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Tropische Riesenzecke verbreitet sich weiter: Sie hat überwintert

Experten sind alarmiert: Nachdem die tropische Riesenzecke der Gattung Hyalomma schon im letzten Jahr in mehreren deutschen Bundesländern gesichtet wurde, legt der neue, frühe Fund nahe, dass sie zum ersten Mal in Deutschland überwintern konnte. Wird sie heimisch?

Im Video erklärt Parasitologin Dr. Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim wie du die Riesenzecke erkennst.

So sieht die Hyalomma-Zecke aus

Update: erneuter Fund in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen

„Wir haben die ersten Nachweise dieses Jahres von Hyalomma-Zecken in Deutschland“, meldet Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Parasitologin an der Universität Hohenheim in einer offiziellen Mitteilung. Fünf Zecken wurden in Nordrhein-Westfalen gefunden, eine in Niedersachsen. Diese Meldung ist für die Experten insofern beunruhigend, weil die Zecken unerwartet früh im Jahr aufgetaucht sind.

Normalerweise lebt die sogenannte Hyalomma-Zecke in Afrika, Asien und Südeuropa und gilt daher als gefährlicher Überträger für Krankheiten wie zum Beispiel dem afrikanischen Zeckenbissfieber oder dem Krim-Kongofieber. Vor allem letztere Infektion kann einen schweren Krankheitsverlauf nehmen. Bei Betroffenen tritt hohes Fieber, Benommenheit und starke Gelenk- und Bauchschmerzen auf. Typisch ist eine Gesichtsrötung und Schwellung sowie eine Bindehaut- und Rachenrötung. Tödlich ist die Infektion zum Glück nur in seltenen Fällen.

Hyalomma hat erstmals in Deutschland überwintert

In den vergangenen Jahren kam die Hyalomma als blinder Passagier auf Zugvögeln nach Deutschland. „Wenn man den Entwicklungszyklus zurückrechnet, hätten sie also zu einem Zeitpunkt eingeschleppt werden müssen, als die Zugvögel noch gar nicht da waren“, erklärt Mackenstedt. Deshalb sind die Zeckenforscher davon überzeugt, dass die Riesenzecke erstmals in Deutschland überwintert hat.

Wird die Riesenzecke heimisch?

Dass die Hyalomma in Deutschland überwintern konnte, ist ohne Frage ein entscheidender Schritt, dass sie sich bei uns etablieren könnte. Noch schlägt weder die Universität Hohenheim noch das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr (IMB) – beide untersuchen die Verbreitung der Hyalomma in Deutschland – Alarm. Bei einer noch so geringen Populationsgröße sei es derzeit noch schwierig, dass sich die Zecke großflächig verbreitet, so die Einschätzung der Universität Hohenheim.

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Nach wie vor keine Menschen betroffen

Nach wie vor ist zum Glück noch kein Fall bekannt, dass ein Mensch von der Riesenzecke gebissen wurde. Die meisten hatten sich an Pferden festgesaugt. Trotzdem empfiehlt das Landesuntersuchungsamt der Rheinland-Pfalz (LUA) jetzt besonders vorsichtig zu sein und sich vor Zeckenbissen zu schützen:

  • Im Hochsommer schwer umsetzbar, trotzdem kann lange Kleidung, die Arme und Beine bedeckt, helfen. Auf heller Kleidung sind Zecken zudem leichter zu entdecken
  • Ein Insekten- und Zeckenabwehrmittel kann zusätzlich auf die Haut aufgetragen werden, bietet aber keinen umfassenden Schutz.
  • Nach einem Aufenthalt in der Natur den Körper nach Zecken absuchen: vor allem Kniekehlen, Leistengegend, Armbeugen und Kopfhaut.
  • Zecken sollten schnellstmöglich mit einer Pinzette, einer Zeckenzange oder einer Zeckenkarte entfernt werden.

Erreger des Zecken-Fleckfiebers gefunden

Auch in diesem Jahr werden die Experten die Ausbreitung der Hyalomma-Zecke genau beobachten. Sicher auch, weil im vergangenen Jahr in einer der Riesenzecke der Erreger einer tropischen Form des Zecken-Fleckfiebers nachgewiesen werden konnte. PD Dr. Gerhard Dobler, Mediziner und Mikrobiologe am IMB, gab jedoch in diesem Zusammenhang etwas Entwarnung: „Doch zumindest gefährliche Viren als Erreger von hämorrhagischen Fieber-Formen wurden bisher nicht entdeckt.“


Quellen:

  • Universität Hohenheim: Tropische Zecken: Neu eingewanderte Art überwintert erstmals in Deutschland, In: uni-hohenheim.de
    https://www.uni-hohenheim.de/pressemitteilung?tx_ttnews%5Btt_news%5D=43734&cHash=5fd3c0e9da33d842f4ee127beaf7b078 (letzter Abruf: Juni 2019)
  • Tropische Zeckenarten: Mehrere Funde in Deutschland beunruhigen Fachleute, In: uni-hohenheim.de
    https://www.uni-hohenheim.de/pressemitteilung?tx_ttnews%5Btt_news%5D=41248&cHash=1b6147392b15a5328f6c8f7021f158aa (letzter Abruf: Juni 2019)