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Wie sich die Corona-Quarantäne auf meine Kinder ausgewirkt hat

Auf einmal ist alles ganz anders… Gerade Kinder reagieren auf Veränderungen durch Corona. Die einen mehr, die anderen weniger. Wie sich die Corona-Quarantäne auf seine beiden Sprösslinge ausgewirkt hat, das erzählt uns unser Autor Markus Kirschbaum heute.

Plötzlich ist alles anders...
Plötzlich ist alles anders...
© Unsplash/ Joel Overbeck

Auf einmal ist alles ganz anders…

Seit knapp zwei Monaten ist nichts, wie es einmal war. Ein gruseliger Virus lässt die Welt den Atmen anhalten – unter schützenden Masken, versteht sich. Apropos Masken…

Die Sache mit der Maskenpflicht

Die Masken unserer Zwerge sind selbstgenähte Einzelstücke. Denn merke: Handelsübliche OP-Masken für Erwachsene sind Kindern:

  1. zu groß
  2. zu hässlich
  3. zu unbequem

Und nachdem – Corona-Verordnung sei Dank – Kinder ab dem sechsten Geburtstag in Supermärkten, anderen Geschäften sowie öffentlichen Verkehrsmitteln die Dinger verpflichtend tragen müssen, sollten sie wenigstens klein, stylisch und bequem sein. Wenn schon, denn schon!

Meine beiden Sprösslinge finden die Sache mit der Maske übrigens nach wie vor voll blöd. Dass sie sie – der Gesundheit aller zuliebe – tragen müssen, verstehen sie aber. Angst haben sie vor maskierten Menschen freilich auch nicht. Das wäre vor ein paar Jahren wohl noch anders gewesen…

Vor Kurzem haben sie sogar einen handfesten Vorteil des Maskentragens für sich erkannt: „Heee! Wenn wir die Masken tragen, stinken andere Menschen nicht so arg!“ Na dann… Man reiche ihnen die Maske! Alleine der olfaktorischen Abgrenzung wegen.

Doch Abgrenzung hin oder her, schon jetzt planen meine beiden Lieblingskinder den stilvollen Abschluss der Maskenpflicht (wenn es denn mal so weit ist): Zwei selbstgenähte, bequeme und stylische Masken sollen dann würdevoll im Garten bestattet werden. Da bin ich dabei!

Keine Schule mehr…

Das Aussetzen des Unterrichts war regierungstechnisch beschlossene Sache. HOMESCHOOLING (mein persönliches Unwort 2020) sollte an dessen Stelle treten…

Vorfreudig tanzen und sprangen zwei Knirpse am Stadtrand von Wien durchs Haus und trällerten in bester Falco-Manier: „NIE MEHR SCHULE! KEINE SCHUUULE MEEEHR!“ Nachdem sie musikalisch nicht unbedingt begnadet sind, hätte sich Falco wohl im Grabe umgedreht. Doch egal, es ging ja um die Message. Sogar die Medien transportierten diese durch das klingende Wörtchen Corona-FERIEN!

Was jedoch auf die Illusion des süßen Nichtstuns folgte, darf getrost als Schlag in die kindliche Magengrube bezeichnet werden. Wir halten fest:

  1. HOMESCHOOLING ist nicht annähernd so cool, wie es klingt.
  2. Corona-Ferien sind alles – nur keine Ferien.
  3. Eltern sind alles – nur keine Lehrer. (Oder: Eltern sind verdammt miese Lehrer. Mieser als mies!)
  4. Richtige Schule ist eigentlich gar nicht SOOO schlecht…
  5. BITTE, BITTE, BITTE, wir möchten endlich wieder in die Schule gehen dürfen!

„Ist das auch wirklich ein Meter?“

Früher waren wir spazieren, wandern, einkaufen oder sonst irgendwo und haben dabei nicht viele Gedanken verschwendet. Doch mittlerweile mit dabei: der imaginäre „Abstands-Meter“! Meine Kinder sind wirklich SEHR bestrebt, sich an sämtliche Regeln und Maßnahmen zu halten. Bekäme ich für jedes: „Papaaa? Ist das da EEEEH ein Meter?!“ einen Euro, wäre ich ein reicher Mann.

Diese rechtschaffene Frage bringt uns übrigens auch so manchen belustigten Blick unserer Mitbürger ein – soweit ich das trotz Masken beurteilen kann, versteht sich!

Stay at home…

Wer auch immer diesen Corona-Sager ins Leben gerufen hat, hat wahrscheinlich keine Kinder. Oder wenn er Kinder hat, dann solche ohne nennenswerten Bewegungsdrang.

Wie sich die Corona-Quarantäne auf Söhnchen ausgewirkt hat? Vermutlich wäre er in Bälde wahnsinnig oder gewalttätig geworden, hätte man die Ausgangsbeschränkungen nicht endlich gelockert.

Denn während der strikten Beschränkungen sah sein durchschnittlicher Tag etwa so aus:

  • stundenlang am Treppengeländer schwingen (eigentlich verboten)
  • im Bett Salti üben (zumindest nicht ausdrücklich erlaubt)
  • die Treppen prinzipiell im Laufschritt bewältigen (streng verboten)
  • im Garten Federbälle von einer Seite auf die andere schmettern (erlaubt)
  • Armdrücken mit Papa (erlaubt)

All das war trotzdem einfach immer VIEL ZU WENIG! Ohne Radtouren, Spielplätze, Motorikparks, Kletterhalle und Fußballtraining ist dieses Kind nämlich nicht nur sehr arm, sondern auf Dauer leider auch kaum auszuhalten. Während der Corona-Quarantäne hatte ich übrigens tiefstes Mitleid mit den unzähligen Eltern, deren Kinder ähnlich bewegungsfreudig sind, die aber keinen Garten oder andere Freiflächen zur Verfügung haben. (Wie habt ihr das bitte geschafft??)

Der Mensch ist ein soziales Wesen – Kinder ganz besonders!

Der letzte Punkt kommt ohne großartige Erklärungen aus. Nur so viel: Kinder von ihresgleichen fernzuhalten, mag vielleicht kurze Zeit klappen, doch irgendwann kippt die Stimmung. Und sie kippt gewaltig! Denn wie man es auch dreht und wendet, ohne Kontakte zu Gleichaltrigen verwandelt sich das liebste und ausgeglichenste Kind wahlweise in ein wutschnaubendes Monster oder in ein apathisches Häuflein Elend. Mit dem nahenden Schulstart ist zumindest das nun vorbei – hoffentlich!