Trotzphase: Warum verhält sich mein Kind so – und was kann ich tun?

Trotzphase: So verhältst du dich richtig

Diese Situation kennt eine Mutter nur zu gut, sobald ihr Kind in der Trotzphase angekommen ist: Ein Zweijähriger liegt mit wutverzerrtem Gesicht auf dem Boden des Restaurants und schreit, dass die Wände wackeln. Was war passiert? Wahrscheinlich weiß das das Kind in seinem Wutanfall selber nicht mehr genau. Wie kann man da richtig reagieren? Lies hier alles über die wütendste Phase der Kindesentwicklung und was du tun kannst, damit alle heil aus der Zeit herauskommen.

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Alle wichtigen Infos und Hilfe zur Trotzphase

Wann beginnt die Trotzphase?

Wenn das Kind zum ersten Mal trotzt, prallt die Welt der Eltern erstmals und unvermittelt auf die Welt des Kindes. Bisher hatten Anweisungen wie „Nein“ oder „heiß“ meist genügt, um dem Kind deutlich zu machen, was von ihm erwartet wird. Konfliktsituationen ließen sich vergleichsweise harmonisch regeln. Doch nun steht die Frage im Raum, wie man auf solch ein Verhalten reagieren soll.

Meistens kommen Kinder mit eineinhalb bis zwei Jahren in die Trotzphase. Das Kind löst sich mehr von der Mutter und erkennt, dass es ein eigenes Ich mit eigenen Wünschen und Zielen hat. Begeistert und voller Neugier möchte es sich in das Abenteuer der Selbstständigkeit und Unabhängigkeit stürzen und wird jäh von äußeren Umständen oder von den Eltern gebremst. Die Gefühle der Wut und Enttäuschung überwältigen das Kind, es bekommt einen Trotzanfall.

Was dein Kind in der Trotzphase erlebt, ist Frustration über…

… sich selbst, weil es etwas noch nicht kann.

… äußere Umstände, die sein Verlangen verhindern.

… andere Menschen, die ihm sein Handeln nicht ermöglichen.

Trotzphase und Wutanfälle: Darf ein Kind das?

Früher war man der Ansicht, dass man dieses Verhalten dem Kind keinesfalls durchgehen lassen dürfe. Man sprach davon, dass Kinder mit solchen Anfällen bewusst ihre Grenzen austesten wollten. Autorität und Konsequenz wurden angeraten. Später riet man dazu, diese Anfälle zu ignorieren und mit Nichtbeachtung oder Auszeiten zu bestrafen.

Mittlerweile wurde jedoch erkannt, dass diese Phase einen wichtigen Schritt in der Entwicklung des Kindes kennzeichnet und keinesfalls mit dem Austesten von Grenzen zu tun hat. Man nennt die Trotzphase auch  „Autonomiephase“ – der Schritt zu mehr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Das Kind erkennt, dass es eigene Wünsche hat und aus eigenem Willen handeln kann. Sein „Ich“ entwickelt sich.

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Grenzen austesten macht die Trotzphase wichtig

Leider sind ihm dabei oft mehr Grenzen gesetzt als ihm lieb ist. Aus gutem Grund darf nicht jeder Wille des Kindes in die Tat umgesetzt werden und manche Handlungen sind einfach noch zu schwierig für das Kind. Andere Dinge lassen sich wiederum grundsätzlich nicht ändern oder passen gerade nicht in den Zeitrahmen. Also trotzt das Kind, bei Situationen und Dingen – wenn es sich zum Beispiel die Strümpfe nicht selbst anziehen kann, wenn es abends dunkel wird und es nicht länger draußen spielen darf. Aus seiner Sicht ist diese Wut begründet und nachvollziehbar, auch wenn der Anlass den Eltern als Bagatelle erscheint.

Also: „JA“, dein Kind darf das!

Trotzphase: Hilfe für Eltern

Und wie überstehe ich jetzt diese harte Zeit? Hier ein paar Tipps, wie die Trotzphase nicht zu Horrorphase wird:

Nimm das Trotzen nicht persönlich

Dieses Verhalten deines Kindes richtet sich nicht gegen dich als Mutter oder Vater – auch nicht, wenn es in der Wut vielleicht nach dir treten sollte. Es ist seine Unfähigkeit, mit dem Gefühl der Frustration umzugehen, die das Kind aggressiv werden lässt. Wenn du dir das immer vor Augen hälst, wird es dir leichter gelingen, in solchen Situationen gelassen zu bleiben oder sogar Verständnis aufzubringen.

