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Haufenweise Geschenke? Nicht zu Ostern!

Ostern als Fest der (Geschenke-)Superlative findet unsere Autorin Daniela Kirschbaum gar nicht gut. Warum sie sich lieber an die Osterfeste ihrer Kindheit hält, erzählt sie uns heute.

Ostern und Geschenkewahn(sinn)
Ostern und Geschenkewahn(sinn)
© Pexels/ giftpundits.com

Der Osterhase ist ganz vernarrt in Kunde „Kind“

Kennt ihr diesen Wahnsinn zu Ostern auch? Bereits gefühlte Monate vor dem großen Tag werden Kinder als „König Kunde“ hofiert, dass es eine wahre Freude ist. Internet, TV, Werbetafeln, Spielzeugkataloge – wohin man blickt, werden den kleinen Schätzen die tollsten Osterüberraschungen feilgeboten. Von der Mega-Kugelbahn über das neue Fahrrad bis hin zur kostspieligen Spielkonsole für die Großen ist alles dabei – will doch schließlich jede Altersklasse reich beschenkt werden.

Ich frage mich ganz ehrlich: Wann ist das bloß passiert, mit diesem Geschenkewahnsinn? Das war doch nicht schon immer so! Oder etwa doch?

Back to the 80ties (and 90ties)

Denke ich nostalgisch an die Zeit zurück, als ich noch ein Kind war, bleibt mir nur zu sagen: Entweder sehe ich das mittlerweile sehr verklärt, oder aber die Zeiten haben tatsächlich eine schwungvolle 180-Grad-Drehung hingelegt. (Dritte Option: Bei vier Kindern im Haushalt war damals einfach kein Geld für Ostergeschenke der Superlative übrig…)

Das Ostern meiner Kindheit

Erinnere ich mich an das Ostern meiner Kindheit, dann denke ich vor allem an Schokolade, Schokolade, Schokolade – und ein wenig Zuckerwerk. Das Ganze in Gestalt von Eiern, Häschen oder Küken, drapiert in einem Osternestchen, weich gebettet auf Ostergras. Wenn das Ostergras dann tatsächlich noch essbar war, war das nun wirklich der Himmel auf Erden.

Dazu gab es ein ganz besonderes Frühstück – Osterlamm, Striezel und Eier in jeder erdenklichen Form. Das ALLERHÖCHSTE der Gefühle waren ein Bilderbuch, ein Malbuch ODER ein kleines Gesellschaftsspiel zu so manchem Osterfest. Das war’s dann aber auch schon! Keine Spur von kostspieligen Geschenken und Überfluss. Der Fokus lag ganz klar auf dem Spaß bei der Nestersuche. Und ja, wir reden hier von EINEM Nest!

Ostern war geschenkemäßig eben ein kleines, dezentes Festchen. Für die großen Wünsche gab es Weihnachten und Geburtstag – das musste reichen! (Und es reichte!) Stattdessen wurden Eier bemalt, Weidenkätzchen geschmückt und gebastelt was das Zeug hielt.

Das war das Ostern meiner Kindheit. Allerbeste Erinnerungen habe ich daran – trotz (oder vielleicht eher DANK) ausbleibender Geschenkeflut!

Ostern und Geschenkewahn(sinn)

Heute ist das alles anders. Mit einem süßen Osternestchen ist es in den seltensten Fällen getan. Stattdessen teilen Eltern nach Ostern spektakuläre Fotos von der reichen Ausbeute. Kiloweise Süßigkeiten landen da vor der Linse, kombiniert mit der einen oder anderen „Kleinigkeit“ (Trampolin, Inline Skates, Fahrrad, Handy, Konsole und Co.).

Eier bemalen übrigens die wenigsten Eltern mit ihrem Kindern. Wann denn auch? Sie stehen ja Schlange in diversen Spielzeuggeschäften – oder befüllen fleißig Online-Warenkörbe…

Nein, bei diesem Geschenkewahn(sinn) machen wir nicht mit! Unsere „armen“ Kinder müssen sich jeweils mit einem süßen Nestchen plus einem Buch begnügen. Da fährt die sprichwörtliche Eisenbahn drüber. Ganz egal, was Werbung und Schulkollegen dazu sagen…

Gemeinsame Zeit statt Geschenkeflut

Bis jetzt wäre mir zum Glück auch noch nicht aufgefallen, dass der werte Nachwuchs davon Schaden nimmt. Vielleicht weil zur Osterzeit gemeinsame Unternehmungen, Spielenachmittage und Lesestunden am Programm stehen. Und das freut sie (noch?) viel mehr als das vierte oder fünfte Osternest – welch ein Glück!