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Trotzphase: So verhältst du dich richtig, wenn Kinder trotzen

Dein Zweijähriger liegt mit wutverzerrtem Gesicht auf dem Boden des Restaurants und schreit – ohne jeden ersichtlichen Grund? Dann ist es nun soweit: Kein Kind befindet sich in der Trotzphase. Wieso verhält sich dein Zwerg so und wie reagierst du richtig? Lies hier alles über die wütendste Phase der Kindesentwicklung und was du tun kannst, damit alle heil aus der Zeit herauskommen.

Mama hat's verboten?! In der Trotzphase interessiert das die Kids wenig!
Mama hat's verboten?! In der Trotzphase interessiert das die Kids wenig!
©Bigstock/shcherban

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Trotzphase: Kinder & ihre hysterischen Anfälle

Hat dein Kind hysterische Anfälle über „Kleinigkeiten“, die du im ersten Moment gar nicht verstehen kannst? Herzlichen Glückwunsch, sie ist nun da: Die berühmt-berüchtigte Trotzphase. Wann sie beginnt und vor allem endet, ist schwierig zu sagen. Die meisten Kinder trotzen jedoch vor allem zwischen zwei und vier Jahren. Bei manchen Kindern beginnt die Trotzphase aber sogar früher, bei anderen entfällt sie in diesem Alter komplett und kommt dann mit Schulbeginn als sogenannte Wackelzahnpubertät.

Wenn Kinder zum ersten Mal trotzen, prallt die Welt der Eltern erstmals und unvermittelt auf die Welt des Kindes. Bisher hatten Anweisungen wie „Nein“ oder „heiß“ meist genügt, um dem Kind deutlich zu machen, was von ihm erwartet wird. Konfliktsituationen ließen sich vergleichsweise harmonisch regeln. Doch nun steht die Frage im Raum, wie man auf solch ein Verhalten reagieren soll.

Wann beginnt die Trotzphase und wann ist sie vorbei?

Trotzphase mit 2 Jahren

Meistens kommen Kinder mit zwei Jahren in die Trotzphase. Das Kind löst sich mehr und mehr von dir und erkennt, dass es ein eigenes Ich mit eigenen Wünschen und Zielen hat. Es testet dementsprechend aus, was geht und wie weit es gehen kann. Dein Kind möchte seine neu errungene Selbstständigkeit natürlich gleich testen und ist enttäuscht, wenn sein Vorhaben nicht so klappt, wie gedacht – oder es von Mama gebremst wird. Die Gefühle der Wut und Enttäuschung überwältigen das Kind, es bekommt einen Trotzanfall.

Was dein Kind in der Trotzphase also erlebt, ist Frustration über…

  1. … sich selbst, weil es etwas noch nicht kann.
  2. … äußere Umstände, die sein Verlangen verhindern.
  3. … andere Menschen, die ihm sein Handeln nicht ermöglichen.

Trotzphase mit 3 Jahren

So wie man das Laufen lernen muss, muss dein Kind auch lernen, die eigenen Emotionen zu regulieren und Geduld zu haben, wenn Bedürfnisse nicht sofort befriedigt werden – dies lernt es in der Trotzphase. Kleinkinder in diesem Alter sind oft innerlich hin und her gerissen: Auf der einen Seite wollen sie unabhängiger sein und vieles allein machen, auf der anderen Seite wollen sie, dass Mama an ihrer Seite bleibt. Daher ist es wichtig, dass du deinem Kin in seinem Autonomiestreben unterstützt, ihm aber gleichzeitig immer das Gefühl gibst, für es da zu sein.

Trotzphase mit 4 Jahren

Die Bandbreite von kindlichen Trotzanfällen war bis jetzt groß: von sporadischer Bockigkeit über nicht enden wollendes „Ich will aber!“ bis hin zu Wutausbrüchen epischen Ausmaßes mit hysterischen Schreianfällen. Kleinkinder treten und schlagen manchmal auch aus Wut. Aber bald hast du es geschafft, denn die Trotzphase endet meist mit dem vierten Lebensjahr. Dann weiß dein Kind, wie weit es gehen kann, wo die Grenzen sind und dass seine Fähigkeiten noch begrenzt sind.

