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Studie: Mütter können tatsächlich riechen, wie Kinder sich entwickeln

Forscher haben untersucht, wie sensibel Mama-Nasen auf den Körpergeruch von Kindern reagieren. Das Ergebnis der Studie: Mütter können recht genau einschätzen, in welcher Entwicklungsstufe sich das Kind befindet. Für manche Mütter könnten diese Ergebnisse sogar sehr hilfreich sein.

Ergebnisse einer aktuellen Studie besagen: Mütter können einschätzen, in welcher Entwicklungsstufe sich das Kind befindet – allein am Geruch.
Ergebnisse einer aktuellen Studie besagen: Mütter können einschätzen, in welcher Entwicklungsstufe sich das Kind befindet – allein am Geruch.
© Unsplash/ Ana Tablas

Mütter können Entwicklungsstufen riechen

Forscher haben in einer aktuellen Studie aus Deutschland hat herausgefunden, dass Mütter nur am Geruch erkennen können, wie es ihren Kindern geht, ob sie sich richtig entwickeln und sogar, wann die Pubertät bei ihnen beginnt. Die Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden haben für die Studie 164 deutsche Mütter untersucht. Dafür mussten die Mütter lediglich an einem T-Shirt riechen, in dem ihr Kind geschlafen hat. Das Alter der Kinder variierte dabei von Babys bis zu 18-Jährigen. Die Studie wurde am 04.03.2020 in „frontiers in Psychology“ veröffentlicht.

Das Ergebnis: Mama-Nasen sind extrem sensibel für Änderungen am Geruch des eigenen Kindes. Jede Mutter hat an einem T-Shirt oder Strampler von vier verschiedenen Kindern gerochen – alle vom selben Geschlecht – eins davon das eigene Kind. Dann sollten sie einschätzen, in welcher Entwicklungsstufe sich das jeweilige Kind befindet.

 

64% der Mamas erkennen die Entwicklungsstufe (auch von fremden Kindern)

Die Mütter konnten ihr eigenes Kind natürlich am Geruch erkennen. Aber auch den Geruch von fremden Kindern können sie einschätzen. Laut Studienautorin Dr. Laura Schafer konnten rund 64 Prozent der Mamas anhand des Geruchs die Entwicklungsstufe richtig benennen. Außerdem: Je jünger das Kind, desto richtiger liegen die Mamas. Vor allem vor der Pubertät fällt es Mamas leichter, die Entwicklungsstufe – also das ungefähre Alter – richtig zu erriechen. Wie genau das funktioniert, wissen die Forscher allerdings nicht.

Die Untersuchung, die im Magazin Frontiers in Psychology veröffentlicht wurde, bestätigt aber, dass Mütter unnormale Veränderungen (vor allem von ihren eigenen Kindern) allein am Geruch erkennen können.

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Baby-Geruch: Wichtig für die Mutter-Kind-Bindung

Das gleiche Studienteam hat bereits in einer anderen Studie untersucht, wie das Gehirn von Müttern auf Gerüche von Babys reagiert. Das Ergebnis überrascht nicht: Mütter mögen den Geruch von Babys. Auch die aktuelle Studie konnte das wieder belegen: Die untersuchten Mamas bevorzugten nämlich generell die Gerüche von Babys und Kleinkindern. Japanische Wissenschaftler hatten bereits bewiesen, dass das Gehirn einer Frau nach der Geburt quasi umgepolt wird. Der Geruch eines Babys löst dann den Mutterinstinkt aus.

Laut Schafer konnte die Studie eine Vermutung bestätigen: „Der Geruch von Babys ist ein wichtiger Faktor, der die Mutter-Kind-Bindung beeinflusst.“ Durch den Baby-Geruch werden Mütter dazu gebracht, sich um die Kinder zu kümmern und ihnen Liebe zu schenken – vor allem in den wichtigen Bonding-Tagen und -Wochen nach der Geburt. Außerdem löst der Geruch im Mama-Gehirn einen gewissen Belohnungs-Reflex aus – ähnlich wie bei gutem Essen oder Sex.

„[In der Pubertät] werden Kinder selbstständiger und sind weniger auf ihre Eltern angewiesen“, erklärt Schafer. Das kann eine mögliche Erklärung sein, wieso der Geruch nach der Pubertät für Mütter nicht so ansprechend ist.

Hilfe für Frauen mit Postnataler-Depression

Aber, was bedeuten die Studienergebnisse nun? Schafer vermutet, dass die Ergebnisse vor allem in der Behandlung von Problemen der Mutter-Kind-Bindung zum Einsatz kommen kann. Beispielsweise sieht sie eine mögliche Anwendung bei Müttern mit Postpartaler-Depression, bei denen das Bonding mit dem Neugeborenen nicht richtig funktioniert. Wie genau die Ergebnisse dann zum Einsatz kommen können, ist jedoch noch nicht bekannt.

Der nächste Schritt ist laut Schafer eine längere Untersuchung, in der weitere Beweise für die Studienergebnisse gefunden werden!