Schreiben lernen: Aus diesem Grund ist es so schwierig

Schreiben lernen: Aus diesem Grund ist es so schwierig

Wie können Kinder am besten das Schreiben lernen? Dafür gibt es verschiedene Methoden, doch manche sind inzwischen umstritten. So können Eltern unterstützen.

Junge lernt schreiben
So lernen Kinder schreiben am besten © Bigstock/ Nadezhda1906

Schreiben lernen im Kindergarten?

Viele Kinder können zum Zeitpunkt der Einschulung zumindest ihren Namen schreiben. Das ist aber oft lediglich das Nachahmen von eingeübten Linien, denen nur ein geringes Buchstabenverständnis voraus geht. Daraus leitet sich also nicht automatisch eine Lese- oder Schreibfähigkeit ab. Schreiben lernen Kinder in der Grundschule. Welche Methode dafür die richtige ist, darüber diskutieren Pädagogen nach wie vor.

Schreiben lernen nach der Methode „Lesen durch Schreiben“

Nach diesem Konzept des Schweizer Reformpädagogen Jürgen Reichen sollen Kinder schreiben lernen durch Ausprobieren. Mit Hilfe einer Anlauttabelle werden Wörter Buchstabe für Buchstabe zusammengesetzt. Die korrekte Rechtschreibung spielt für dieses Schreiben nach Gehör erstmal keine Rolle. Deswegen steht die Methode auch seit Jahren in der Kritik und wird von den Kultusministerien einiger Bundesländer als Lehrmethode sogar schon gänzlich verboten. Gegenüber dem NDR erklärt auch Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien, dass zum Schuljahr 2018/19 nach der reinen Methode ‚Lesen durch Schreiben‘ nicht mehr unterrichtet werden dürfe. Bundesweit gibt es dafür aber keine einheitliche Regelung.

Schreiben lernen mit Lese-Fiebel: Buchstaben lernen

Weniger umstritten ist das Schreibenlernen mit der Lese-Fiebel, denn Schreiben lernen heißt schließlich Buchstaben lernen. Dafür wird zunächst in der ersten Klasse das Alphabet mit all seinen Buchstaben vermittelt. Die Reihenfolge der Buchstaben ergibt sich dabei meist aus dem verwendeten Lernprogramm der Lese-Fibel. Zum Alphabet hinzu kommen noch Umlaute, Buchstabenkombinationen wie „sch“, „st“ „eu“, „ei“, „äu“ usw. und das „ß“. Erste Satzzeichen wie Fragezeichen und Punkt werden eingesetzt.

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Schwierigkeiten beim Schreiben lernen

Doch sehr bald stoßen die kleinen ABC-Schützen beim Lesen und Schreiben lernen auf erste Ungereimtheiten: Der gleiche Buchstabe kann ganz unterschiedlich ausgesprochen werden! So wird zum Beispiel das Wort „Stein“ im Hochdeutschen mit dem Laut „Sch“ am Anfang gesprochen, jedoch nur mit „S“ geschrieben. Ein Vokal wie das „a“ kann kurz gesprochen werden (Apfel) oder lang (Ameise). Und manchmal gibt es doppelte Buchstaben, die die Aussprache von Vokalen verändern (nass) oder ein „h“ sorgt für lang ausgesprochene Vokale (fahren), ganz zu schweigen von den doppelten Vokalen (Haar) – aber „Nase“ wiederum wird ohne „H“ oder „AA“ geschrieben.

Nächstes Problem: Wo fängt ein Wort an und wo endet es? „Omakommtunsbesuchen“ ist für Kinder zunächst frei von Wortunterteilungen. Unsere Schriftsprache besteht aus Sätzen, die aus Wörtern bestehen, die aus Silben bestehen, die aus Lauten bestehen, die wiederum aus Buchstaben bestehen. Wer das noch nicht gelernt hat, erkennt diese Unterteilungen nicht. Einzelne Wörter im Satz herauszufinden, beim Schreiben voneinander zu trennen und dabei keinen Laut zu vergessen oder hinzuzudichten – das ist schon eine Kunst für sich. Und warum schreibt man Wörter mal groß, mal klein? Dieses komplexe Wissen wird in der Schule erst über viele Jahre hinweg vermittelt. Da ist es in den ersten Klassen vielleicht doch gar nicht so verkehrt, noch mit Buchstaben experimentieren zu dürfen?

Schreiben lernen: Methoden-Mix als Königsweg?

Tatsächlich dürfen Kinder in der ersten Klasse Wörter meist noch so schreiben, wie sie sie sprechen. Auf die korrekte Rechtschreibung pochen die Lehrer meist noch nicht. Das bedeutet, dass der Grundgedanke des freien Schreibens beziehungsweise des Schreibens nach Gehör zunächst noch Anwendung finden, zum Beispiel auch, um das kreative Schreiben von Kindern nicht zu hemmen. Nach und nach wird aber natürlich eine korrekte Rechtschreibung immer wichtiger: Rechtschreibregeln und Grammatik müssen gelernt werden. Eine Mischform aus unterschiedlichen Methoden kommt daher bei der Mehrzahl der Grundschulen zu Anwendung, wenn Kinder schreiben lernen.

Wie kann ich mein Kind beim Schreibenlernen unterstützen?

Eine wichtige Voraussetzung ist es, dass Kinder einen Stift richtig halten können. Spielerische Motorik-Übungen und Übungen für die Feinmotorik sind also die perfekte Möglichkeit, Kinder auf das Schreibenlernen vorzubereiten. Ermutige dein Kind immer wieder zum Malen. Auch Kneten stärkt die kleinen Finger und schult die Motorik.

Außerdem solltest du deinem Kind regelmäßig vorlesen. Das weckt zum einen die Begeisterung für das geschriebene Wort und zum anderen entwickelt dein Kind durch das Zuhören schon ein gewisses Sprachgefühl.

Und nicht vergessen: Anders als das Sprechenlernen ist Schreiben kein natürlicher Vorgang und daher um einiges komplexer. Es sind mehrere verschiedene Gehirnregionen beteiligt, die mit einander verknüpft und koordiniert werden müssen. Habe also Geduld und gib deinem Kind Zeit, diese große Herausforderung zu meistern.

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