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Wie Kinder Schwimmen lernen – Selbst beibringen oder Schwimmkurs?

Das beste Mittel gegen Schwimmunfälle ist, wenn Eltern ihren Kindern Schwimmen beibringen. Doch leider nimmt die Schwimmfähigkeit von Kindern immer weiter ab. Woran das liegt und wie du dein Kind beim Schwimmen lernen unterstützen kannst, liest du hier.

Wann ist das richtige Altern zum Schwimmen lernen?
Wann ist das richtige Altern zum Schwimmen lernen?
© Bigstock/ Yuliya Trukhan

Kinder: Schwimmen lernen wird vernachlässigt

Wenn weniger Kinder Schwimmen lernen, steigt auch die Zahl der ertrunkenen Kinder. In Deutschland sind 2019 laut der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) 17 Kinder im Vorschulalter ertrunken. 2018 waren es noch 15. Oft wird hierfür die sinkende Schwimmfähigkeit von Kindern verantwortlich gemacht. Rund 60 Prozent der Zehnjährigen seien nach Informationen der DLRG beispielsweise keine sicheren Schwimmer.

 

Laut Andreas Paatz, Bundesleiter der DRK-Wasserwacht ist die Schwimmfähigkeit bei Kindern aktuell noch gut. „Jedoch sehen wir hier auch Tendenzen, dass das Ganze bedauerlicherweise immer weiter abnimmt und nachlässt.“ Paatz nennt drei Trends, die dafür verantwortlich sein könnten:

  1. Schulschwimmausbildung: Neben Schwimmunterrichtsausfällen oder fehlendem Schwimmunterricht nennt Paatz auch die aufwändige Vorbereitung für Lehrer: Man muss zum Schwimmbad kommen, Lehrer müssen während des Schwimmunterrichts die Aufsicht übernehmen und dann muss man wieder zurück zur Schule kommen. Diese Vorbereitung kann dazu führen, dass die Bereitschaft sich zu engagieren immer weiter nachlässt.
  2. Einsatz der Eltern: „Das Zweite ist sicherlich, dass es den Trend gibt, dass gerade Eltern immer weniger auch darauf drängen, dass ihre Kinder frühzeitig das Schwimmen lernen“, erklärt Paatz.
  3. Badeinfrastruktur: Und auch wenn das Engagement da ist, gibt es oft nicht genug Bäder, die eine Schwimmausbildung anbieten. Bäder werden geschlossen oder zu Spaß- und Freizeitbädern gemacht. So fehlen in manchen Kommunen einfach die Möglichkeiten, dass Kinder schwimmen lernen.

Obwohl die Schwimmfähigkeit von Kindern nachlässt beton Paatz aber auch, dass wir in Deutschland „nicht zu einem Land der Nichtschwimmer verkommen.“ Trotzdem sollten Eltern ihre Kinder beim Schwimmen lernen unterstützen.

Schwimmen lernen: Ab wann ist das richtige Alter?

Schwimmen lernen Kinder nicht von heute auf morgen. „Schwimmen lernen empfiehlt sich ab einem Alter von fünf bis sechs Jahren. Je nachdem wie das Kind körperlich entwickelt ist“, erklärt Paatz. Grundsätzlich sind die meisten Kinder dann in der Lage, Arme und Beine für die Schwimmbewegungen richtig zu koordinieren und die richtige Atemtechnik zu lernen.

Wichtig beim Schwimmen lernen: Kinder haben ihr eigenes Entwicklungstempo und damit auch einen eigenen idealen Zeitpunkt. Wenn dein Kind beispielsweise noch Angst vor Wasser im Gesicht hat, ist es noch nicht bereit für den Schwimmkurs.

 

Vorbereitung aufs Schwimmen lernen: Kinder ans Wasser gewöhnen

Wer schwimmen will, muss sich im Wasser wohl fühlen. In Interview erklärt Andreas Paatz, dass Wassergewöhnung schon früh beginnt.

„Man kann nie früh genug mit einer Wassergewöhnung und mit dem Umgang mit dem Wasser anfangen. Kinder sollten frühzeitig auf das Element Wasser und auf die schönen Seiten des Elements Wasser hingewiesen und dafür begeistert werden.“

Bei der Wassergewöhnung kannst du dein Kind mit folgenden Tipps unterstützen. Wichtig dabei: Keinen Zwang ausüben, sonst verliert dein Kind den Spaß und das Interesse am Schwimmen und baut Ängste auf.

