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Die Regenbogenfamilie – gleichgeschlechtliche Eltern mit Kindern

Gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz auch als Regenbogenfamilie bekannt. Diese stellen eine relativ seltene, dennoch sehr vielfältige Familienform dar. Was genau eine Regenbogenfamilie ist und welchen besonderen Herausforderungen sie sich stellen müssen, liest du hier.

Gleichgeschlechtliche Paare haben meist Schwierigkeiten ihren Kinderwunsch zu realisieren.
Gleichgeschlechtliche Paare haben meist Schwierigkeiten ihren Kinderwunsch zu realisieren.
© Bigstock/ luckybusiness

Was ist eine Regenbogenfamilie?

Unter dem Begriff “Regenbogenfamilie” versteht man eine Familie von Eltern und Kindern, wobei mindestens ein Elternteil homosexuell ist. Der Begriff taucht meist bei gleichgeschlechtlichen Paaren mit Kindern auf.

Eine Regenbogenfamilie kann auf verschiedene Weisen entstehen. Wenn beispielsweise ein Elternteil zuvor in einer heterosexuellen Beziehung war und sich die Mutter in eine andere Frau verliebt oder, wenn der Vater sich als transgeschlechtlich outet. Auch wenn lesbische, schwule, bisexuelle, transgeschlechtliche und intergeschlechtliche Menschen eine Familie gründen, zählen sie als Regenbogenfamilie. In manchen Fällen entsteht eine Regenbogenfamilie auch, wenn ein lesbisches Paar durch eine künstliche Befruchtung ein Kind bekommt oder ein gleichgeschlechtliches Paar ein Kind adoptiert. Es gibt keine einheitliche Regelung dafür, wie und ob gleichgeschlechtliche Eltern ihren Kinderwunsch realisieren können. In Russland beispielsweise können schwule Eltern kein Kind adoptieren. Daher entstehen die meisten Regenbogenfamilien, durch die ersten beiden Szenarien.

Warum heißt es Regenbogenfamilie?

Die erste Regenbogenfamilie in dem Sinne gründete die Tänzerin Josephine Baker. Im Jahr 1952 adoptiere sie ihr erstes Kind. Insgesamt adoptierte sie 12 Waisenkinder verschiedener Hautfarben und wollte damit gegen den amerikanischen Rassismus protestieren. Ihre Familie beschrieb sie als “rainbow tribe“. Ursprünglich bedeutet der Begriff “Regenbogenfamilie” also eine Familie, die aus Menschen verschiedener Herkünfte besteht. Später wurde die Bedeutung in Anlehnung an die Regenbogenfahne ausgeweitet, die hauptsächlich die Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle-Community (LGBT) repräsentiert.

Regenbogenfamilien in Deutschland

In den vergangenen Jahren haben Regenbogenfamilien verstärkt dafür gekämpft rechtlich und gesellschaftlich anerkannt zu werden. Seit dem 1. Oktober 2017 dürfen in Deutschland auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten. Wie viele Regenbogenfamilien es genau gibt, lässt sich schwer sagen. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung, bildeten 2016 circa 95.000 gleichgeschlechtliche Paare einen gemeinsamen Haushalt. Im selben Jahr befanden sich etwa 14.000 Kinder in einer Regenbogenfamilie.

Rechtsgrundlage für Regenbogenfamilien in Deutschland

Seitdem die Ehe für alle erlaubt ist, haben sich auch die rechtlichen Grundlagen zum Kindeswunsch geändert. Seit dem 1. Oktober 2017 können gleichgeschlechtliche Ehepaare gemeinsam fremde Kinder adoptieren. Einen rechtlichen Unterschied gibt es im Abstammungsrecht. Kinder, die in einer verschiedengeschlechtlichen Ehe geboren wurden, besitzen zwei rechtliche Elternteile. Hingegen bei Kindern, deren Elternteile beide weiblich sind. Diese verfügen bei ihrer Geburt nur über einen rechtlichen Elternteil. Nämlich die Frau, die das Kind zur Welt gebracht hat. In Regenbogenfamilien müssen Lebenspartner/innen daher das leibliche Kind ihres Partners/ ihrer Partnerin adoptieren, um rechtlich auf der sicheren Seite zu stehen. Dieses Verfahren dauert unterschiedlich lang und sorgt letztlich dafür, dass das Kind bis zur Beendigung des Verfahrens nur einen rechtlichen Elternteil hat.

