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Trotzphase Kinder: wann? wie lange? wie überleben?

Kleinkinder in der Autonomiephase verlangen Eltern ziemlich viel ab. Welchen Sinn das Trotzen für die Entwicklung hat, wann die Trotzphase vorbei ist und mit wie du am besten mit den Wutanfällen umgehst.

Trotzanfall? Atmen nicht vergessen!
Trotzanfall? Atmen nicht vergessen!
©Bigstock/shcherban

Trotzphase bei Kleinkindern: Wann beginnt sie?

Bei den meisten Kindern beginnt die Trotzphase – oder besser Autonomiephase – mit ca. 2 Jahren. Allerdings verhalten sich Kinder nicht nach Lehrbuch, das heißt alle Variationen sind möglich: Sie kann auch früher anfangen oder dein Kind durchlebt die Autonomiephase ganz ohne hysterische Trotzanfälle.

Warum trotzen Kinder in der Autonomiephase?

Trotzphase mit 2 Jahren

Dein Kind erkennt mit Beginn der Autonomiephase, dass es ein eigenes Ich mit eigenen Wünschen und Zielen hat. Es probiert dementsprechend aus, was geht und wie weit es gehen kann. Dein Kind möchte seine neu errungene Selbstständigkeit testen und ist natürlich enttäuscht, wenn sein Vorhaben nicht so klappt, wie gedacht – oder es von Mama gebremst wird.

Mit den eigenen Gefühlen und Wünschen muss dein Kind allerdings erst umgehen lernen. Enttäuschung und Überforderung sind dann so überwältigend, dass dein Kind diese über einen Trotzanfall sozusagen „abbaut“.

Trotzphase mit 3 Jahren

So wie man das Laufen lernen muss, muss dein Kind auch lernen, die eigenen Emotionen zu regulieren und Geduld zu haben, wenn Bedürfnisse nicht sofort befriedigt werden – dies lernt es in der Trotzphase. Kleinkinder in diesem Alter sind oft innerlich hin und her gerissen: Auf der einen Seite wollen sie unabhängiger sein und vieles allein machen, auf der anderen Seite wollen sie, dass Mama an ihrer Seite bleibt. Daher ist es wichtig, dass du deinem Kind in seinem Autonomiestreben unterstützt, ihm aber gleichzeitig immer das Gefühl gibst, für es da zu sein.

Was dein Kind in der Autonomiephase also erlebt, ist Frustration über…

  1. … sich selbst, weil es etwas noch nicht kann.
  2. … äußere Umstände, die sein Verlangen verhindern.
  3. … andere Menschen, die ihm sein Handeln nicht ermöglichen.

Kinder entwickeln in der Autonomiephase Frustrationstoleranz

Frustrationstoleranz steht für die Fähigkeit mit enttäuschten Erwartungen, nicht erreichten Zielen oder unerfüllten Wünschen umzugehen. Mehr dazu liest du in unserem Artikel zur Frustrationstoleranz.

Als Elternteil solltest du dein Kind – nicht nur in der Autonomiephase – begleiten und es unterstützen und natürlich auch richtiges Verhalten vorleben. Um sich bei einem Wutanfall zu beruhigen, braucht ein Kind Trost, Unterstützung, Ermutigung und Sicherheit.

Darüber hinaus kannst du ihm (hinterher) erklären, was ihm gerade passiert ist: „Du warst wütend, weil du deinen Schuh nicht allein anziehen konntest.“ Je älter dein Kind wird, desto leichter wird es erkennen und erklären können, wie es sich fühlt. Es wird seine Emotionen bald besser äußern können – und weniger toben.

Gib deinem Kind mit zunehmendem Alter auch Handlungsalternativen:

  • Sich verbal äußern (je nach Stand der Sprachentwicklung)
  • Um Hilfestellung bitten
  • Es nach einem Misserfolg erneut versuchen

Zum Schluss die gute Nachricht: Die Trotzphase ist tatsächlich genau das – nur eine Phase! Alle Eltern müssen da durch, aber es wird besser! Mit ein bisschen Geduld wirst du am Ende der Trotzzeit mit einem selbständigeren, selbstbewussteren Kind belohnt. Halte durch!

Wann sind die Trotzphasen vorbei?

Die Autonomiephase endet meist mit dem vierten Lebensjahr. Dann weiß dein Kind, wie weit es gehen kann, wo die Grenzen sind und dass seine Fähigkeiten noch begrenzt sind.

Kann dich Trotzanfälle vermeiden?

Vermeiden, vorhersehen oder unterbinden von Wutanfällen in der Trotzphase – das geht nicht. Aber du kannst dein Kind in der Autonomiephase unterstützen, indem du deinem Kind mit verlässlichen Regeln einen Rahmen gibst. Verlässlich heißt auch konsequent – ohne Ausnahmen und Diskussionen.

Und: Kinder wünschen sich, dass ihr Streben nach mehr Selbstständigkeit unterstützt wird. Es gibt viele Situationen, in denen du diesen Wunsch auch erfüllen kannst: Lass dein Kind zum Beispiel kleine Dinge selbst ausprobieren: mit einem stumpfen Messer Gurken schneiden lassen, sich selbst anziehen oder die Zahnpasta selbst auf die Zahnbürste geben …

Wutanfälle in der Trotzphase – Was tun?

Es mag jetzt hart klingen, aber eine Zauberformel für akute Wutanfälle gibt es tatsächlich nicht. Aber diese Tipps können dir dabei helfen, besser mit ihnen umzugehen:

  • Nimm das Trotzen nicht persönlich
    Das Verhalten deines Kindes richtet sich nicht gegen dich als Mutter oder Vater – auch nicht, wenn es in der Wut vielleicht nach dir tritt oder schlägt.
  • Ruhig und geduldig bleiben
    Nicht schimpfen, schreien und aufregen. Ja, das fällt schwer – aber im Zweifel befeuert deine Aufregung den Wutanfall zusätzlich.
  • Den Trotzanfall nicht dramatisieren
    Versuche nicht, auf dein Kind einzureden, während es gerade tobt. Mach auch das Thema „Wutanfall“ währenddessen nicht zum Thema. Denn das ist nutzlos, da dein Kind in dem Moment nicht zuhört. Wenn du den Trotzanfall aussitzt, geht er schneller vorbei. Reden könnt ihr auch danach noch.
  • Wut rauslassen – mit Regeln
    Zumindest zu Hause ist das eine gute Alternative: Gibt deinem Kind einen Weg, den Frust physisch loszuwerden. Natürlich unter der Prämisse: In ein Kissen Boxen ist okay, alles andere nicht.

5 To Dos beim Trotzanfall

Trotzen in der Öffentlichkeit

Noch ein Wort zu Wutanfällen in der Öffentlichkeit. Ja, sie sind schrecklich. Hier hilft nur durchhalten und die Blicke der Umstehenden zu ignorieren. Sollen sie doch denken, dass dein Kind schlecht erzogen ist! Und vielleicht fängst du in solchen Situationen das aufmunternde Lächeln einer anderen Mama/Papa auf, die/der ganz genau weiß, wie es dir jetzt geht.

Quellen