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Schwangerschaft, Geburt und Umgang mit dem Baby in Zeiten des Coronavirus

Schwangerschaft, Geburt und das Leben mit einem Neugeborenen sind nie leicht. Durch das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) sind viele Schwangere und Mamas aber sehr unsicher. Bin ich als Schwangere mehr gefährdet? Kann ich mein ungeborenes Baby anstecken? Und: Kann ich trotz Infektion stillen? Antworten auf alle deine Fragen findest du hier!

Coronavirus: Wichtige Informationen für Schwangere und Mütter
Coronavirus: Wichtige Informationen für Schwangere und Mütter
© Bigstock/ VadimGuzhva

Was du hier findest:

Sind schwangere Frauen vermehrt durch das Virus gefährdet?

Das German Board and College of Obstetrics and Gynecology (GBCOG) bestehend aus dem Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) erklärt, dass es aktuelle „keinen Hinweis [dafür gibt], dass Schwangere durch das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) gefährdeter sind als die allgemeine Bevölkerung.“ Wenn du dich als Schwangere also mit dem Virus infizierst, kannst du wahrscheinlich mit Symptomen ähnlich wie bei einer leichten bis mittelschweren Grippe rechnen. Bei Schwangeren mit Vorerkrankungen kann es eher zu schweren Komplikationen durch das Coronavirus kommen – hier macht aber die Vorerkrankung das Risiko aus, nicht die Schwangerschaft selbst.

Natürlich sind werdende Mamas aber nicht nur um sich selbst besorgt, wie sieht es also mit dem Risiko für das Kind aus?

Hat eine Coronavirus-Infektion Auswirkungen auf mein ungeborenes Baby?

Aktuell ist die Datenlage hier noch recht gering. Laut dem Berufsverband der Frauenärzte gibt es allerdings keine Hinweise auf ein höheres Risiko für Fehlgeburten.

„Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass das Virus während der Schwangerschaft auf das Baby übertragen werden kann. […] Es wird daher als unwahrscheinlich angesehen, dass das Virus beim Fetus zu Anomalien führt.“

Übrigens: Bisher sind international über 20 solcher Schwangerschaften bekannt – alle davon in China. Die Neugeborenen wurden negativ auf das Virus getestet!

Positiver Test auf Corona während Schwangerschaft – was jetzt?

Wenn du positive auf das Coronavirus getestet wurdest, solltest du deinen Frauenarzt und/oder deine Hebamme kontaktieren. Bei keinen oder nur leichten Symptomen kannst du dich wahrscheinlich unter Betreuung eines Arztes zu Hause Ausruhen. Bei schwereren Symptomen oder Vorerkrankungen werden du und dein Baby vielleicht im Krankenhaus behandelt.

Schwanger in Quarantäne – was ist mit Schwangerschaftsuntersuchungen?

Wenn du dich in häuslicher Quarantäne befindest – egal ob wegen einem Verdacht oder einer bestätigten Infektion – solltest du dich an deinen Frauenarzt wenden. Manche Vorsorgeuntersuchungen können ohne Bedenken hinausgezögert werden, bis deine Isolation vorbei ist.

Wenn ein Termin allerdings wichtig ist und nicht ohne Gefahren für dich und dein Baby verschoben werden kann, wird dein Arzt Vorkehrungen treffen. Vielleicht findet dein Termin dann außerhalb der normalen Sprechzeiten statt oder du wirst isoliert in einem Raum gebracht, der danach desinfiziert wird. Hier klärt dich dein Arzt aber auf.

 

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Was soll ich tun, wenn ich während der Quarantäne Beschwerden oder Sorgen um mein Kind habe?

Es kann natürlich auch zu Schwangerschaftsbeschwerden kommen, bei denen schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden sollte. Hierfür solltest du schon zu Beginn der Isolation mit deinem Arzt und dem zuständigen Gesundheitsamt sprechen und einen Plan bei dringenden Schwangerschaftsproblemen ausarbeiten. Denn mit einer (möglichen Infektion) solltest du nicht einfach in eine Arztpraxis oder Klinik hineinlaufen. Bei dringenden Problemen – zum Beispiel stark blutendem Ausfluss oder starken Schmerzen, solltest du natürlich sofort einen Arzt aufsuchen! Du solltest das Krankenhaus aber VOR dem Betreten über deine (mögliche) Infektion informieren.

Bei generellen Fragen oder Ängsten kannst du dich auch immer an deinen Frauenarzt wenden. Wenn er es für nötig erachtet, wirst du vielleicht im Krankenhaus behandelt.

