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„Elternschule“: Kritik für Grimme-Preis-Nominierung

Der Kinofilm „Elternschule“ zeigt die medizinische Behandlung von chronisch kranken Kindern mit Ess- und Schlafstörungen. Die Methoden der Kinderklinik stoßen schon vor dem Kinostart auf Entsetzten. Jetzt wurde die Dokumentation für den Grimme-Preis nominiert und entfacht erneut eine Diskussion.

"Eltermschule" stößt nicht nur bei Eltern auf Entsetzen
"Eltermschule" stößt nicht nur bei Eltern auf Entsetzen
©Bigstock/Nadezhda1906

Umstrittener Film für Grimme-Preis nominiert

„Elternschule“ erzählt die Geschichten von Eltern, die mit ihren Kindern überfordert sind. Die Therapie-Ansätze der Ärzte, lassen allerdings nicht nur bei Eltern, sondern auch bei Experten die Alarmglocken läuten. Kinder mit Schlafstörungen werden in hohen Gitterbetten in abgedunkelte Zimmer gebracht und allein gelassen. Weinen und Schreie werden ignoriert und Kinder zum Essen gezwungen.

2018 gab es einen großen Shitstorm gegen die Regisseure, eine Petition zur Absetzung und sogar eine Anzeige gegen die Klinik. Jetzt könnte die umstrittene Dokumentation mit einem Grimme-Preis ausgezeichnet werden – einer der wichtigsten und renommiertesten Fernsehpreise Deutschlands.

#KeinePreisefürGewalt: Protest gegen die Nominierung

Die Dokumentation wurde in der Kategorie „Wettbewerb Information & Kultur“ nominiert. Seit der Bekanntgabe muss das Grimme-Institut heftige Kritik einstecken. Im Netz hat sich unter dem Hashtag #KeinePreisefürGewalt eine große Protestbewegung zusammengefunden. Eltern und Pädagogen stellen sich damit ganz klar gegen die Entscheidung der Grimme-Jury. Auch der niedersächsische Landesverband des Deutschen Kinderschutzbundes hat sich dem Protest angeschlossen und schreibt auf seiner Webseite:

„Psychische und physische Gewalt gegen Kinder ist nicht preiswürdig. Eine vermeintliche‚ neutrale Beobachtung‘ unterstützt die Legitimierung von gewaltvollen Behandlungsmethoden und untergräbt Bemühungen für Kinderrechte und Kinderschutz in Deutschland.“

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Das Grimme-Institut reagiert auf Twitter

Darf ein Film, in dem Gewalt gegen Kinder gezeigt wird, mit einen der renommiertesten Fernsehpreise Deutschlands ausgezeichnet werden? Das Grimme-Institut nahm zu der Nominierung und auch zu der Kritik aus dem Netz Stellung. Auf ihrem Twitter-Account ist zu lesen:

Dies könne für den Zuschauenden ein anstrengender, ambivalenter und auch schmerzhafter Prozess sein. Es sei aber auch eine bemerkenswerte Leistung der beiden Regisseure, eben diesen Prozess auszulösen. Außerdem schreiben sie, dass auch „wenn die Therapieform teilweise brachial und vorgestrig sein mag – die öffentliche Diskussion über die Würde des Kindes im Anschluss an diesen Film“ sonst nicht möglich gewesen wäre.

„Elternschule“: Was bisher geschah…

Der Empörungssturm in den sozialen Medien brach schon los, bevor „Elternschule“ überhaupt in die Kinos kam. Der Trailer schockte mit Zitaten wie „[…] wenn das hier nicht klappt, müssen wir sie in einem Heim unterbringen.“ Die Hasswelle war so groß, dass die Produktionsfirma sogar ihren Facebook-Account sperren musste. Aber auch nach seinem Erscheinen im Oktober 2018 sorgt die Dokumentation für kontroverse Debatten über die angewandten Therapiemethoden.

Auch Experten zeigen sich besorgt

Nicht nur Eltern, sondern auch Kinderpsychiater und staatliche Verbände zeigten sich besorgt über das gezeigte Material. So beispielsweise der Kinder- und Jugendpsychiater Karl Heinz Brisch in einem Interview mit „Deutschlandfunk Kultur“:

„Wenn Kinder nachts einfach in ein dunkles Zimmer gefahren werden und dort dann alleine zurückbleiben müssen, wenn sie schon Ängste und Schlafstörungen haben, dann macht das natürlich noch mehr Angst […]. Dass die Kinder sich dann anpassen, dass sie dann aufhören zu schreien, ist eine Notfallreaktion sozusagen, eine Schockstarre, ein Totstellreflex, wie wir das bei allen Säugetieren kennen.“

In einem offiziellen Statement des „Deutschen Kinderschutzbund Bundesverband“ liest man außerdem, dass in der Dokumentation „zahlreiche Szenen, in denen psychische und physische Gewalt gegen Kinder […]“ gezeigt werden.

Eine Petition und eine Anzeige wegen Misshandlung

„Ja, Schlafentzug ist Folter, Eltern sein ist anstrengend und Unterstützung holen ist super. Wenn Hilfe jedoch bedeutet, Kinder zum Essen zu zwingen, schreien zu lassen, ihre Seelen zu brechen, dann kann dies nicht angehen.“ Mit diesem Satz leitet Lena Mandler ihre Online-Petition ein. Ziel ihres Antrages: Sie fordert einen Ausstrahlungsstopp der Dokumentation, ob im Kino, im Fernsehen oder auf YouTube. Die Petition hat nach Beendigung der Unterschriftensammlung 22.700 Unterstützer. Trotzdem wurde sie abgelehnt.

Die Welle der Empörung hat schließlich auch das Justizministerium erreicht. Nach der Anzeige eines Arztes leitete die Staatsanwaltschaft Essen Ermittlungen gegen die Einrichtung ein. Es gehe um den Verdacht der Misshandlung Schutzbefohlener.

Die Klinik wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe. In einem Interview mit dem „Kulturjournal“ stellt Dietmar Langer, Psychologe in der Kinderklinik, klar, dass der Film nur Fragmente und nicht die eigentliche Therapie zeigen würde. Diese sei viel umfassender und beinhalte auch Entspannungsübungen und Spieltherapien.

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