Bookmark

Wahrnehmungsstörung – Symptome, Diagnose & Tipps für Eltern

Wahrnehmungsstörung: Kind hält sich die Ohren zu und schreit
Wahrnehmungsstörungen bei Kindern können sich sehr unterschiedlich bemerkbar machen.
© Bigstock/ Nadezhda1906

Eine Wahrnehmungsstörung kann jeden unserer Sinne betreffen und zu größeren Beeinträchtigungen führen. Bei Kindern können sie zu ernsten Entwicklungsstörungen führen. Lies hier, welche Kinder-Wahrnehmungsstörungen es gibt, wie die Diagnose gestellt wird und wie man eine gestörte Wahrnehmung therapieren kann.

Wie funktioniert Wahrnehmung? Vom Reiz zur Sinnesverarbeitung

Das Gehirn wird jede Sekunde mit einer Vielzahl an Sinneseindrücken konfrontiert. Da es nicht alle Eindrücke auf einmal verarbeiten kann, wählt es nur die Reize aus, die ihm in diesem Moment wichtig und sinnvoll erscheinen. Diese Vermeidung einer Reizüberflutung wird “sensorische Integration” genannt.

Etwas “wahrzunehmen” heißt also, dass dein Gehirn einem bestimmten Reiz (akustisch, optisch etc) einen Sinn gibt und ihn dich wahrnehmen lässt.

Dabei sind drei Punkte besonders wichtig:

  1. Wahrnehmung ist subjektiv
    Jeder nimmt Reize anders wahr.
  2. Wahrnehmung ist selektiv
    Einige Reize werden als stärker, andere als schwächer empfunden oder gar nicht wahrgenommen.
  3. Wahrnehmung erfolgt bewusst aber auch unbewusst
    Eigentlich nehmen wir also mehr Reize wahr, als wir bewusst abspeichern. Diese Auswahl verhindert eine Reizüberflutung.

Ist dieser “Filter-Mechanismus” gestört, kann es zu Wahrnehmungsstörungen kommen.

Was ist eine Wahrnehmungsstörung?

Wichtig ist: Es handelt sich hierbei nicht um eine Krankheit. Betroffene haben grundsätzlich Probleme, äußere Reize, die sie über ihre Sinnesorgane aufnehmen, richtig zu verarbeiten. Das Gehirn ordnet sie falsch zu oder kann ihnen gar keine Bedeutung zuordnen. Bei einer Wahrnehmungsstörung sind also die Sinneswahrnehmungen wie Hören, Sehen, Fühlen, Riechen beeinträchtigt.

Da alle Sinneswahrnehmungen auch von bewertenden Gefühlen begleitet werden, ergibt sich aus der gestörten Wahrnehmung oft auch ein verändertes Verhalten. Das kann bedingt sein durch eine Entwicklungsstörung in der Kindheit. Symptome können aber auch erst nach einer Verletzung des Gehirns, zum Beispiel als Folge eines Unfalls, auftreten.

: auch interessant
Darum solltest du die Entwicklung deines Kinds beobachten

Regelmäßige Voruntersuchungen beim Kinderarzt kennt jeder. Doch damit dort Auffälligkeiten entdeckt werden, braucht es oft mehr als Maßband, Orthoskop und Spatel. Und auch über die gesundheitliche Entwicklung hinaus sollten sich Eltern aus gutem Grund immer wieder die Frage stellen, wie weit sich ihr Kind bereits entwickelt hat.

Unsere Wahrnehmung beruht zu einem großen Teil auf Erfahrungen. Das bedeutet, wie wir Reize wahrnehmen, ist auch erlernt. Leiden Kinder seit der Geburt unter einer Wahrnehmungsstörung, führt das meist zu einem Unverständnis zwischen dem Kind und seinem Umfeld. Das Kind kann dann den Erwartungen und Anforderungen seiner Umwelt nicht gerecht werden.

Die Ursachen einer Wahrnehmungsstörung

Viele Eltern stellen sich die Frage: „Warum hat mein Kind Wahrnehmungsstörungen?“ Eine einfache Antwort gibt es darauf leider nicht. Die genaue Ursache für eine Wahrnehmungsstörung bei Kindern ist meist nicht klar zu benennen.

