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Kita-Normalbetrieb bis Ende Juni: Baden-Württemberg macht großen Vorstoß

Hausschuhe an und ab in die Gruppe: Die Kitas in Baden-Württemberg sollen bis Ende Juni wieder zum Normalbetrieb übergehen. Das Land beruft sich dabei auf erste Erkenntnisse einer aktuellen Studie. Andere Bundesländer sind nach wie vor zögerlich.

Ziehen andere Bundesländer jetzt nach?
Ziehen andere Bundesländer jetzt nach?
© Bigstock/Rawpixel.com

Kitas wieder komplett öffnen? Es herrscht Uneinigkeit

Ein Gesetzesentwurf für ganz Deutschland? Wenn es um das Thema „Kita-Öffnung“ geht, herrscht große Uneinigkeit zwischen Ärzten, Virologen, Politikern und Eltern.

 

Baden-Württemberg hat jetzt einen großen Schritt angekündigt: Kita-Normalbetrieb bis Ende Juni – zumindest, wenn es nach Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) geht. Gemeinsam mit den Kommunen und den Trägern werde ein Rechtsrahmen erarbeitet, um „spätestens bis Ende Juni die Kitas wieder vollständig öffnen zu können“, wie sie „Das Redaktionsnetzwerk Deutschland“ nach der Nachrichtenagentur „dpa“ zitiert.

Welche Rolle spielen Kinder bei der Verbreitung von Covid-19?

Basis dieser Entscheidung ist eine von der Landesregierung finanzierte Studie der Unikliniken Heidelberg, Tübingen, Freiburg und Ulm. Untersucht wird, welche Rolle Kinder bei der Verbreitung des Coronavirus spielen. Dazu werden derzeit 2.000 Kinder im Alter von ein bis zehn Jahren und ihre Eltern untersucht. Bisher liegen aber nur erste Zwischenergebnisse vor.

Demnach sollen Kinder bis zehn Jahre als Überträger des Virus nur eine untergeordnete Rolle spielen, erklärte Eisenmann. Deshalb werde jetzt auch ein Konzept für die weitere Öffnung der Grundschulen entwickelt. Dies müsse aber gründlich vorbereitet werden, da einige Lehrer und Erzieher zur Risikogruppe gehörten. „Der Gesundheitsschutz unserer pädagogischen Fachkräfte ist uns nach wie vor ein sehr wichtiges Anliegen“, betonte die Ministerin. Deswegen wolle man den eingesetzten Lehrkräften und Erzieher Zugang zu regelmäßigen Corona-Tests ermöglichen.

Giffey: Schul- und Kita-Öffnung nur ohne 1,50-Meter-Regel

Einen deutlich vorsichtigeren Kurs fährt nach wie vor Bundesfamilienministerin Franzsika Giffey (SPD). Sie hält einen Normalbetrieb von Schulen und Kitas erst dann für möglich, wenn kein Mindestabstand mehr empfohlen wird. Dieser gilt nach wie vor und auch die allgemeinen Kontaktbeschränkungen werden voraussichtlich bis Ende Juni verlängert, darauf haben sich Bund und Länder Anfang dieser Woche verständigt.

Das Vorhaben von Eisenmann dürfte auch andere Bundesländer zu einem Handeln zwingen. Der öffentliche Druck, einen Normalbetrieb von Kitas und Schulen zu ermöglichen wächst stetig. Das Deutsche Kinderhilfswerk forderte jüngst mit eindringlichen Worten eine vollständige Öffnung der Schulen und Kitas. Schul- und Kitaschließungen seien „ein schwerer und vor dem Hintergrund aktueller fachlicher Erkenntnisse unverhältnismäßiger Eingriff in ihre Lebenswelt, in ihre Grundrechte und ihre psycho-soziale Entwicklung, bei dem das Kindeswohl nicht im Vordergrund steht. Hier braucht es jetzt einen Kurswechsel.“

Eine verbindliche bundesweite Regelung wird es so schnell jedoch nicht geben: „Ich finde es wichtig, dass man in Schritten denkt und die Lage vor Ort beurteilt.“, erklärt Giffey bei der Vorstellung des „Kinderreports 2020“ am Montag in Berlin. Wenn überhaupt könne die Frage der Wiederöffnung von Schulen und Kitas nur regional entschieden werden. Von einem Normalbetrieb sind wir also nach wie vor weit entfernt.