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Schreiben lernen: So kannst du dein Kind unterstützen

Wie können Kinder am besten das Schreiben lernen? Dafür gibt es verschiedene Methoden, doch manche sind inzwischen umstritten – vor allem das Schreiben nach Gehör. Lies hier verschiedene pädagogische Ansätze, wie Kinder in der Schule schreiben lernen und wie du dein Kind dabei am besten unterstützen kannst.

So lernen Kinder schreiben am besten
So lernen Kinder schreiben am besten
© Bigstock/ Nadezhda1906

Schreiben lernen: Welche Methode ist die richtige?

Viele Kinder können zum Zeitpunkt der Einschulung zumindest ihren Namen schreiben. Das ist aber oft lediglich das Nachahmen von eingeübten Linien, denen nur ein geringes Buchstabenverständnis voraus geht. Daraus leitet sich also nicht automatisch eine Lese- oder Schreibfähigkeit ab. Schreiben lernen Kinder in der Grundschule. Welche Methode dafür die richtige ist, darüber diskutieren Pädagogen nach wie vor. Bundesweit gibt es dafür auch keine einheitliche Regelung, nach welcher Methode in Grundschulen schreiben lernen gelehrt werden soll. In der Kritik steht immer wieder das Konzept „Schreiben nach Gehört“ beziehungsweise „Lesen durch Schreiben“. Ist das Lernen mit einer Lese-Fibel also doch besser?

„Schreiben nach Gehör“: Umstrittene Methode zum schreiben lernen

Das Konzept „Lesen durch Schreiben“ oder auch „Schreiben nach Gehör“ geht auf den Schweizer Reformpädagogen Jürgen Reichen zurück. Demnach sollen Kinder schreiben lernen durch Ausprobieren. Mit Hilfe einer Anlauttabelle werden Wörter Buchstabe für Buchstabe zusammengesetzt. Die korrekte Rechtschreibung spielt für dieses Schreiben nach Gehör erstmal keine Rolle. Und so darf Fater auch mit F geschrieben werden, weil sich das F in Fahrrad genauso anhört. Ziel dieser Methode: Kinder sollen sich mit Hilfe der Anlauttabellen das Schreiben und Lesen gewissermaßen selbst erschließen und zwar ohne, dass Lehrer den Spaß am Entdecken durch Korrekturen ausbremsen.

Schreiben lernen mit Lese-Fibel: Buchstaben lernen

Mit der Lese-Fiebel Schreiben lernen heißt Buchstaben lernen. Dafür wird zunächst in der ersten Klasse das Alphabet mit all seinen Buchstaben vermittelt. Meist sind Fibeln so aufgebaut, dass die Kinder die Schriftsprache in einem fest vorgegebenen, strukturierten Ablauf erlernen und so nach und nach einen schriftsprachlichen Grundwortschatz aufbauen. Die Reihenfolge der Buchstaben ergibt sich dabei meist aus dem verwendeten Lernprogramm der Lese-Fibel. Zum Alphabet hinzu kommen noch Umlaute, Buchstabenkombinationen wie „sch“, „st“ „eu“, „ei“, „äu“ usw. und das „ß“. Erste Satzzeichen wie Fragezeichen und Punkt werden eingesetzt. Anders als beim „Schreiben nach Gehör“ gehören hier auch Korrekturen durch den Lehrer dazu.

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Schwierigkeiten beim Schreiben lernen

Unabhängig von der Methode stoßen die kleinen ABC-Schützen beim Lesen und Schreiben lernen zwangsläufig auf Ungereimtheiten: Der gleiche Buchstabe kann ganz unterschiedlich ausgesprochen werden! So wird zum Beispiel das Wort „Stein“ im Hochdeutschen mit dem Laut „Sch“ am Anfang gesprochen, jedoch nur mit „S“ geschrieben. Ein Vokal wie das „a“ kann kurz gesprochen werden (Apfel) oder lang (Ameise). Und manchmal gibt es doppelte Buchstaben, die die Aussprache von Vokalen verändern (nass) oder ein „h“ sorgt für lang ausgesprochene Vokale (fahren), ganz zu schweigen von den doppelten Vokalen (Haar) – aber „Nase“ wiederum wird ohne „H“ oder „AA“ geschrieben.

Nächstes Problem: Wo fängt ein Wort an und wo endet es? „Omakommtunsbesuchen“ ist für Kinder zunächst frei von Wortunterteilungen. Unsere Schriftsprache besteht aus Sätzen, die aus Wörtern bestehen, die aus Silben bestehen, die aus Lauten bestehen, die wiederum aus Buchstaben bestehen. Wer das noch nicht gelernt hat, erkennt diese Unterteilungen nicht. Einzelne Wörter im Satz herauszufinden, beim Schreiben voneinander zu trennen und dabei keinen Laut zu vergessen oder hinzuzudichten – das ist schon eine Kunst für sich. Und warum schreibt man Wörter mal groß, mal klein? Dieses komplexe Wissen wird in der Schule erst über viele Jahre hinweg vermittelt. Da ist es in den ersten Klassen vielleicht doch gar nicht so verkehrt, noch mit Buchstaben experimentieren zu dürfen?