Adoption ist nach wie vor eine Hürde für gleichgeschlechtliche Paare. Die meisten Kinder, die durch eine Adoption ein neues Zuhause in einer Regenbogenfamilie finden, kommen aus dem Ausland oder sind Pflegekinder. Dazu kommt noch, dass sich immer mehr Länder entscheiden, Kinder nicht mehr in Auslandsadoptionen zu vermitteln.

Väterpaare entscheiden sich häufig auch für eine Leihmutterschaft im Ausland. Aufgrund der unterschiedlichen internationalen Rechtslage und der lückenhaften deutschen Gesetzgebung, ist die Leihmutterschaft mit vielen Fallstricken verbunden. Je nach Land, kann beispielsweise eine Absicherung gegenüber möglichen gesundheitlichen Risiken für die Leihmutter gegeben sein oder nicht. Nach deutschem Recht begründet ein Vertrag über eine Leihmutterschaft keine rechtswirksame Elternschaft. Die Frau, die das Kind ausgetragen hat, ist laut Gesetz die rechtmäßige Mutter. Um als “Wunschvater” anerkannt zu werden, muss durch eine Vaterschaftsanerkennung oder durch eine gerichtliche Feststellung die Vaterschaft rechtlich begründet werden. In Deutschland nehmen daher die meisten Väterpaare Pflegekinder aus Deutschland auf.

Regenbogenfamilien: Herausforderungen

Auf Regenbogenfamilien kommen Herausforderungen zu, an die man zuerst vielleicht gar nicht denkt. Angefangen von der Verwirklichung des Kinderwunsches. Der Kinderwunschprozess zieht sich in die Länge, stellt Hürden dar und ist mit viel Nachforschung verbunden.

Kinder einer Regenbogenfamilie müssen diese oft erklären und sich bei Diskriminierung verteidigen können. Dadurch sollten die Eltern dem Kind schon in frühen Jahren beibringen, dass ihre Familie “besonders” ist. Da Regenbogenfamilien noch eine Seltenheit und für viele fremd sind, durchleben sie häufig ein Coming-out, sobald sie auf neue Menschen treffen. Das kann auf Dauer zur Last fallen. Zu guter Letzt kämpfen viele Regenbogenfamilien mit einem Bewährungsdruck. Es gibt viele Kritiker dieser Familienform, die vor allem die Entwicklung des Kindes in Frage stellen. In einer Studie des Lesben- und Schwulenverbands aus dem Jahr 2008 wurden 1.059 Regenbogen-Eltern aus Deutschland zu ihrem Alltag befragt. 37 Prozent aller Eltern gaben an, Diskriminierung aufgrund der Familienkonstellation erfahren zu haben. Bei den Kindern waren es sogar 47 Prozent. Die Studie zeigte auch, dass Kinder in Regenbogenfamilien sich potenziell besser entwickeln als Kinder aus anderen Familienformen. Auch bei der Erziehung zeigen sich keine negativen Punkte. Gleichgeschlechtliche Elternpaare achten darauf, dass ihre Kinder Bezugspersonen des anderen Geschlechts im nahen Lebensumfeld haben.

Letzten Endes unterscheiden sich Regenbogeneltern zu anderen Eltern nur hinsichtlich ihres Geschlechts. Am Ende des Tages wollen sie, wie alle anderen Eltern auch, nur das Beste für ihre Kinder und ihnen ein schönes Leben ermöglichen.

Hier findest du Beratungsangebote und mehr Informationen zu Regenbogenfamilien:

Quellen