Bookmark

„Warum darf der das und ich nicht?!“ – Vom täglichen Wahnsinn mit Geschwisterkindern

Der kleine, aber feine Unterschied zwischen Dürfen und Nicht-Dürfen sowie Müssen und Nicht-Müssen liegt manchmal in nur 1,5 Jahren. Unterschiedliches Alter, das bedeutet eben auch unterschiedliche Rechte und Pflichten. Eine Tatsache, die die Kinder unseres Autors Markus Kirschbaum nicht immer so toll finden.

„Das ist sauunfair! Ich darf ja nie was!“
„Das ist sauunfair! Ich darf ja nie was!“
© Unsplash/ Hisu lee

Konkurrenz? Kannte ich nicht – bis ich Kinder bekommen habe!

Ich selbst bin als Einzelkind aufgewachsen. Aus diesem Grund ist geschwisterlicher Konkurrenzkampf auch völliges Neuland für mich. Rechte und Pflichten, die habe ich als Kind natürlich auch gekannt und das wirklich nicht zu knapp. Die Betonung liegt hier allerdings auf ICH. Geschwister hat’s ja keine gegeben und damit auch zwangsläufig keine Möglichkeit für sinnlose Vergleiche. Durchaus ein Segen, wie ich heute finde!

„Das ist sauunfair! Ich darf ja nie was!“

Neid und Missgunst verfolgen mich an manchen Tagen bis in meine Träume. In Gestalt meiner beiden Sprösslinge nämlich, die mit Argusaugen darüber wachen, was der jeweils andere darf, muss und soll. Und immer – wirklich IMMER – ist man selbst das arme, ungerecht behandelte Kind, das VIIIEL weniger DARF und VIIIEL mehr MUSS. Ausufernde Diskussionen und Beleidigte-Leberwurst-Anfälle verstehen sich in diesem Zusammenhang von selbst. Tja, das Leben ist eben hart, dafür aber ungerecht. Das Leben als Geschwisterkind gleich noch viel mehr! Und für Eltern gilt sowieso: Wie man’s macht, macht man’s falsch! Irgendwas ist eben immer SAUUNFAIR! Wenigstens das weiß ich nach neun Jahren des Papa-Daseins.

Video-Empfehlung

Vom Taschengeld bis zum Schlafengehen

Als verwöhntes Einzelkind habe ich wirklich nicht im Traum damit gerechnet, dass simple Dinge wie Taschengeld oder Zubettgehzeiten den Haussegen so dermaßen schiefhängen lassen können. Dabei akzeptiert jedes Kind für sich genommen Vereinbarungen ohne mit der Wimper zu zucken. Aber WEHE, der andere darf etwas, das man selbst nicht darf! Da zuckt nicht nur die Wimper, sondern gleich das ganze Kind…

„Warum kriegt der mehr Taschengeld als ich?“ (Weil du jünger bist, Kind!)

„Warum muss die nie den Müll raus bringen?“ (Weil du älter bist, Kind!“)

„Warum darf der länger aufbleiben als ich?“ (Weil er älter ist, Kind!)

„Warum hilfst du ihr beim Zähneputzen und mir nicht?“ (Weil sie jünger ist, Kind!)

„Warum darf der alleine zum Spielplatz und ich nicht?“ (Weil er älter ist, Kind!)

„Warum kriegt die schon wieder neue Schuhe?“ (Weil sie gewachsen ist, Kind!)

„Warum darf der den Film sehen und ich nicht?“ (Weil er älter ist, Kind!)

Manchmal geht das den lieben langen Tag so. Und nein, das ist wirklich keine Übertreibung! Da wird verglichen, gegengerechnet, unfair gefunden, triumphiert, geweint, getrotzt, verhandelt und vor allem: gestritten! Echt mühsam, kann ich euch sagen. Die Lösung? Daran arbeite ich noch. Für ein wenig Hilfe wäre ich übrigens dankbar!

Tipps sind herzlich willkommen

Ich frage mich oft, wie andere Eltern mit solchem Konkurrenzverhalten umgehen. Mir fällt das nämlich wirklich sehr schwer. Vermutlich, weil ich es eben nicht kenne und sowas von überhaupt nicht nachvollziehen kann. Zu allem Überfluss will ich es auch noch beiden Kinder recht machen. Dann lasse ich mich auf Diskussionen ein und schon bin ich verloren. Das weiß ich – und das wissen meine Kinder! Meine Frau schüttelt über mich und meinen Gerechtigkeitssinn nur den Kopf. Kein Wunder, sie ist ja auch mit Geschwistern aufgewachsen und Meldungen wie „Warum darf der/die das…“ kosten sie nur ein lapidares Schulterzucken. „Tja, weil die Welt eben ungerecht ist!“, spricht sie und hält Zeter und Mordio tiefenentspannt aus. Da sollte ich mir wohl die eine oder andere Scheibe abschneiden.