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Paukenerguss bei Kleinkindern: Ursachen, Symptome & Behandlung

Wie erkennt man einen Paukenerguss bei Kindern?
Was du gegen Paukenerguss bei Kindern tun kannst.
© Pexels / Tatiana Syrikova

Ein Paukenerguss kommt bis zum Schulalter häufig vor: Mehr als die Hälfte aller Kinder sind bereits in den ersten 12 Monaten und etwa 80 Prozent bis zum 6. Lebensjahr von der Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr betroffen, die die Hörfähigkeit wesentlich beeinträchtigen kann. Welche Behandlung bei einem Paukenerguss angezeigt ist, hängt in erster Linie von Ursachen, Symptomen und Krankheitsverlauf ab.

Ursachen: Wie entsteht ein Paukenerguss?

Mit einem Paukenerguss bezeichnet man eine Ansammlung von Flüssigkeit im Mittelohr bzw. hinter dem Trommelfell. Er tritt bei Kindern häufig als Begleiterscheinung einer Mittelohrentzündung auf, wenn das angestaute Sekret aufgrund der angeschwollenen Schleimhäute nicht mehr abfließen kann.

Zudem können auch vergrößerte Rachenmandeln (Polypen) oder Allergien die Belüftung des Mittelohrs beeinträchtigen.

Kleinkinder sind von einem Paukenerguss so oft betroffen, weil ihre Ohrtrompete (Eustachische Röhre) kürzer als bei Erwachsenen ist und krankheitserregende Keime leichter ins Mittelohr gelangen können.

Kinder, die Krippe oder Kindergarten besuchen, sind anfälliger für einen Paukenerguss, weil sie schlicht häufiger erkältet sind. Das gilt auch für Kinder, die in einem Raucherhaushalt aufwachsen.

Symptome: Wie merkt man einen Paukenerguss beim Kind?

Typisches Anzeichen für einen Paukenerguss ist ein unangenehmes Druckgefühl im Ohr, so als wäre es verstopft. Zuweilen kommt es auch zu Ohrgeräuschen ähnlich einem Knacken.

Schmerzen haben Kinder im Anfangsstadium im Allgemeinen nicht oder wenn dann nur sehr leichte. Etwas älteren Kindern fällt meistens auf, dass sie schlechter hören.

Bei Babys und kleineren Kindern, die sich noch nicht verbal artikulieren können, kann sich der Paukenerguss durch erhöhte Unruhe und Reizbarkeit äußern oder dass sich das Kleine oft ans Ohr greift. Vielleicht fällt es dir auch auf, dass das Kind auf leisere akustische Reize nicht mehr reagiert.

: Wann zum Arzt?

Diagnose: Wie stellt der Arzt einen Paukenerguss fest?

Geht es deinem Baby oder Kleinkind nicht gut, solltest du das immer vom Kinderarzt abklären lassen. Ein Blick durch das Ohrmikroskop gibt Aufschluss über den Zustand des Trommelfells.

Der Paukenerguss ist direkt erkennbar und tritt häufig mit einer Rötung des Trommelfells auf, im chronischen Stadium zeigt sich eine rosafarbene Verdickung. Zusätzlich kann mit einem einfachen Stimmgabel-Test festgestellt werden, ob eine Hörminderung vorliegt.

Bei einem entsprechenden Verdacht wird dich der Kinderarzt an eine HNO-Praxis überweisen. Dort wird mit einer Tympanometrie die Beweglichkeit des Trommelfells gemessen. Mit einer Audiometrie lässt sich die Hörfähigkeit des Kindes exakt ermitteln.

Krankheitsverlauf: Wie lange dauert es, bis ein Paukenerguss weg ist?

Ein Paukenerguss nach einer akuten Mittelohrentzündung heilt bei einem Großteil der betroffenen Kinder innerhalb einiger Wochen von selbst ab.

: Chronischer Paukenerguss

Sollte sich nach drei Monaten immer noch Flüssigkeit hinter dem Trommelfell befinden, spricht man von einem chronischen Paukenerguss.
Die Chancen, dass die Flüssigkeit dann innerhalb der nächsten Monate ohne Behandlung abfließt, liegen in diesem Fall nur noch bei etwa 30 %.

Therapie: Was tun gegen Paukenerguss bei Kindern?

Wie bereits beschrieben, heilt ein akuter Paukenerguss häufig von selbst aus, eine spezielle Therapie ist dann nicht notwendig. Leidet das Kind unter einer verstopften Nase, kann jedoch ein abschwellendes Nasenspray verordnet werden.

Zusätzlich können einfache Maßnahmen helfen, die Belüftung des Mittelohrs zu verbessern:

  • Halte dein Kind – falls es das schon verstehen kann – dazu an, die Kau- und Schluckbewegungen beim Essen zu verstärken.
  • Empfehlenswert kann auch die Anwendung eines Politzer-Ballons sein. Der spezielle Luftballon wird durch das Nasenloch aufgepustet. Damit kann der Druck erhöht und die Ohrtrompete etwas gedehnt werden.

Ist nach drei bis vier Monaten noch keine Besserung eingetreten und besteht weiterhin eine Hörminderung – eventuell macht sich auch eine verzögerte Sprachentwicklung bemerkbar – kann der HNO-Arzt einen operativen Eingriff in Erwägung ziehen.

Bei der ambulanten OP, die unter Vollnarkose vorgenommen wird, erfolgt ein kleiner Schnitt am Trommelfell (Parazentese), um die angesammelte Flüssigkeit abzusaugen.

Ist der Schleim so zäh, dass eine Absaugung nicht möglich ist, kann eine Drainage, das sogenannte Paukenröhrchen, gelegt werden. Dabei handelt es sich um ein dünnes Röhrchen aus Kunststoff oder Metall, das der Körper nach einigen Monaten von selbst abstößt. Narben bleiben dabei nicht zurück.

Nach dem Eingriff unter Vollnarkose bleibt das Kind noch eine Weile unter ärztlicher Beobachtung, zuhause sollte in den nächsten 24 Stunden immer jemand anwesend sein.

Reichen Trommelfellschnitt oder Paukendrainage für eine bessere Belüftung des Mittelohrs nicht aus, kann es helfen, vergrößerte Rachenmandeln operativ zu entfernen.

: Halzschmerzen lindern

Behandlung mit Paukenröhrchen: Ist der operative Eingriff wirklich notwendig?

Während die Paukendrainage lange Zeit als anerkannte Behandlung bei einem Paukenerguss galt, ist deren Nutzen mittlerweile unter Wissenschaftlern umstritten. Studien zufolge ist es mittelfristig für die Hörfähigkeit und Sprachentwicklung eines Kindes nicht entscheidend, ob die Röhrchen zum Einsatz kommen oder der Paukenerguss unbehandelt bleibt. Eine Verbesserung des Hörvermögens werde demnach nur in den ersten Monaten nach dem operativen Eingriff erzielt.

Andere Auswertungen belegen hingegen, dass bei Kindern mit wiederholten Mittelohrentzündungen oder einem chronischen Paukenerguss nur eine geringe Selbstheilungsrate zu beobachten ist. Zudem verweist der Bundesverband der HNO-Ärzte darauf, dass die Paukenröhrchen bakteriellen Mittelohrentzündungen und möglichen Folgeerkrankungen vorbeugen können.

: Zweite Meinung einholen

Ob eine Paukendrainage notwendig ist, hängt vom jeweiligen Befund im Einzelfall ab. Solltest du dir unsicher sein, was in eurem speziellen Fall zu tun ist, kann es hilfreich sein, die Zweitmeinung eines anderen Arztes einzuholen.

Quellen

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