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4-Jähriger stirbt: Familie startet Petition gegen Rentner

rot-orangenes Warndreieck vor Unfallauto und Absperrband
©Bigstock/Beton Studio

Ein 4-jähriger Junge ist Ende Februar bei einem tragischen Autounfall gestorben. Nun hat die Familie eine Petition gestartet und fordert verpflichtende Fahrtests für Senioren ab 65 Jahren.

Tödlicher Verkehrsunfall

Am 24. Februar ist ein 4-jähriger Junge bei einem tragischen Unfall von einem Auto überfahren worden. Am Steuer saß ein 84-Jähriger. Der Junge erlag im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

Der kleine Junge wartete gemeinsam mit seiner Mutter an einer Fußgängerampel. Als diese grün wurde, lief er los und wurde daraufhin von einem Auto erfasst. Der 84-jährige Fahrer hatte eine rote Ampel übersehen und nicht gebremst.

Der Junge wurde unter dem Auto eingeklemmt und musste von der Feuerwehr befreit werden. Im Krankenhaus angekommen starb das Kind jedoch an seinen schweren Verletzungen. Seine Mutter musste alles mit ansehen und wurde mit einem schweren Schock in ein Krankenhaus eingeliefert.

Familie startet Petition an den Bundestag

Die Familie des kleinen Jungen richtet jetzt eine Petition an den Bundestag:

„Wie viele unnötige Tote (unter anderem Kinder) wollen sie noch verantworten?“ heißt es im ersten Satz.

Die Familie fordern eine verpflichtende Tauglichkeitsprüfung für Menschen ab 65 Jahren, ob diese weiterhin Auto fahren dürfen. Ihrer Meinung nach würden so tödliche Verkehrsunfälle, verursacht durch Senioren, deutlich zurückgehen. Wer die Tests nicht besteht, dem solle „rigoros die Fahrerlaubnis dauerhaft entzogen werden“, heißt es in der Petition.

Petitionserstellerin Selin Günaydin, die Cousine des verstorbenen Jungen sagt zu ihrer Petition im Interview mit RTL West: „Wir können ihn nicht mehr zurückholen […], aber wir können verhindern, dass andere Familien genau das gleiche Leid durchmachen und anderen Kindern dasselbe passieren muss.“

Die Petition hat Stand heute (9.03.2021) bereits über 7.500 Unterstützer.

Senioren sind nicht das größte Risiko

Die Anzahl der Unfälle mit Personenschaden, die durch Senioren verursacht wurden, lag laut ADAC im Jahr 2017 bei circa 16 Prozent. Ab 70 Jahren steigt die Zahl noch einmal. Aber: Am häufigsten verursachen Männer zwischen 45 und 55 Jahren Unfälle mit Personenschaden. 2019 belief sich die Zahl auf 63.000.

Verkehrspsychologen lehnen Tests ab

Verkehrspsychologen sprechen sich daher laut ADAC gegen verpflichtende Tests aus. Aus den vorhandenen Zahlen lasse sich keine Notwendigkeit für Tests ableiten. Zudem sei die Verhältnismäßigkeit auch nicht gegeben.

Auch die Europäische Vereinigung der Verkehrspsychologen lehnt ein verpflichtendes Testverfahren ab. Ältere Menschen können abnehmendes Sehvermögen und Reaktionsgeschwindigkeit größtenteils durch Fahrerfahrung und Besonnenheit kompensieren. Dies müsse bei Tests berücksichtigt werden.

Stattdessen soll die Eigenverantwortung bei Senioren gestärkt werden: Senioren sollen selbst erkennen, wann sie nicht mehr Autofahren können. Zudem müsse das sonstige Mobilitätsangebot wie öffentlicher Nahverkehr für Senioren verbessert werden, um Senioren dazu bewegen, nicht mehr Auto zu fahren.

Andere europäische Länder gelten als Vorbild

Wie andere Länder verfahren, führt die Familie des verstorbenen Jungen als Beispiele auf:

  • In Spanien müssen Senioren ab 65 alle 5 Jahre ihren Führerschein erneuern lassen, mit medizinischer Untersuchung der Fahrtüchtigkeit.
  • In Italien muss man Führerscheine erneuern lassen. Ab 50 Jahren alle 5 Jahre, ab 70 alle 3 Jahre, ab 80 alle 2 Jahre. Ein medizinischer Check ist dabei verpflichtend.
  • In Dänemark müssen Autofahrer ab 75 ein ärztliches Attest beilegen, wenn sie den Führerschein verlängern. Ab 80 Jahren muss der Führerschein jedes Jahr neu beantragt werden
  • In Großbritannien müssen über 70 Jährige alle 3 Jahre ihren Führerschein erneuern lassen. Dazu müssen sie alle gesundheitlichen Probleme angeben, die fahrrelevant sein könnten.
  • In der Schweiz müssen alle Autofahrer über 70 zu einer Kontrolluntersuchung beim Arzt

Quellen

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