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NFP: Die natürliche Methode der Familienplanung

Die Abkürzung NFP steht für Natürliche Familienplanung. Bewährt hat sich dafür besonders die symptothermale Methode. Diese Methode wird sowohl bei Kinderwunsch als auch zur Verhütung angewendet. Wie sie genau funktioniert und wie sicher sie ist, erfährst du hier.

NFP kann beim Kinderwunsch nachhelfen
NFP kann beim Kinderwunsch nachhelfen
©Unsplash/Jared Sluyter

In diesen Artikel:

Viele Frauen, die schnell schwanger werden wollen nutzen die Methode der Natürlichen Familienplanung, um ihre fruchtbaren Tage genau bestimmen zu können. Aber auch zur hormonfreien Verhütung eignet sich die Natürliche Familienplanung – obwohl sich das etwas paradox anhört, weil man ja eben gerade kein Baby plant.

Natürliche Familienplanung: So funktioniert sie

Bei der NFP überwachst du ganz genau deinen Zyklus. Bewährt hat sich dafür die sogenannte symptothermale Methode. Die symptothermale Methode wird entweder dazu verwendet gezielt schwanger zu werden oder als Methode zur natürlichen Verhütung. Weil du hier deine fruchtbaren Tage selbst berechnen musst, solltest du dich vorher mit deinem Zyklus auseinandersetzen. Hier nochmal eine kleine Kurzzusammenfassung:

Ungefähr zwölf bis sechzehn Tage vor dem Einsetzen deiner Periode erfolgt dein Eisprung (Ovulation), bei dem eine Eizelle in den Eileiter übergeht und für ungefähr sechs bis zwölf Stunden fruchtbar ist. Kommt es in dieser Zeit nicht zu einer Befruchtung, stirbt die Eizelle ab und du kannst in diesem Zyklus nicht mehr schwanger werden. Da Spermien in der Gebärmutter und dem Gebärmutterhals bis zu drei Tage, in Ausnahmefällen auch bis zu fünf Tage, überleben können, bist du bis zu fünf Tage vor und zwölf Stunden nach dem Eisprung am fruchtbarsten.

Du kannst also an nur etwa sechs bis sieben Tagen je Zyklus schwanger werden. Mit der symptothermalen Methode lassen sich diese zwar nicht exakt bestimmen, allerdings lässt sich der Zeitraum auf etwa 12 bis 14 Tage eingrenzen.

Symptothermale Methode: Anwendung

Bei der symptothermalen Methode konzentrierst du dich auf ein „Kombi-Packet“, welche den Eisprung ankündigen. Dabei werden mehrere Körperzeichen berücksichtigt:

  1. Temperaturmessung
  2. Beurteilung des Zervixschleims
  3. Kalendermethode
  4. Zusätzliche Gewissheit: Lage und Festigkeit des Muttermundes

Die symptothermale Methode fasst die Methode der Temperaturmessung, der Zervixschleimbeobachtung und der Kalendermethode zusammen. Die Schleimbeobachtung zeigt an, wann der Eisprung ungefähr stattfindet, während sich an der Basaltemperatur ablesen lässt, wann er vorüber ist. Durch Beobachtung des Gebärmutterhalses oder des Muttermunds kann die Sicherheit zusätzlich erhöht werden. Die einzelnen Beobachtungen der symptothermalen Methode werden zunächst unabhängig voneinander ausgewertet und dann miteinander verglichen. Hier findest du eine Erklärung der einzelnen Methoden:

#1 Temperatur messen

Ein Teil der symptothermalen Methode ist das Messen der Basaltemperatur. Deine Aufwachtemperatur ist vor deiner Periode bis zum Eisprung etwas niedriger als in der zweiten Zyklushälfte. Zum Zeitpunkt deines Eisprungs ist deine Temperatur am niedrigsten.

Nach dem Eisprung steigt sie um etwa zwei Zehntel Grad Celsius an und bleibt bis zu deiner nächsten Regelblutung auf diesem höheren Niveau. Ab dem dritten Tag der erhöhten Temperatur bis zur nächsten Blutung befindest du dich in der unfruchtbaren Phase deines Zyklus.

