Zahn abgebrochen beim Kind: Jetzt ist schnelles Handeln gefragt

vonConnie Gräf-Adams | freie Autorin
Kind auf Zahnarztstuhl
Bei einem abgebrochenen Zahn sollte der Zahnarzt sofort zu Rate gezogen werden
© Bigstock / De Visu

Fallen Kinder auf das Gesicht beziehungsweise den Mund, kann es schnell passieren, dass ein Stück Zahn abbricht – oder gar ein ganzer Zahn ausgeschlagen wird. Bei einem Zahnunfall gilt es schnell und bedacht zu handeln. Entscheidend für die zahnärztliche Behandlung ist, ob ein Milchzahn oder ein bleibender Zahn betroffen ist.

Jedes zweite bis dritte Kind hat einen Zahnunfall

Ein Zahnunfall passiert Schätzungen zufolge etwa bei jedem zweiten bis dritten Kind. Bei Kleinkindern passiert das oft bei alltäglichen Situationen wie Laufen und Treppensteigen, Klettern oder Radfahren. Meist trifft es dann einen der beiden oberen mittigen Schneidezähne im Milchgebiss (Zahn 51 oder 61). Manchmal ist nur ein kleines Zahnstück abgebrochen, es kann aber auch der gesamte Zahn ausgeschlagen sein.

Bei Schulkindern und Jugendlichen passieren Zahnunfälle hauptsächlich bei der Ausübung von Risikosportarten wie z.B. Inline-Skaten, Hockey, Kampfsport oder Reiten.

Was tun, wenn beim Kind ein Zahn abgebrochen oder ausgeschlagen ist?

Vor allem wenn ein Kleinkind sich verletzt hat, steht es vermutlich erstmal unter Schock und wird laut weinen oder sehr verängstigt sein. Auch wenn die Situation dich sicher selbst stark mitnimmt, ist es jetzt wichtig, dass du die Ruhe bewahrst und überlegt handelst:

  • Beruhige das Kind mit tröstenden Worten und Gesten und schaue ihm dann in den Mund, um die Art der Zahnverletzung zu erkennen.
  • Blutet es stark, lass das Kind vorsichtig auf eine sterile Kompresse oder ein sauberes Stofftaschentuch beißen. Kühle die betreffende Stelle von außen.
  • Ist ein Zahn gelockert oder hat sich verschoben, fasse ihn nicht an und versuche nicht, den Zahn zu verschieben.
  • Ist der Zahn abgebrochen oder ausgeschlagen? Suche den Zahn bzw. alle abgebrochenen Teile. Fasse den Zahn nicht an der Wurzel, sondern nur an der Zahnkrone an. Sollte er verschmutzt sein, säubere oder desinfiziere ihn nicht. Lagere ihn für maximal 20 Minuten in einer geeigneten Flüssigkeit.
  • Suche umgehend mit deinem Kind den nächstgelegenen Zahnarzt oder eine Zahnklinik auf. Je schneller der Zahn fachmännisch behandelt wird, desto besser.

Wie bewahrt man den Zahn und abgebrochene Zahnstücke auf?

Ein ausgeschlagener Zahn muss schnellstens richtig gelagert werden. Ausgeschlagene Zähne trocknen nämlich innerhalb weniger Minuten aus. Sammele auch alle abgebrochenen Zahnkanten oder -ecken ein und bewahre alles auf.

Am besten eignet sich für die Lagerung eine Zahnrettungsbox. Sie ist mit einer speziellen Nährlösung gefüllt, in der der Zahn 24 bis 48 Stunden überleben kann.

Keine Rettungsbox zur Hand? Alternativ kannst du den Zahn in H-Milch legen.

Achtung: Das geht für höchstens 2 Stunden!

In Plastikfolie, einem sauberen Gefäß mit Speichel oder in isotoner Kochsalzlösung lässt sich der Zahn etwa 15 bis 30 Minuten aufbewahren. Im Mund sollte er dennoch nicht bleiben. Das Risiko, dass ihn dein Kind verschluckt, ist zu groß.

