„Warum tun alle so, als ob man als Mutter nicht mehr feiern gehen darf!?“

„Warum tun alle so, als ob man als Mutter nicht mehr feiern gehen darf!?“

Unsere Autorin Nora Henze durfte sich als Mutter schon so manche Sprüche anhören – gerade wenn sie ohne ihr Kind feiern war…

Frauen haben in einem Club einen Drink in der Hand
Dürfen Mütter alleine feiern gehen?! Na klar, sagt unsere Autorin Nora Henze. © Unsplash / Michael Discenza

Inzwischen hat ja jeder eine Meinung darüber, was eine Mutter – vor allem als alleinerziehende Mutter! – darf und was nicht. Allgemeiner Konsens scheint zu sein, dass sie auf jeden Fall weniger darf als ein Vater – ich habe jedenfalls noch nicht mitbekommen, dass einem Mann ein Vorwurf gemacht wurde, weil er auf einer Party ist und nicht zu Hause bei seinem Kind. Und dann hört man schon mal folgende Fragen:

„Und wo ist dein Kind?“

Ja, gute Frage: Wo kann es wohl sein? Meistens schauen die Fragenden dann noch suchend durch die Gegend als würde gleich ein Kleinkind mit Schnuller und Teddybär hinter mir auf der Tanzfläche auftauchen. Die Tatsache, dass mein Kind auch mal einen Abend ohne mich klarkommt, scheint viele Feierwütige schwer zu erschüttern. Wenn ich dann auch noch einen alkoholischen Drink in der Hand halte merke ich oft direkt, wie ein mühsam aufgebautes Weltbild zusammenbricht: Mütter kochen, backen, waschen, trösten und lesen vor – im Club haben sie nichts zu suchen.

„Da hätte ich aber ein schlechtes Gewissen!“

Das kommt meist von anderen Müttern und hat genau eines zur Absicht: Ein schlechtes Gewissen machen. Meist bekommt man dazu noch einen abwertenden Blick und ein „Niemals könnte ich mein Kind einfach so alleine lassen!“.

Es ist okay, wenn es jemand nicht kann. Ich kann es aber. Nicht oft, vor allem nicht, wenn das Kind noch kleiner ist, aber mit steigendem Alter meines Sohnes immer öfter und ich habe noch nicht mal ein schlechtes Gewissen. Außerdem ist mein Kind natürlich NICHT alleine und ich lasse auch keine Fremden als Babysitter kommen. Bisher hatte mein Sohn keine Probleme, mal von jemand anderem betreut zu werden – im Gegenteil: er freute sich immer tierisch.

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„Dein armes Kind schreit und weint doch bestimmt nach dir!“

Es ist immer lustig, wenn andere Leute felsenfest davon überzeugt sind, besser zu wissen, wie es deinem eigenen Kind geht.

In diesem Fall hatte ein Bekannter mich höchstpersönlich zu seiner eigenen Party eingeladen, um mir dann nachts um 3 einen Vortrag darüber zu halten, warum ich jetzt eigentlich bei meinem Sohn sein müsste. Dieser war damals 10 Jahre alt, schlief zu Hause tief und fest und das befreundete Babysitterpärchen machte im Wohnzimmer einen Star Wars-Marathon. Das arme, arme Kind.

„Krass, dass du das noch kannst!“

Bei diesem Spruch fühle ich mich alt. Sehr alt. Wie eine 80-jährige Oma mit Hüftschaden, die in der Disko dafür bewundert wird, dass sie noch ein bisschen mit dem Hintern wackeln kann. Irgendwie scheint man in den Köpfen vieler Leute automatisch 20 Jahre älter zu werden, wenn man ein Kind bekommen hat – ob das nun mit 20 oder mit 40 der Fall war.

Inzwischen posaune ich nicht mehr so oft heraus, dass ich Mutter bin, wenn ich feiern gehe. Erstens spare ich mir Sprüche und Diskussionen und zweitens werde ich automatisch sehr viel jünger geschätzt.