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Taschengeldtabelle: Ab wann und wieviel Taschengeld ist normal?

vonSonja Hagl

Je früher Kinder den verantwortlichen Umgang mit Geld lernen, desto besser. Oft stellen sich Eltern aber einige Fragen zum Thema Taschengeld: Ab wann und wieviel Taschengeld sind normal? Was darf sich mein Kind davon kaufen? Die Taschengeldtabelle 2020 gibt einen ersten Überblick, rechtliche Grundlage helfen bei der Entscheidung.

vonSonja Hagl
Wieviel Taschengeld Kinder bekommen sollten ist abhängig vom Alter
Wieviel Taschengeld Kinder bekommen sollten ist abhängig vom Alter
© Bigstock/ Rawpixel.com

Taschengeld: Ab wann gibt es Geld?

Viele Kinder fragen schon früh nach Taschengeld. Ab wann Kinder tatsächlich welches bekommen sollten, lässt sich gut begründen: Laut dem Stadtjugendamt München verstehen bereits Vorschulkinder das Konzept von Geld und Bezahlen. Im Alter von vier bis fünf Jahren begreifen sie was Geld ist und fangen an, sich dafür zu interessieren. Schon ab diesem Alter kann ein kleiner wöchentlicher Betrag für Kinder also sinnvoll sein.

Ab wann Taschengeld von den Eltern gezahlt wird, ist aber ganz individuell. Manche zahlen es schon ab vier Jahren andere erst ab sieben, acht oder neun Jahren. Die Auszahlung ist eine freiwillige Leistung der Eltern. Es bleibt dir also überlassen, ab wann dein Kind Taschengeld erhält

Wieviel Taschengeld ist für Kinder sinnvoll?

Im Vorschulalter entwickeln Kinder zwar ein Interesse für Geld, sie „können aber den Wert des Geldes noch nicht verstehen“, heißt es in der Broschüre „  des Stadtjugendamtes München. Größere Kinder beschweren sich gerne mal, dass das Taschengeld viel zu wenig ist. Eltern sind oft unsicher, ab wann Kinder wieviel Taschengeld bekommen sollten. Zum Glück gibt es offizielle Empfehlungen. Für kleine Kinder braucht der Betrag noch nicht sehr hoch sein. Hier reichen meist 0,50 bis 1 Euro pro Woche. Das Taschengeld sollte aber mit dem Alter ansteigen und regelmäßig angepasst werden.

Offizielle Taschengeldempfehlung: das raten Jugendämter

Jugendämter, Sparkassen und das Deutsches Jugendinstitut (DJI) geben Antworten auf die Frage, wieviel Taschengeld für Kinder angemessen ist. Einen guten Überblick über diese Empfehlungen geben Taschengeldtabellen. Die meisten Tabellen sind sich recht ähnlich. Sie fangen bei 50 Cent wöchentlichem Taschengeld für Kinder im Vorschulalter an und enden bei etwa 76 Euro im Monat für 18-Jährige. Das Taschengeld kann aber auch schon vorher entfallen, wenn das Kind zum Beispiel in einer Ausbildung eigenes Geld verdient. Von kleineren Nebenjobs, wie Rasenmähen, Babysitten oder Zeitungaustragen, sollte die Höhe des Taschengeldes jedoch nicht abhängig gemacht werden.

Taschengeldtabelle 2020: empfohlenes Taschengeld nach Alter

Hier findest du die aktuelle Taschengeldempfehlung vom DJI aus dem Jahr 2017, die auch für 2020 noch besteht.

Alter des Kindes Taschengeldhöhe
4 bis 5 Jahre 0,50 bis 1,00 Euro/Woche
6 bis 7 Jahre 1,00 bis 2,00 Euro/Woche
8 bis 9 Jahre 2,00 bis 3,00 Euro/Woche
10 Jahre 15,50 bis 18,00 Euro/Monat
11 Jahre 18,50 bis 20,50 Euro/Monat
12 Jahre 20,50 bis 23,00 Euro/Monat
13 Jahre 23,00 bis 25,50 Euro/Monat
14 Jahre 25,50 bis 30,50 Euro/Monat
15 Jahre 30,50 bis 38,00 Euro/Monat
16 Jahre 38,00 bis 45,50 Euro/Monat
17 Jahre 45,50 bis 61,00 Euro/Monat
18 Jahre 61,00 bis 76,00 Euro/Monat

Nicht zu vergessen: Taschengeldtabellen berücksichtigen nicht, dass Familien unterschiedliche finanzielle Möglichkeiten haben und auch nicht die gleiche Kinderzahl haben. Deshalb müssen sich Eltern zuerst immer fragen, wieviel Taschengeld aus ihrer Sicht finanziell machbar ist. Es kann durchaus auch geringer ausfallen. Problematisch wird es erst, wenn das Taschengeld wesentlich höher ausfällt als in der Taschengeldtabelle vorgesehen, denn dann verliert es den Lerneffekt. Wenn sich Kinder alles von ihrem Taschengeld leisten können, lernen sie nicht, wie der Umgang mit Geld und Sparen funktioniert. Der Sinn hinter dem, für manchen vielleicht wenig klingenden, Taschengeldbetrag ist, dass er nie für alle Wünsche reicht. So lernen Kinder abzuschätzen, was ihnen wirklich wichtig ist und worauf sie vielleicht sparen wollen.