Um die Ursache von Wahrnehmungsstörungen bei Kindern genauer einzugrenzen, sollten die Störungen im Ganzen betrachtet werden. Psychologen der Gemeinschaftspraxis für klinisch-psychologische Diagnostik und Behandlung für Kinder, Jugendliche, Erwachsene weisen darauf hin:

“Wahrnehmungsverarbeitungsstörungen können für sich allein bestehen aber auch Teilsymptomatik eines anderen Störungsbildes (z.B. Autismus-Spektrum-Störung, ADS, ADHS, Zerebralparesen, Folge einer Hirnhautentzündung usw.) sein.”

Sonstige mögliche Ursachen können sein:

#1 Vererbung
Häufig gibt es eine familiäre Veranlagung. Das heißt, ein Elternteil oder beide haben ebenfalls eine (meist unerkannte) gestörte Wahrnehmung, die an das Kind vererbt wurde.

#2 Frühgeburt
Eine weitere Ursache ist eine Frühgeburt. Bei Frühchen kann in der weiteren Entwicklung eine Wahrnehmungsstörung auftreten. Ein Risiko besteht ebenfalls bei Kindern mit einer Chromosomenstörung, zum Beispiel mit Trisomie 21 oder dem Turner-Syndrom.

#3 Drogen in der Schwangerschaft
Auch Drogen-, Alkohol– und Medikamentenmissbrauch in der Schwangerschaft wird mit Wahrnehmungsstörungen bei Kindern in Zusammenhang gebracht. Umfassende Untersuchungen dazu gibt es allerdings noch nicht.

Eine wirklich verlässliche Antwort auf die Frage: “Warum hat mein Kind Wahrnehmungsstörungen?” kann nur ein medizinisches und psychologisch geschultes Team geben.

Diagnose: Woher weiß ich, dass mein Kind an einer Wahrnehmungsstörung leidet?

Wenn du bemerkst, dass dein Kind Probleme in einem oder mehreren Bereichen der Wahrnehmung hat, solltest du zuerst mit deinem Kinderarzt darüber sprechen. Er kann dir gut ausgebildete Ärzte, Psychologen und Psychotherapeuten empfehlen.

Zuerst muss dann getestet werden, ob es sich um eine Wahrnehmungsstörung oder nur eine kurzzeitige Wahrnehmungsschwäche handelt. Außerdem untersuchen die Ärzte, welche Art der Störung vorliegt.

Der Unterschied zu ADS/ ADHS und anderen Erkrankungen

Es gibt zahlreiche Erkrankungen, deren Begleitsymptome Wahrnehmungsstörungen sein können. Um eine Wahrnehmungsverarbeitungsstörungen von anderen Krankheiten, etwa ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom), ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) oder Autismus unterscheiden zu können, müssen verschiedene Faktoren der jeweiligen Erkrankungen untersucht werden. Das kann nur durch geschultes medizinisches und psychologisches Personal geschehen.

Gut zu wissen
Symptom aber nicht Ursache

Wahrnehmungsstörungen können ein Teil des ADS/ ADHS Krankheitsbildes sein, sind aber meistens nicht der Auslöser. Im Rahmen einer ADS/ ADHS Therapie werden diese Unterteile der Krankheit individuell behandelt.

Die fünf Ausprägungen einer gestörten Wahrnehmung

Es gibt viele verschiedene Arten einer gestörten Wahrnehmung, die oft in unzähligen Kombinationsmöglichkeiten zusammenspielen. Hier stellen wir dir die fünf häufigsten vor, die sich auf den aktuellen Forschungsstand und allgemeinen ärztlichen Leitlinien beziehen.

#1 Auditive Wahrnehmungsstörung: Hören

Bei einer auditiven Wahrnehmungsstörung haben Kinder Probleme, Geräusche richtig einzuordnen. Sie nehmen zum Beispiel alle akustischen Reize gleich stark wahr, was zu einer Reizüberflutung führt. Das führt auch oft zu Sprachstörungen, da sie Probleme haben, gehörte Worte in getrennte Laute/Silben zu unterteilen.

Waldemar von Suchodoletz, ehemaliger Leiter der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der LMU München erklärt:

„Zu den spezifischen Symptomen [der auditiven Wahrnehmungsstörung] werden Geräuschüberempfindlichkeit, verzögerte Reaktionen auf Ansprechen und Verständnisstörungen bei Nebengeräuschen gerechnet. Als unspezifische Symptome gelten Konzentrationsstörungen bei Nebengeräuschen, Leistungsvariabilität und Verhaltensauffälligkeiten.“

Zu den Sekundärsymptome der auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung zählen außerdem Lese-Rechtschreib-Schwächen, Aufmerksamkeits-Störungen (wie ADHS) und allgemeine Lernstörungen.

Beispiele für eine auditive Wahrnehmungsstörung bei Kindern

Wie erkenne ich, dass mein Kind Probleme mit der auditiven Wahrnehmung hat? Lies dir die folgenden Beispiele durch und frage dich, ob dir die geschilderten Situationen bekannt vorkommen:

  • Beispiel 1: Lärmempfindlichkeit
    Das Kind hat eine akustische Störung und nimmt Geräusche sehr viel stärker wahr. Wenn es ein lautes Geräusch hört (zum Beispiel ein vorbeifahrendes Motorrad), bricht es in Tränen aus und ist kaum zu trösten – sehr zur Verwunderung seiner Mitmenschen, die das Geräusch kaum bemerkt haben.
  • Beispiel 2: verzögerte Sprachentwicklung
    Schon im Säuglingsalter zeigt das Kind eine verzögerte Reaktion auf Ansprache oder Geräusche. Auch das Sprechen lernen zieht sich. Später hat das Kind eine undeutliche Aussprache, kann ähnlich klingende Wörter nur schlecht auseinanderhalten und hat Schwierigkeiten aus einzelnen Wörtern sinnvolle Sätze zu bilden. Im Grundschulalter wird sich wahrscheinlich auch eine Lese-Rechtschreib-Schwäche zeigen.
Wie lernen Kinder sprechen?

#2 Visuelle Wahrnehmungsstörung: Sehen

Kinder mit visuellen Wahrnehmungsstörungen haben Schwierigkeiten, Formen oder Größen zu erkennen oder richtig einzuschätzen. Ihr Gehirn kann das Gesehene nicht richtig verarbeiten. So tun sie sich etwa schwer, Details in einem Bild zu erkennen.

Viele Betroffene leiden außerdem unter visuell-konstruktiven Wahrnehmungsstörungen, die die räumliche Wahrnehmung betreffen.

#3 Visuell-konstruktive Wahrnehmungsstörung: Räumliche Wahrnehmung

Hier kommen zu den oben genannten Symptomen noch Probleme mit dem räumlichen Denken dazu. Kinder tun sich also schwer, das Gesehene mit einer Bewegung zusammenbringen oder ihre Körperbewegungen mit ihren Augen abzustimmen, etwa ein Ziel mit einem Ball zu treffen.

Wichtig: Gerade bei der Störung visueller Wahrnehmungen ist es wichtig, organische Ursachen auszuschließen, etwa eine Weit- oder Kurzsichtigkeit. Eine augenärztliche Untersuchung sollte also ganz am Anfang eines Behandlungsplans stehen!

Die Gesellschaft für Neuropädiatrie weist in ihrer Leitlinie zu den visuellen Wahrnehmungsstörungen deutlich auf die Notwendigkeit hin, die Augenentwicklung von Säuglingen regelmäßig zu überprüfen. „Ein intaktes Sehvermögen wirkt sich auf die motorische und kognitive Entwicklung aus. Dies wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass knapp 80% aller sensorischen Informationen über die Augen aufgenommen werden.“, so die Experten. Das bedeutet, dass sich eine visuelle Wahrnehmungsstörung bei Kindern sehr umfassend auswirken kann.

Beispiele für eine visuelle Wahrnehmungsstörung bei Kindern

Kommen dir folgende Beispiele bekannt vor? Dann solltest du dein Kind ärztlich untersuchen lassen:

  • Beispiel 1: schlechte Hand-Augen-Koordination
    Ist die visuelle Wahrnehmung gestört, haben Kinder meist eine schlechte Hand-Augen-Koordination. Darunter leidet auch die Feinmotorik. Das Kind fällt zum Beispiel dadurch auf, dass es Problem beim Malen oder Basteln hat. Auch das Spielen mit Bauklötzen oder Steckbausteinen fällt betroffenen Kindern schwer.
  • Beispiel 2: Dyskalkulie und LRS
    Eine visuelle Wahrnehmungsstörung bei Kindern kann sich auch durch eine Dyskalkulie oder eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) zeigen. Die Leitlinie der Gesellschaft für Neuropädiatrie nennt Schwierigkeiten beim (Ab-)Zeichnen geometrischer Figuren als weiteres typisches Anzeichen für visuell-räumliche Defizite.

#4 Körperliche/ taktile Wahrnehmungsstörung: Berührungen

Die Haut ist das größte sensorische Organ. Sie nimmt Reize wie Temperatur, Druck, Schmerz oder Berührungen wahr. Gerade in jungen Entwicklungsjahren entdecken Kinder viel über den Berührungssinn, wollen alles anfassen und erforschen. Das ist einerseits wichtig, um das eigene Körperempfinden zu entwickeln, aber auch um emotionale Bindungen zu vertiefen, etwa Körperkontakt als angenehm zu empfinden.

Bei einer taktilen Störung unterscheidet man zwischen zwei Unterarten:

  1. Überempfindlichkeit
    Dabei werden Reize im Gehirn nicht genügend gehemmt und ungefiltert, also meist als zu stark wahrgenommen. Schon kleinste Berührungen können als schmerzhaft oder unangenehm empfunden werden.
  2. Unterempfindlichkeit
    Dabei werden die Reize zu stark gehemmt. Kinder spüren dabei ihren Körper zu wenig und sind temperatur- und schmerzunempfindlich. Das kann zu leichteren Komplikationen führen, wie etwa Probleme, etwas zu halten (weil sie den Gegenstand nicht fühlen) oder zu schwereren, etwa wenn sie zu Selbstverletzungen neigen, um ihren Körper überhaupt zu spüren.

Beispiele für eine taktile Wahrnehmungsstörung bei Kindern

Folgende Beispiele weisen auf eine gestörte taktile Wahrnehmung hin:

  • Beispiel 1: häufige Stürze ohne Schmerzen
    Ist das Körperbewusstsein unterentwickelt, kann es bei Kindern häufiger zu Stürzen führen. Jedoch mangelt es hier meist an Schmerzempfindlichkeit. Die Kinder springen auch nach schwereren Stürzen wieder auf und spielen weiter.
  • Beispiel 2: Empfindlichkeit bei Berührungen
    Kinder mit einer überempfindlichen taktilen Störung können manche Berührungen schlecht aushalten. Das kann sich zum Beispiel zeigen, wenn Kinder sich nicht eincremen lassen. Die gestörte Wahrnehmung kann sich auch zeigen, wenn Kinder bestimmte Stoffe und Kleidungsstücke nicht am Körper tragen wollen.

#5 Kinästhetische/ propriozeptive Wahrnehmungsstörung: Kraft-, Bewegungs- und Stellungssinn

Gut zu wissen
Hilfreiche Definitionen:

Kinästhetik = Bewegungswahrnehmung
Propriozeptive = Die Wahrnehmung der Position des eigenen Körpers im Raum

Betroffene Kinder haben meistens Probleme mit der eigenen Körperwahrnehmung. Sie werden oft als chaotisch oder tollpatschig wahrgenommen. Außerdem haben sie Schwierigkeiten mit grob- oder feinmotorischen Handlungen, können oft Distanzen nicht richtig abschätzen oder im Kontakt mit anderen Leuten die Heftigkeit ihres eigenen Körpers nicht einschätzen.

Beispiele für kinästhetische/ propriozeptive Wahrnehmungsstörung

Folgende Situationen kommen bei Kindern mit kinästhetische und / oder propriozeptive Wahrnehmungsstörung häufig vor:

  • Beispiel 1: Erlernen von Handlungsabläufen
    Betroffene Kinder haben Probleme beim Erlernen oder Wiederholen von bestimmten Bewegungsabläufen, etwa Fahrradfahren oder selbstständigem Ankleiden
  • Beispiel 2: Sprachliche Probleme
    Sprachliche Artikulation erfordert auch ein gewisses Maß an körperlicher Wahrnehmung, etwa Lippen- oder Mundstellung. Kinder, die damit Probleme haben, sind oft sprachverzögert und/ oder neigen zu verstärktem Speichelfluss.

Wie kann man eine Wahrnehmungsstörung behandeln?

Wahrnehmungsstörungen können therapiert werden, aber eben nicht geheilt. Grundsätzlich zielt die Therapie darauf ab, die Defizite durch bewusstes Training auszugleichen. Kinder mit einer gestörten Wahrnehmung können zum Beispiel durch Logopädie, Krankengymnastik oder Ergotherapie behandelt werden – je nachdem, welche Sinneswahrnehmung beeinträchtigt ist.

Wichtig ist hier: Je früher die Behandlung beginnt, desto erfolgreicher ist sie. Die Behandlung beim Therapeuten ist viel effektiver, wenn das Kind auch zuhause viel übt. Mache mit deinem Kind also die Übungen, die der Logopäde oder Ergotherapeut euch zeigt.

Waldemar von Suchodoletz rät bei einer auditiven Wahrnehmungsstörung, das Kind vor „komplexere auditive Anforderungen [zu] stellen“. Damit ist gemeint, das Hören als Übung bewusst zu erschweren. Du kannst zum Beispiel deine Stimme verändern oder dein Kind muss in einer lauten Umgebung ein bestimmtes Geräusch heraushören.

Damit das Üben für dein Kind nicht zu anstrengend wird, kannst du euren Therapeuten auch nach Spielen fragen, bei denen das Kind üben kann und trotzdem Spaß hat. Hier findest du zum Beispiel neun Spiele zur Förderung der Sprachentwicklung.

Wichtig ist außerdem: Viel Bewegung – zum Beispiel Spaziergänge auf unebenem Gelände (Wald). Bewegungsspiele, Konzentrationsübungen und Koordinationsübungen sollten spielerisch in den Alltag integriert werden.

Weitere Möglichkeiten, wie du dein Kind unterstützen kannst

Es gibt verschiedene Ausprägungen und Arten von Wahrnehmungsstörungen. So muss zunächst unterschieden werden, ob das betroffene Kind im Sehen, Hören, Riechen oder Fühlen beeinträchtig ist. Vielleicht liegen auch mehrere Störungen gleichzeitig vor.

Eine weitere wichtige Unterscheidung bei der Wahrnehmungsstörung bei Kindern: Nimmt es zu viele oder zu wenig Reize aus seiner Umwelt auf?

  • Ein Übermaß an Reizen führt zu einer Überforderung des Kindes, welches dann dazu neigt, ängstlich und blockiert zu reagieren und vielleicht ein starkes Bindungsbedürfnis zu den Eltern aufweist.
  • Eine verringerte Wahrnehmung von Reizen lässt Kinder unruhig oder aggressiv werden. Sie suchen ständig nach sehr starken Eindrücken, damit sie vom Kind wahrgenommen werden können. Diese Kinder machen eher einen überaktiven Eindruck und begeben sich häufig in riskante Situationen.

Wahrnehmungsstörungen bei Erwachsenen

Die Ursache von einer gestörten Wahrnehmung liegt meist in der Kindheit. Wird die jeweilige Störung nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann sie sich bis ins Erwachsenenalter hinziehen. In manchen Fällen kann aber auch im Erwachsenenalter Drogenmissbrauch oder eine psychische Erkrankung Wahrnehmungsstörungen auslösen.

Ab wann Betroffene Hilfe suchen sollten, ist laut der Sonderpädagogin Brigitte Pastewka sehr individuell:

“Therapiebedürftig wird jemand, wenn er daran leidet. Oder wenn sein Verhalten gefährlich für seine gesellschaftliche Stellung in Familie und Beruf ist.”

Der erste Ansprechpartner in diesen Fällen sollte der eigene Hausarzt sein, mit dem man die Symptome bespricht und der Betroffene an entsprechende Fachärzte weiterleiten kann.

Quellen

Top