Resilienz fördern bei Kindern: 7 Tipps für eine starke Psyche

vonConnie Gräf-Adams | freie Autorin
Trauriger Junge blickt aus Fenster
Viele Kinder werden früh im Leben mit schwierigen Situationen konfrontiert
© Bigstock / dimaBerlin

Corona-Pandemie, Krieg in der Ukraine, Klimakrise, Inflation und Armut, Arbeitslosigkeit der Eltern oder der Tod eines nahen Angehörigen – Kinder sind mit vielen schwierigen Situationen konfrontiert. Ob die Erfahrungen eine Belastung darstellen oder sie stattdessen gestärkt daraus hervorgehen, hängt wesentlich davon ab, wie ausgeprägt ihre Resilienz ist. Was Resilienz bedeutet und wie du die Resilienz deines Kindes stärken kannst, erfährst du in unserem Beitrag.

Was ist Resilienz?

Der Begriff Resilienz stammt ursprünglich aus der Werkstoffkunde und bezeichnet die Strapazierfähigkeit und Elastizität eines Stoffes. Eigenschaften, die auch für unsere Psyche wichtig sind.

Entsprechend versteht man in der Psychologie unter Resilienz die Widerstandsfähigkeit der Seele und Flexibilität eines Menschen im Umgang mit schwierigen und belastenden Situationen.

Auch wenn der Begriff uns seit den letzten Jahren verstärkt begegnet – neu ist die Thematik in der Wissenschaft nicht. Die Entwicklungspsychologin Emmy Werner beschäftigte sich bereits in den 1950er Jahren intensiv mit den Faktoren, die die Entwicklung von Kindern beeinflussen. Dank intensiver Forschung weiß man heute, was dazu beitragen kann, problematische Situationen und Lebensumstände zu meistern und wie sich die Resilienz bei Kindern gezielt fördern lässt.

Resilienz kann man lernen

Resilienz ist kein angeborenes Charaktermerkmal, sondern entwickelt sich bereits ab dem Säuglingsalter aus der Interaktion von Kindern mit ihren Bezugspersonen und der Umwelt.

Die mentale Widerstandskraft und Belastbarkeit kann in verschiedenen Lebensphasen und -bereichen unterschiedlich ausgeprägt sein. Während ein Kind in bestimmten Situationen sehr resilient ist, kann es in anderen Phasen oder bei bestimmten Themen mehr Unterstützung benötigen, um Herausforderungen anzugehen.

Ganz wichtig: Die Resilienz zu fördern bedeutet weder, Kinder durch besonders strenge und harte Erziehungsmaßnahmen „abzuhärten“ und womöglich schwierige Situationen künstlich zu erschaffen, noch geht es darum, Kinder von allen Widrigkeiten des Lebens fernzuhalten und zu sehr zu behüten (Stichwort Helikopter-Eltern).

Eigenschaften resilienter Kinder

Wie kommt es, dass sich manche Kinder trotz widriger Lebensumstände (z.B. familiäre Gewalt, suchtkranke Eltern, Armut) zu Erwachsenen mit einem glücklichen, gesunden und erfüllten Leben entwickeln? Wie stark Menschen in Krisen sind, hängt vom Verhältnis der Risikofaktoren und Schutzfaktoren ab. Sind die Schutzfaktoren gut ausgeprägt, können sie negativen Einflüssen entgegenwirken und diese ausgleichen.

Resiliente Kinder verfügen über bestimmte Fähigkeiten und Kompetenzen:

  • Sie haben eine gute Selbstwahrnehmung und kennen ihre Stärken und Schwächen.
  • Sie gehen Probleme aktiv an, denken und handeln lösungsorientiert.
  • Sie glauben an die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten, erkennen aber auch, wenn es Umstände gibt, die sie nicht beeinflussen oder kontrollieren können.

Diese Eigenschaften tragen dazu bei, dass Problemsituationen und negative Ereignisse weniger als Belastung, sondern stattdessen als Herausforderung gesehen werden. Das regt zu aktiven Bewältigungsstrategien an und führt dazu, dass sich resiliente Kinder nicht hilflos fühlen.

Neben persönlichen Ressourcen spielt auch das soziale Umfeld eine entscheidende Rolle. Ein wesentlicher Beitrag zur Entwicklung von Resilienz ist eine stabile emotionale Bindung zu mindestens einer Bezugsperson. Positiv auf die mentale Widerstandskraft wirken sich auch gute Kontakte zu Freunden und Gleichaltrigen aus sowie kompetente Erwachsene außerhalb des engsten Familienkreises (z.B. Lehrer, Erzieher, Großeltern), die das Kind ermutigen, die Bewältigung von Krisen im Alltag vorleben und als Role Models dienen.

