Bookmark

So hat unser Kind auf die Ankunft des Geschwisterchens reagiert

vonDaniela Kirschbaum

Wenn sich ein Geschwisterchen ankündigt, steht die Welt des Erstgeborenen Kopf. Grenzenlose Liebe und Eifersucht wechseln häufig im Minutentakt und auch Teamwork will gelernt sein. Wie sich das Abenteuer „zweites Kind“ im Hause Kirschbaum abgespielt hat, verrät uns unsere Mama und Autorin Daniela.

vonDaniela Kirschbaum
©Pexels/Pixabay

Aller guten Dinge sind zwei

Unsere beiden Nachwüchse sind nur 17 Monate auseinander. Getreu dem Motto „Alles in einem Aufwasch“ sozusagen…

: Diese Gedanken gehen dir durch den Kopf:

Das war so geplant (ja, da wird verdammt oft nachgefragt…) und ist zum Glück auch so gekommen.

Naheliegenderweise war die Schwangerschaft mit der Schwester für den damals „Fast-noch-Säugling“ kein großartiges Event… Die regelmäßigen Besuche beim Frauenarzt, wummernde Herztöne, verschwommene Ultraschallbilder – all das war unserem Erstgeborenen herzlich egal.

Hauptsache, er hatte Milch und schunkelnde Arme, wann immer es ihn danach dürstete. Nur, dass die Mama verdammt häufig die Kloschüssel umarmte, das hat ihn dann ab und zu doch ein wenig irritiert.

Gesteigertes Interesse? Fehlanzeige!

Die Monate vergingen und mit dem Bauch wuchs auch der ältere Bruder. Der flitzte mittlerweile durch das Haus und erste Worte sprudelten aus seinem Mund. All die Dinge, die auf die baldige Ankunft seines Schwesterchens hindeuteten – Mini-Kleidungsstücke, Kinderwagen oder Wiege – ignorierte er stoisch.

Seine Welt war klein. Mama, Papa, Milch (ja, er hat lange nichts gegessen) und Lego (eine Obsession…), mehr hatte da keinen Platz. Eine Schwester? Das sprengte seine Vorstellungskraft!

Wir hatten tolle Bilderbücher à la „Ich bekomme ein Geschwisterchen“ und Konsorten. Die hielt er immer nur kurz in den kleinen Händchen, um sie dann schwungvoll in die Ecke zu pfeffern. Schließlich brauchte er für seine Lego-Türme freie Hände…

: Wie sage ich es dem Kind?

Manchmal – wenn gerade kein Lego-Stein darin lag – haben wir seine Hand auf meinen Bauch gelegt. Dann hat er uns ganz irritiert angeschaut. („Was wollen die jetzt schon wieder von mir und warum ist die Mama so aus dem Leim gegangen?“) Unser: „Daaaa ist das Baby driiiin!“ hat er irgendwann mit einem trällerndem „Daaaa Baaaaby!“ kommentiert. Vermutlich, damit wir ihn endlich in Ruhe Lego bauen lassen…

So eine kleine Schwester kann schon einmal übersehen werden…

Eines Nachts im Januar war es dann so weit. Söhnchen wurde bei Oma abgeliefert und wir fuhren ins Krankenhaus weiter – eine ambulante Geburt war geplant. Alles verlief reibungslos (wir hatten so viel Glück :)) und wenige Stunden später war ein bildhübsches kleines Mädchen geboren.

Am nächsten Morgen sollten sich Brüderchen und Schwesterchen kennenlernen. Sie lag auf der Couch, er stürmte ins Zimmer und …

… hat sie einfach übersehen!

Erst als wir ihn mit Händen, Füßen und Worten darauf aufmerksam machten, dass da eine kleine Erdenbürgerin auf der Couch schlummert, war sein Interesse geweckt…

Also stürzte er zu seiner Schwester rüber (dieses Kind kann sich einfach nicht normal bewegen, da geht alles nur im Zeitraffer) und nahm die Spielgefährtin in spe unter die Lupe. Irritiert sah er uns an, dann wieder das Baby, dann wieder uns und murmelte: „Daaa Baaaaby!“

Damit war sein Interesse erloschen und er wandte sich wieder – ja, genau! – seinem Lego zu.

Gar keine Reaktion ist immerhin keine negative Reaktion…

So ging das dann monatelang. Das Schwesterchen war ein verdammt ruhiges, zufriedenes Baby, das ihm nicht „in die Quere“ kam. So wurde sie stillschweigend akzeptiert, aber nicht mit besonders viel Aufmerksamkeit bedacht.

Sie hingegen liebte ihren Bruder heiß. Von dem Zeitpunkt an, als sie fixieren konnte, folgten die braunen Augen dem Großen auf Schritt und Tritt. Am liebsten lag sie auf einer Krabbeldecke inmitten des Trubels, den er veranstaltete. War sie von ihm getrennt, wurde sie unruhig. Flitzte, sprang und tanzte er um sie herum, war alles gut…

Und sie lieben sich doch!

Dann war sie gekommen, die Zeit, als sie anfing, an ihm zu kleben wie sein zu klein geratener Schatten. Zuerst robbend, später krabbelnd, dann auf zwei wackeligen Beinen.

Nachdem er ihr rasch klargemacht hatte, dass alles in bester Ordnung ist, solange sie seinen Lego-Kunstwerken kein Haar krümmt (das hat sie übrigens verdammt rasch begriffen), war schlimmer Streit eher die Ausnahme.

: Wie du damit umgehst:

Im Gegenteil, mit der Zeit erwiderte er ihre grenzenlose Liebe. Während sie ihm hinterher tapste und ihn bewundernd anstrahlte, wurde er nicht müde, für sie aufzutreiben, was ihr Herz begehrte – Stofftiere, Bilderbücher, Mamas Schminkzeug oder Schokolade beispielsweise.

Unnötig zu erwähnen, dass ihr erstes Wort – nach Mama, NEEEIN und Papa – ein inbrünstiges „LEGOOO“ war. So hat sie ihren Bruder übrigens konsequent über viele Jahre genannt und nur ganz selten bei seinem richtigen Namen…

: Großer Einfluss auf den Charakter:

Heute: ein Herz und eine Seele!

Die Harmonie ist geblieben. Sicher, sie streiten, wie alle anderen Geschwister auch, doch das hält sich in Grenzen. Irgendwie ergänzen sich Töchterchen und ihr „Lego“ einfach gut. Außerdem sind sie ein gutes Team – vor allem, wenn sie sich gegen uns Eltern verbünden müssen. Der enge Altersabstand kommt ihnen da sicher auch zugute…

 

 

Top