Bookmark

Wieviel Taschengeld für Kinder? Das sagen Jugendämter

Je früher Kind den verantwortlichen Umgang mit Geld lernen, desto besser. Deshalb geben viele Eltern ihren Kindern Taschengeld. Oft stellen sich hier aber einige Fragen: Ab wann sollten Kinder Taschengeld bekommen? Und wieviel Taschengeld für welches Alter? Das ist die Taschengeldempfehlung deutschen Jugendämter.

Wieviel Taschengeld Kinder bekommen sollten ist abhängig vom Alter
Wieviel Taschengeld Kinder bekommen sollten ist abhängig vom Alter
© Bigstock/ Rawpixel.com

Wieviel Taschengeld ist für Kinder sinnvoll?

Eltern sind oft unsicher, ab wann Kinder wieviel Taschengeld bekommen sollten. Laut dem Stadtjugendamt München verstehen bereits Vorschulkinder das Konzept von Geld und Bezahlen. Sie „können aber den Wert des Geldes noch nicht verstehen“, heißt es in der Broschüre „Taschengeld“.

Ab wann Taschengeld: Gibt es ein Mindestalter?

Das heißt konkret: Im Alter von 4 bis 5 Jahren verstehen Kinder das Konzept des Geldes und interessieren sich dafür. Schon ab diesem Alter kann ein kleines wöchentliches Taschengeld für Kinder also sinnvoll sein.

Offizielle Taschengeldempfehlung: das raten Jugendämter

Jugendämter, Sparkassen und das Deutsches Jugendinstitut (DJI) geben Antworten auf die Frage, wieviel Taschengeld für Kinder angemessen ist. Einen guten Überblick über diese Empfehlungen geben Taschengeldtabellen. Die meisten Tabellen sind sich hier recht ähnlich. Sie fangen bei 50 Cent wöchentlichem Taschengeld für Kinder im Vorschulalter an und enden bei 76 Euro im Monat für 18-Jährige.

Video-Empfehlung

Taschengeldtabelle: empfohlenes Taschengeld nach Alter

Hier findest du die aktuelle Taschengeldempfehlung vom DJI aus dem Jahr 2017:

Alter des Kindes Taschengeldhöhe
4 bis 5 Jahre 0,50 bis 1,00 Euro/Woche
6 bis 7 Jahre 1,00 bis 2,00 Euro/Woche
8 bis 9 Jahre 2,00 bis 3,00 Euro/Woche
10 Jahre 15,50 bis 18,00 Euro/Monat
11 Jahre 18,50 bis 20,50 Euro/Monat
12 Jahre 20,50 bis 23,00 Euro/Monat
13 Jahre 23,00 bis 25,50 Euro/Monat
14 Jahre 25,50 bis 30,50 Euro/Monat
15 Jahre 30,50 bis 38,00 Euro/Monat
16 Jahre 38,00 bis 45,50 Euro/Monat
17 Jahre 45,50 bis 61,00 Euro/Monat
18 Jahre 61,00 bis 76,00 Euro/Monat

Die Taschengeldtabellen berücksichtigen aber nicht, dass Familien unterschiedliche finanzielle Möglichkeiten haben und auch nicht die gleiche Kinderzahl haben. Deshalb müssen sich Eltern zuerst immer fragen, wieviel Taschengeld aus ihrer Sicht finanziell machbar ist.


Taschengeld für Kinder: Wie sollte es ausgezahlt werden?

In welchem Abstand das Taschengeld für Kinder ausgezahlt wird, hängt vom Alter aber auch von der Reife des Kindes ab. Ist es alt genug, um über einen langen Zeitraum wie zum Beispiel 14 Tage oder gar einen Monat zu haushalten? Das Jugendamt Bamberg empfiehlt für Grundschulkinder „eine wöchentliche Auszahlung. Ab 10 Jahren ist in der Regel eine monatliche Auszahlung ratsam.“


Warum brauchen Kinder Taschengeld?

#1 Kinder erlernen den Wert von Geld
Wenn Kinder Dinge von ihrem Taschengeld zahlen müssen, bekommen sie ein Gespür dafür, wie teuer oder billig etwas ist.

#2 Kinder treffen eigene finanzielle Entscheidungen
Je nachdem, wieviel Taschengeld das Kind bekommt, muss es haushalten. Es kann sich nicht alle Wünsche erfüllen und lernt so, welche Käufe sinnvoller sind.

#3 Kinder lernen, Preise zu vergleichen
Mit Unterstützung der Eltern können sich Kinder errechnen, welche Option die günstigste ist. Dadurch bleibt ihnen mehr Taschengeld für andere Dinge übrig.

#4 Kinder sind selbstständiger
Kinder verfügen unabhängig von den Eltern über ihr Taschengeld. Für Kinder ergibt sich die dadurch zum Beispiel die Möglichkeit, Geschenke zu machen (zum Beispiel zum Muttertag), ohne vorher um Geld betteln zu müssen. Da ist auch die Überraschung bei den Eltern größer.