Übrigens: Es gibt keine gesetzliche Pflicht Taschengeld auszubezahlen. Ob und wieviel Taschengeld für Kinder angemessen ist, entscheiden die Eltern.


Taschengeld für Kinder: Wie sollte es ausgezahlt werden?

In welchem Abstand das Taschengeld für Kinder ausgezahlt wird, hängt vom Alter aber auch von der Reife des Kindes ab. Ist es alt genug, um über einen langen Zeitraum, wie zum Beispiel 14 Tage oder gar einen Monat zu haushalten? Das Jugendamt Bamberg empfiehlt für Grundschulkinder „eine wöchentliche Auszahlung. Ab 10 Jahren ist in der Regel eine monatliche Auszahlung ratsam.“ Nicht nur die Frage, wieviel Taschengeld angemessen ist, sondern auch, ob sich Eltern in die Kaufentscheidungen ihres Nachwuchses einmischen dürfen, ist oft strittig.


Warum brauchen Kinder Taschengeld?

  • Kinder erlernen den Wert von Geld
    Wenn Kinder Dinge von ihrem Taschengeld zahlen müssen, bekommen sie ein Gespür dafür, wie teuer oder billig etwas ist.
  • Kinder treffen eigene finanzielle Entscheidungen
    Je nachdem, wieviel Taschengeld das Kind bekommt, muss es haushalten. Es kann sich nicht alle Wünsche erfüllen und lernt so, welche Käufe sinnvoller sind.
  • Kinder lernen, Preise zu vergleichen
    Mit Unterstützung der Eltern können sich Kinder errechnen, welche Option die günstigste ist. Dadurch bleibt ihnen mehr Taschengeld für andere Dinge übrig.
  • Kinder sind selbstständiger
    Kinder verfügen unabhängig von den Eltern über ihr Taschengeld. Für Kinder ergibt sich die dadurch zum Beispiel die Möglichkeit, Geschenke zu machen (zum Beispiel zum Muttertag), ohne vorher nach Geld fragen zu müssen. Da ist auch die Überraschung bei den Eltern größer.

Was dürfen Kinder vom Taschengeld kaufen?

In Deutschland ist die Nutzung von Taschengeld im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt. Nach dem sogenannten Taschengeldparagrafen (§110 BGB) dürfen Kinder ab dem siebten Lebensjahr auch ohne Zustimmung der Eltern einen Kaufvertrag abschließen. Vorausgesetzt sie können das Gekaufte mit ihrem Taschengeld bezahlen. Dies trifft vor allem für kleine Rechtsgeschäft zu, wie der Kauf von Süßigkeiten. Größere Anschaffungen, selbst wenn vom gesparten Taschengeld bezahlt, müssen nicht unbedingt rechtmäßig sein. Der Kauf muss altersgerecht sein und unverzüglich vom Taschengeld beglichen werden können. Kinder und Jugendliche zwischen sieben und 17 Jahren sind beschränkt geschäftsfähig. Das bedeutet, dass sie vieles kaufen können, solange die Eltern nicht widersprechen. Das Rechtsgeschäft ist dann „schwebend unwirksam“. Sind die Eltern gegen den Kauf können sie diesen in der Regel rückgängig machen.

Grundsätzlich gilt für Taschengeld: Eltern dürfen zwar ihre Kinder beraten, aber nicht bestimmen, was mit dem Taschengeld geschieht. Ob ein Kind sein ganzes Taschengeld am Monatsbeginn ausgibt oder lieber spart, sollte es selbst entscheiden, auch „wenn [den Eltern] ein Kauf nicht sinnvoll erscheint.“, so das Stadtjugendamt München. Eltern können immer beraten – die endgültige Entscheidung liegt aber beim Kind. Sollte sich der Kauf als Fehlentscheidung herausstellen, ist das auch eine Lernerfahrung.

Taschengeld-Tipps für Eltern

  • Wieviel Taschengeld für Kinder angemessen ist, sollten Eltern entscheiden und festlegen. Das Taschengeld sollte dann regelmäßig und unaufgefordert ausgezahlt werden.
  • Das Taschengeld für Kinder ist zur freien Verfügung da. Klare Ausnahmen: Kinder dürfen sich nichts Gefährliches, Schädliches oder Verbotenes kaufen.
  • Schulmaterialien, Nahrungsmittel und Kleidung sollten nicht vom Taschengeld gekauft werden. Ausnahme: besondere Kleidungswünsche oder Snacks. Aber auch, wenn absichtlich etwas kaputt gemacht wurde.
  • Bestrafungen und Belohnungen dürfen nicht über das Taschengeld erfolgen, es sollte eine feste Größe bleiben. Taschengeld darf also kein Erziehungsmittel oder Druckmittel sein. Mehr Informationen hier: Kindererziehung: Dein Kind hört nicht? 9 Tipps
  • Das Taschengeld, sollte nicht von schulischen Leistungen oder dem Verhalten abhängig gemacht werden. So lernen Kinder nicht, wie man sich einen festen Betrag (wie später ein Gehalt) einteilt.
  • Wenn das Kind das Taschengeld zu schnell ausgibt, nicht sofort nachlegen, sondern eine Lernerfahrung daraus machen. Nur so lernt es den Wert zu schätzen.
  • Wieviel Taschengeld ein Kind bekommt, sollte nicht von eventuellen Nebenverdiensten oder Geldgeschenken (zum Beispiel zum Geburtstag oder Weihnachten) abhängig gemacht werden.

Quellen

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