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Bedeutet ein zweites Kind doppeltes Glück oder geteilte Liebe?

Soll mein Kind ein Einzelkind bleiben oder will ich nochmal ein Kind? Nach ihrer ersten Geburt war die Antwort für unsere Autorin Sandra Hohenstein eigentlich klar – ein weiteres Kind: unvorstellbar. Nicht lange später dann die Überraschung: sie ist schwanger. Aber bedeutet ein weiteres Kind doppeltes Glück – oder doch geteilte Liebe?

Ist es überhaupt möglich, einen weiteren Menschen so zu lieben?
Ist es überhaupt möglich, einen weiteren Menschen so zu lieben?
© Unsplash/ Kevin Gent

Ist es überhaupt möglich, einen weiteren Menschen so zu lieben?

In einem Arm hielt sie ihr frisch geborenes Baby, im anderen eine Flasche Prosecco. So betrat sie das Wochenbettzimmer. Alles an diesem Bild hatte mich verwundert, vielleicht auch beeindruckt. Nicht nur der Prosecco. Sie spazierte herein – wie zu Besuch. Und das war eigentlich ihr Plan. Ambulant entbinden und dann ab nach Hause. Es war Kind Nummer Drei und wären die Werte des Kleinen stabil gewesen, hätte ich sie wohl nie kennengelernt. Ich kann mich zwar nicht an ihren Namen, aber dafür noch Jahre später an diese Begegnung erinnern.

 

Sie war so gelassen. Schlief tief und fest mit ihrem Sohn auf der Brust, während ich Sorge hatte, meine Kleine könnte im Schlaf von meiner herunterrutschen. Sie vertraute auf ihre Erfahrung. Was uns nicht unterschied war der Blick, mit dem wir unser Kind ansahen. So kurz nach meiner ersten Geburt schien der Gedanke an ein weiteres Kind absolut unvorstellbar. Und ich fragte mich, ob es überhaupt möglich sei einen weiteren Menschen so zu lieben.

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Ist in meinem Leben Platz für ein zweites Kind?

Etwas später sollte ich viel Zeit bekommen, um mich intensiv mit dieser Frage zu beschäftigen. Etwa 9 Monate lang. Ich war zum zweiten Mal schwanger. Ich freute mich darauf und wollte die Schwangerschaft auf jeden Fall viel bewusster genießen. Ich glaube diese naive Vorstellung hat fast jede werdende Zweifach-Mutter. Man hat ja noch keine Ahnung wie es ist, neben einem Teilzeit-Job mit Kleinkind und dickem Bauch den Alltag zu meistern. Also schleppte ich mich, das Kind und die Einkaufstüten von Tag zu Tag Richtung Zielgerade. Ich versuchte meiner Tochter immer wieder zu erklären, dass ich sie nicht mehr hochheben kann. Musste zwischendrin aufstehen, wenn wir am Boden spielten. Und wenn sie beim Toben wieder einmal auf meinen Bauch fiel, musste ich sie ermahnen vorsichtiger zu sein. Ich fragte mich, ob neben all der Liebe und Aufmerksamkeit, die ich ihr weiterhin geben wollte, überhaupt noch Platz sei für ein weiteres Kind.

Wie sehr wird meine Tochter ihre Schwester lieben?

Zum Glück gab es auch andere Momente. Momente, die mich in unserer Entscheidung bestärkten. Zum Beispiel als wir unserer Tochter sagten, dass ihre Schwester sie im Bauch hören kann. Von da an quatschte sie nicht nur mich, sondern auch die Kugel voll und sagte ihr jeden Abend mit einem Kuss liebevoll gute Nacht. Ich hoffte sehr, dass es auch so sein würde, wenn die Kleine sich nicht mehr darin versteckte. Denn neben der Frage nach der eigenen Liebe für ein weiteres Kind, fragte ich mich nun auch noch, mit viel Liebe unsere Tochter wohl auf ihre Schwester reagieren wird.

Fazit: Das Glück hat sich verdoppelt!

Bevor es ernst wurde, entschieden wir, dass unsere Tochter während der Geburt bei Oma bleibt und ich die Tage nach Geburt im Krankenhaus allein. Ich wollte auf jeden Fall fit sein, wenn die beiden Mädchen das erste Mal aufeinandertreffen. Mir war wichtig, dass meine Große direkt in meinen Arm springen kann. Ich ihr zeigen kann, dass sie immer noch die gleiche Liebe von mir erhält wie vor der Geburt. Was letztlich gar nicht entscheidend war. Denn anstatt in meinen Arm zu springen stürmte sie direkt zum Beistellbett, um ihre Schwester zu begrüßen. Uns wurde schnell klar, dass es das Glück ist, was sich verdoppelt – und nicht die Liebe, die sich teilt.

Kind Nummer 3 – jetzt vertraue ich auf meine Erfahrung

Mit dieser Zuversicht kam Nummer Drei. Und plötzlich musste ich das erste Mal seit Jahren wieder an die Begegnung im Wochenbettzimmer denken. Ich war gelassen, vertraute auf meine Erfahrung und auf mein Gefühl. Nach dem Besuch der beiden Mädchen, kurz nach der Geburt ihres Bruders, entschied ich so schnell wie möglich nach Hause zu gehen. Dort wartete nicht nur meine Familie auf mich. Auch eine Flasche Prosecco.