Um herauszufinden, wie hoch deine Temperatur ist, musst du sie morgens direkt nach dem Aufwachen und vor dem Aufstehen messen. Ein kurzes Nickerchen zählt im Übrigen nicht als Schlafen: Du solltest mindestens eine Stunde am Stück gelegen haben. Die Temperatur kannst du im Mund, in der Vagina oder im After messen. Wichtig ist, dass innerhalb eines Zyklus immer an der gleichen Stelle gemessen wird. Die Temperatur unter der Achsel zu messen solltest du vermeiden, da sie dort zu ungenau ist. Die Ergebnisse kannst du dann manuell in eine Tabelle eintragen oder du benutzt eine App.

#2 Beurteilung des Zervixschleims

Auch die Beurteilung deines Zervixschleims ist Teil der symptothermalen Methode. Dieser wird in der Gebärmutter gebildet und schützt sie vor dem Eindringen von Keimen und verhindert, dass außerhalb der fruchtbaren Tage Spermien in die Gebärmutter gelangen.

In der unfruchtbaren Phase fühlt sich deine Scheide meist trocken an. Durch die Hormonveränderungen im Laufe deines Zyklus verändert sich auch deine Schleimproduktion. Einige Tage vor dem Eisprung wird der Schleim milchig-trüb, klebrig und zäh. Je näher der Eisprung kommt, desto flüssiger und klarer wird der Schleim – du bist jetzt in deiner fruchtbaren Phase. In der fruchtbarsten Phase des Zyklus ist der Schleim mit den Fingern dehnbar – das heißt du kannst zwischen den Fingern mit dem Schleim einen Faden ziehen.

Aber: „Sexuelle Erregung, ein Samenerguss und die Verhütungsgels für Diaphragma und FemCap können den Schleim verändern“, warnt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Auch das musst du gegebenenfalls in deiner Auswertung berücksichtigen.

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#3 Kalendermethode

Auch die Kalendermethode (oder auch “Knaus-Ogino-Methode“ genannt) gehört zur symptothermalen Methode. Bei der Kalendermethode musst du zunächst sechs bis 12 Monate lang jeden Zyklus dokumentieren. Sonst wird die Berechnung zu ungenau, da nicht jeder Zyklus ident und gleich lang ist. Um zu berechnen, wann du jeden Monat deine fruchtbaren Tage hast, ziehst du vom kürzesten Zyklus 18 Tage und vom längsten Zyklus elf Tage ab. Als Ergebnis erhältst du den schätzungsweisen ersten und letzten fruchtbaren Tag deines Monatszyklus.

Mehr Informationen zur Knaus-Ogino-Methode erfährst du hier: „Knaus Ogino: Verhütung durch Tage zählen

Eisprungkalender funktionieren übrigens nach der gleichen Methode. Wenn das zu kompliziert ist, rechnet dir unser Eisprungkalender deine fruchtbaren Tage ganz einfach hier aus: „Eisprungkalender

#4 Lage und Festigkeit des Muttermundes

Als zusätzliche Hilfe bei der Beurteilung deiner fruchtbaren beziehungsweise unfruchtbaren Tage durch die symptothermale Methode kannst du deinen Muttermund regelmäßig mit deinem Finger untersuchen: Fühlt er sich fest (wie die Nasenspitze) und geschlossen an, bist du in deiner unfruchtbaren Phase. An den fruchtbaren Tagen ist der Muttermund dagegen weich (etwa wie Lippen) und leicht geöffnet.

Symptothermale Methode: Sicherheit

Für sich genommen bietet jede dieser Methoden keine allzu große Sicherheit vor einer ungewollten Schwangerschaft. Alle drei Methoden zusammen angewendet als symptothermale Methode ist deutlich sicherer.

Der Pearl-Index der symptothermalen Methode kombiniert mit Enthaltsamkeit an den fruchtbaren Tagen liegt zwischen 0,4 und 1,8 (in Kombination mit Barrieremethoden 0,6 bis 2). Zum Vergleich: Das Kondom hat einen Pearl-Index von 2 – 12, die Pille liegt bei 0,2 – 0,5.

Dieser Index steht für die Sicherheit und Zuverlässigkeit von Verhütungsmethoden. Er gibt an, wie viele Frauen innerhalb eines Jahres trotz Anwendung eines bestimmten Verhütungsmittels schwanger werden. Je niedriger der Wert, desto sicherer ist also das jeweilige Verhütungsmittel. Ein Pearl-Index zwischen 0,4 und 1,8 bedeutet, dass von 100 Frauen, die ein Jahr lang mit der symptothermalen Methode verhütet haben, knapp bis zu zwei Frauen ungewollt schwanger werden.

