Wachstumsschmerzen: Ab wann sollte man zum Arzt?

Wachstumsschmerzen: Wie kann ich meinem Kind helfen?

Wachstumsschmerzen bei Kindern sind leider ziemlich typisch. Fast jedes dritte Kind hat irgendwann einmal mit den lästigen Beinschmerzen zu tun. Aber woher kommen die Schmerzen? Und wie können Mama und Papa helfen? Wir verraten es dir!

Kind liegt mit Wachstumsschmerzen im Bett
Manche Kinder haben so starke Wachstumsschmerzen, dass an Nachtruhe kaum zu denken ist. © Unsplash / Annie Spratt

Wann können Wachstumsschmerzen auftreten?

Wachstumsschmerzen treten in verschiedenen Entwicklungsphasen auf und können bei Kindern schon ab dem Kleinkindalter bis in die Pubertät hinein auftreten. Dr. Christian Huemer, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde des Landeskrankenhauses Bregenz, geht davon aus, dass zwischen zehn Prozent und 20 Prozent aller Schulkinder von solchen plötzlich auftretenden Schmerzen betroffen sind.

5 typische Symptome für Wachstumsschmerzen

Laut dem Berufsverband Kinder- und Jugendärzte e.V. sind folgende Symptome für Wachstumsschmerzen bei Kindern typisch:

  1. Kind verspürt die Schmerzen vor allem abends und nachts
  2. Schmerzen treten hauptsächlich an Knien und Unterschenkel auf
  3. Beide Beinen können betroffen sein oder aber nur eines, der Schmerz kann außerdem wandern
  4. Schwellungen, Entzündungen oder anderer physiologische Veränderungen treten nicht auf
  5. Tagsüber und in Bewegung spürt das Kind Beinschmerzen meist nicht/kaum

Wachstumsschmerzen: Kinder leiden vor allem nachts

Die Schmerzen machen sich schubweise über mehrere Jahre hinweg bemerkbar. Typisch ist ein heftiger, tiefliegender Schmerz, der vor allem nachts auftritt, sobald das Kind zur Ruhe gekommen ist. In den meisten Fällen sind die Beine betroffen. Allen voran der untere Bereich, also Knie, Schienbeine, Waden oder Sprunggelenke. Nur in seltenen Fällen schmerzen auch die Arme.

Woher kommt der Wachstumsschmerz?

Professor Dr. Alexander Beck vom Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) betont: Das Wachsen selbst verursacht keine Schmerzen: „Wachstumsschmerzen sind keine Gelenkschmerzen!“, so der Experte. Auch sind sie keine Antwort auf die Frage, wie groß dein Kind wird. Woher kommt also der Schmerz im Bein, der Kinder nachts quält und meist genauso schnell wieder verschwindet, wie er aufgetaucht ist?

Was genau die Wachstumsschmerzen auslöst, ist nicht gänzlich geklärt. Es gibt dazu unterschiedliche Theorien. Eine vermehrte Ausschüttung von Wachstumshormonen im Schlaf könnte zum Beispiel ein Grund für die Beinschmerzen bei Kindern sein, oder eine kurzzeitige Überbelastung des Bewegungsapparates beziehungsweise eine Fehlhaltung aufgrund der rasch wachsenden Knochen, Sehnen und Muskeln. Darüber hinaus kann ein Wachstumsschub dazu führen, dass die Knochenhaut am Schienbein zu schnell gedehnt wird. In Folge machen die dort liegenden Nerven als Wachstumsschmerzen bei Kindern auf sich aufmerksam.

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Schnelle Hilfe bei Wachstumsschmerzen

Wenn möglich sollten Wachstumsschmerzen bei Kindern nicht medikamentös behandelt werden. In Absprache mit dem Kinderarzt und in Ausnahmefällen sind leichte Schmerzmittel aber erlaubt, sollten aber laut der Bundesärztekammer nicht über längere Zeit eingenommen werden. Bevor du in Absprache mit einem Arzt eine medikamentöse Behandlung in Form von Paracetamol, Ibuprofen oder ähnlichem in Betracht ziehst, kannst du es zunächst mit Globuli-Kügelchen wie Calcium phosphoricum D12 und Manganum metallicum D12 versuchen.

Manche Kinder reagieren bei den typischen Beinschmerzen positiv auf Massagen oder leichte Dehnübungen. Auch Wärme beziehungsweise Kälte in Form von Wärmflasche, Infrarotlicht, Coolpack oder feuchten Wickeln können helfen. Auch das Einreiben beziehungsweise Massieren der betroffenen Stellen mit Johanniskrautöl oder Arnikasalbe kann helfen, die Schmerzen zu lindern.

Auf jeden Fall musst du die Wachstumsschmerzen ernst nehmen! Verharmlose es also nicht, wenn dein Kind nachts zu dir kommt und über Schmerzen klagt: Nimm es in den Arm und schenke ihm Aufmerksamkeit. Nähe tut ihm jetzt gut! Zumindest für den Moment lassen sich Wachstumsschmerzen ziemlich gut wegknuddeln.

Wachstumsschmerzen: Ab wann zum Arzt?

Generell solltest du mit deinem Kind bei unerklärlichen Schmerzen immer zum Kinderarzt gehen. Das Problem bei Wachstumsschmerzen ist, dass sie sich mit gängigen Diagnoseinstrumenten wie Röntgen, MRT oder einem Blutbild nicht abbilden lassen. Ärzte stellen die Diagnose nach dem Ausschlussverfahren: Wenn die Schmerzen also wiederholt auftreten, lange andauern oder unverhältnismäßig stark ausfallen, solltest du sie in jedem Fall vom Kinderarzt abklären lassen. Es muss immer ausgeschlossen werden, dass Verletzungen, Erkrankungen des Bewegungsapparates, Rheuma oder auch Tumore die Ursache sind. Bei kleinen Kindern ist es besonders wichtig, dass der Grund der Schmerzen umfassend abgeklärt wird, denn sie können ihre Schmerzen noch nicht so gut einordnen oder beschreiben wie ältere Kinder.

Sofortiger Handlungsbedarf ist gegeben, wenn der Schmerz immer an derselben Stelle sitzt, das Kind das Bein nicht belasten kann und/oder es zu Rötungen, Schwellungen oder Fieber kommt.


Quellen:

Prim. Dr. Christian Huemer, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Landeskrankenhaus Bregenz: Wachstumsschmerzen

Berufsverband Kinder- und Jugendärzte e.V: Wachstumsschmerzen bei Kindern sind eine Ausschlussdiagnose

Informationen der Landesärztekammer Baden-Württemberg: Was sind Wachstumsschmerzen?