In unserem Ratgeberartikel findest du zusätzliche Informationen: Entwicklung 4-Jährige

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SOS Trotzphase: Was tun, wenn das Kind trotzt?

Und wie überstehe ich jetzt diese harte Zeit? Hier ein paar Tipps, wie die Trotzphase nicht zur Horrorphase wird:

Nimm das Trotzen nicht persönlich

Das Verhalten deines Kindes richtet sich nicht gegen dich als Mutter oder Vater – auch nicht, wenn es in der Wut vielleicht nach dir tritt oder schlägt. Es ist seine Unfähigkeit, mit dem Gefühl der Frustration umzugehen, die das Kind aggressiv werden lässt. Wenn du dir das immer vor Augen hältst, wird es dir leichter fallen, in solchen Situationen gelassen zu bleiben oder sogar Verständnis aufzubringen.

Trotzen in der Öffentlichkeit

Vielen Eltern fällt es schwer, solche Trotzanfällen in der Öffentlichkeit geschehen zu lassen. Das verleitet dazu, dem Kind in Dingen nachzugeben, wo es vielleicht nicht angebracht ist oder gewünscht ist (Beispiel: Süßigkeiten an der Kasse). Da bestimmte Situationen sich wiederholen, kann man versuchen vorzubeugen. Bevor du mit deinem Kind in den Supermarkt gehst, erklär ihm, dass du zum Beispiel keine Süßigkeiten an der Kasse kaufen wirst. Vielleicht bringst du ihm einen Merkspruch bei, den dein Kind an der Kasse selbst sagen kann „Wir kaufen nichts an der Kasse“. Diesen Spruch kann es stolz sagen, statt einen Wutanfall zu bekommen. Du kannst auch Alternativen ankündigen: „… aber wenn wir wieder zuhause sind, bekommst du ein leckeres Marmeladenbrot“.

Und wenn es doch passiert, dass dein Kind in der Öffentlichkeit einen Tobsuchtanfall bekommt, sage einfach „Ich weiß, dass du jetzt wütend bist und es ist mir etwas unangenehm, dass gerade alle herschauen – aber ich habe dich trotzdem lieb!“ Du wirst wahrscheinlich feststellen, dass alle Umstehenden dich anlächeln, denn alle Eltern mussten durch die Trotzphase und kennen das.

Lass dein Kind Dinge ausprobieren

Kinder möchten in der Trotzphase sicher sein, dass sie von den Eltern noch immer geliebt und angenommen werden – besonders wenn sie vom Misslingen ihrer Pläne aus der Bahn geworfen werden. Und sie wünschen sich, dass ihr Streben nach mehr Selbstständigkeit unterstützt wird. Das ist natürlich nicht immer möglich, denn immerhin ist es deine Aufgabe als Elternteil, für die Sicherheit des Kindes zu sorgen. Aber es gibt unendlich viele kleine Situationen, in denen es sich lohnt, dem Kind ein bisschen mehr Spielraum zu geben.

Lass es zum Beispiel Dinge ausprobieren, die dir die Arbeit erleichtern: mit einem stumpfen Messer Gurken schneiden lassen, sich selbst anziehen oder die Zahnpasta selbst auf die Zahnbürste geben. Du wirst bald merken, dass die Selbstständigkeit vielleicht im ersten Moment mehr Zeit kostet – langfristig wirst du aber von jedem kleinen Fortschritt profitieren. Du kannst diese Dinge auch als Rituale in den Familienalltag einbauen. Und ganz nebenher wird dein Kind zufrieden feststellen, was es schon alles kann – seine Entwicklung zum eigenen Ich wird gefördert.

Nein-Sagen: Wenn Nein auch wirklich Nein heißt

Manches müssen Eltern dennoch mit einem klaren „Nein“ verbieten und es gehört zum Elternsein dazu, sich gelegentlich unbeliebt machen zu müssen. Oft lässt sich in der Trotzphase eine Situation schon dadurch entschärfen, dass die Eltern dem Kind in einer anderen Sache die Wahl lassen.

