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Sharenting: Viele Eltern sind sich über die Gefahren von geteilten Kinderfotos nicht bewusst

Fotos und Videos der eignen Kinder werden nur zu gerne geteilt. Polizisten und Experten warnen ausdrücklich vor dem sogenannten Sharenting. Die dadurch entstehenden Risiken, sind den wenigsten wirklich bewusst.

©Unsplash / Nathan Dumlao

Intime Einblicke in den Familienalltag

Soziale Medien gehören auch bei vielen Familien zum alltäglichen Leben. Viele, eigentlich  private Momente werden mit Freunden, Bekannten aber auch mit der Netz-Öffentlichkeit geteilt. Der erste Gang zum Töpfchen, die ersten Schritte oder Bilder in der Badewanne – diese intimen Einblicke ins Familienleben sind auf Instagram und Co. öffentlich zugänglich. Für das Teilen von Bildern und Videos der eigenen Kinder gibt es mittlerweile sogar einen eigenen Begriff – Sharenting. Zusammengesetzt aus den Wörtern share (teilen) und parenting (erziehen).

So schön es auch ist, Teil an dem Glück der Eltern haben zu dürfen, vielen ist nicht bewusst:

  • welchen Gefahren sie ihrem Kind mit den geposteten Fotos aussetzen und
  • dass sie damit eigentlich gegen die Persönlichkeitsrechte ihrer Kinder verstoßen.

Persönlichkeitsrechte gelten auch für Kinder

Kinder haben wie Erwachsene auch Persönlichkeitsrechte. Diese stehen jedem Menschen unabhängig vom Alter zu. Strenggenommen dürfen ohne Einwilligung des Kindes keine Bilder veröffentlicht werden. Weil Kinder aber aufgrund ihres Alters noch nicht für sich selbst entscheiden können, dürfen das die Eltern. Unabhängig davon, ob das Kind einer Veröffentlichung zustimmt oder nicht.

Studie zeigt: Eltern sind mit medialer Erziehung oft überfordert

Das deutsche Kinderhilfswerk veröffentlichte zum Thema Sharenting eine Studie und warnt Eltern vor den Gefahren, Fotos ihrer Kinder zu veröffentlichen und zu verbreiten. In 37 Interviews mit Eltern und Kindern, erforschten sie die Frage, wie mit der Nutzung von sozialen Medien und Daten der Kinder umgegangen wird.

Das Ergebnis: Kinder würden sich in der Regel wesentlich weniger für die Veröffentlichung von Fotos bereiterklären als ihre Eltern. So hätten Kinder teilweise eine deutlich andere Vorstellung von Privatsphäre als ihre Eltern.

Viel schwerwiegender ist jedoch, dass die vermeintlich harmlosen Familien-Fotos schnell zu pornografischen Inhalten werden können.

Fotos könnten für andere Zwecke verwendet werden

Die Polizei und Cyberkriminologen wie Thomas-Gabriel Rüdiger vom Institut für Polizeiwissenschaft der Hochschule der Polizei des Landes Brandenburg sehen den Trend des Sharentings äußerst kritisch. Denn: „Das Internet vergisst nie“. Ist ein Bild erst einmal veröffentlicht, ist es draußen in der Welt und kann nicht mehr so einfach gelöscht werden. Und es gibt keine Kontrolle darüber, wer sich das Foto herunterlädt. So werden Fotos und Videos immer wieder von Pädophilen zweckentfremdet.

Das Vorgehen ist dabei meist das gleiche: Pädophile sammeln Kinder-Bilder, kommentieren sie mit entsprechenden Texten und teilen sie in ihren Netzwerken. Besonders gefährlich wird es dann, wenn die Fotos mit Ortsmarkierungen versehen sind. Schnell kann dann der Wohnort, Schule oder Kindergarten ausgemacht werden.

Eltern sind sich der Risiken oft nicht bewusst

Für viele sind die sozialen Medien das was Fotoalben für ältere Generationen waren – Erinnerungsstücke. Wer denkt dann als Elternteil schon daran, dass das Foto des Kindes in der Badewanne auf pornografischen Webseiten landen könnte. Wären sich betroffene Eltern der problematischen Situation bewusst, würde wahrscheinlich keines dieser Bilder im Netz landen.

In einer Pressemitteilung anlässlich des europäischen Tages zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und Missbrauch, weist jugendschutz.net auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Fotos von Kindern und ein Bewusstsein für mögliche Risiken hin. Dort heißt es: „Für eine effektive Bekämpfung aller Formen der sexuellen Ausbeutung von Kindern sind ein reflektierter Umgang mit Fotos von Kindern und ein Bewusstsein für mögliche Risiken daher unverzichtbar. Auch wenn dafür in erster Linie Eltern, Freunde und Verwandte in der Verantwortung stehen, ist wichtig, dass auch Diensteanbieter sensibilisiert sind.“

Tipps zum Veröffentlichen von Bildern der eigenen Kinder

Dennoch ist es nicht verwerflich Kinderfotos ins Netz zu stellen. Mit ein paar Regeln können Risiken minimiert und die Persönlichkeitsrechte gewahrt werden. Die Initiative „SCHAU HIN!“ empfiehlt Eltern, ihre Kinder für Bilder zur öffentlichen Verbreitung unkenntlich zumachen, nur von hinten zu fotografieren oder indem zum Beispiel eine Sonnenbrille getragen wird. Außerdem sollte die Ortsmarkierung immer deaktiviert werden, sonst können Dritte sehen wo sich das Kind aufhält.

Tipps zum Posten von Fotos und gleichzeitiger Wahrung der Persönlichkeitsrechte, gibt es auch vom deutschen Kinderhilfswerk:

  1. Kind miteinbeziehen
    Lass dein Kind von Anfang an teilhaben und spreche mit ihm über den Umgang mit Fotos im Internet.
  2. Preisgabe von personenbezogenen Daten des Kindes vermeiden
    Zum Beispiel nicht den vollständigen Namen, Angabe des Aufenthaltsortes oder andere sensible Daten veröffentlichen
  3. Regelmäßige Überprüfung der Privatsphäre-Einstellungen
    Durch Einschränkungen in den Einstellungen, kannst du den Bereich von Menschen einschränken, die auf deine Fotos zugreifen können.
  4. Poste keine Bilder von deinem Kind in unangenehmen Situationen
    Überprüfe vor der Veröffentlichung ob dein Kind auf dem Foto angemessen gekleidet ist und sich nicht in einer peinlichen Pose befindet. Überlege am besten immer, ob du selbst so ein Foto von dir veröffentlichen würdest.
  5. Nehme deine Vorbildfunktion wahr
    Wenn du mit gutem Beispiel voran gehst, profitieren deine Kinder davon.

Keine Sorge, du kannst weiterhin Bilder und Videos von deinem kleinen Schatz veröffentlichen. Denn ein Teil unseres Leben spielt sich schließlich online ab. Dabei geht es aber weniger um das ob, sondern mehr um das wie.

Quellen