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Kinder haben das Zuckerlimit für 2019 jetzt schon erreicht

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat den 12. August zum „Kind-Überzuckerungstag“ erklärt. Denn am diesem Tag haben Kinder und Jugendliche in Deutschland die empfohlene Jahresdosis an Zucker bereits verbraucht.

Gesundheitsorganisationen sind besorgt: Kinder haben jetzt ihr Jahreslimit an Zucker erreicht
Gesundheitsorganisationen sind besorgt: Kinder haben jetzt ihr Jahreslimit an Zucker erreicht
© Unsplash/ Patricia Prudente

Der Überzuckerungstag 2019

Laut Berechnungen der Verbraucherorganisation foodwatch konsumieren Kinder und Jugendliche in Deutschland viel zu viel Zucker. Die Jahresdosis, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlen wird, wird 2019 schon am 224. Kalendertag (statt am 365. Tag) erreicht. Der sogenannte „Überzuckerungstag“ fällt dieses Jahr damit auf dem 12. August.

Das empfehlen Gesundheitsorganisationen

Die DGE sowie die WHO raten, dass bei Kindern ab drei Jahren maximal zehn Prozent der täglichen Kalorien aus freiem Zucker bestehen sollten. Die DGE empfiehlt einen deutlich niedrigeren Wert von fünf Prozent.

Als freier Zucker wird Zucker bezeichnet, der zur Nahrung hinzugefügt wird oder natürlich in Fruchtsäften, Honig oder Sirup enthalten ist. Zucker aus Milch oder frischem Obst zählt laut foodwatch nicht dazu.

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Kinder am Zucker-Limit

Laut Daten der DONALD-Studie (Dortmund Nutritional and Anthropometric Longitudinally Designed) aus dem Jahr 2016 essen Kinder aber deutlich mehr Zucker, als empfohlen. Sogar mehr als doppelt so viel. In Zahlen bedeutet das, Kinder nehmen nicht zehn Prozent des täglichen Kalorienbedarfs durch Zucker zu sich, sondern 16,3 Prozent!

Foodwatch zeigt an einem konkreten Beispiel, was das bedeutet.

„Mädchen essen im Durchschnitt mehr als 60 Gramm freie Zucker pro Tag, obwohl sie maximal 38 Gramm zu sich nehmen sollten. Jungs essen im Schnitt mehr als 70 Gramm freie Zucker pro Tag, obwohl sie nicht mehr als 44 Gramm verzehren sollten.“

Der Zucker kommt hier nicht immer von den offensichtlich zuckerreichen Nahrungsmitteln wie Schokolade oder Gummibärchen. Versteckter Zucker finden sich in vielen Produkten. Vor allem in Kinderprodukten sollten Eltern die Zutatenliste genau lesen. Auch der Ausdruck „ohne Zuckerzusatz“ bedeutet erst einmal nicht viel. Natürliche Süßungsmittel aus Fruchtsäften, -pürees oder -sirupen finden sich in vielen Keksen, Riegeln und Frühstückflocken.

Hier hilft nur: genau lesen und auf Begriffe wie Glucose, Dextrose oder Maltose achten.

Das Problem liegt bei Junkfood und Softdrinks

Foodwatch kritisiert vor allem aber die Lebensmittelindustrie. Die Verbraucherorganisation sieht eine „entscheidende Mitverantwortung, da Hersteller und Handel vor allem überzuckerte Lebensmittel aggressiv an Kinder vermarkten.“ Viele zuckerhaltige Lebensmittel, wie Cornflakes und süße Säfte, haben zum Beispiel Comicfiguren oder andere bunte Charaktere auf der Verpackung, die Kinder lieben.

Ein Test von 110 an Kinder beworbene Lebensmittel (Frühstücksflocken und Joghurts) von foodwatch kam beispielsweise zu dem Ergebnis, dass alle Joghurts und 90 Prozent der Frühstücksflocken nach WHO-Standards nicht als Kinderlebensmittel gelten dürften.

Der Vorschlag von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner, die Hersteller zu einer freiwilligen Zuckerreduktion zu bringen, lehnt foodwatch ab. Die Organisation fordert konkrete Werbeeinschränkungen. Lebensmittelhersteller sollten dann dazu verpflichtet werden, „nur noch gesunde Produkte an Kinder zu bewerben.“

Nicht nur Kinder konsumieren zu viel Zucker

Aus dem foodwatch-Bericht geht hervor, dass nicht nur Kinder mehr Zucker konsumieren, als Gesundheitsorganisationen empfehlen. Auch für Erwachsene gibt es einen Überzuckerungstag. Der fällt bei den Männern auf den 20. September und bei den Frauen auf den 8. Oktober.

Quellen

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