Unabhängig wieviel – Taschengeld ist zur freien Verfügung

Nicht nur die Frage, wieviel Taschengeld angemessen ist, sondern auch, ob sich Eltern in die Kaufentscheidungen ihres Nachwuchses einmischen dürfen, ist oft strittig. Laut dem Stadtjugendamt München ist das Taschengeld für Kinder zur freien Verfügung da. Dadurch werden Kinder unabhängiger und selbstständiger. Ob ein Kind sein ganzes Taschengeld am Monatsbeginn ausgibt oder lieber spart, sollte es selbst entscheiden, auch „wenn [den Eltern] ein Kauf nicht sinnvoll erscheint.“ Eltern können immer beraten – die endgültige Entscheidung liegt aber beim Kind. Sollte sich der Kauf als Fehlentscheidung herausstellen, ist das auch eine Lernerfahrung.

In Deutschland ist das im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt. Nach dem sogenannten Taschengeldparagrafen (§110 BGB) dürfen Kinder ab dem siebten Lebensjahr auch ohne Zustimmung der Eltern einen Kaufvertrag abschließen. Vorausgesetzt sie können das mit ihrem Taschengeld bezahlen – das gilt also nicht für Spielkonsolen oder Fahrräder. Ob und wieviel Taschengeld für Kinder angemessen ist, entscheiden aber die Eltern.

Taschengeld-Tipps für Eltern

  • Wieviel Taschengeld für Kinder angemessen ist, sollten Eltern entscheiden und dann einen Beitrag festlegen. Das Taschengeld sollte dann regelmäßig und unaufgefordert ausgezahlt werden.
  • Das Taschengeld für Kinder ist zur freien Verfügung da. Einzige Ausnahme: Kinder dürfen sich nichts Gefährliches, Schädliches oder Verbotenes kaufen.
  • Schulmaterialien, Nahrungsmittel und Kleidung sollten nicht vom Taschengeld gekauft werden. Ausnahme: besondere Kleidungswünsche oder Snacks.
  • Wieviel Taschengeld ein Kind bekommt, sollte nicht von eventuellen Nebenverdiensten oder Geldgeschenken abhängig gemacht werden.
  • Bestrafungen und Belohnungen dürfen nicht über das Taschengeld erfolgen, es sollte eine feste Größe bleiben. Taschengeld darf also kein Erziehungsmittel oder Druckmittel sein. Mehr Informationen hier:

    Kindererziehung: Dein Kind hört nicht? 9 Tipps

  • Wieviel Taschengeld ein Kind bekommt sollte nicht von schulischen Leistungen oder dem Verhalten abhängig gemacht werden. So lernen Kinder nicht, wie man sich einen festen Betrag (wie später ein Gehalt) einteilt.
  • Wenn das Kind das Taschengeld zu schnell ausgibt, nicht sofort nachlegen, sondern eine Lernerfahrung daraus machen.


Quellen

  • Landeshauptstadt München, Sozialreferat, Stadtjugendamt: Taschengeld (2019). Von: Fachstelle Erziehungsinformation und Elternbriefe. https://www.muenchen.info/soz/pub/pdf/143_taschengeld.pdf (Letzter Zugriff: Mai 2019)
  • Stadt Bamberg. Stadtjugendamt: Tipps und Anregungen für Eltern (2017). Unter: http://www.stadt.bamberg.de/media/custom/1829_17112_1.PDF?1493888578 (Letzter Zugriff: Mai 2019)
  • Sparkasse: Taschengeld: Wann, wie und wie viel? (Stand 2019) Unter: https://www.sparkasse.de/geld-leichter-verstehen/t/taschengeld.html (Letzter Zugriff: Mai 2019)
  • Deutsches Jugendinstitut e.V.: (Stand 2019). Unter: https://www.dji.de/themen/jugend/taschengeld.html (letzter Zugriff: Mai 2019)
  • Alexandra Langmeyer und Ursula Winklhofer: Taschengeld und Gelderziehung. Eine Expertise zum Thema Kinder und ihr Umgang mit Geld mit aktualisierten Empfehlungen zum Taschengeld (2014). In: Deutsches Jugendinstitut e.V. https://www.dji.de/medien/publikationen/detailansicht/literatur/20604-taschengeld-und-gelderziehung.html (Letzter Zugriff: Mai 2019)
  • org: Der Taschengeldparagraf nach § 110 BGB. (Stand 2019). Unter: https://www.taschengeldtabelle.org/pages/taschengeldparagraph.php (Letzter Zugriff: Mai 2019)
  • Thomas Nissen: Wie hoch sollte das Taschengeld sein? Regeln, Ratgeber zum Ausdrucken und Expertenmeinung. (Stand 2019). Auf: Arbeitsgemeinschaft Finanzen. https://www.arbeitsgemeinschaft-finanzen.de/soziales/taschengeld/#Taschengeldtabelle (Letzter Zugriff: Mai 2019)