Kindern Tauchen beibringen

Ganz wichtig ist, dass dein Kind das Tauchen akzeptiert. Wenn dein Kind Angst hat, Wasser in Gesicht, Augen oder Mund zu bekommen, wird es beim Schwimmen lernen immer Angst haben.

Ängstliche Kinder können das Tauchen üben, indem sie zunächst mit dem Mund im Wasser blubbern. Dann kann es versuchen, bis zur Nase ins Wasser zu gehen. Sich morgens beim Waschen Wasser ins Gesicht zu spritzen ist auch eine gute Übung. Kurze Tauchgänge in der Badewanne sind der nächste Schritt. Im Schwimmbecken am Beckenrand festhalten und dabei mit dem Gesicht und später mit dem ganzen Kopf unter Wasser tauchen ist dann schon für Fortgeschrittene.

Auch der Sprung ins Wasser gehört zum Schwimmen lernen. Kinder können das auch gut üben: Zunächst aus der Sitzposition in das Schwimmbecken hineinspringen – natürlich nur mit Hilfe eines Erwachsenen oder mit Schwimmhilfe –, dann aus der Hocke, später aus dem Stand. Ein Sprung vom Beckenrand und das Tauchen gehört übrigens zu den Anforderungen für die Seepferdchen-Prüfung.

Schwimmern lernen: Übungen auf dem Trockenen

Wenn Kinder schwimmen lernen sollen, könnt ihr auch auf dem Trockenen die Schwimmbewegungen üben. Das kannst du machen, indem ihr mit den typischen Armbewegungen des Brustschwimmens das Wohnzimmer durchschwimmt. Auf einem Stuhl sitzend können die Beinbewegungen geübt werden. Beides zu kombinieren ist der nächste Schritt. Natürlich ist das kein Ersatz für einen Schwimmunterricht im Wasser, doch die Grundbewegungen prägen sich zumindest erstmal ein.

Wichtig! Schwimmhilfen ersetzen keinen Schwimmkurs

Schwimmhilfen können die ersten Schwimmversuche deines Kindes erleichtern und ihm die Angst vorm Wasser nehmen. Jedoch betont Paatz:

„Eine Schwimm oder Auftriebshilfe ersetzt keinen Schwimmkurs und ersetzt auch nicht meine Aufsichtspflicht als Eltern, wenn mein Kind im Wasser ist.“

Schwimmen lernen ohne Schwimmkurs?

Soll ich meinem Kind selbst das Schwimmen beibringen? Laut Andreas Paatz gibt es hier kein Patentrezept. Wenn du deinem Kind Schwimmen beibringen willst, solltest du dich unbedingt vorher informieren. Zum Beispiel: Welche schwimmerischen Grundfähigkeiten müssen an Kinder vermittelt werden? Außerdem solltest du natürlich selbst gut Schwimmen können und dich im Wasser wohlfühlen.

Schwimmunterricht durch die Eltern ist sicher möglich, doch in vielen Fällen einfach nicht sinnvoll. Kinder müssen beispielsweise oft die Angst vor dem Wasser überwinden und Ausdauer und Kraft entwickeln. Dies gelingt in einer Gruppe mit anderen Kindern meistens besser als im Elternunterricht. Außerdem kann es dein Kind unter Druck setzen, wenn du ihm das Schwimmen beibringst.

Passende Schwimmkurse für Kinder werden von verschiedenen Stellen Angeboten: Zum Beispiel von der Wasserwacht des DRK, von Sportvereinen, privaten Schwimmschulen oder anderen amtlichen Schwimmanbieten. Außerdem gibt es in manchen Urlaubshotels auch Kurse, in denen Kinder schwimmen lernen können.

Bei der Wahl des Kurses empfiehlt Paatz, dass Eltern sich fragen: „Ist das ein Anbieter, den ich kennen? Und habe ich Vertrauen in die Fertigkeiten des Anbieters?“

Über Gespräche mit dem Anbieter und Kritiken von anderen Eltern lässt sich das gut herausfinden. Außerdem solltest du auch auf dein Kind hören – wenn es sich im Schwimmkurs nicht wohl fühlt, müsst ihr vielleicht eine andere Stelle suchen.

