Bahnreisen mit Kindern – Wie und wann kommen wir an?

Getümmel am Bahnsteig
Jedes Mal ein (unfreiwilliges) Abenteuer
© Pexels / Ready Made

Meine Kinder und ich reisen manchmal. Hierfür nehmen wir die Bahn und das ist meistens ein großes Vergnügen. Unterwegs mit Kindern läuft auch ohne Bahn oft genug alles anders als nach Plan. Und manchmal sorgt die Bahn mit eigenen Unwägbarkeiten für zusätzlichen Stress.

Wenn der Zug gar nicht erst kommt

Als wir beispielsweise an einem Morgen im Sommer in ein besonderes Schwimmbad fahren wollten und am Bahnhof angekommen plötzlich die App anzeigte, dass alle Züge bis auf Weiteres ausfielen, war die Laune in Sekundenschnelle unter dem Nullpunkt. Mit zwei weiteren Kindern im Schlepptau und der großen Vorfreude auf ein unbekanntes Schwimmbad konnte ich schlecht unverrichteter Dinge nach Hause fahren. Also fuhren wir mit der Straßenbahn und zwei Bussen zum Schwimmbad in die nahe Kleinstadt.

Am Bahnhof der nahen Kleinstadt angekommen, konnten wir auch sehen, warum die Züge ausfielen. Notarzteinsatz auf den Schienen – den Grund wollte ich den Kindern nicht näher erklären und blieb so bei einem nebulösen Unfall. Bei der Rückfahrt fuhren die Züge zum Glück wieder normal und die müden Schwimmer und ich kamen deutlich schneller ans Ziel.

Wenn die Bahnmitarbeitenden streiken

Unvergessen auch der Bahnstreik, der pünktlich zum Einschulungswochenende meiner Nichte kam. Wir hatten Tickets mit Sitzplätzen in einem Zug, der nicht fuhr. Natürlich habe ich Verständnis für Streikende und natürlich lässt sich mit viel Frust beim Kunden mehr Druck aufbauen. Bei manchen Fahrten, die so an Termine wie eine Einschulung gebunden sind, lässt sich nur einfach nicht viel machen und mit Kindern unterwegs sind Unsicherheiten oft auch etwas nervig. Mit Kindern können Wartezeiten einfach zur Zerreißprobe werden, vor allem wenn man selbst nicht über Informationen verfügt, wann und wie es weitergehen könnte.

An besagtem Wochenende fuhr der erste Zug bei uns noch. In den zweiten verhalf uns ein älteres Berliner Paar, die nur meinten: „Beim Sitzen auf dem Boden fallen die Kinder zumindest nicht von den Sitzen.“ Diese Logik überzeugte mich und wir hatten eine ziemlich witzige Zugfahrt bis nach Berlin. Wir kamen auch nur rund eine Stunde später an und ja – die Züge waren voll, aber die Kinder hatten viel Spaß unterwegs.

Urlaubsstart mit Hindernissen, aber Kakao

Auch ein Start in den langersehnten Urlaub mit Kindern wurde durch die Bahn nach hinten verschoben. Nachdem die Kinder am letzten Schultag aus der Schule gehetzt waren, damit wir unsere Zugverbindung bekamen, mussten wir zunächst nur das Gleis wechseln. Dann fiel der Zug plötzlich aus und es gab auch keine Information, wie es weitergehen sollte. Mein ältester Sohn hatte zwischenzeitlich einen Mann in Bundeswehruniform angequatscht und dieser wollte sich um Informationen für uns alle kümmern.

: Wenigstens alles dabei

Irgendwann standen wir dann im Nieselregen vor dem Bahnhof und warteten auf Schienenersatzverkehr, der eingerichtet werden sollte. Nachdem ich mir meine durchfrorenen Mäuschen anschaute, gingen wir zurück in die Bahnhofshalle. Dort gab es einen warmen Kakao – und ja, einer davon landete natürlich auf einer Hose und ich war dankbar für die eingepackten Wechselsachen – und mit etwas besserer Laune gingen wir anderthalb Stunden später auf ein neues Gleis. Dort trafen wir wieder auf unseren Mann in Bundeswehruniform, der sich freundlich mit meinen Söhnen unterhielt und ein bisschen was von seinem Leben erzählte. Wir kamen am Ende zwischen drei bis vier Stunden später an als geplant. Aber die Kinder erzählen bis heute mit großer Begeisterung von der Begegnung mit dem Soldaten.

Der Zahn bricht durch

Als ich relativ frisch mit Kind 4 schwanger war, fuhr ich mit den anderen Kindern zwei Stunden mit der Bahn in meine Heimatstadt. Eine leichte Übung, dachte ich. Leider brachen bei meiner gut einjährigen Tochter genau auf dieser Fahrt plötzlich alle vier Backenzähne durch. Bei den Jungen war das Durchbrechen der Zähne von roten Bäckchen, manchmal etwas Fieber und schlechterem Schlaf begleitet gewesen. Meine Tochter brüllte die Zugfahrt durch und es war nichts zu machen. Die Jungen schwiegen betreten neben mir. Die restlichen Menschen im Zug sehnten sich verständlicherweise vermutlich nach Oropax oder nach einem schneller fahrenden Zug – ich sehnte mich in jedem Fall nach beidem.

: Was ist normal?

Stattdessen hielt ich meine sich windende knallrote Tochter im Arm und staunte, wie lange diese kurze Zugfahrt wirken konnte. Auf der Rückfahrt waren die Zähnchen da und sie verzückte einige Mitreisende.

Stressaufnahmen

Ob mit oder ohne Kinder – viele Bahnfahrten sind in meiner Erinnerung geprägt von den kurzen und manches Mal längeren Begegnungen mit den Menschen. Das ist nicht immer nett wie bei dem Soldaten, sondern kann mit Kindern auch anstrengend sein. Weil es dort Menschen gibt, die dich bewerten. Und während du im ersten Zug der Hinfahrt vielleicht noch mit deinen Kindern malst, ein Buch vorliest oder ein lustiges Ratespiel mit ihnen spielst, bist du vielleicht auf der Rückfahrt mit einem leichten Schlafdefizit, einem verpassten Zug, einer Wechselhose zu wenig und fünf redundanten Fragen zu viel nervlich anders aufgestellt.

Dann bist du die Mutter, die dein Kind wegen einer Nichtigkeit anfaucht. Die Mutter im Gang gegenüber schaukelt derweil ihr Neugeborenes und beugt sich aufbauend zu deinem Kind, um ihm in einem sanften Singsang zu erklären, wie schön das gemalte Bild sei. Dich straft sie dabei mit einem kurzen Blick und du bist dir am Ende nicht einmal ganz sicher, ob dieser vorwurfsvoll oder mitleidig, ob deiner mangelnden erzieherischen Kompetenzen war.

Menschen vergessen oftmals bei Eltern, dass es Momentaufnahmen sind, die sie sehen. Und weil Wohlwollen langweiliger wäre, wird sich stattdessen in die Überlegenheit gerettet. Heute stresst mich das nicht mehr so wie als Neu-Mutter.

Das Team kommt an

Und jedes Mal, wenn wir unterwegs sind, bin ich wieder begeistert von meinen Kindern, die im Ernstfall sehr verlässlich sind, sich alle mit ihren Taschen Treppe rauf und Treppe runter beeilen und als Team wunderbar funktionieren. Von daher reisen wir weiter mit der Bahn, begegnen Unwägbarkeiten und interessanten Menschen. Und am Ende bin ich mit der Bahn auch immer angekommen.