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Zweites Zuhause: Willkommen im ersten Plüsch-Tierheim der Welt!

Kuscheltiere waren für viele die ersten Freunde, umso schlimmer, wenn man irgendwann Abschied von Ihnen nehmen muss. Deshalb verstaut man sie meist irgendwo in einem Karton im Keller oder auf dem Dachboden, wo sie den Rest Ihres Lebens verbringen. Marcel Ziarek hat deshalb das erste Plüsch-Tierheim der Welt gegründet. Dort finden alte Kuscheltiere ein neues Zuhause und das auch noch für einen guten Zweck. Wir haben uns mit dem Gründer Marcel Ziarek über seine Idee unterhalten.

Marcel Ziarek hat das erste Plüsch-Tierheim der Welt gegründet und hilft damit nicht nur Stofftieren.
Marcel Ziarek hat das erste Plüsch-Tierheim der Welt gegründet und hilft damit nicht nur Stofftieren.
© Marcel Ziarek/ Plüsch-Tierheim

Herr Ziarek, Sie haben vor circa zwei Jahren das erste Plüsch-Tierheim der Welt gegründet und stehen seitdem mit vollem Herzen dahinter. Was hat Sie dazu verleitet ein Plüsch-Tierheim zu gründen?

Meine kleine Tochter hatte über die Jahre so viele Kuscheltiere gesammelt, dass es an der Zeit war etliche auszusortieren. Schnell entstanden zwei große Säcke. Da die meisten mit Etikett und unbespielt nur im Regal standen, bin ich auf die Idee gekommen, diese einem Kinderheim zu spenden. Nach dem ersten Blick ins Lager und den Worten „Lieber Herr Ziarek, alles aber keine Kuscheltiere“ ist mir klargeworden, dass meine Spende nicht sonderlich hilfreich wäre.

Die Kuscheltiere in einen Altkleidercontainer zu werfen, habe ich nicht übers Herz gebracht. Ich habe anschließend jedes fotografiert, gewogen, gemessen, beschrieben und zur Auktion ins Internet gestellt. Zu meiner Überraschung ist ein großer Geldbetrag entstanden. Die Einnahmen habe ich gespendet.

Im Freundeskreis und in der Familie habe ich stolz verkündet, dass ich die Kuscheltiere im Internet verkaufen konnte. Daraufhin bekam ich die Bestätigung, dass jeder in Deutschland der Kinder hat, irgendwo Plüschtiere im Keller oder auf dem Speicher lagert und nicht weiß wohin damit. Daraufhin habe ich angeboten, dass ich die Stofftiere aufnehme, mich um sie kümmere, reinige, lagere und vermittle. Da leuchtete mir schnell ein, dass ich im Prinzip wie ein echtes Tierheim agiere. Nur halt in dem Fall für Plüschtiere.

Können Sie sich noch an das erste Kuscheltier erinnern?

Das erste gespendete Kuscheltier habe ich sogar noch persönlich abgeholt und es war eine riesige DIDDL Maus (1,50 m).

Sie geben alten Plüschtieren nicht nur ein neues Zuhause, sondern spenden 50 Prozent aller Einnahmen an Tierheime. Wie ist das Konzept „Kuscheltiere helfen echten Tieren“ entstanden?

Das erste Plüsch-Tierheim® der Welt ist entstanden mit dem passenden Slogan: “Plüsch-Tierheim® – Kuscheltiere helfen echten Tieren”.

Alles begann, als ich das erste Mal die Kuscheltiere meiner Tochter verkauft habe. Ich wollte mit dem Betrag etwas Soziales fördern und da wir jedes Jahr Kindern in Not helfen, wollte ich diesmal etwas für Tiere spenden. So habe ich zum ersten Mal einem Tierheim in Deutschland die Einnahmen aus dem Verkauf der Kuscheltiere gespendet. Da hinter dem ganzen Prozess viel Arbeitsaufwand steckt, entstand die Idee, dass wir 50 Prozent spenden und mit den anderen 50 Prozent die laufenden Kosten decken.

Wie viele Pakete erreichen Sie täglich und wie viele Kuscheltiere befinden sich momentan in Ihrem Tierheim?

Wöchentlich erreichen uns bis zu 50 Pakete und Päckchen in den unterschiedlichsten Größen. Insgesamt haben wir bestimmt 10.000 Kuscheltiere, wobei ca. 2.500 im Onlineshop sind und weitere 7.500 noch darauf warten in den Shop hochgeladen zu werden.

Was sollte man beachten, wenn man Kuscheltiere an Ihr Plüsch-Tierheim spenden möchte? Worauf achten Sie bei der Annahme?

Grundsätzlich sollten die Kuscheltiere keine Löcher, Risse, Gerüche oder Flecken besitzen.

Was passiert mit den Plüschtieren, die kein Zuhause finden?

Bis jetzt hat jedes Plüschwesen früher oder später ein neues Zuhause gefunden.

