Bookmark

Vom Scheitern – und anderen Notwendigkeiten

Scheitern gehört zum Leben, wie wir aus – manchmal leidvoller – Erfahrung wissen. Unsere Kinder möchten wir vor solchem Kummer schützen. Als Eltern liegt das irgendwie in unserer Natur. Aber nicht immer ist das eine gute Idee, findet unsere Autorin Daniela Kirschbaum. Warum sie ihre Kinder durchaus auch mal ins „Unglück“ laufen lässt, erzählt sie uns heute.

Scheitern fühlt sich nur im ersten Moment doof an.
Scheitern fühlt sich nur im ersten Moment doof an.
Bigstock / Tropical Studio

Ich bin dann wohl eine Rabenmutter

Was ist eigentlich das Gegenteil einer Helikoptermutter? Eine Rabenmutter? Wie auch immer, das bin ich jedenfalls! Ich umkreise meine Sprösslinge eher selten und Unheil wende ich nicht zwangsläufig von ihnen ab, bloß weil ich es könnte. Natürlich heißt das nicht, dass ich sie sehenden Auges in ihr Unglück laufen lasse. Aber man könnte schon behaupten, dass ich abwäge. Meiner bescheidenen Meinung nach sind Misserfolge nämlich durchaus sinnvoll für die Entwicklung. Und wir wollen doch alle, dass sich unser Nachwuchs gut entwickelt. Aber selbstverständlich alles mit Maß und Ziel.

Wenn Mamas Referate vorbereiten

Eltern, die ihre Kinder vor Gott und der Welt beschützen, kennen wir alle. Blessuren und schlechte Noten werden ebenso abgewendet wie Enttäuschungen und Kummer. Solche Eltern hetzen in die Schule, um dem Augensternchen vergessene Bücher nachzureichen, bereiten knifflige Referate vor (ja, STATT ihren Kindern, nicht MIT ihnen) oder werfen sich wie die Löwen dazwischen, wenn der Sprössling auf dem Spielplatz in einen harmlosen Streit gerät. Schon als ich selbst ein Kind war, hat es solche Eltern gegeben. Bloß, dass man die damals noch nicht mit klingenden Namen wie „Helikoptereltern“ bedachte.

Video-Empfehlung

Scheitern im kleinen Stil

Ich für meinen Teil finde ein Mittelmaß ganz gut. Es reicht vollkommen aus, wenn man sich dann löwenhaft dazwischenwirft, wenn es unschön enden kann! Man muss ein unbedarftes Kleinkind nicht ausprobieren lassen, ob die Herdplatte wirklich heiß ist. Oder dem Grundschüler als Konsequenz seiner Trödelei ein Gefühl dafür geben, wie es ist, den Bus zur Klassenfahrt zu verpassen.

Großes Leid darf, ja soll (!) man selbstverständlich nach Leibeskräften abwehren. Das sieht die Jobbeschreibung für akzeptable Eltern in gewisser Weise vor! Aber Scheitern im kleinen Stil? Die ganz normalen Misserfolge im kindlichen Alltag? Die – der Meinung bin ich jedenfalls – sind dafür da, dass kind sie durchsteht und an ihnen wächst. Wie einst ein kluger Mann (nämlich Thomas Edison) wusste: „Ich habe nicht versagt. Ich habe nur 10.000 Wege gefunden, die nicht funktionieren.“

Scheitern? Ist durchaus wichtig für die Entwicklung!

Da kann ich mich dem guten Thomas nur anschließen! Bewahrt man sein Kind ständig vorm (vermeintlichen!) Scheitern, bringt man es um wesentliche Erkenntnisse. Dass Misserfolg und Erfolg ziemlich nahe beieinander liegen zum Beispiel. Oder dass Scheitern zum Lernen beitragen kann (Trial & Error). Sich an Grenzen auszuprobieren, mit Misserfolgen umzugehen und Ziele zu erreichen, all das ist wesentlich für die persönliche Entwicklung. Weshalb sollte ich meine Kinder um solche wichtigen Erfahrungen bringen wollen?

Misserfolg ist relativ

Aus diesen Gründen packe ich meine Kinder nicht in Watte, sondern lasse sie sich ausprobieren. Die ein oder andere Schürfwunde oder Beule nehme ich dafür billigend in Kauf. Neulich war ich mit meiner Tochter übrigens im örtlichen Basketballverein schnuppern. Das hat sie sich in den Kopf gesetzt hat, obwohl sie wahrlich das Gegenteil von einem Ballsporttalent ist. Die blöden Sprüche der anderen (sprich: talentierten) Kinder habe ich vorausgeahnt. Was soll ich sagen? Mich haben die bei weitem mehr getroffen als Töchterchen. Der waren die Sprüche total egal und nach der Schnupperstunde wusste sie, was sie doch nicht will – Basketball spielen! Als Misserfolg hat sie das garantiert nicht empfunden. Man sieht also: Scheitern liegt sowieso im Auge des Betrachters!

 

Zum Weiterlesen: