Emotionales Füttern: So machst du dein Kind zum Stressesser

„Wenn du brav bist, bekommst du ein Eis“

Als Eltern haben wir in der Hand, ob unsere Kinder emotionale Esser werden oder nicht. Eine aktuelle Studie zeigt, diese Lebensphase ist dafür besonders entscheidend.

Kleiner junge isst Lolli
Süßes zur Beruhigung? Das solltest du besser lassen © Gelpi via Bigstock

Stressessen, Frustessen, Schokolade gegen schlechte Laune: Kommt dir das bekannt vor? Viele Menschen sind emotionale Esser. Und der Grundstein dafür wird in der Kindheit gesetzt. Davon gehen zumindest norwegische Forscher aus. Und auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) warnt davor, seine Kinder mit Essen zu trösten oder zu beruhigen.

Dass Kinder Zucker und Süßes nur in Maßen essen sollen ist klar. Aber manchmal passiert es wie ein Reflex, dass wir ihnen ein Stückchen Schokolade oder ein Gummibärchen in die Hand drücken, um sie zu beruhigen. Leider tun wir unseren Kindern damit nicht unbedingt etwas Gutes, auch wenn das die eigentliche Absicht war. „Kinder entwickeln Bewältigungsstrategien, um Unangenehmes zu vermeiden. Erhalten sie oft etwas Süßes gegen ihren Schmerz oder andere unschöne Erfahrungen, eignen sie sich diese Methode gerne an“, erläutert Dr. Monika Niehaus, Kinder- und Jugendärztin und Mitglied des BVKJ.

Diese Lebensphase ist entscheidend

Damit bestätigt sie die Ergebnisse der norwegischen Langzeitstudie „Emotional Feeding and Emotional Eating“, die Anfang des Jahres im medizinischen Fachjournal Child Development veröffentlicht wurde. Für diese untersuchten die Wissenschaftler um Studienleiter Silje Steinsbekk mehr als 800 Kinder über mehrere Jahre hinweg. Die Studie startete als die Kinder vier Jahre alt waren. Mit sechs, acht und zehn Jahren fanden dann weitere Untersuchungen statt. Es zeigt sich deutlich, dass die meisten Kinder bis zum zehnten Lebensjahr schon eine gewisse Abhängigkeit zum Essen als Tröster entwickelt haben. Laut der Forscher ist vor allem die Vorschulzeit für Kinder prägend. Neigen Eltern in dieser Phase zum „emotionalen Füttern“, wie es in der Studie beschreiben wird, werden ihre Kinder höchst wahrscheinlich auch zu emotionalen Essen.

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Eltern, die da bereits durch mussten, erkennen die Problematik dabei: Die Trotzphase fällt genau in dieses kritische Zeitfenster. Und in schwachen Momenten fällt es einfach zu leicht, ein tobendes Trotzkind mit Süßem zu bestechen. Je erfolgreicher diese Taktik ist, desto wahrscheinlicher wird sich bei den Eltern das emotionalen Füttern als Gewohnheit einschleichen. Das erkläre laut der Wissenschaftler zumindest, warum Kinder, die leicht aus der Fassung geraten, eher emotionale Esser sind.

Es ist nicht wichtig, perfekt zu sein

„Eltern sollten gar nicht perfekt sein, aber gut genug. Sein Kind ab und mit Essen zu beruhigen ist keine große Sache, solange sie sich vorwiegend auf andere Strategien konzentrieren.“, sagt der norwegische Studienleiter Steinsbekk. Bei Trotzkindern die richtige Taktik zu finden, ist zugegeben nicht ganz einfach.

Strategien, die euch bei einem Wutanfall helfen können, findet ihr auf der nächsten Seite. Für andere Situationen in denen dein Kind Trost braucht, empfiehlt Kinderärztin Niehaus: „Umarmen Sie Ihr Kind und sprechen Sie liebevoll mit ihm, wenn es traurig ist oder ihm etwa weh tut. Vielleicht kann auch die Aussicht auf eine Geschichte helfen, die Sie ihm vorlesen. Finden Sie heraus, was Ihrem Kind helfen kann – aber ohne Kalorien“.

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