Wasser oder ein feuchtes Taschentuch sind hingegen zur Lagerung bis zum Zahnarztbesuch ungeeignet.

Zahnrettungsbox für Familien

Zahnrettungsboxen sind in vielen Schulen und Sportvereinen vorhanden, sind aber auch für Haushalte mit Kindern eine sinnvolle Anschaffung. Die SOS-Box ist in jeder Apotheke erhältlich und kostet ca. 20 bis 40 Euro. Die enthaltene Nährstofflösung ist – wenn die Zahnrettungsbox bei Zimmertemperatur aufbewahrt wird – etwa zwei bis drei Jahre haltbar.

Milchzahn abgebrochen: Das macht der Zahnarzt

Handelt es sich bei dem ausgeschlagenen Zahn um einen Milchzahn, kann dieser in der Regel nicht wieder in das Zahnfach gesetzt werden. Es besteht die Gefahr, dass der darunter liegende bleibende Zahn dabei geschädigt wird. Dennoch ist es wichtig, den Zahn oder abgebrochene Kanten zum Zahnarzt mitzunehmen, damit dieser über das weitere Vorgehen entscheiden kann.

Meistens setzt der Zahnarzt beim Verlust eines Milchzahns einen sogenannten Lückenhalter ein, da es bei einem fehlenden Frontzahn unter anderem zu Sprachstörungen kommen kann. Bei einer Einzelzahnlücke wird ein festsitzender Platzhalter verwendet. Fehlen mehrere Zähne, wird oft ein herausnehmbarer Lückenhalter oder eine herausnehmbare Prothese eingesetzt.

Behandlung bei einem abgebrochenen bleibenden Zahn

Ganz anders ist die Situation, wenn es sich um einen permanenten Zahn handelt. Dieser kann nämlich meistens wieder in das Gebiss eingesetzt werden. Entscheidend für die Rettung des Zahns ist, dass die zahnärztliche Behandlung sehr schnell erfolgt und der ausgeschlagene Zahn ordnungsgemäß gelagert wurde.

Um die Einheilung des wieder eingepflanzten Zahns zu fördern, wird eventuell ein Antibiotikum verordnet. Eine besondere Schonung des Zahns ist nicht erforderlich.

Sind nur Teile des Zahns abgebrochen, lassen sie sich im Allgemeinen wieder vom Zahnarzt ankleben. Deshalb also unbedingt alle Splitter aufsammeln und in einer geeigneten Flüssigkeit aufbewahren.

Zahnunfällen bei Kindern vorbeugen

Da sich Zahnunfälle bei Kleinkindern oftmals in alltäglichen Situationen ereignen, lässt sich ihnen kaum gezielt vorbeugen. Dennoch sollte man darauf achten, dass sich in Wohnräumen keine Stolperfallen befinden, Fahrzeuge wie Roller oder Kinderfahrrad sollten regelmäßig auf ihre Sicherheit überprüft werden.

Für Schulkinder und Jugendliche, die Sportarten mit einer erhöhten Sturzgefahr, Schlägern oder permanentem Spielerkontakt betreiben, empfiehlt sich das Tragen von gut sitzendem Mund- oder Zahnschutz. Ob ein konfektionierter Mundschutz ausreicht oder ein individuell angefertigter Sportzahnschutz aus dem Dentallabor angeraten ist, sollte man mit dem behandelnden Zahnarzt besprechen.

Quellen

Zur Entstehung dieses Artikels:

Alle Informationen in diesem Artikel stammen aus öffentlichen und zuverlässigen Fachquellen wie dem Bundesverband der Kinderzahnärzte oder der Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung. Die hier gegebenen Ratschläge und Informationen ersetzen in keinem Fall die medizinische Betreuung durch qualifiziertes Fachpersonal. Bitte kontaktiere immer deinen Kinderarzt oder deine Kinderärztin für eine professionelle Diagnose und Behandlung. Mehr über unsere redaktionellen Grundsätze, worauf wie bei der Quellenauswahl achten und wie wir unsere Inhalte regelmäßig prüfen, erfährst du hier.