7 Tipps, um die Resilienz deines Kindes zu stärken

Mit unseren Tipps kannst du dein Kind unterstützen und seine Resilienz fördern. Hab dabei etwas Geduld, die Entwicklung von Resilienz ist ein kontinuierlicher Prozess und vollzieht sich in kleinen Schritten.

#1 Zuneigung und Anerkennung
Ein liebevoller Umgang ist der Schlüssel zur psychischen Widerstandskraft. Die bedingungslose Zuneigung zu deinem Kind – mit allen Fehlern und Schwächen – gibt ihm den emotionalen Rückhalt, den es für seine gesunde Entwicklung braucht. Lobe es für seine Erfolge und Bemühungen und zeige dabei konkret seinen Beitrag auf.

Ein Beispiel: Stapelt ein Kleinkind Klötze übereinander, erkläre ihm, dass durch sein Geschick ein hoher Turm entstanden ist.

#2 Verantwortung übertragen
Übertrage deinem Kind schon früh kleine Aufgaben, die Alter und Fertigkeiten entsprechen. Das fördert seine Selbstständigkeit und gibt ihm die Chance, sein Können unter Beweis zu stellen. Schimpfe nicht, wenn es nicht gleich perfekt klappt, sondern ermutige dein Kind, es nochmal zu versuchen. So kann es lernen, Problemlösungen zu entwickeln.

#3 Sport und Bewegung
Sportliche Aktivitäten sind eine gute Möglichkeit, um Stress abzubauen und gleichzeitig neue Fähigkeiten zu erwerben. Das muss kein Leistungssport im Verein sein, auch Seilspringen oder Klettern auf dem Spielplatz zählt. Hauptsache, es macht Spaß. Kinder lernen dabei, sich auf ein Ziel zu fokussieren und auch Rückschläge zu akzeptieren.

#4 Sei deinem Kind ein Vorbild
Kinder lernen in erster Linie nonverbal und orientieren sich am Verhalten der Eltern. Lebst du vor, bei Schwierigkeiten nicht aufzugeben, sondern Probleme aktiv anzugehen und nach Lösungen zu suchen, wird sich dein Kind – eine gute Beziehung vorausgesetzt – ebenso verhalten.
Gleiches gilt für soziale Kontakte: Begegnest du deinem Umfeld (Freunden, Verwandten oder der Kassiererin im Supermarkt) freundlich und wertschätzend, wird dein Kind diese Haltung im Umgang mit anderen Menschen übernehmen.

#5 Gemeinsame Entscheidungen
Binde dein Kind in Entscheidungen und Maßnahmen ein, die das Familienleben betreffen. Beispielsweise zum Thema Klimaschutz: Überlegt gemeinsam, was ihr tun könnt, um Müll zu reduzieren oder im Haushalt Energie zu sparen. Schreibt oder malt zusammen einen Plan, in dem ihr eure Ideen sammelt und Ziele definiert.

#6 Offene Gespräche
Ermutige dein Kind, offen über seine Erlebnisse, Gedanken und Gefühle zu sprechen. Höre dabei aufmerksam zu und begegne deinem Kind mit Interesse und Empathie, auch wenn du vielleicht anderer Ansicht bist. Stelle Fragen, um seinen Standpunkt besser zu verstehen. Ist es gewohnt, seine Meinung offen vertreten zu können und in bestimmten Punkten Kompromisse auszuhandeln, stärkt das die Konfliktfähigkeit.

#7 Routinen und Struktur
Kinder brauchen Freiräume, aber auch Grenzen – in jedem Alter. Tägliche Routinen wie z.B. feste Essens- und Schlafenszeiten oder eine begrenzte Dauer für die Nutzung von Smartphone und Tablet sorgen für Halt und Sicherheit, gleichzeitig werden Disziplin und Selbstverantwortung gefördert.

Geschichten für starke Kinder

Zur Förderung von Resilienz, Selbstbewusstsein und sozialen Kompetenzen hat das Netzwerk Wir stärken Dich e.V. eine Sammlung kurzer Geschichten für Kinder von 4 bis 10 Jahren veröffentlicht. In altersgerechter Form werden Szenen aus dem Alltag dargestellt, die Kindern häufiger passieren und Mut erfordern. Dazu gibt es Fragen und Lösungsvorschläge, wie man mit der Situation umgehen kann. Die Starke Kinder Geschichten gibt’s hier zum kostenlosen Download.

Quellen

Zur Entstehung dieses Artikels:

Alle Informationen in diesem Artikel stammen aus öffentlichen und zuverlässigen Fachquellen wie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Mehr über unsere redaktionellen Grundsätze, worauf wie bei der Quellenauswahl achten und wie wir unsere Inhalte regelmäßig prüfen, erfährst du hier.

Die hier gegebenen Ratschläge und Informationen ersetzen in keinem Fall die medizinische Betreuung durch qualifiziertes Fachpersonal. Bitte kontaktiere immer deinen Kinderarzt oder deine Kinderärztin für eine professionelle Diagnose und Behandlung.