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„Babysitter, wo seid ihr?“

In meiner Kindheit gab es für mich und meine zwei Schwestern Babysitter und die Nachmittage und Abende mit ihnen waren für uns immer schön. Nun suche ich jemanden für einen Nachmittag in der Woche und manchmal vielleicht einen Abend. Aber wo finde ich einen geeigneten liebevollen und konsequenten Babysitter?

Wo finde ich einen geeigneten liebevollen und konsequenten Babysitter?
Wo finde ich einen geeigneten liebevollen und konsequenten Babysitter?
© Pexels/ Berendey_Ivanov / Andrey_Kobysnyn

Als ich klein war, passte erst Nina auf uns auf und später ihre Schwester Meike. Nina war die ältere Tochter einer Freundin meiner Mutter und die Nachmittage und Abende mit ihr waren immer sehr nett. Mit Meike war es ebenso schön für uns. Sie haben uns Geschichten erzählt, etwas vorgelesen, mit uns gespielt und uns ins Bett gebracht. Ich habe also nur positive Erfahrungen mit Babysittern gemacht.

Beide gingen zu der Zeit noch in die Schule und waren zwischen 16 und 19 Jahre alt. Aber wir waren auch bereits um die zehn Jahre alt, beziehungsweise die Jüngste von uns Schwestern im späten Kindergartenalter. Meine Kinder sind deutlich kleiner und einer mehr. Außerdem haben meine Freundinnen entweder Kinder im gleichen Alter oder gleich gar keine Kinder. Also, wenn keiner von ihnen ein fast erwachsenes Kind adoptiert, fällt diese Option für mich leider raus.

Ein älteres Kind aus der Nachbarschaft?

Diese Lösung liegt irgendwie auf der Hand, aber Berichte von Freunden schrecken mich ab. Eine Freundin hat zwei reizende Mädchen. Eines davon hatte einen schlechten Tag, als die Babysitterin mit dem Abholen vom Kindergarten dran war. Es gab das volle Programm, zu dem ein fünfjähriges Kind in der Lage ist. Und am Ende des Tages kam der Vater von der Arbeit und die traumatisierte 16-Jährige ging völlig fertig nach Hause. Meine Freundin ging einen Tag später zur Schadensbegrenzung mit der Tochter und Blumen rüber und entschuldigte sich.

Seitdem sehe ich vor meinem inneren Auge, wie ich nach Hause komme, um das auserkorene nette Nachbarsmädchen im Gitterbett meiner dreijährigen Tochter zu finden. Während ihr Babysitter dort nuckelnd – und fürsorglich eingepackt – liegt, sitzen meine Kinder in diesem Szenario gemütlich auf der Couch. Als tatkräftiges Team haben sie eine DVD gestartet und sich um Snacks gekümmert. Mit dieser Vision habe ich die Nachbarskinder von meiner inneren Liste gestrichen.

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Gesuche nutzen

Das gute alte schwarze Brett gibt es ja auch für Städte im Internet. Unkompliziert und einfach, habe ich gedacht. Bis ich die Gesuche gelesen habe. Meine Perlen waren: „Ich suche wohlerzogene Kinder, auf die ich gerne aufpasse.“; „Ich bin gerne aktiv mit ihren Kindern: Videospiele oder auch Ballspiele – lieber Indoor – gehören zu meinem Repertoire.“; „Leider habe ich noch keine Erfahrung mit kleinen Kindern, aber was soll schon passieren? Ich lerne schnell.“ – Auch wenn ich Ehrlichkeit schätze, haben mich diese Gesuche eher abgeschreckt. Also wollte ich im nächsten Schritt gezielter suchen.

Lehramtsstudenten als fähige Babysitter?

Wir leben in einer Stadt, in der es eine Universität gibt mit vielen Lehramtsstudenten. Eigentlich perfekt, dachte ich zuerst. Pädagogische Grundkenntnisse auf jeden Fall schon einmal vorhanden. Sie haben Interesse an Kindern und ihrer Entwicklung. Aber dann kam der Punkt mit den Nachmittagen. Mir geht es tatsächlich um die Nachmittage und um eine zuverlässige Routine, die mich entlastet. Meine Gespräche mit Lehramtsstudenten auf der Suche nach einem Babysitter-Job waren in dieser Hinsicht ernüchternd. „Ja, Nachmittage kann ich mir schon mal vorstellen. Aber jede Woche schaffe ich das nicht, weil ich da auch noch zum Sport gehen möchte. Abends wäre für mich cooler.“ – „Im Semester kann ich mir das vielleicht am Nachmittag vorstellen, aber in den Semesterferien kann ich das nicht so verbindlich. Ich fahre da auch immer mindestens einen Monat nach Hause und außerdem mache ich Urlaub.“

Eine Leih-Oma?

Irgendwo habe ich einen Artikel gelesen über Leih-Omas und das Angebot gibt es tatsächlich auch in unserer Stadt. Leih-Omas sind ältere Frauen, die häufig über Erfahrung als Tagesmutter oder in einem anderen pädagogischen Bereich verfügen. Die Idee finde ich noch immer interessant und für die Kinder gut. Bei jemandem mit Erfahrung und Ruhe, müsste ich wohl keine Sorge haben, dass meine Kinder am Ende alleine vorm Fernseher sitzen, oder? Aber auch hier gestaltet sich die Suche nicht ganz so einfach, denn ich möchte meine Kinder nicht zu einem Babysitter bringen. Ich möchte wirklich gerne an einem Tag in der Woche meine Kinder nicht abholen. Und meine jüngste Tochter ist eben gerade anderthalb Jahre und trägt noch Windeln, was offenbar für einige der Leih-Omas nicht ganz das bevorzugte Alter ist. Aber zumindest bin ich bei dieser Variante noch nicht ganz abgeschreckt, sondern sehe noch Potenzial für mich und meine Kinder.

Bis der Wind sich dreht

Nach einem guten halben Jahr der Suche voll interessanter Anzeigen, spannender Mails und erhellenden Gesprächen habe ich noch immer keinen passenden Babysitter für uns gefunden. Manchmal schaue ich in den Himmel und bin mir fast sicher, dass ich eine Frau am Regenschirm in weiter Entfernung schweben sehe. Da sie bis jetzt noch nicht zu uns gekommen ist, muss unsere Situation noch vertretbar sein. Denn sonst wäre Mary Poppins mit Sicherheit schon bei uns im Haus untergekommen und hätte alles wieder auf Vordermann gebracht. Und bis das nicht geschieht, suche ich einfach weiter nach einem annähernd perfekten Babysitter für uns. Und rocke bis dahin die Nachmittage alleine mit den Kindern – gerne auch mit einem Löffelchen voll Zucker oder mit einem Kaffee mit Milchschaum.