Aber Vorsicht: Diese Zahlen gelten für Frauen, die in der Anwendung der Methode sehr gut geschult sind und betreut wurden. In diesem Fall ist diese Verhütungsmethode sehr zuverlässig. Allerdings kann sich durch Anwendungsfehler und mangelnder Konsequenz bei der Beobachtung die Sicherheit stark verringern. Außerdem muss die symptothermale Methode mindestens über drei Zyklen erlernt werden, bevor sie zuverlässigen Schutz bietet.

NFP zur Verhütung

Besteht bei dir gerade kein Kinderwunsch und möchtest du natürlich verhüten, ganz ohne Pille & Co.? Hast du mit der symptothermalen Methode deine fruchtbaren Tage ausgemacht, solltest du jetzt keinen Geschlechtsverkehr haben bzw. wenn dann unbedingt mit Kondom. Hat dein Körper alle natürlichen Schranken für die Spermien geschlossen, könnt ihr den Sex unbeschwert genießen. Aber auch hier noch einmal der Hinweis: Sei gewissenhaft! Mit der NFP verhüten solltest du nur, wenn du dir zutraust, alles genau auszuwerten. Eventuell kann dich dabei auch ein Zykluscomputer unterstützen.

NFP bei Kinderwunsch

Viele Paare verwenden diese Methode aber auch, um ihrem Kinderwunsch nachzuhelfen. Dann solltest du deine fruchtbaren Tage gezielt nutzen, um durch ungeschützten Sex die Chance auf eine Schwangerschaft zu erhöhen. Aber wie schon gesagt, eine Garantie, dass es auf jedem Fall klappen wird, gibt es nicht. Allerdings zwingt einen die Methode der Natürlichen Familienplanung sich intensiv mit seinem Zyklus auseinanderzusetzen und man lernt seinen Körper so viel besser kennen. Das sind auf jeden Fall gute Voraussetzungen.

Symptothermale Methode: Kosten

Großer Vorteil der symptothermalen Methode: Es fallen nur Kosten für ein Thermometer und eventuell die Schulung zum Erlernen der Methode an. Beratungskosten sind dabei regional unterschiedlich. Möchtest du als kleines Hilfsmittel einen Temperatur- und Hormoncomputer verwenden, variieren die Kosten je nach Modell erheblich und liegen zwischen 90 und 400 Euro.

Für wen ist die symptothermale Methode geeignet?

Eigentlich können alle Frauen die Methode verwenden. Schwierig wird die symptothermale Methode, wenn kein Eisprung stattfindet. Solche Zeiten ohne regelmäßigen Eisprung können insbesondere während der Stillzeiten, in der Pubertät, den Wechseljahren, in Stresssituationen oder bei Erkrankungen auftreten. Deshalb ist die Methode für die betroffenen Frauen nur bedingt geeignet.

Symptothermale Methode: Vor- und Nachteile im Überblick

Vorteile Nachteile
Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper Sexualität richtet sich nach den fruchtbaren Tagen
Bei richtiger Anwendung ein sicheres Verhütungsmittel Muss erlernt werden – hohe Fehleranfälligkeit
geringe Kosten Schützt nicht vor sexuell übertragbaren Erkrankungen

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Quellen:

  • pro familia Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e.V. Bundesverband: Pearl-Index,
    https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/pearl-index.html, (letzter Zugriff: Juli 2019)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Vor- und Nachteile der symptothermalen Methode,
    https://www.familienplanung.de/verhuetung/verhuetungsmethoden/natuerliche-methoden/vor-und-nachteile-der-symptothermalen-methode/, (letzter Zugriff: Juli 2019)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Die symptothermale Methode,
    https://www.familienplanung.de/verhuetung/verhuetungsmethoden/natuerliche-methoden/symptothermale-methode/#c400, (letzter Zugriff: Juli 2019)
  • Berufsverband der Frauenärzte e.V.: Fruchtbare Tage selbst bestimmen: Methoden,
    https://www.frauenaerzte-im-netz.de/familienplanung-verhuetung/natuerliche-familienplanung/fruchtbare-tage-selbst-bestimmen-methoden/, (letzter Zugriff: Juli 2019)

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