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Können zu viele Geschenke deinem Kind schaden?

Schenken ist schön. Aber müssen so viele Geschenke sein?
Schenken ist schön. Aber müssen so viele Geschenke sein?
© Tatyana Tomsickova via Bigstock

Schenken macht Spaß und ganz besonders, wenn es die eigenen Kinder oder Enkelkinder sind. Aber wie viele Geschenke brauchen Kinder wirklich? Und wie viel ist zu viel?

Totale Reizüberflutung

Weihachten ohne Geschenke? Kaum noch vorstellbar. Mama, Papa, Großeltern, Familie und Freunde: Alle wollen besonders den Kleinen eine Freude machen. Und dann sitzen sie an Heiligabend inmitten eines Berges von Geschenken unter dem Weihnachtsbaum und wissen gar nicht, wo sie anfangen sollen. Ein Geschenk nach dem anderen wird roboterhaft ausgepackt, kurz inspiziert und dann schon wieder zu Seite gelegt – denn da wartet ja noch ein riesiger Haufen mit weiteren Geschenken.

Für Kinder ist das die totale Reizüberflutung. Das bestätigt auch die Psychologin Svenja Lüthge in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung und erklärt: „Gerade jüngere Kinder sind neurologisch noch nicht in der Lage, den Geschenkeberg in ihrer Wahrnehmung und Gefühlswelt einzuordnen. Also tut man ihnen damit keinen Gefallen, sie sind überfordert.“

Doch ganz aufs Beschenken möchte und sollte man ja auch gar nicht verzichten. Da stellt sich die Frage: wie viel ist eigentlich zu viel?

: Gewusst?
So wird geschenkt
  • 98% der Kinder in Deutschland erhalten Geschenke zu Weihnachten, unabhängig vom Kulturkreis.
  • Im Schnitt geben Eltern für Geschenke etwa 251 Euro pro Kind aus

Gut gemeint, aber mit ernsthaften Konsequenzen

Schenken ist gut gemeint – eine nette Geste. Doch vor allem zu Weihnachten hat man fast schon das Gefühl, dass das Schenken zu einem Wettbewerb wird. Schneller, größer, besser ist die Devise.

Das Kinder sich erstmal über die vielen Geschenke freuen, steht außer Frage. Doch auf lange Sicht, können die vielen Geschenke negative Auswirkungen haben. Das bestätigen auch Erkenntnisse aus der Hirnforschung. Demnach seien Erfahrungen für die Gehirnentwicklung von Kindern maßgeblich. Entwicklungsforscher und früherer Professor für Neurobiologie an der Universität Göttingen Gerald Hüther erklärt, dass sich diese Erfahrungen im Hirn verankert würden.

Das heißt, wenn Erwachsene schon früh großen Wert auf materielle Güter legen, würde sich der angeborene offene Blick der Kinder verengen. Dann drehe sich später alles nur noch darum, was man alles bekommt und was man sich beschaffen kann. Kinder würden dann schnell den Wert des Einzelnen nicht mehr zu schätzen können.

Auch laut dem US-amerikanischen Psychotherapeuten Sean Grover sind die Folgen zu vieler Geschenke schwerwiegend: im Erwachsenenalter haben diese Kinder eher Probleme mit Kreditkartenschulden, Glücksspiel und zwanghaftem Einkaufen.

Zeit und Aufmerksamkeit schenken

Zeit und Aufmerksamkeit schenken – das Empfehlen viele Experten. So auch Svenja Lüthge oder Sean Grover. Denn Zeit und Aufmerksamkeit haben für Kinder mehr Wert als materielle Geschenke.

Zudem gibt es Studien, die besagen, dass Kinder mit weniger materiellen Besitztümern, aber einer guten Beziehung zu ihren Eltern im Vergleich ein höheres Selbstbewusstsein besaßen. Außerdem seien sie belastbarer und wiesen seltener Verhaltensauffälligkeiten auf. Wieso also dieses Weihnachten nicht etwas Zeit schenken?

10 Tipps, fürs richtige Schenken:

Die Experten Sean Grover, Gerald Hüther und der Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind Prof. Dr. phil. Jörg Maywald haben einige Tipps für das richtige Schenken.

  1. Wunschzettel schreiben lassen
    Dadurch können Kinder über sich selber und ihre persönlichen Wünsche nachdenken. An diese Adressen kann dein Kind seinen fertigen Wunschzettel senden – und erhält sogar eine Antwort.
  2. Wünsche nicht in Frage stellen
    Denn Kinder sollten das Recht haben, ihre Wünsche frei zu äußern. Trotzdem müssen Eltern natürlich nicht alle Wünsche erfüllen.
  3. Feste Anzahl an Geschenke
    So werden unnötige Geschenke vermieden und das Kind kann seine Geschenke mehr wertschätzen.
  4. Nicht alle Wünsche erfüllen
    Denn das sei laut Günther Hüther besser für die Hirnentwicklung und schule die Problemlösungskompetenz des Kindes.
  5. Nicht ausschließlich nützliches Schenken
    Kinder sollten auch ein Recht auf Spiel und Vergnügen haben.
  6. Selbstgemachtes verschenken
    Wer Zeit und Muße hat, kann dem Kind natürlich auch selber etwas basteln oder bauen. Solche Geschenke haben einen großen emotionalen Wert.
  7. Andere beschenken
    Andere Menschen zu beschenken macht oft glücklicher, als selbst beschenkt zu werden. Das geht auch Kindern so. Alte Spielzeuge der Kinder können zum Beispiel an Kinderheime oder Freunde verschenkt werden.
  8. Selbstvertrauen stärken
    Kinder mithilfe von Geschenken in ihren Talenten und Interessen zu unterstützen wirkt sich positiv auf ihr Selbstvertrauen aus.
  9. Gemeinsame Zeit schenken
    Das ist auch in Form von materiellen Geschenken möglich. Einfach etwas aussuchen, was das Kind nur gemeinsam mit jemanden machen kann. Zum Beispiel ein Brettspiel.
  10. Eigene Vorstellungen nicht aufs Kind projizieren
    Eltern schenken gerne „sinnvolle“ oder „pädagogisch wertvolle“ Geschenke. Dabei sollte aber darauf geachtet werden, dass man seine eigene Vorstellung, wie das Kind werden soll, zurückstellt und auf die Interessen des Kindes eingeht.

Quellen

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