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Tohuwabohu im Kinderzimmer: Aber was bedeutet das Wort eigentlich?

Unsere Autorin Anja Polaszewski liebt Wörter und Sätze. Im Alltag mit ihren beiden Söhnen erlebt sie immer wieder Verblüffendes und Kurioses: eben das, was Kinder so antreibt. Neugierde und jede Menge Fragen auch in Bezug auf Phrasen und Redewendungen, die uns Erwachsenen bereits in Fleisch und Blut übergegangen sind, die so kleine Menschen aber erst einmal von der Pike auf kennenlernen. „Mama, warum sagt man ‚Du hast einen Vogel?‘ Papa, was ist eigentlich eine ‚Flitzpiepe‘?“ Anja erklärt es euch jetzt regelmäßig, wenn ihr mögt. Heute beginnt sie mit einer ganz besonderen Wortschöpfung: dem „Tohuwabohu“. Bitte was? Bitte lesen. Viel Spaß.

„Mama? Was ist denn das, ein Tobu-Wahobu?“
„Mama? Was ist denn das, ein Tobu-Wahobu?“
© Unsplash/ Allen Taylor

Es ist ziemlich lange still – das ist verdächtig

Es ist Samstagnachmittag. Meine drei und sechs Jahre alten Söhnchen spielen oben in ihrem gemeinsamen Kinderzimmer. Unten in der Küche sitzen wir Eltern bei Kaffee und Quarkbällchen und reden einmal in Ruhe über die Arbeit. Ein Projekt, das nicht so richtig ins Rollen kommt, ein Artikel, der noch nicht ganz rund ist, ein Kunde, der ganz schön anstrengt. Dies und das.
Rumms. Oh, das sind wohl die Jungs oben. Unser Fachwerkhäuschen ist nicht besonders gut gedämmt, da hört man es schon mal rumpeln und pumpeln. Dann aber ist es still – ziemlich lange sogar. Und genau das ist eben verdächtig. Ihr wisst schon …

Alles durcheinander

Deshalb gehen wir doch lieber mal nachschauen. Mama und Papa klopfen brav an, öffnen aber ohne eine Antwort abzuwarten die Tür. „Boah! Was ist denn das hier für ein Tohuwabohu?“, entfährt es mir. Ich staune: Bausteine, Autos, Bücher, noch mehr Bausteine. Alles durcheinander. Kein guter Anblick für Ordnungsliebende. Bin ich zwar nicht. Doch spontan denke ich wieder einmal an den so oft gesagten Satz meines Vaters: Es muss ja gar nicht so ordentlich sein; es muss nur ordentlich aussehen.

„Mama? Was ist denn das, ein Tobu-Wahobu?“

„Wir bauen was.“ Ach so. Naja. „Wir spielen so schön!“ Aha. Oho.

Wir haben die Anweisung, die Tür zu schließen und gehen wieder runter in die Küche. Mein sechsjähriger P. kommt hinterhergerannt und stellt eine wichtige Frage: „Mama? Was ist denn das, ein Tobu-Wahobu?“ Ich kichere. „Tohuwabohu“, korrigiere ich.

Gute Frage … Mit „Toben“ direkt hat es jedenfalls nichts zu tun. Es bedeutet, dass etwas chaotisch ist, ein richtiges Durcheinander eben. Schön ist das Wort und klingt geheimnisvoll – zumindest empfinde ich das so. Doch woher stammt es?

Der Ursprung des Begriffs

Die Journalistin recherchiert. Der Begriff taucht in der Bibel auf, genauer: im Alten Testament, Genesis 1,1-2: „Bereshith bara elohim et hashamajim v’et ha’arez, v’ha’arez hajtah tohu vavohu […]“ Aha! Hebräisch also.

Theologieprofessor und Augustinermönch Martin Luther übersetzte das bekanntermaßen einmal so: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer […]“ . Wüst und leer? Das also soll der Ursprung des Wortes sein? Ich lache laut auf: Da oben in der Kinderbude sieht aber so gar nichts wüst und leer aus, sondern einfach nur extrem unordentlich.

Die Jungs haben Spaß – und wir haben unsere Ruhe

Na wie dem auch sei: Wir hören es noch ein paarmal poltern und rumpeln. Die Jungs haben Spaß dort oben und wir hier unten unsere Ruhe – auch mal ganz nett. Ihr wisst schon …