Petition fordert die Absetzung der Dokumentation "Elternschule"

Petition fordert die Absetzung der Dokumentation „Elternschule“

Der zweistündige Kinofilm dokumentiert die medizinische Behandlung von chronisch kranken Kindern mit Ess- und Schlafstörungen. Doch die Methoden der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen stoßen bei vielen auf Entsetzten.

Frau hält weinendes Kind im Arm
"Eltermschule" stößt nicht nur bei Eltern auf Entsetzen ©Bigstock/Nadezhda1906

„Elternschule“: Dokumentation sorgt für Aufsehen

Der Empörungssturm in den sozialen Medien brach schon los, bevor „Elternschule“ überhaupt in die Kinos kam. Der Trailer schockt mit Zitaten wie „…wenn das hier nicht klappt, müssen wir sie in einem Heim unterbringen.“ Die Hasswelle war so groß, dass die Produktionsfirma sogar ihren Facebook-Account gesperrt hat. Aber auch nach seinem Erscheinen im Oktober sorgt „Elternschule“ für kontroverse Debatten über die angewandten Therapiemethoden. So wird beispielsweise gezeigt, wie Kinder mit Schlafstörungen allein in einem dunklen Schlafzimmer die Nacht verbringen – und irgendwann durchschlafen können.

Nicht nur Eltern, sondern auch Kinderpsychiater und staatliche Verbände zeigen sich besorgt über das gezeigte Material. So beispielsweise der Kinder- und Jugendpsychiater Karl Heinz Brisch.

„Wenn Kinder nachts einfach in ein dunkles Zimmer gefahren werden und dort dann alleine zurückbleiben müssen, wenn sie schon Ängste und Schlafstörungen haben, dann macht das natürlich noch mehr Angst […]. Dass die Kinder sich dann anpassen, dass sie dann aufhören zu schreien, ist eine Notfallreaktion sozusagen, eine Schockstarre, ein Totstellreflex, wie wir das bei allen Säugetieren kennen“, so Brisch in einem Interview mit „Deutschlandfunk Kultur“.

In einem offiziellen Statement des „Deutschen Kinderschutzbund Bundesverband“ liest man außerdem:

„Es gibt in diesem Film zahlreiche Szenen, in denen psychische und physische Gewalt gegen Kinder, zumeist kleine Kinder, in der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen gezeigt wird.“

Video-Empfehlung

Online-Petition fordert Absetzung

„Ja, Schlafentzug ist Folter, Eltern sein ist anstrengend und Unterstützung holen ist super. Wenn Hilfe jedoch bedeutet, Kinder zum Essen zu zwingen, schreien zu lassen, ihre Seelen zu brechen, dann kann dies nicht angehen.“

Mit diesem Satz leitet Lena Mandler ihre Online-Petition ein. Ziel ihres Antrages: Die Absetzung der Dokumentation „Elternschule“. Sie fordert einen Ausstrahlungsstopp der Dokumentation, ob im Kino, im Fernsehen oder auf YouTube. Durch den Film werde Eltern nämlich suggeriert, dass solche Erziehungsmethoden gerechtfertigt seien und als Werbemaßnahmen für die Klinik genutzt werden.

„Erziehungs-Erfolg zu verkaufen, weil Kinder aufgeben und aus Angst kooperieren, ist wie einem Hungernden Müll zu geben und zu sagen, es schmecke scheinbar, weil er es isst“, so Mandler. Mit ihrer Sorge ist sie anscheinend nicht allein. Die Petition hat nach Beendigung der Unterschriftensammlung 22.700 Unterstützer.

Gegen die Klinik wird ermittelt

Die Welle der Empörung hat schließlich auch das Justizministerium erreicht. Nach der Anzeige eines Arztes leitete die Staatsanwaltschaft Essen Ermittlungen gegen die Einrichtung ein. Es gehe um den Verdacht der Misshandlung Schutzbefohlener.

Doch die Klinik wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe. In einem Interview mit dem „Kulturjournal“ stellt Dietmar Langer, Psychologe in der Kinderklinik, klar, dass der Film nur Fragmente und nicht die eigentliche Therapie zeigen würde. Diese sei viel umfassender und beinhalte auch Entspannungsübungen und Spieltherapien.

Die Produktionsfirma erklärt auf ihrer Website außerdem, dass sich die, in der Dokumentation gezeigten Methoden nur zum Teil auf den normalen Erziehungsalltag übertragen ließen. In dem Film würden Extrembeispiele gezeigt: Eltern, die Unterstützung brauchen, Familien voller Verzweiflung, die schon so vieles probiert haben.