Bevor das Kuscheltier online gehen kann, müssen verschiedene Prozesse durchlaufen werden. Können Sie diese näher beschreiben?

  1. Angefangen beim Auspacken wird zunächst der Absender mit Vor- und Nachname und die Stadt, aus der die Spende kommt notiert. Diese Daten nutzen wir später, um uns öffentlich zu bedanken. Meistens in Form von einem Facebook-Beitrag, in dem wir in einer Liste alle offiziellen Spenden erwähnen. Möchte man anonym bleiben, schreibt man es kurz auf einen Zettel dazu. Näheres steht bei den Voraussetzungen. Aus diesem Grund liegt zu 95% jeder Spende ein Schreiben bei. Dieses wird gelesen, abgeheftet und später an unsere selbst ernannte Lagerwand „Wall of Emotion“ aufgehängt. Somit konnten wir schon etliche Wände tapezieren.
  2. Nach dem Sortieren werden die Kuscheltiere in einer unseren großen Industriekühltruhen für mindestens 48 Stunden bei minus 28 Grad gefroren. Damit sterben zu 99% alle möglichen Keime, Milben etc. ab. Je nachdem, ob das Kuscheltier ein Etikett hat, wird es anschließend im Schonwaschgang gereinigt und zum trocken aufgehängt.
  3. Dann wird das Kuscheltier fotografiert, gewogen, gemessen und beschrieben. Der Preis wird im Internet recherchiert und das Plüschi in den Onlineshop frei zur Adoption hochgeladen. Das Kuscheltier wird währenddessen in großen nach Tierarten oder Marken beschrifteten Aufbewahrungsboxen gelagert.
  4. Wird ein Plüschtier adoptiert, kommt es aus der Aufbewahrungsbox in den Versandkarton inklusive zwei bis drei kleinen, geschenkten Kuscheltieren. Das Ganze wird mit einem Aufkleber, einer Infobroschüre und einer Adoptions-Urkunde verschickt. Der Kunde wird über jeden Prozess informiert bis zur DHL-Sendungsnummer.
© Marcel Ziarek/ Plüsch-Tierheim
© Marcel Ziarek/ Plüsch-Tierheim

Sie stehen als Ein-Mann-Armee allein hinter dem Plüsch-Tierheim. Wie bekommen Sie die ganze Organisation unter einen Hut? Was motiviert Sie?

Ja das Plüsch-Tierheim® habe ich bis zum absoluten geistigen und körperlichen Limit alleine geführt. Mittlerweile haben wir Mitarbeiter, die viele Aufgaben übernehmen. Vom Fotografieren bis hin zum Verpacken bekomme ich somit an jedem Prozess Unterstützung. Die Motivation waren die tollen Briefe, die in jeder Sendung lagen, die Spendenbeträge, die wir den Tierheimen geben konnten und ich wollte es auch denjenigen beweisen, die gesagt haben das funktioniert niemals. Jetzt können wir stolz sagen, dass es sehr wohl funktioniert und wir alle Unkosten bezahlen können. Bereits im Gründungsjahr konnten wir schon mehr als 8500€ an Tierheime spenden und es wird immer mehr. Dazu kommt natürlich, dass wir viele Menschen glücklich machen, die seit Jahren nach einem bestimmten Kuscheltier suchen und es nur bei uns gefunden haben.

Wie viele Kuscheltiere haben bereits ein Zuhause gefunden?

Das können wir leider nicht genau benennen, da viele Adoptionen auch mehrere Kuscheltiere enthalten. Grob geschätzt wurden in nur 12 Monaten mehr als 4.000 Kuscheltiere vermittelt.

Wie haben Sie sich persönlich seit der Gründung des Plüsch-Tierheims verändert?

Vom Prinzip bin ich der gleiche Marcel geblieben, der ich schon immer war. Allerdings bin eine Art Geschäftsmann geworden, weil das Plüsch-Tierheim® aus einem Kleingewerbetreibenden zu einem Unternehmen gewachsen ist.

Das Plüsch-Tierheim® ist mein persönliches Baby geworden. Zu Beginn bekamen wir ein einziges Kuscheltier. Mittlerweile übernehmen wir eine große Verantwortung mit dem sehr sensiblen Thema: Wem vertraue ich meine Jahrzehnte lang geliebten Kuscheltiere an?

Eines kann ich hier in dem Interview bereits verraten. Ich eröffne in naher Zukunft ein Plüsch-Tierheim® in der Schweiz und in Österreich.

Haben Sie ein Plüsch-Tierheim Erlebnis, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Jede Spende und Adoption ist ein besonderes Erlebnis. Es gibt Tausende Beispiele, bei denen einem die Tränen vor Freude oder Rührung kommen. Ich möchte keines dieser Erlebnisse eine höhere Aufmerksamkeit geben als anderen.

Hier geht’s direkt zum Plüsch-Tierheim: https://www.plüsch-tierheim.de/