen, treten oder um sich schlagen Kind schreckt aus dem Traum auf, manchmal auch schreiend
Die Augen evtl. geöffnet ohne dass das Kind Personen erkennt, schaut durch Anwesende „hindurch“ Kind ist nach einem Alptraum wach und ansprechbar
Kind scheint zu halluzinieren   —
Kind schlafwandelt eventuell   —
Das Kind kann sich daran am nächsten Tag nicht mehr erinnern Das Kind kann sich am nächsten Tag noch an den Traum erinnern

Wie du dein Kind am besten bei einem Alptraum beruhigst, liest du hier:

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Du kannst schlechten Träumen auch vorbeugen

Nachtschreck: So verhältst du dich richtig

Auch wenn sich das so anfühlt, als würdest du entgegen aller Mutterinstinkte handeln: Je weniger du dein Kind dabei störst, desto schneller ist die Nachtangst meist vorüber. Ein verständlicher Wunsch der besorgten Eltern ist, das Kind bei einem Nachtschreck wecken und beruhigen zu wollen. Dies wird jedoch in der Regel nur schwer möglich sein und kann außerdem dazu führen, dass das Kind länger braucht, sich aus seiner Verwirrung zu lösen und wieder zu beruhigen. Auch wenn es so wirkt, als wäre das Kind wach und würde sogar auf Ansprache zu reagieren, so ist es doch in seinem Traumgeschehen und sollte während der Nachtangst nicht geweckt werden.

Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Bundespressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte rät: „Eltern sollten leise auf ihr Kind einreden, ihm versichern, dass es in Sicherheit ist und dafür sorgen, dass es sich nicht verletzen kann. Ein Kind in dieser Phase aufzuwecken, ist wenig sinnvoll, da es dann orientierungslos sowie verwirrt ist und schwer wieder einschläft.“ Schlafwandelnde Kinder sollten behutsam wieder zurück ins Bett geleitet werden. Stelle vor allem sicher, dass sich dein Kind nicht an der Bettkante oder anderen Gegenständen stoßen kann, wenn es um sich schlägt Am nächsten Tag wird sich das Kind in keiner Weise an das Aufschrecken erinnern können.

Checkliste, wie du am besten auf einen Nachtschreck reagierst:

  1. Kind nicht wecken
  2. Leise mit dem Kind sprechen
  3. Auf keinen Fall versuchen das Kind festzuhalten
  4. Wenn das Kind schlafwandelt, es sanft wieder Richtung Bett lotsen
  5. für Sicherheit sorgen, Verletzungen verhindern
  6. Ruhig bleiben und abwarten

Nachtschreck Ursachen: Wie kommt es dazu?

Obwohl der Nachtschreck bei Kindern zu typischen Schlafstörungen gehört, ist die genaue Ursache dafür noch nicht bekannt. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung geht davon aus, dass Schlafmangel ein möglicher Auslöser für die Nachtangst ist. Eventuell ist gerade der Mittagsschlaf weggefallen oder das Kind kommt später ins Bett als sonst. Auch unregelmäßige Schlafroutinen, Stress und aufregende Zeiten (Urlaub, Weihnachten, Geburtstag, Kindergartenstart, neues Geschwisterchen, zahnen usw.) können im Zusammenhang beobachtet werden. Gerade wenn für Kinder große Veränderungen anstehen, sind die nächtliche Schreckanfälle häufiger. Deswegen ist die Einschulung eine Lebensphase, in der der Nachtschreck besonders häufig auftritt. Es gibt auch Untersuchungen, welche nahelegen, dass die Neigung zu Nachtschrecks oft in der Familie liegt, also vererbt werden könnte.

Wann sollte man bei der Nachtangst zum Arzt?

Da der Nachtschreck in der Regel kein Anzeichen für eine psychische Störung oder ernsthaften psychischen Problemen ist, muss deswegen meist auch kein Arzt aufgesucht werden. Hast du allerdings das Gefühl, dass sich das nächtliche Aufschrecken häufiger passiert und dass dein Kind eventuell sogar krampft, solltest du einen Arzt aufsuchen, der mittels eines EEGs untersucht, ob latente Epilepsie vorliegt.

Wenn außerdem die Nachtangst auch in der Vorpubertät noch regelmäßig auftritt oder dein Kind wirklich sehr oft davon betroffen ist, kann es sinnvoll sein, zusammen mit einem Kinderpsychologen auf Ursachenforschung zu gehen.

Kann man dem Nachtschreck vorbeugen?

Solange es keine eindeutige Ursache für den Nachtschreck gibt, bleibt es schwer, dagegen vorzubeugen. Es kann jedoch helfen, für ausreichend Schlaf zu sorgen, zum Beispiel durch Mittagsschlaf oder frühere Bettzeiten. Auch eine entspannende Abendroutine mit Vorlesen oder Ähnlichem kann helfen. Hinterfragt auch euren Alltag: Kann ich unnötigen Stress für das Kind vermeiden oder wenigstens reduzieren?


Quellen:

  • Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte: Nachtschreck: Kind festhalten und leise sprechen (28.08.2012)
    https://www.kinderaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/nachtschreck-kind-festhalten-und-leise-sprechen/
    (letzter Abruf: April 2019)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Von Albträumen und Schlafwandlern
    https://www.kindergesundheit-info.de/themen/schlafen/schlafprobleme/albtraeume-schlafwandeln/
    (letzter Abruf: April 2019)
  • Dr. med. Nadine McGowan: Der Nachtschreck – Baby in Panik
    https://www.praxisvita.de/der-nachtschreck-baby-panik-9657.html
    (letzter Abruf: April 2019)
  • Prof. Dr. Reinhard Steinberg, Dr. Hans-Günter Weeß, Dr. med. Ralf Landwehr: Schlafmedizin – Grundlagen und Praxis. Uni-med Verlag, 2010
  • Karina Geburzky: Das Grauen kommt im Schlaf: Wenn Kinder Horror-Nächte erleben – und es sofort vergessen
    https://www.stern.de/nido/familienleben/der-nachtschreck—grausiger-besuch-im-kinderzimmer-8154178.html
    (letzter Abruf: April 2019)
  • Deutsche Grüne Kreuz (DGK): Alptraum oder Nachtangst?
    https://dgk.de/gesundheit/kind-gesundheit/angst/alptraum-oder-nachtangst.html
    (letzter Abruf: April 2019)
  • Sigrid Schulze: Der Nachtschreck ist kein schlechter Traum! Was hilft
    https://www.familienleben.ch/gesundheit/baby-kind/dem-nachschreck-den-schrecken-nehmen-so-verhalten-sie-sich-richtig-5175
    (letzter Abruf: April 2019)
  • Leonard Hillmann: Epilepsie im Kindesalter
    https://www.tagesspiegel.de/themen/arztbriefe/arztbrief-epilepsie-im-kindesalter/13465796.html
    (letzter Abruf: April 2019)