Trotzig in der Öffentlichkeit

Vielen Eltern fällt es schwer, solchen Trotzanfällen in der Öffentlichkeit geschehen zu lassen. Das verleitet dazu, dem Kind in Dingen nachzugeben, wo es vielleicht nicht angebracht ist oder gewünscht ist (Beispiel: Süßigkeiten an der Kasse). Da bestimmte Situationen sich wiederholen, kann man versuchen vorzubeugen. Bevor du mit deinem Kind in den Supermarkt gehst, erklär ihm, dass du zum Beispiel keine Süßigkeiten an der Kasse kaufen wirst. Vielleicht bringst du ihm einen Merkspruch bei, den dein Kind an der Kasse selbst sagen kann „Wir kaufen nichts an der Kasse“. Diesen Spruch kann es stolz sagen, statt einen Wutanfall zu bekommen. Du kannst auch Alternativen ankündigen: „… aber wenn wir wieder zuhause sind, bekommst du eine leckeres Marmeladenbrot“.

Und wenn es doch passiert, dass dein Kind in der Öffentlichkeit einen Tobsuchtanfall bekommt, sage einfach „Ich weiß dass du jetzt wütend bist und es ist mir etwas unangenehm dass gerade alle herschauen – aber ich habe dich trotzdem lieb!“ Du wirst wahrscheinlich feststellen, dass alle Umstehenden dich anlächeln, denn so ein Bekenntnis ist authentisch und menschlich und hätte wohl jeder gern von seinen Eltern gehört.

Was braucht mein Kind in der Trotzphase?

Kinder möchten in der Trotzphase sicher sein, dass sie von den Eltern noch immer geliebt und angenommen werden – besonders wenn sie vom Misslingen ihrer Pläne aus der Bahn geworfen werden. Und sie wünschen sich, dass ihr Streben nach mehr Selbstständigkeit unterstützt wird. Das ist natürlich nicht immer möglich, denn es ist auch deine Aufgabe als Elternteil, für die Sicherheit des Kindes zu sorgen. Aber es gibt unendlich viele kleine Situationen, in denen es sich lohnt, dem Kind nun mehr Spielraum zu geben.

Lass zum Beispiel Dinge ausprobieren, die dir die Arbeit erleichtern: mit einem stumpfen Messer Gurken schneiden lassen, sich selbst anziehen oder die Zahnpasta selbst auf die Zahnbürste geben. Du wirst bald merken, dass die Selbstständigkeit vielleicht im ersten Moment mehr Zeit kostet – langfristig wirst du aber von jedem kleinen Fortschritt profitieren. Du kannst diese Dinge auch als Rituale in den Familienalltag einbauen. Und ganz nebenher wird dein Kind zufrieden feststellen, was es schon alles kann – seine Entwicklung zum eigenen Ich wird gefördert.

Nein-Sagen: Wenn Nein auch wirklich Nein heißt

Manches müssen Eltern dennoch mit eine klaren „Nein“ verbieten und es gehört zum Elternsein dazu, sich gelegentlich unbeliebt machen zu müssen. Oft lässt sich eine Situation schon dadurch entschärfen, dass die Eltern dem Kind in einer anderen Sache die Wahl lassen.

Beispiel:

Das Kind muss ins Bett weil es Abend ist, aber es möchte noch spielen. Beharre darauf, dass jetzt Schlafenszeit ist, aber biete ihm an, dass es aussuchen darf, welches Buch heute Abend vorgelesen wird. Reagiert dein Kind mit Trotz, zeige ihm, dass du seinen Ärger verstehst. Wiederhole seine Ansicht (z.B. „Ich will nicht ins Bett, ich will aufbleiben.“) mehrmals und mit ähnlicher Intensität bis du merkst, dass dein Kind weiß, dass du seine Sichtweise verstanden hast und sage dann zum Beispiel „Ich weiß, du willst noch nicht ins Bett, sondern noch weiter spielen. Aber du musst jetzt schlafen gehen, damit du morgen ausgeschlafen bist.“

Trotzen: Frustration lernen

Als Elternteil solltest du dein Kind begleiten und es unterstützen und natürlich auch richtiges Verhalten vorleben. Um sich bei einem Wutanfall zu beruhigen, braucht ein Kind Trost, Unterstützung, Ermutigung und Sicherheit.

Darüber hinaus sollte ihm erklärt werden, was ihm gerade passiert ist: „Du bist wütend, weil du deinen Schuh nicht allein anziehen konntest.“ So können dem Kind seine Gefühle und deren Zusammenhang erläutert werden. Je älter dein Kind wird, desto leichter wird es erkennen und erklären können, wie es sich fühlt. Es wird seine Emotionen bald besser äußern können als mit Wutgeschrei.

Gib deinem Kind mit zunehmendem Alter Handlungsalternativen zu seinen Wutausbrüchen:

  • Sich verbal äußern (je nach Stand der Sprachentwicklung)
  • Um Hilfestellung bitten
  • Es vielleicht nach einem Misserfolg erneut versuchen

Und es sei dir zum Schluss versichert: Alle Eltern müssen durch die Trotzphase und es wird besser! Mit ein bisschen Geduld wirst du am Ende der Trotzzeit mit einem selbständigeren, selbstbewussteren Kind belohnt. Halte durch!