Schweiz führt Sexualkunde im Kindergarten ein

Schweiz führt Sexualkunde im Kindergarten ein

Wieso bis zur Schule warten? Das dachte sich wohl auch ein Kindergarten in der Schweiz und beginnt mit dem Aufklärungsunterricht schon bei den ganz Kleinen. Doch wie läuft das altersgerecht ab?

Eine Kindergärtnerin liest vor
Die Aufklärung beginnt in der Schweiz schon im Kindergarten © Bigstock / Monkeybusinessimages

Den eigenen Körper besser kennenlernen

Ab wann muss ein Kind sexuell aufgeklärt sein? Die Schweiz beantwortet die Frage jetzt für alle Eltern und bringt den Sexualkundeunterricht in den Kindergarten. Wer jetzt an Plüschvaginas und Holzpenisse denkt, der liegt jedoch falsch. Eindeutige Anschauungsmaterialien sind hier fehl am Platz. Der Kerninhalt ist ein anderer.

Kein Einsatz von eindeutigem Material

Ziel des Unterrichts ist es vor allem, den eigenen Körper besser kennenzulernen und sich seiner eigenen Sexualität klar zu werden. Dafür sollen sich die Kindergartenkinder zum Beispiel gegenseitig massieren.

Das gegenseitige Massieren soll helfen, dass Kinder selber einordnen können, was für sie angenehm ist und was nicht – und wann sie lieber „Nein“ sagen. Damit sollen sie auch ihre eigenen Grenzen bei Doktorspielen – die in diesem Alter häufig vorkommen – festlegen.

Video-Empfehlung

Es geht darum, den Kindern soziale Kompetenzen, wie das „Nein-Sagen können“ oder „über Gefühle sprechen“ beizubringen, fasst es Urs Meier, stellvertretender Chef des Volksschulamtes zusammen. Natürlich dürfen die Kleinen trotzdem ihre Fragen zum Thema stellen, die mit Hilfe von Bilderbüchern oder Zeitungen altersgerecht und wahrheitsgetreu beantwortet werden. Richtiger Sexualkundeunterricht – wie du ihn vielleicht aus deiner Schulzeit kennt – soll erst für Kinder ab dem Vorschulalter angeboten werden.

Proteste gegen die Aufklärung

Doch vielen Eltern geht das trotzdem zu weit. Die Initiative „Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule“ fordert, dass Aufklärungsunterricht erst für Kinder ab 12 Jahren angeboten wird. Für jüngere Kinder solle es freiwillig angeboten werden, beziehungsweise für Kindergartenkinder komplett verboten werden.

Ihre Empfehlungen will die Initiative in der Verfassung verankern. Mit ihren Forderungen sind sie sogar vor Gericht gezogen. Der Bundesrat in Bern hat jedoch entschieden, dass Sexualkundeunterricht Sache der Kantone sei – ein Rückschlag für die Initiative.

Und so müssen sich die Eltern wohl damit abfinden, dass die Geschichte von den Blumen und Bienen neu erzählt werden wird.