Schwimmkurse für Kinder: das wird vermittelt

Was dein Kind im Schwimmkurs lernen wird, erfährst du oft bei einem Gespräch mit dem Anbieter: „Wir bei der Wasserwacht im DRK machen mit Eltern Vorbereitungsgespräche. In denen wir einfach sagen, was wird im Schwimmkurs oder im Wassergewöhnungskurs vermittelt“, erklärt Andreas Paatz.

Wie läuft ein Schwimmkurs für Kinder ab?

Wenn dein Kind einen Schwimmkurs besucht, wirst du sicher das Seepferdchen-Abzeichen als Ziel vor Augen haben. Doch gibt es beim Schwimmen lernen auch andere Aspekte: Dein Kind übt die Koordination verschiedener Körperteile. Es bewegt sich gegen den Wasserwiderstand und entwickelt dadurch Muskulatur und Kondition. Arme, Beine, Brust- und Rückenmuskeln werden kräftiger. In den ersten Schwimmstunden wird dein Kind vielleicht noch eine Schwimmhilfe erhalten, manche Schwimmschulen verzichten aber auch ganz darauf.

Übrigens lernt dein Kind im Schwimmkurs nicht nur das Schwimmen, sondern ihm werden auch Informationen zum Thema Sicherheit beim Baden vermittelt.

Wie teuer ist ein Schwimmkurs für Kinder?

Die Kosten für den Schwimmkurs können variieren, je nachdem, wo dein Kind den Kurs macht und welcher Kurs belegt wird. Der Seepferdchen-Kurs kostet im Schnitt zwischen 30 und 70 Euro. Werden Schwimmkurse in einem Sportverein belegt, wird eine Monatsgebühr von etwa 60 bis 130 Euro pro Monat fällig. Meistens wird außerdem eine kostenlose Probestunde angeboten.

Bedenke auch: Zu den Kosten für den Kurs können außerdem noch Zuzahlungen hinzukommen – zum Beispiel für den Eintritt ins Schwimmbad.

Schwimmen lernen: Kinder unterstützen

Unterstützend kannst du parallel zum Schwimmkurs natürlich mit deinem Kind schwimmen gehen, es loben und motivieren. Damit es Muskeln und Kondition aufbaut, lass es mit Schwimmhilfe (Schwimmflügel oder Schwimmnudel) Bahnen schwimmen. Es muss dabei noch keine koordinierten Schwimmbewegungen ausführen.

Effektiv ist es bereits, dass das Kind kräftig mit den Füßen strampelt und es schafft, sich mit dem Körper waagerecht im Wasser fortzubewegen. Wenn dein Kind dann in einem Kurs lernt, sich ohne Schwimmhilfen über Wasser zu halten und fortzubewegen, profitiert es ein ganzes Leben lang davon.

Schwimmen lernen: Bronze-Abzeichen sollte das Ziel sein

„Das worauf Kinder gerne hinarbeiten ist ein Schwimmabzeichen. Das kann ganz zu Beginn sicherlich das Seepferdchen sein“, so Paatz. Aber auch mit dem Seepferdchen-Abzeichen braucht dein Kind noch deine Aufsicht beim Schwimmen und am Wasser. Das betont auch die DLRG immer wieder: Das „Seepferdchen“ habe keine Aussagekraft über die Schwimmfähigkeit eines Kindes, es bescheinige nur, dass es auf einer Stecke von 25 Metern über Wasser halten kann.

Das Schwimmen lernen ist danach also noch lange nicht abgeschlossen. Erst mit dem Bronze-Abzeichen (früher „Freischwimmer-Abzeichen“) ist dein Kind ein sicherer Schwimmer. Aber auch mit guten Schwimmkenntnissen braucht dein Kind noch Aufsicht beim Schwimmen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung e.V. erklärt:

„Denn bis ein Kind „wassersicher“ ist – sich unter anderem unter Wasser genauso gut zurechtfindet wie über Wasser und 15 Minuten ohne Halt und ohne Hilfen im tiefen Wasser schwimmen kann – dauert es noch eine Weile.“

Quellen