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Wie unfair ist es, wenn Männer die Hälfte der Verhütung übernehmen?

Verhütung ist meist ein wichtiger und notwendiger Teil eines erwachsenen Lebens. Gott sei Dank, sagt unsere Autorin Jenn Knott! Aber warum bleibt die Verantwortung dabei so oft an uns Frauen hängen!?

Männer geben die Verhütungs-Verantwortung gern ab.
Männer geben die Verhütungs-Verantwortung gern ab.
Unsplash / Sweet Ice Cream Photography

Früher galt die Pille als Befreiung – heute wird sie heiß diskutiert

Seit den Sechzigerjahren gibt es die weit verbreitete Anti-Baby-Pille, die eine Revolution auslöste. Seit der Pille kann eine Frau selbst entscheiden, ob sie sich schwängern lässt oder nicht – das ist natürlich super! Aber sie ist auch ein Joch um unsere Hälse, nicht nur wegen den möglichen Nebenwirkungen, sondern auch wegen den Erwartungen, dass Verhütung eher von Seiten der Frau zu erledigen ist.

Die Anti-Baby-Pille ist einfach, das gebe ich zu, wenn man sie verträgt und man nichts gegen zusätzliche Hormone hat. Aber wie sieht’s aus, wenn eine Frau die Pille absetzt? Oder es einfach satt hat, sich ständig um die Verhütung zu kümmern? Haben Männer auch die Pflicht, ungewollte Schwangerschaften zu verhindern?

Männer geben die Verantwortung gerne ab

Ich finde die Antwort so selbstverständlich, dass man eigentlich nicht darüber reden müsste: Wenn ein Mann Sex haben will, ist er automatisch genauso für die Verhütung oder auch die dadurch entstandene Schwangerschaft verantwortlich.

Ich habe das Gefühl, dass Männer sehr froh sind, den Job von Nicht-Schwanger-werden an ihre Frau oder ihre Freundin outzusourcen – vor allem wenn es um verheiratete Männer oder Männer in langjährigen Beziehungen geht. „Sie wird sich schon darum kümmern, weil sie ja diejenige ist, die überhaupt schwanger wird!“ Na klar, total logisch!

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Männer wissen gar nicht, was wir alles durchmachen müssen

Kriegen aber nicht beide die Konsequenzen einer Schwangerschaft mit? Das ist der Punkt, der mich aufregt: Sex ist eine Aktivität, die normalerweise zwei Parteien benötigt, und eben eventuell Babys erzeugen kann. Männer verstehen eine Menge Sachen nicht, die mit einer Schwangerschaft verbunden sind, zum Beispiel:

  • Die Verwandlung des Körpers und Veränderung der Hormonen, die es benötigt, einen Mensch in einem anderen Menschen wachsen zu lassen
  • Die extreme körperliche und geistige Anstrengung, diesen Menschen zu gebären
  • Die Aufgabe, ein Baby am Leben zu erhalten – nur mit deiner eigenen Milch
  • Eine postpartale Depression

Und natürlich viel mehr! Diese Sachen machen Frauen ausschließlich alleine (und der Großteil der Kinderbetreuung fällt ja immer noch zu uns).

Männer genießen – und wir zahlen die Rechnung

Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht böse darüber, obwohl es natürlich unfair ist. Aber was soll ich machen? Ich könnte bei der Mutter Natur auf Schadenersatz klagen – und wahrscheinlich keine Antwort von ihren Rechtsanwälten bekommen. Das ist einfach so.

Aber manchmal scheint es mir so, dass Männer den Spaß von Sex genießen dürfen, während wir die Rechnung zahlen. Wenn wir die einzigen sind, die schwanger werden können, finde ich es mehr als fair, dass Männer zumindest die Hälfte der Verhütungsmaßnahmen übernehmen. Kondome gibt’s, die männliche Sterilisation gibt’s, und eine männliche Anti-Baby-Pille und ein Verhütungsgel werden gerade von Wissenschaftlern (Wissenschaftlerinnen, würde ich wetten) entwickelt. Hurra!

Schließlich können wir uns ja nicht selbst schwängern

Verhütung ist ganz klar nicht nur Frauensache. Die Schwangerschaft müssen wir durchmachen, aber eine Schwangerschaft zu verhindern kann nicht nur unser Dienst sein, ganz einfach, weil wir Frauen uns ja schließlich nicht alleine schwängern können.

Wir werden noch gerne Sex mit euch haben, Männer, aber bitte kommt uns bei der Verhütung auf halbem Weg entgegen.