Schreiben lernen: aktuelle Diskussion

Wie bereits erwähnt, steht vor allem die Methode „Lesen durch Schreiben“ schon lange in der Kritik. Pädagogen sehen vor allem die Rechtschreibkompetenz der Schüler gefährdet. Deswegen wird sie von den Kultusministerien einiger Bundesländer als Lehrmethode sogar schon gänzlich verboten. Gegenüber dem NDR erklärt auch Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien, dass zum Schuljahr 2018/19 nach der reinen Methode „Lesen durch Schreiben“ nicht mehr unterrichtet werden dürfe. Nordrhein-Westfalen (NRW) führt ab dem Schuljahr 2019/20 einen Pflichtwortschatz von 533 Wörtern ein, den Grundschüler zukünftig inklusive der korrekten Rechtschreibung beherrschen müssen. „Die Regeln der deutschen Rechtschreibung können und müssen von der ersten Klasse an gelernt werden“, begründet die Schulministerin von NRW Yvonne Gebauer die Entscheidung.

Anlass für die erneute Diskussion über die richtige Methode zum Schreiben lernen ist eine aktuelle Studie der Universität Bonn. Diese kommt zu dem Schluss, dass Grundschüler durch den „systematischen Fibelansatz“ deutlich besser das Schreiben lernen. Für die Studie wurde die Rechtschreibleistungen von 3.000 Grundschulkindern aus NRW untersucht. Der deutsche Lehrerverband hat daraufhin bereits eine einheitliche Regelung gefordert, dass Lesen durch Schreiben „nicht weiter im Rechtschreibunterricht verwendet werden darf“.

Allerdings ist die Untersuchung der Bonner Universität auch angreifbar. So wurde beispielsweise nicht berücksichtigt, welche Methode mehr Lust und Spaß am Lesen und Schreiben vermittelt, ebenso wenig wie die Kompetenz, sich schriftlich auszudrücken. Zudem wird in kaum einer Schule nur nach einer Methode dogmatisch gelehrt, weshalb sich auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) von einem solchen Verbot distanziert: „Der VBE vertritt nach wie vor die Ansicht, dass jede einzelne Schule die Entscheidung treffen sollte, auf welche Weise sie den Kindern in den ersten Schuljahren das Lesen und Schreiben vermittelt. Jede Schule arbeitet auf der Grundlage der vorgeschriebenen Lehrpläne und übernimmt dafür Verantwortung, dass die Kinder am Ende der Grundschulzeit über die erforderlichen Kenntnisse im Bereich der Rechtschreibung verfügen“, heißt es in einer offiziellen Pressemitteilung.

Schreiben lernen: Methoden-Mix als Königsweg?

Derzeit dürfen Kinder in der ersten Klasse Wörter meist noch so schreiben, wie sie sie sprechen. Auf die korrekte Rechtschreibung pochen die Lehrer meist noch nicht. Das bedeutet, dass der Grundgedanke des freien Schreibens beziehungsweise des Schreibens nach Gehör zunächst noch Anwendung findet, zum Beispiel auch, um das kreative Schreiben von Kindern nicht zu hemmen. Nach und nach wird aber natürlich eine korrekte Rechtschreibung immer wichtiger: Rechtschreibregeln und Grammatik müssen gelernt werden. Eine Mischform aus unterschiedlichen Methoden kommt daher bei der Mehrzahl der Grundschulen zu Anwendung, wenn Kinder schreiben lernen.

Wie kann ich mein Kind beim Schreiben lernen unterstützen?

Eine wichtige Voraussetzung ist es, dass Kinder einen Stift richtig halten können. Spielerische Motorik-Übungen und Übungen für die Feinmotorik sind also die perfekte Möglichkeit, Kinder auf das Schreiben lernen vorzubereiten. Ermutige dein Kind immer wieder zum Malen. Auch Kneten stärkt die kleinen Finger und schult die Motorik.

Außerdem solltest du deinem Kind regelmäßig vorlesen. Das weckt zum einen die Begeisterung für das geschriebene Wort und zum anderen entwickelt dein Kind durch das Zuhören schon ein gewisses Sprachgefühl.

Und nicht vergessen: Anders als das Sprechenlernen ist Schreiben kein natürlicher Vorgang und daher um einiges komplexer. Es sind mehrere verschiedene Gehirnregionen beteiligt, die mit einander verknüpft und koordiniert werden müssen. Habe also Geduld und gib deinem Kind Zeit, diese große Herausforderung zu meistern.

Quellen:

  • Pressemitteilung des Verbands Bildung und Erziehung (VBE): Schuster bleib bei deinen Leisten – Zur Forderung des DL, die Methode „Lesen durch Schreiben“ bundesweit zu verbieten, In:vbe.de
    https://www.vbe.de/presse/pressedienste-2018/schuster-bleib-bei-deinen-leisten/ (letzter Abruf April 2019)
  • Pressemitteilung des Deutschen Lehrerverbands: Deutscher Lehrerverband fordert Bildungspolitik auf, daraus Konsequenzen zu ziehen, In: lehrerverband.de
    https://www.lehrerverband.de/rechtschreibstudie_uni_bonn/ (letzter Abruf April 2019)
  • Pressemitteilung der Univerität Bonn: Die „Fibel“ führt zu besserer Rechtschreibung – Studie der Uni Bonn: Psychologen verglichen die Leistungen von über 3.000 Grundschulkindern in NRW, In: uni-bonn.de
    https://www.uni-bonn.de/neues/237-2018 (letzter Abruf April 2019)
  • Pressemitteilung des Schulministeriums Nordrhein-Westfalen: Ministerin Gebauer: Richtig Schreiben ist eine Schlüsselkompetenz – wir stärken den Rechtschreibunterricht in der Grundschule; In: schulministerium.nrw.de
    https://www.schulministerium.nrw.de/docs/bp/Ministerium/Presse/Pressemitteilungen/2019_17_LegPer/PM20190326_Richtig-Schreiben/index.html (letzter Abruf April 2019)