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Chrissy Teigen verarbeitet ihre Fehlgeburt öffentlich

© Bigstock/ Starfrenzy

Ihre offene und ehrliche Art machen Chrissy Teigen für viele zum Sympathieträger. Doch dass sie jetzt ihre Trauer öffentlich macht, ist für manche ein Problem. Ist der Tod zu ehrlich für Instagram & Co.? In einem Brief erklärt das Model ihre Entscheidung.

Fehlgeburt in der 20. SSW

Das Model Chrissy Teigen hat ihren Sohn Jack in der 20. Schwangerschaftswoche verloren. Sie hat sich dafür entschieden, ihren Verlust öffentlich zu machen. Sie teilte Bilder aus dem Krankenhaus von sich aber auch von ihrem Sohn. Ein kleines Bündel Stoff, in dem ein totes Baby liegt.

Muss das sein?
Will ich das sehen?

Nicht jedem gefällt, wie offen Teigen und ihr Mann John Legend mit ihrer Trauer umgehen. Das Paar wird kritisiert. Die Bilder seien zu anstößig. Dabei sind sie nur ehrlich. Sie zeigen eine schmerzhafte Wahrheit. Sie geben einer trockenen Statistik ein Gesicht: Eine von vier Frauen erlebt in ihrem Leben eine Fehlgeburt.

Der Tod darf kein Tabu sein

Die meisten betroffenen Frauen verlieren ihr Kind zu einem frühen Zeitpunkt der Schwangerschaft andere erst später. Abort, Fehlgeburt oder Totgeburt: Das sind letztlich nur unterschiedliche Begriffe für den gleichen tragischen Verlust. Eine Tatsache, über die vor allem öffentlich zu selten gesprochen wird. Der Tod darf kein Tabu sein. Auch dann nicht, wenn er ein Leben nimmt, bevor dieses richtig begonnen hat.

Offener Brief: Teigen berichtet von den Erlebnissen

Jetzt, einige Wochen nachdem Teigen ihren Sohn still geboren hat, richtet sie sich mit einem Brief erneut an die Öffentlichkeit. Darin beschreibt sie detailliert was passiert ist und findet klare Worte dafür, wie schwer die Trauer wiegt – im ersten Moment im Krankenhaus und immer noch.

„Zuerst weinte ich nur ein wenig, dann überkamen mich heftige Krämpfe, ich heulte Rotz und Wasser, mein Atem konnte nicht Schritt halten mit meiner unglaublich tiefen Traurigkeit. Selbst wenn ich das jetzt schreibe, kann ich den Schmerz wieder spüren.“, schreibt sie in dem Brief.

Auf Twitter erklärt sie, dass sie derzeit auch unter Panikattacken leidet. Eine Erfahrung, die viele Menschen machen. Trauer kann eine sehr körperliche Erfahrung sein: Panik, Magenbeschwerden bis hin zu physischen Schmerzen sind möglich.

Der Austausch mit anderen Betroffenen hilft bei der Trauer

Je bewusster und aktiver Eltern das Sterben und den Abschied erlebt haben, desto eher ist die Trauer fassbar und damit zu bewältigen. Was betroffenen Paaren am Ende hilft, ist sehr individuell. Viele wollen über das Erlebte sprechen, sich mit anderen austauschen. Sie finden Trost in der Erkenntnis, dass sie mit dem Schicksal nicht alleine sind.

„Diese Fotos sind nur für die Menschen, die sie brauchen“, erklärt Teigen ihre Entscheidung und ergänzt an alle Kritiker gewandt „ich kann gar nicht sagen, wie wenig es mich kümmert, dass du diese Fotos hasst.“ Für sie sei es selbstverständlich ihre Trauer ebenso öffentlich zu teilen, wie die anfängliche Freude über die überraschende Schwangerschaft.

Teigen und Legend haben bereits zwei Kinder. Beide verdanken sie verschiedenen Fruchtbarkeitsbehandlungen. Trotz ihrer Bekanntheit hat das Paar daraus nie ein Geheimnis gemacht. Teigens drittes Kind war das erste, bei dem sie auf natürlichem Weg schwanger geworden war.

Teigen ermutigt andere Mütter ihre Geschichten öffentlich zu machen

Für Teigen sei der Brief an die Öffentlichkeit ein wichtiger Schritt für die Trauerbewältigung: „Ich schreibe dies, weil ich weiß, dass ich dazu etwas sagen muss, bevor ich weitermachen kann und zu einem Leben zurückkehren kann.“ Gleichzeitig ermutigt sie alle Frauen, auch ihre Geschichten öffentlich zu machen, wenn sie das möchten.

Will ich das sehen? Will ich das lesen?
Darauf muss jeder für sich eine Antwort finden.

Muss das sein?
Ja. Denn für viele Menschen ist es Teil ihrer Lebensgeschichte. Und wer möchte sollte darüber ohne Scham reden dürfen. Darum ist es wichtig, das Thema immer wieder anzusprechen. Darum war es wichtig, dass Chrissy Teigen ihre Geschichte öffentlich gemacht hat. Eine Fehl- oder Totgeburt ist kein Stigma. Sie ist immer Teil einer Familiengeschichte.

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