Beispiel:
Das Kind muss ins Bett, aber es möchte noch spielen. Beharre darauf, dass jetzt Schlafenszeit ist, aber biete ihm an, dass es aussuchen darf, welches Buch heute Abend vorgelesen wird. Beginnt dein Kind zu trotzen, dann zeige ihm, dass du seinen Ärger verstehst. Wiederhole seine Ansicht (z.B. „Ich will nicht ins Bett, ich will aufbleiben.“) mehrmals und mit ähnlicher Intensität bis du merkst, dass dein Kind weiß, dass du seine Sichtweise verstanden hast und sage dann zum Beispiel „Ich weiß, du willst noch nicht ins Bett, sondern noch weiterspielen. Aber du musst jetzt schlafen gehen, damit du morgen ausgeschlafen bist.“

Wie streng muss ich in der Trotzphase bei Wutanfällen sein?

Früher war man der Ansicht, dass man Trotzen keinesfalls durchgehen lassen dürfe. Man sprach davon, dass Kinder mit solchen Anfällen bewusst ihre Grenzen austesten wollten. Autorität und Konsequenz wurden angeraten. Später riet man dazu, diese Anfälle zu ignorieren und mit Nichtbeachtung oder Auszeiten zu bestrafen.

Mittlerweile wurde jedoch erkannt, dass die Trotzphase einen wichtigen Schritt in der Entwicklung des Kindes kennzeichnet und keinesfalls mit dem Austesten von Grenzen zu tun hat. Man nennt die Trotzphase auch „Autonomiephase“ – der Schritt zu mehr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Das Kind erkennt, dass es eigene Wünsche hat und aus eigenem Willen handeln kann. Sein „Ich“ entwickelt sich.

…wenn aus einer Kleinigkeit eine Katastrophe wird

Sehr zu seinem Leidwesen ist das Kind in seiner Entscheidungsfreiheit dabei oft eingeschränkt. Doch aus gutem Grund darf nicht jeder Wille des Kindes in die Tat umgesetzt werden und manche Handlungen sind einfach noch zu schwierig für das Kind. Andere Dinge lassen sich wiederum grundsätzlich nicht ändern oder passen gerade nicht in den Zeitrahmen. Also trotzen Kinder, wenn es sich zum Beispiel die Strümpfe nicht selbst anziehen darf oder wenn es abends dunkel wird und es nicht länger draußen spielen darf. Aus seiner Sicht ist dieser Wutausbruch durchaus begründet und nachvollziehbar, auch wenn der Anlass den Eltern als Bagatelle erscheint.

Also: „JA“, dein Kind darf das!

Trotzen: Frustration lernen

Als Elternteil solltest du dein Kind – nicht nur in der Autonomiephase – begleiten und es unterstützen und natürlich auch richtiges Verhalten vorleben. Um sich bei einem Wutanfall zu beruhigen, braucht ein Kind Trost, Unterstützung, Ermutigung und Sicherheit.

Darüber hinaus sollte ihm erklärt werden, was ihm gerade passiert ist: „Du bist wütend, weil du deinen Schuh nicht allein anziehen konntest.“ So können dem Kind seine Gefühle und deren Zusammenhang erläutert werden. Je älter dein Kind wird, desto leichter wird es erkennen und erklären können, wie es sich fühlt. Es wird seine Emotionen bald besser äußern können und auf das Wutgeschrei verzichten.

Gib deinem Kind mit zunehmendem Alter Handlungsalternativen zu seinen Wutausbrüchen:

  • Sich verbal äußern (je nach Stand der Sprachentwicklung)
  • Um Hilfestellung bitten
  • Es nach einem Misserfolg erneut versuchen

Zum Schluss die gute Nachricht: Die Trotzphase ist tatsächlich genau das – nur eine Phase! Alle Eltern müssen da durch, aber es wird besser! Mit ein bisschen Geduld wirst du am Ende der Trotzzeit mit einem selbständigeren, selbstbewussteren Kind belohnt. Halte durch!

 

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