Wie wirkt sich eine mögliche Coronavirus-Infektion auf meine Geburt aus?

Wenn du während deiner Quarantäne Wehen bekommst, solltest du in deiner Entbindungsstation Bescheid geben, dass eine mögliche Infektion besteht. Dein Geburtsteam wird dich dann über deine Möglichkeiten über Geburtsort und Geburtsart beraten und gegebenenfalls ein Isolierzimmer für dich bereitstellen.

Bei der Wahl des Geburtsortes kann es durch eine Infektion zu Einschränkungen kommen. Das German Board and College of Obstetrics and Gynecology erklärt:

„Als Vorsichtsmaßnahme wird schwangeren Frauen mit Verdacht auf oder bestätigter Coronavirus-Infektion bei Wehen empfohlen, zur Geburt eine Klinik aufzusuchen, in der das Baby kontinuierlich elektronisch überwacht und der Sauerstoffgehalt stündlich geprüft werden kann.“

Das bedeutet, eine Hausgeburt oder eine Geburt in einem Geburtshaus, in dem nur Hebammen sind, ist nicht ratsam.

Bei der Geburt selbst hast du aktuell noch die Wahl – Kaiserschnitt und vaginale Geburt gelten nämlich als gleich sicher. Auch eine PDA kannst du ganz normal bekommen – vor Lachgas wird laut GBCOG allerdings abgeraten, da es die Ausbreitung das Virus erhöhen kann.

Sind konkrete Probleme – zum Beispiel Atemwegserkrankungen durch das Coronavirus – der Fall, ist vielleicht ein Kaiserschnitt nötig.

Wird mein Baby nach der Geburt auf das Virus getestet?

Aktuell gibt es keine bekannten Fälle, bei denen eine Schwangere ihr Baby durch die Geburt angesteckt hat – eine Ansteckung nach der Geburt ist aber scheinbar möglich. Da aber auch hier die Datenlage sehr gering ist, ist das natürlich kein bestätigter Fakt. Dein Baby wird nach der Geburt vorsorglich auf das Coronavirus getestet.

Kann mein Baby trotzdem bei mir bleiben?

Solange es deinem Baby und dir gut geht, muss es meistens nicht von dir isoliert werden. Sollte es dir oder deinem Baby allerdings schlechter gehen, kann sich das vielleicht ändern. In diesem Fall kümmert sich dein Partner, deine Familie und das Klinikpersonal aber um dein Baby.

Akutell wurde ein Fall bekannt, in dem ein Neugeborenes 30 Stunden nach der Geburt infiziert wurde. Das Klinikpersonal sieht eine Infektion im Mutterleib als unwahrscheinlich. Das bedeutet also, dass beim Coronavirus kein Nestschutz besteht – es kann also sein, dass sich die aktuellen Empfehlungen und Erlaubnisse noch ändern.

Kann ich mein Baby trotz Virusinfektion stillen?

Ja. Bislang gibt es noch keine Hinweise darauf, dass das Coronavirus durch die Muttermilch übertragen wird. Das GBCOG erklärt, dass die Vorteile des Stillens die Risiken aktuell noch überwiegen. Es werden jedoch bestimmte Vorsichtsmaßnahmen empfohlen:

  • Hände immer ausreichen waschen, bevor das Baby, die Brust oder Stillutensilien benutzt werden
  • Milchpumpe, Fläschchen und weitere Utensilien sollten immer gereinigt/sterilisiert werden
  • Achte beim Stillen darauf, dein Baby nicht per Tröpfcheninfektion anzustecken – Hust- und Niesregeln sollten eingehalten werden. Das GBCOG rät hier auch zum Tragen einer Atemschutzmaske, um eine Ansteckung zu verhindern.

UNICEF schreibt auf deiner Webseite außerdem: „Wenn eine Mutter zum Stillen zu krank ist, sollte sie, falls möglich, Milch abpumpen und sie dem Kind über einen sauberen Becher und/oder Löffel füttern – alles unter Anwendung der gleichen Methoden zur Infektions-Vorbeugung.“

Falls dein Baby auf der Neonatologischen Intensivstation liegt, kann es sein, dass die Klinik strengere Richtlinien für die Aufbewahrung von Muttermilch hat. Der führende Anbieter von Milchpumpen und Stillzubehör Medela empfiehlt Flaschen und Muttermilchbeutel mit abgepumpter Milch sofort nach dem Abpumpen mit ml-Angabe und Abpumpdatum zu beschriften.

Weitere Informationen zum Coronavirus findest du auch hier:

Quellen