Was wir von unseren Kindern lernen können

Was wir von unseren Kindern lernen können

Kinder sind wunderbar: Sie saugen Eindrücke auf wie ein Schwamm, speichern sie ungefiltert ab und geben sie ganz ohne Vorurteile wieder. Dinge, die sie sich nicht erklären können, biegen sie sich in ihrer eigenen kleinen Gefühlswelt passend zurecht. Wenn wir uns darauf einlassen, öffnet sich ein ganzes Universum an frischen Impulsen, neuen Ideen und ungeahnten Möglichkeiten.

Mädchen läuft am Strand entlang
Kinder schaffen es, dass auch Erwachsene die Welt mit anderen Augen sehen können. © Unsplash / Caroline Hernandez

„Mama, warum hängen die Bäume an den Wolken?“

Es sind Sprüche wie: „Mama, warum hängen die Bäume an den Wolken?“, die die Zeit für einen Moment stillstehen lassen. Unvermittelt riss er mich aus meiner Vernunftebene heraus. Ich dachte instinktiv darüber nach, was mein dreijähriger Sohn damit wohl meinen konnte und schwupps war ich in seiner Phantasiewelt gelandet. Ich sah die Bäume und die Wolken mit seinen Augen. Das Blau des Himmels wurde blauer, das Weiß der Wolken noch reiner und die grün strahlenden Bäume verloren ihre Perspektive. Ich versuchte, die Welt mit seinen Augen zu sehen. Das unglaubliche Potenzial dahinter verstehen zu wollen, fasziniert mich bis heute.

„Warum sind da überall Gespenster?“

Ein anderes Beispiel: Es war im Urlaub am Gardasee. Wir fuhren mit dem Auto durch unzählige Tunnel, als meine Tochter plötzlich sagte: „Papa, warum sind da überall Gespenster?“ Erschrocken vom Gedanken, unser armes Kind würde Übersinnliches wahrnehmen, fragten wir nach. Als sie uns erklärte: „Na dort auf den Bildern!“ dämmerte es langsam. Die Verkehrszeichen in Italien, die eine „galleria“, also einen Tunnel ankündigen, ähneln tatsächlich Abbildungen von Geistern. Es dauerte eine Weile, bis es bei uns Klick machte. Aber noch heute schmunzeln wir darüber, wenn wir ein solches Schild passieren.

Kinder genießen das Leben in vollen Zügen

Egal, wie das Wetter draußen ist – unsere Kleinen lassen sich ihre gute Laune nicht verderben. Nichts ist herzerwärmender als fröhliches Kinderlachen. Es ist echt, weil sie das Leben spüren. Weil sie im Augenblick leben und jeden Moment genießen. Wir wissen einfach zu viel und verlieren darüber den naiven Blick. Sie werden einfach zu schnell groß! Geh einfach mal einen Schritt zurück. Begib dich auf die wundervolle Ebene deines Kindes und lass die Umgebung auf dich wirken. Was kann man heute machen? Hier sind meine sieben besten Tipps, wie du dem Erwachsensein entkommst und die Welt wieder mit Kinderaugen sehen kannst:

#1 Stell dich in den Regen
Erwachsene haben meist schlechte Laune, wenn es regnet. Die Regentropfen wollen doch nichts Böses! Während wir den Blick senken, wollen Kinder sehen, was da oben passiert. Stell dich doch auch mal bewusst in den Regen und spür das Prasseln auf deinem Gesicht. Naturduschen wirken Wunder.

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#2 Tanze und singe ausgelassen
Für Kinder kein Problem. Nur die Erwachsenen kommen sich dabei komisch vor. Lege alle Bedenken ab und ahme die witzigen Bewegungen deines Kindes nach. Singe dazu ganz laut mit. Auch wenn es schief klingt, wen interessiert’s?

#3 Spring durch Pfützen
Hast du noch Gummistiefel im Schrank? Wenn nicht, höchste Zeit, welche zu kaufen! Ausgestattet mit Regenschutz macht dir schlechtes Wetter nichts mehr aus und du kannst mit deinem Kind die besten Sprünge in die größten Pfützen wagen. Das kühlende Nass wird sich ganz neu anfühlen.

#4 Beobachtet gemeinsam eine Hummel
Fleißige Insekten eignen sich hervorragend für ausgiebige Naturstudien. Sie entschleunigen nicht nur, du kannst auch ganz nah bei deinem kleinen Entdecker sein. Wenn ihr Wange an Wange die Arbeit einer Hummel beobachtet, seid ihr vereint im Aufspüren neuer Wunder.

#5 Verbuddelt euch gegenseitig im Sand
Sommer, Sonne, Strand und Meer – perfekt, um im Sand verbuddelt zu werden. Kinder lieben es, Mama oder Papa verschwinden zu lassen. Wenn du selbst dein Kind eingräbst, spürst du mit dem warmen Sand auch den Balsam auf deiner Seele. Du wirst nicht nur die gemeinsame Zeit mit deinem Kind genießen, ganz automatisch kehren auch Erinnerungen an deine eigene Kindheit zurück.

#6 Lass im Herbst die Blätter regnen
Was gibt es schöneres als an einem sonnigen Herbsttag die Blätter unter den Füßen rascheln zu hören. Kinder nehmen gern eine trockene, warme Handvoll davon und werfen sie in die Luft. Sie faszinieren die durch den Blättertanz entstehenden Lichtspiele. Mach es einfach nach, statt über mögliche Risiken nachzudenken und schaut euch gemeinsam das zauberhafte Festival der Natur an.

#7 Wälze dich im Winter mit deinem Kind im Schnee
Sobald die weiße Pracht im Winter lockt: Skianzug, Handschuhe, Mütze und Schal an und raus ins Vergnügen. Sucht euch eine leicht abschüssige Stelle im Park oder auf einem Feld. Umarme dein Kind und lasst euch gemeinsam in die weiche Fülle fallen. Immer noch umarmt lasst euch nun langsam den Abhang hinunterrollen. Dieser Spaß kostet nichts, bringt aber jede Menge Nähe und Abenteuer. So holt er dich ganz leicht in eine ausgelassene Stimmung zurück mit vielen alten, aber vergessenen Eindrücken.

Es gibt sicher noch tausend andere Dinge, die du dir von deinem Kind abschauen kannst, um das Leben wieder mehr zu spüren. Sei aufmerksam, dann eröffnet sich dir ein ganzer Kosmos an Möglichkeiten und du lernst achtsamer zu sein. Ich habe es ausprobiert und bin ein ganz neuer Mensch geworden.