Wie wir Eltern mit Wut besser umgehen – und weniger schreien

Kind ist wütend und schreit
Was man liebt, das schimpft man?
© Unsplash / Timon Studler

Dass Eltern oder Kinder im Trubel des Alltags öfter mal laut werden, das muss auch Mama Nadja zugeben. Aber: eine einfache Technik hat ihr geholfen, ihre eigene Schreierei auf ein Minimum zu reduzieren.

Das wird mir nie passieren

Als ich frisch Mama geworden bin, habe ich beim Spazierengehen einmal eine Mutter beobachtet, die ihr Kind auf offener Straße total geschimpft hat. Ich empfand Mitleid mit dem Kind, ohne zu wissen, was eigentlich vorgefallen war. Warum war die Mutter nur so wütend? Und wie kann man nur so ein kleines unschuldiges Wesen (das Kind war vielleicht 3 oder 4 Jahre alt) so ausschimpfen? Ich blickte liebevoll auf mein Baby im Kinderwagen, mit dem Gedanken „Ich werde dich niemals so anbrüllen.“

Jetzt, knapp 6 Jahre später, kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich dieses Versprechen an meine Tochter gebrochen habe. Aber sowas von! Schande über mein Haupt. Vermutlich wie 99,99 % aller anderen Eltern auch, habe auch ich meine Tochter schon mehrfach laut geschimpft. Ich gebe es offen zu und ich bin absolut nicht stolz drauf.

Was man liebt, das schimpft man?

Erwiesen ist jedenfalls, dass Menschen die man am meisten liebt, einen auch am wütendsten machen können. Dazu gehören natürlich auch die eigenen Kinder.

Nicht zu vergessen: Wir Eltern sind wie Spiegel für unsere Kinder. Sie machen alles nach, was wir auch tun. Sie gebrauchen irgendwann die gleichen Worte und versuchen diese mit Nachdruck einzusetzen. Brüllen wir, brüllen sie auch. So einfach ist das. Und das ist nicht gut. Ich möchte das auf jeden Fall vermeiden, dass meine Tochter irgendwann zum Choleriker wird. Denn ich bin es auch nicht. Ich bin eigentlich ein total harmoniebedürftiger Mensch. Am wohlsten fühle ich mich, wenn um mich herum alles entspannt ist und ich „meine Ruhe“ habe. Natürlich passen Ruhe und kleine Kinder nicht wirklich gut zusammen.

Streitpunkte gibt es zur Genüge

Und dann hat man so ein Kind zu Hause sitzen, das mal wieder Tomaten auf den Ohren hat, weil es gerade viel lieber noch etwas spielen möchte, als sich für den Kindergarten anzuziehen. Immer und immer wieder bitten wir sie höflich, doch jetzt mit ins Bad zu kommen und sie ignoriert unsere Bitten konsequent weg. Natürlich treten im Laufe des Tages mehr solcher Reibungspunkte auf. Das ist sicherlich in jeder Familie so.

Wenn ich merke, dass mal wieder Wut in mir aufsteigt, atme ich erst einmal tief ein und aus. Oft geht es dann schon besser und ich kann mit einem klaren Gedanken über die Situation nachdenken. Was läuft gerade schief? Warum bin ich wütend? Kinder wollen ihren Eltern immer gefallen. Sie machen Dinge nicht, um uns zu ärgern oder Wut in uns zu provozieren. Kinder möchten nur auch ihren eigenen Willen durchsetzen und ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen. Und das ist auch gut so.

Wie wir wütende Kinder besser verstehen können, erklären wir hier.

Oft ertappe ich mich dabei, wenn ich mir denke, mein Kind ist gerade besonders nervig, dass mein Kind eigentlich so ist wie immer. Nur ich bin gerade besonders genervt. Meist gar nicht wegen meinem Kind, sondern weil vielleicht in der Arbeit heute etwas schiefgelaufen ist. Oder irgendwas anderes. Dann projiziert man das irgendwie auf das Kind.

Seit mir das bewusst ist, dass meine Genervtheit zu 99 % nicht von meinem Kind rührt, schaffe ich es auch, nicht genervt auf mein Kind zu reagieren.

Das ist ein großer Schritt ins „Nicht-Schreien“. Ich bin viel ruhiger und gelassener, seitdem ich mir viele Dinge bewusst vor Augen rufe. Und ich finde, das ist ein guter Ansatz und eine gute und starke Bindung zu meinem Kind zu haben und auch aufrechtzuerhalten.